Eine wie keine – alles Gute und alles Liebe zum Geburtstag, liebe Kitty Koma!

(Und nicht, daß Sie denken, Frau Koma wäre ein Häschen, sie weiß schon, wie’s gemeint ist…)
Eine wie keine – alles Gute und alles Liebe zum Geburtstag, liebe Kitty Koma!

(Und nicht, daß Sie denken, Frau Koma wäre ein Häschen, sie weiß schon, wie’s gemeint ist…)
Wow, das ist mir auch lange nicht mehr passiert, bin komplett übernächtigt, weil ich nicht ins Bett kam, und das alles wegen einem BUCH: The Hunger Games von Suzanne Collins, natürlich ein Tip vom Herrn Glam und ein Geschenk von meinem Ninchen.
In einem dystopischen Amerika der Zukunft gibt es noch ein Capitol und 12 Distrikte, in denen die Menschen elend vor sich hin existieren, in Armut, Hunger und unter schlimmsten Lebens- und Arbeitsbediungungen. Jährlich finden die Hunger Games statt, aus jedem Distrikt werden je ein Junge und ein Mädchen zwischen 12 und 18 per Los ermittelt, die an Gladiatorenspielen teilnehmen müssen, ein wenig wie RTLs Dschungelcamp, nur ohne Scheinpromis, dafür aber auf Leben und Tod – es kann nur einen Überlebenden geben.
Wir folgen der 16jährigen Catniss auf ihrem Weg, einem früh hart und illusionslos gewordenen Mädchen aus dem ärmsten Distrikt.
Für ein Jugendbuch (und eigentlich auch sonst) eine ungemein krasse Versuchsanordnung, perfekt und fast schnörkellos durchgeführt von der Autorin, eine echte Achterbahnfahrt.
Und ich hab jetzt noch mehr Ringe unter den Augen. Und werde natürlich gleich die weiteren beiden Bände der Trilogie lesen.
Von vorne wie von hinten: Anna.
Ich hatte eine böse Oma, Berta, die Stiefmutter meiner Mutter, und eine gute, Anna, die “Oma vom Berg” (Im Dorf hatten alle Häuser neben Hausnummern auch Namen)
Die Oma vom Berg war klein, rund, eine richtige Bilderbuchoma. Ich wurde oft dort abgeladen als Kind, und hatte dort etwas, was ich sonst nie und nirgends hatte:
Sie ließ mich sein. Einfach sein.
Man brauchte keinen Grund, dort zu sein, man wurde nicht gefragt, was man gerade macht, sondern man war einfach da. War einfach. Geborgen.
Wahrscheinlich der einzige Ort dafür, damals.
Sie selber hatte auch meist am liebsten ihre Ruhe, blinder Aktionismus war nicht ihr Ding, und wenn ich da war, hatte sie Zeit, Abwasch, Putzen, alles konnte liegenbleiben.
Eine Insel für mich, vom Mutter-Regime.
Was sie aber mit mir tat, war in den Garten zu gehen. Mir zu zeigen, wie man Blumen sät und pflegt und vermehrt, wie die Pflanzen alle heißen, wofür sie gut sind, ihre Schönheit zu sehen.
Auch zu erklären, warum sie jetzt sterben oder krank sind, und daß das auch gut ist. Sie hat mich im wahrsten Sinne geerdet, noch heute bin ich im Garten nach spätestens 10 Minuten auf allen Vieren, lasse die Gerätschaften weg und buddele mit beiden Händen in der wohlriechenden Erde herum.
Oder sie nahm sich die Zeit, mit mir spazieren zu gehen. (Niemand nahm sich jemals Zeit für mich, Zeit gab es nicht, es gab nur Arbeit. Oder Erschöpfung.) Auf den Spaziergängen zeigte sie mir Ginster, Hagebutten und den Wald, verriet mir die Namen der Schmetterlinge, sah mit mir den Wolken hinterher und half mir über überfahrene Hasen hinweg.
Ich habe etwas, was mir bisher noch nichts und niemand nehmen konnte: ein Verständnis, ein Verstehen von Leben, vom Kreislauf des Ganzen, eine Art Grundvertrauen, das das Schlimme mit einschließt und einordnet.
Das habe ich von ihr, Anna, Oma vom Berg.
Sie hatte Diabetes, was ihr herzlich egal war, wenn sie nun mal Appetit auf Kuchen hatte. Als ich acht war, amputierte man ihr ein Bein. Ein langer Winter, ich wartete ungeduldig darauf, sie im Frühling dann eben im Rollstuhl spazieren zu fahren.
Dazu kam es nicht mehr, sie starb am 31. Marz 1977, war die erste Tote, die ich in meinem Leben sah, und sie fehlte mir unendlich an meinem ersten großen Fest, als ich ein paar Wochen später meine erste Kommunion hatte.
