Category Archives: temple of love

My Precious

…wenn der dicke bullige tätowierte kurzgeschorene verschwitzte verdreckte Typ, der die Karren mit den Abfällen mit grimmigem Ausdruck durch die Potsdamer Platz Arkaden schiebt, einen Overall an hat, hinten versehen mit dem Aufdruck: “Bijou Brigitte”

Alles was wir geben mußten / Never let me go

Kleiner, aber sehr großartiger Film!

Ein Kinderheim in der englischen Provinz in den 70ern, süße Kinder, wohlerzogen, vielleicht ein wenig ärmlich, aber wohlversorgt. Gefilmt in den warmen, sanften Tönen, die man aus englischen Filmen so kennt, viel englische Countryside.
Aber: die Kinder sind gezüchtet, geklont, sie leben nur, um später als Organspender verwendet zu werden, denn in den 50ern sorgten aufsehenerregende neue medizinische Erkenntnisse dafür, daß alle Menschen krankheitsfrei über 100 Jahre alt werden können. Zum Preis der extra dafür gezüchteten Spender-Menschen.
Die Kinder wissen das, aber sie verstehen es noch nicht, bis eine neue Lehrerin ihnen das in Worten erklärt, die auch die Kinder verstehen. Der Aufruhr, das Auflehnen aber bleibt komplett aus. Still und sanftmütig akzeptieren die Kinder ihr Schicksal.
Wahrhaft herzbrechend die Szene, als die Kinder eine Lieferung von Spielsachen bekommen, die sie sich von durch kleine schulische Leistungen erworbenen Plastikchips kaufen können.
Es sind alles gebrauchte Spielsachen, die meisten davon kaputt oder sehr schäbig. wohl gespendet von der Welt da draußen.
Der Film folgt dem Schicksal von 3 Kindern, die als junge Erwachsene von einer sehr intensiven Carey Mulligan und einem unglaublichen Andrew Garfield dargestellt werden, sogar Keira Knightley, deren übliches Zähnefletschen ihr eigentlich nur eine Gastrolle in der nächsten Alien-Sequel sichern sollte, macht ihr Ding gut.
Es ist ein sehr ruhiger Film, in schönen Bildern, bis auf zwei poignante Szenen ohne nennenswerte Gefühlsausbrüche; die Charaktere sind in der ruhigen Welt gefangen wie in Melasse und ergeben sich weitgehend ruhig undwürdevoll ihrem unwürdigen Schicksal. Keine Revolution, keine Wut, keine Verzweiflung, kein Schrei nach Rechten, keine Fluchtgedanken.
Und genau darin liegt der wahrhaft genial perverse Kniff der Erzählung: Als Zuschauer ergibt man sich ja der Erzählhaltung, der Anglist nennt es the willing suspension of disbelief, also die willentliche Haltung, das Gesehene so anzunehmen, wie es erzählt wird. Und so übernimmt man weitgehend die Haltung der Figuren, nur am Rande fragt man sich, warum sie sich nicht auflehnen oder ist empört über das unmenschliche System. Man wird quasi zum Akzeptieren manipuliert, und wundert sich über die seltsame gleichmütige leicht melancholische Identifikation mit dieser unertraglichen Welt, die einem gezeigt wird.
In den letzten Worten des Films offenbart sich dann das wahre Ziel des Films:
What I’m not sure about, is if our lives have been so different from the lives of the people we save. We all complete (=die). Maybe none of us really understand what we’ve lived through, or feel we’ve had enough time.

Es ist gar kein Film über die unmenschliche Sitation der geklonten Organspender, es ist ein Film über unser aller unmenschliche Existenz. Und die stille, heldenhafte Ergebenheit und Würde, mit der die meisten von uns jeden Tag bestreiten.
Genial.
(Und ganz ausnahmsweise ist soger der deutsche Verleihtitel viel besser uns treffender als der originale.)

Aaaaaaaw – Cuter than a Casket of Kittens!

Also wenn dieser Jake Gyllenhaal meiner wäre, würde ich meine Tage nur noch damit verbringen, seinem Gesicht zuzuschauen, wie es unglaublich süße und lustige Sachen tut. Ich würde lachen und weinen und ihn so so lieben, den ganzen lieben langen Tag.
(Nicht, daß der Rest unappetitlich wäre!)
(Gestern Source Code geguckt, feiner Film, aber noch besser sind die Interviews, unfaßbar was Jake mit seinem Gesicht so anstellt, einfach nur während er redet.)

How you must love Kate

(Auszug aus einem Interview mit John Wilson BBC4)
On Creative Process:
“An example which is silly in a lot of ways, when I was writing Cloudbusting on Hounds of Love, I was just working on this line about that something bad was gonna happen, and right at that point this wasp flew in the window, and flew straight at me and I just immediately changed the line, ok, ok, something good is gonna happen – and then the wasp just kind of turned around and flew back out the window. And I thought, yerah, yeah, something good is gonna happen, that’s so much better!
“So if it wasn’t for the wasp, you would have been singing that something bad was gonna happen?”
“Yeah, I think I would – so thank you wasp!”
“Are you superstitious? (…) The reason I ask that the last time we spoke, and I was asking about the set of songs you hinted at that you said that you were writing, and you said you had a pack of bonemeal from the garden that you put on the piano and the song just started flowing (Kate lacht währenddessen) and then you left it on there, and there was a sort of organic bonemeal quality to the songs.”
“Yeah, I mean, it must have worked. Maybe with the next album, I could move up to a really big bag of horse manure!”

