kollektivgedächtnis

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
an einem Sieb.
(Ringelnatz)

Wenn hier irgendjemand glaubt, ich schrübe hier zu Ihrer kollektiven Erheiterung respektive Depriminierung, dann täuschen Sie sich zumindest halb.
Einer der großen Vorteile des Schreibens im Internet ist nunmal die Tagebuchfunktion, oder wissen Sie noch, womit Sie sich beispielsweise am 2. Montag des Dezember 2006 beschäftigt haben? Na eben!

Und so wurde ich durch einen Link in die Vergangenheit beim werten Herrn Pheerce in den Kommentaren an ein wenig ruhmreiches Ereignis erinnert, das ich schon komplett und erfolgreich verdrängt, aber für alle ewige Weltöffentlichkeit dort gebeichtet hatte.
Für mich und alle anderen, die denken, im Hause Lucky käme es nie zu Untenrumhandlungen (irgendwelcher Ausprägung). Und für mich als Memento Mori. Nämlich wie es ausgeht, wenn es dazu kommt.

nice while it lasted

Vielleicht die kürzeste Verliebtheit überhaupt. Anderthalb Stunden. Trennungsgrund: Modem abgeraucht.
Wahrscheinlich zu heftig angetreten, und dann mangels Internetverbindung nicht mehr relativieren können.
Meine Message, die ich gestern geschickt habe, ignoriert der Herr beflissentlich und beharrlich.

Romeo und Julia? Pah, das war gestern.
Mr. Shakespeare, suck on this!

haaaalllllooooo

Sie müüüüssssennn jeeeetzt gaaaaaanz lannnng-saaam mit miiiir spreeeecheeennn, ich haaabe miiir im Schweeeeiiissse meiiinees Aaaangeesiiichtssss eeiiine Deee-Eeef-Üüüü-Veeerbiiinduuunnnggg aannngeeleeegt.

Haaaaauuptsaaachee daaabeeeeiiii!

notstand!

Nach einem überaus reizenden Samstag, den ich zwar äußerst übellaunig begann, einige überaus reizende Menschen getroffen und viel Lustiges und viel Unsinn gemacht.
Einige Erkenntnisse gehabt. Viel Schönheit an mehreren Menschen gesehen, innen und außen. Wußten Sie zum Beispiel, daß Mme. L die schönsten Augen überhaupt hat und wir zusammen ein gutes Paar beim “Toucha – toucha – toUch me, I wanna feel dirty” ergeben? Sie mehr durch die Stimme, ich mehr im, äh, Ausdruck. Mangels Stimme.

Sonntag dann ein willkommener Regentag, perfekt zum chillen.
Herr Lucky tut sich nebenher in der blauen Welt um. Eine Message trifft ein. Theoretisch und praktisch ist Herr Lucky zur Zeit nicht am Inhalt solcher Messages interessiert. Der Profilinhaber trägt zum Schmucke desselbigen eine schmucke Unterhose, was nicht abendfüllend wäre für Herrn Lucky, legt aber der Nachricht einige überaus akzeptable Portraitfotos bei.
Von der ersten direkten Abfuhr läßt sich der Herr nicht irritieren, ein Austausch ergibt sich, dessen Niveau in diesem Medium bisher nicht gekannte Höhen erreicht.

Herr Lucky wächst über sich hinaus, und erzählt dem fremden Herrn von seinen größten Ängsten und Unzulänglichkeiten, die ihn dazu bewegen, solche Anfragen von vornherein abzuschmettern.

Der Herr ist erstaunlicherweise immer noch freundlich interessiert, verlangt aber verständlicherweise weitere Fotos, um sich eine Meinung zu bilden, ob Herr Lucky mit seiner Einschätzung recht hat oder spinnt. Panisch liefert Herr Lucky, das Herz klopft bis zum Hals, denn es hat laut und vernehmlich PING gemacht. PING went the strings of my Heart. Herr Lucky bleibt gespannt auf die Reaktion. Er zittert.