(Und es dauerte dann noch 2 Jahre, bis ich meiner Mutter dann endlich ein hinterstes Eckchen Garten nur für mich abgeschwatzt hatte, mit dem ich machen konnte, was ich wollte. Sie hatte Angst, daß´es verwahrlosen und ihrem Regiment entzogen werden könnte.)
Ich weiß jetzt leider nicht mehr, ob ich es auch getan hab, aber die kleine süße B. hat mich gefragt, ob ich sie adoptieren würde – was ein sweeter Antrag.
Und macht ja auch Sinn, bin ich doch genauso alt wie ihr Vater, den sie grade beerdigt hat, und sie ist ein absolutes Prachtsäckchen und ich hab sie sehr lieb.
Ich fürchte aber ich war so uncharmant, ihr zu sagen, daß ich zwar einen Kinderwunsch habe, aber die dann doch lieber selber machen würde. (Als ob das jemals passieren würde….!)
Ich eben.
Warum, brauch ich wohl nicht extra erklären:

Das Messer mit dem Wellenschliff, unglaublich scharf, mit dem roten Plastikgriff, wenn ich es benutze, und das ist jeden Morgen, hallt in meinem Kopf jedesmal die Warnung meiner kürzlich verstorbenen Tante, die es mir mal schenkte: “Aber paß auf damit, die sind scharf wie der Teufel.”
Das andere Messer, das ich täglich benutze, ist ein kleines Solinger Schälmesser mit Windmühlenemblem. Ein Muttermesser, ebenfalls scharf wie der Teufel, aus dem Haushalt meiner Mutter mitgenommen, und dabei fällt mir immer ihr Messer gleichen Fabrkats ein, das nach Jahrzehnten Kartoffelschälens und Pflaumenentkernens so abgenutzt ist, daß die Klinge nur noch eine kleine dunkel verfärbte Sichel ist, so scharf und so dünn, daß die Klinge mit dem Auge kaum noch wahrzunehmen ist.
A you’ve been makin’ your brags around town
That you’ve been a lovin’ my man
But the man I love, when he picks up trash
He puts it in a garbage can
And that’s what a you look like to me
And what I see’s a pity
Close your face and stay outta my way
If ya don’t wanna go to fist city
Loretta Lynn, “Fist City”
Das ist doch mal was anderes als
“Jolene, Jolene, Jolene,
I’m begging of you please don’t take my man”
oder
“Marleen, eine von uns beiden muß nun gayn
drum bitte ich dich, gay du Marleen”!
Keep up that spirit, Gal! And the Hair…
because you’re evil and you lied.
Und weil du es bestimmt so haben wolltest. Dabei hast du wahrscheinlich tierisch Spaß beim heimlichen Gruppensex mit deiner Band samt Anhang. Happy 50th Birthday, Morrissey!
Aber im Ernst, jemand der so etwas schreiben kann, hat mir mindestens so viel gegeben wie die Shakespeares, späten Carters, frühe Wintersons, Parkers, Eliots dieser Welt:
If you’re so funny
Then why are you on your own tonight ?
And if you’re so clever
Then why are you on your own tonight ?
If you’re so very entertaining
Then why are you on your own tonight ?
If you’re so very good-looking
Why do you sleep alone tonight ?
I know …
‘Cause tonight is just like any other night
That’s why you’re on your own tonight
With your triumphs and your charms
While they’re in each other’s arms…”
It’s so easy to laugh
It’s so easy to hate
It takes strength to be gentle and kind
Ich kann die Lyrics nicht alle zitieren, die mir etwas bedeuten oder bedeutet haben, vielleicht noch:
What she said :
“I smoke ‘cos I’m hoping for an
Early death
and I need to cling to something
So wurde er also 50, jetzt ein Sinatra für die Ungefickten und Deprimierten. Und es steht ihm ganz gut, wenn auch die letzten beiden Platten ein wenig langweilig geraten sind.
Einiges hätte ich ihm vorzuwerfen, begleiteten doch seine Songs und die der Smiths meine Pubertät und illustrierten mit Worten meine Befindlichkeiten. Genau wie The Cure, nur überstanden die Smiths und Morrissey die Zeiten besser, dehnte ich doch meine Pubertät bis Mitte 30 aus, und auch heute noch spüre ich wie Braille die seelischen Aknenarben aus Unsicherheit, Ungeliebtsein, Einsamkeit, Schüchternheit.