I hope it Snows on Friday

Zu weinen, wenn man etwas unglaublich Schönem beiwohnen darf, ist vielleicht das schönste, sublimste Gefühl überhaupt.

Aber Tränen in den Augen, nur weil man die Ankündigungen und frühen Reviews von etwas wahrscheinlich unglaublich Schönem liest, und ein paar Interviews, das ist schon reichlich merkwürdig.

Soeben geschehen bei der Lektüre von Kate Bush News, jede Menge Infos zur neuen Platte “50 Words for Snow”
Can’t wait.

Glämmie, Katewalk am Wochenende? Ich hoffe es schneit im Treptower Park!
Oder kannst du deine Naßrupfmaschine gegen eine Schneekanone eintauschen?

There goes the Neighbourhood

Maria hat es jetzt auch geschafft, es hat sich am Ende doch ziemlich hingezogen, der Mumm, den sie im Sommer noch hatte, wurde etwas brüchig.
Gut, daß du es jetzt geschafft, hast, Maria, Danke für alles, und grüß mir den Rest der Kniffel-Weiber, wenn ihr jetzt euern Kniffeltisch im Himmel aufstellt!
Ich werde dich vermissen. Keine Plätzchen zu Weihnachten, die selbstgestrickten Socken sind jetzt endgültig Geschichte, und vor allem die Lästerei über die Leute im Dorf. Immerhin haben wir vor drei Wochen noch herzlich gelacht über diese eine bekloppte Alte, die dir weismachen wollte, daß alles wieder gut wird, wenn du nur genug betest, und die du deswegen aus dem Haus geschmissen hast.

Briefe an Lucky

Ach, manchmal herzzerreißend, das.

Liebe Lucky,
alles Liebe ich wünschen dich von Galina und ich danke dich das ich habe dich
Liebe Grüße

Oder von den alten Nachbarn aus dem Dorf, die mir immer echte Freilandeier bringen:

Lieber Lucky,
Jakob läßt dir herzlich danken für Deine guten Wünsche aus dem großen – fernen Berlin! Wenn die Wünsche, die vielen sich erfüllen wird es uns noch eine Weile gut gehen. Anders als Konen Maria, deren Tage wir mit Besorgnis miterleben. Ja. lb. Lucky – die Einschläge kommen immer näher. Weitere sehr kranke Leute sind: Lüs Jupp, Hees Hans (mittlerweile verstorben) und Schomisch Eva. Das Dorf ist klein geworden. Heute wird unsere Marlene 47. Wir gratulieren auch Dir zu deinem Geburtstag: Wir wünschen Dir Freude, die, wenn es regnet, den tag Dir erhellt, die man nicht kaufen kann auf der Welt!!!
Bleibe gesund – bis auf ein frohes Wiedersehen
Eschen Jakob u. Rosemarie

(Der Brief ist wohl mal zurückgegangen zwar mit der richtigen Adresse aber dem Vermerk “Empfänger unter der Adresse nicht zu ermitteln”. Aber nicht mit Rosemarie – Stempel schwärzest durchgekritzelt und dann aber sowas von retour!)

Cyndi vs. Madge

Cyndi Lauper hat großes Glück gehabt, dass sie nicht Madonna geworden ist. So jedenfalls der entscheidende Eindruck nach ihrem charmanten Konzert im Admiralspalast am Dienstagabend. Immerhin erschloss sie mit frühen Hits wie „Girls Just Want to Have Fun“ das Terrain der intelligenten, schillernd selbstbewussten Popfrau einige Zeit vor Miss Ciccione. Die nun wiederum auf ewig ihrem Ikonenstatus gerecht werden und den zwangsdisziplinierten Körper in stählerner Choreografie auf den Großbühnen der Welt ausstellen muss, als bewerbe sie sich um einen Platz im Kabinett des Dr. von Hagens.

Ich könnte es nicht besser ausdrücken – weiterlesen in der Berliner Zeitung

Cyndi, bist die Beste!

Was Festes

“Wir haben so gut wie keine gemeinsamen Interessen, keine gemeinsamen Freunde, wir unternehmen niemals etwas zusammen, ich hasse deinen Freund und kenne deinen Lover auch nach 4 Jahren kaum, aber wir haben viel aneinander.
Wir leben seit 20 Jahren zusammen – wir müssen nicht mal Freunde sein, wir sind eben – Brüder.”
Als Liebeserklärung an den Mitbewohner hört sich das auf den ersten Blick etwas zweifelhaft an, dabei ist es eher wunderbar.