Und dann geschieht das Unfaßbare:
DAS DSL-MODEM RAUCHT AB!!!
KEINE INTERNETVERBINDUNG!!!
HERR LUCKY IST VON DER WELT ABGESCHNITTEN!!!

Auch Stunden wilden Herumprobierens und das Hinzuziehen eines fachmännischen Nachbarns bringen keine Lösung. Außer, daß mehrere Äderchen in Herrn Luckys Gesicht geplatzt sind. In der Seele wahrscheinlich auch.

Herr Lucky möchte sterben. Diesmal für wirklich. Dann kommt er in die Hölle, denn die hat auch bestimmt keinen Internetanschluß. Und keine verständnisvollen Herren in hübschen Unterhosen.

Wenn ick ma tot bin

Wenn ick ma tot bin
und in weißem Seidenkleid
im meinem Sarje lieje mit Bescheidenheit,
denn fällt die Schule aus
denn jehts zum Kirchhof raus
die janze Klasse kommt bei mir ins Trauerhaus,
die wolln ma alle sehn!

Wenn ick ma tot bin,
wenn ick ma tot bin,
ah! det wird so scheen!

Wenn ick ma tot bin
kommt ooch Pastor Eisenohr
der liest ‘n schönen Vers aus seine Bibel vor:
Wer ohne Schuld tut sein,
der schmeiß den ersten Stein
auf Liesken Puderbach,
det liebe Engelein!
Doch ick, ick lieg janz still.

Wenn ick ma tot bin,
wenn ick ma tot bin,
mach ick wat ick will.

Wenn ick ma tot bin,
zündense jelbe Lichter an,
die stellense rechts und links
an mir janz dichte ran.
Denn fällt ein joldner Schein
auf mein verstorbenet Jebein,
und unser Lehrer, der fängt janz furchtbar an zu wein’.
Nur Tante freut sich sehr:

Wenn ick ma tot bin,
wenn ick ma tot bin,
denn eß ick doch nüscht mehr!

Wenn ick ma tot bin,
denn schick ich aus meim kleenet Grab
mein’ letzten Willen und wat ick zu vermachen hab:
Mein Püppchen ohne Kopp,
mein rotet Band vom Zopp,
und denn ooch noch den Perlmutterknopp,
den will ick Trude schenken.

Wenn ick ma tot bin,
wenn ick ma tot bin,
soll se an mir denken.

Wenn ick ma tot bin,
denn fängt erst mein Leben an,
wenn ick durchs Wolkenmeer in’n Himmel schweben kann,
Engel tiriliern, Jeigen jubiliern,
wenn zum Empfang von Liesken
alle uffmarschiern –
Mensch, machen die ‘n Krach!

Wenn ick ma tot bin,
wenn ick ma tot bin,
is mein schönster Tach!

Det hat dereinst der wunderbare Friedrich Holländer für die ehmso wunderbare Blandine Ebinger für ihrn Liederzyklus von die Currendemädchen getextet und ooch janz zauberhaft mit Musike bekleidet.
Und icke hab det beim Durchwühlen von meine CD-Regal ehmt jefunden, uffs Herrlichste interpretiert von die Meret Becker. Und det wollt ick jetze mit Ihn’ teilen. Koofense sich doch eimfach ooch so ne CD von der Meret, Noctambule heeßt die, oder ooch eine von die Blandine. Is wat janz Besonderes.

rituelle demütigung

ist schon was Feines.
In diesem Blümchenblog wird es als rituelle Selbstdemütigung ja ganz gerne hier und da mal eingesetzt. Erhöht die Fiktionalität. In Wirklichkeit ist der Herr Lucky ja Anfang 20, schlank-muskulös und groß gewachsen, Nichtraucher und Teetotaller, auch sonst von asketischem Lebenswandel und immer gut gelaunt, wie alle wissen, die mich bisher live getroffen haben.