Vorzuwerfen deshalb, weil meine Sozialisierung sicher anders verlaufen wäre, hätte ich als seelischen Soundträck dieser Zeiten Kylie, Madonna oder von mir aus auch Sabrina oder Samatha Fox gewählt. “So many Men, so little Time” war nie ein Motto von mir, und heute tut mir das im Nachhinein ein wenig leid, hätte ich doch damals meinen im Nachhinein betrachtet durchaus ansehnlichen Körper nicht von innen mit so viel Selbstzweifel befüllt, sondern einfach unter die Leute gebracht.
“Free your Ass and the Rest will follow” oder so.
Dabei habe ich wahrscheinlich über all die Jahre nur einiges mißverstanden. John Peel, einer der frühen Unterstützer der Smiths zum Beispiel hat nie verstanden, warum alle die Songtexte so depressiv und defätistisch fanden, er fand sie witzig und pointiert und sarkastisch. So gesehen, ein Mißverständnis meinerseits. Man kann eben leider immer nur so weit sehen, wie der eigene Horizont reicht.
Einfach mal über sich lachen rückt manches in Perspektive. Wahrscheinlich lacht Morrissey privat sehr viel.
Wenn sie da ist, ist sie meist mehr als ganz da.
Vielleicht weht sie einem ganz frische neue Kontinente durch den Kopf, es kann auch sein, daß sie schwer und drückend ist, mal warm und etwas zuviel wie ein tropischer Gewittersturm, mal erschreckend kristallkalt und gnadenlos wie ein Eissturm.
Es kann passieren, daß sie mit Getöse ganze Gesprächsrunden zerweht, oder sie ist einer dieser kleinen Wirbler, die den Dreck und die toten Blätter solange in der Ecke herumwirbelt, daß man sie in den Arm nehmen möchte, damit sie den alten Staub Staub sein läßt.
Oft reißt sie einen einfach mit, auf die rauhe See, sorgenlos, weil Sorgen sinnlos sind, zwar mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen. Dann bleibt man hinterher manchmal auch mal durchgerüttelt zurück, mit tauben Ohren.
Wenn sie nicht da ist ist sie wirklich weg.
Man könnte sie anrufen, anmailen, anschreiben, aber das ist sinnlos. Sie wird nicht antworten oder ans Telefon gehen.
Den Wind kann man nicht festhalten, auch wenn er manchmal noch so drall und honigblond und warm und körperlich weht.
Was macht der Wind, wenn er nicht weht?
So pretty and, oh, so bold
Got a heart full of gold on a lonely road
She said, “I don’t even think that God can save me”
Am I gainin’ ground
Am I losin’ face
Have I lost and found my saving grace
Thankful for the gift my angels gave me
(Everlast)

Gottseidank gibt es Serien, gute Serien, als Reservat für außergewöhnliche Schauspielerinnen, die etwas mehr wollen als die x-te Millionengage. “Damages” für Glenn Close, “The United States of Tara” für Toni Collette (worauf ich sehr gespannt bin) und eben “Saving Grace” für Holly Hunter.
Grace Hanadarko ist eine toughe tighte Polizistin in Oklahoma, City, der ein Engel namens Earl erscheint, nachdem sie besoffen einen Schwarzen zu Tode gefahren hat.
Das seltsame daran ist, daß eben jener in der Todeszelle einsitzt, und sie ihn gar nicht überfahren haben kann.
Earl ist auch nicht so ein typischer Engel, obwohl er wenn er will gleißend strahlende Flügel vorweisen kann. Ansonsten kaut er lieber Tabak, verschmäht auch ein Bierchen nicht und sieht genauso aus wie Ihr gut abgehangener Nachbar, den Sie vom Wegsehen aus dem Kiosk an der Ecke kennen.
Offensichtlich will er Grace erretten, nur woraus, erschließt sich nicht gleich.
Grace hat sich ihr Leben als taffe, unabhängige, halsstarrige, kettenrauchende, bier- und whiskeytrinkende Polizistin scheint’s gut eingerichtet, Sex hat sie wo und mit wem sie will, und als Zeichen ihres guten Herzens zeigt sie ihrem betagten Nachbarn von gegenüber auch gern mal alles was sie hat, sehr zu seiner Freude.
Ok, es scheint alles ein wenig sehr gut eingerichtet, und hier und dort blitzt ein großer verdrängter Schmerz unter der Toughheit hervor, und den zu ergründen ist der rote Faden der Serie.
Eine saftige Serie, eine saftige Rolle für Holly Hunter, eine Freude fürs Zuschauerherz, ach hätte Bette Davis das noch erleben können. Deren Geist sich immer wieder einmal in die Serie (und um den Mund von Holly Hunter herum) einschummelt.
Es braucht schon drei bis vier Folgen, bis man sich in Saving Grace eingewohnt hat, aber dann, it grows on you. And how it grows! Gönnen Sie es sich!