Aber auch bei uns in der Firma hat es sich prima durchgesetzt, wenn der werte Kollege X gerne mit ‘Na, Mops!?’ begrüßt wird. Setzt sofortige Entspannung frei, da der Punkt ja nun auf dem Tisch ist und nicht mühsam umschifft werden muß. Der rosa Elefant kann benannt werden.
Andere Kollegen, schmerzhaft dürr, werden mit einem herzlichen “Iß doch mal was!” empfangen. So fühlen sich alle gut umsorgt.
Eine heitere liebevolle Atmosphäre, die Älteren mobben die Jungen, die Dicken die Dünnen, und umgekehrt, die Schwerhörigen werden liebevoll ‘Täubchen’ genannt, der niedliche kleine Admin entert das Büro zum Ruf “Hat wieder jemand die Katzenklappe aufgelassen!?” und meist gibt es ein erklärtes Ziermobbing-Opfer der Woche, der oder die kriegts dann von allen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Aber immer persönlich.
Hach, wie Disneyland, meine kleine Welt.

Suchanfrage des Tages (habs grad passend): Liegefalten Gesicht

reife?

So ein Appenzeller, der schon ein bissel oll sehr gut gereift ist, ist schon ein wenig sehr grenzwertig.
Wie krieg ich jetzt bloß den Gestank von den Fingern ab?

ich möchte mich gern von mir trennen…

… wenn möglich auf längere Zeit.
Es reicht mir, mich näher zu kennen –
Ich mag mich nicht mehr, tut mir leid.

Ich nahm auf mich leider nie Rücksicht –
von mir tief gekränkt steh ich hier.
Deshalb nehm ich lieber zur Vorsicht
auf längre Zeit Abstand von mir.

Was kann es denn Schwereres geben,
als so mit sich selber zu leben –
und dieses eben
ein ganzes Leben?

Ich wünsche mir andere Nerven
ich such mir ‘ne andere Haut
der meinen hab ich vorzuwerfen
sie hat mich noch nie ganz verdaut.

Ich möchte mit mir nicht mehr zittern
meist schlaflos im eigenen Bett,
mit Angst vor der Welt und Gewittern,
vor Post auf dem Frühstückstablett.

Was kann es denn Schwereres geben,
als so mit sich selber zu leben –
und dieses eben
ein ganzes Leben?

Ich mag meinen belgischen Schrank nicht,
ich HASSE mein Nußbaumklavier,
ich mag auch mein Geld auf der Bank nicht –
ach wär ich doch gar nicht erst hier!

Ich möchte mich gern von mir trennen,
wenn möglich auf längere Zeit.
dafür würd ich tagelang rennen,
egal wohin, Hauptsache, weit!

Was kann es denn Schwereres geben
als so mit sich selber zu leben –
und dieses eben
ein ganzes Leben?

(Muß man sich vorstellen als schnellen, sachlichen Walzer, Text: Hildegard Knef, meine Tucholsky des deutschen Chansons. Abgesehen von ein bissel 60s-Interieur mein Song du Jour. Des beaucoup des Jours)

nix für umme

Es gibt ja so Menschen, die sind nur dann freundlich und aufmerksam, wenn für sie was bei rumspringt. Ansonsten kühle, berechnende Kartoffeln.
Sehr interessant, sie aus dem Off dabei zu beobachten, wie sie ihre Maske wechseln. Und sich dabei entlarven, dieser kleine Moment, wo die eine Larve abfällt und der anderen Platz macht. Und darunter kein Gesicht vorhanden ist.

Es gibt ja so Menschen, die sind mit sich selbst so geizig, daß sie viel mehr Anstrengung darauf verwenden, sich gut einzuteilen, und bloß keinem zuviel zu geben, daß sie ganz verkniffene Mundwinkel bekommen. Das finde ich dann lustig und bedauernswert.

Ich bin sehr froh, daß ich ein gutes Gespür für solche Menschen habe und für sie keinen Platz in meinem Leben bereithalte.

Meine Freunde und ich, wir überziehen auch unsere Dispos, emotional und anderweitig, wenn Not am Mann oder der Frau ist. Oder auch einfach so, aus Freude am Verschenken.