Category Archives: confessional pottery

alles wird gut

Achtzehn Monaten ist eine lange Strecke fürs Schlechtgehen. Nein, probieren Sie es nicht aus, Sie wollen das nicht. Nicht, daß es mir vorher besonders und ausgesprochen gut ging, die gute alte C. meinte den Spitznamen ‘Sunny’ bestimmt eher ironisch.

Aber so ein Burnout ist ein fieser zäher Zustand, wie ein Pilz, wie Mehltau kriecht er in jede kleinste feinste Nische und besetzt alles, das Wünschen, das Wollen, das Können. Sowas ist gekommen um zu bleiben. Ohne fremde Hilfe kriegt man den nicht wieder los.

Jetzt, achtzehn Monate später, wache ich morgens wieder meist ausgeruht auf, kann mich wieder über einen Song oder ein Gesicht oder ein Geschenk freuen, koche mir was Leckeres, weil ich Lust darauf habe, und freue mich drüber, plane Sachen und führe sie dann auch tatsächlich aus. Ohne Panik, ohne Angst, ohne Zittern, selbst der Magen rebelliert nicht mehr. Gelassenheit, welch wunderbarer Zustand! Es gibt Tage, da suche ich mir wieder selbst aus, ob es ein guter oder schlechter Tag wird. Der Körper verlangt wieder nach Bewegung, die Warzen am Fuß sind selbsttätig verschwunden, genau wie 4 Kilo Unglücksfett bisher.

Derart schmerzfrei, kann ich mich bald wieder dem widmen, was man ein Privatleben nennt, eins, in dem auch Leben vorkommt.

ist wohl eher so

daß kaum jemand etwas absichtlich tut, um einen zu ärgern oder einem zu schaden.

Die allermeisten tun einfach, was sie meinen, tun zu wollen oder zu müssen, und man kann es sich selber aussuchen, ob man sich drüber ärgert oder einfach weiterguckt.

Persönlich ist es fast nie gemeint.

(Das hilft mir grade sehr bei der persönlichen Deeskalation, im Straßenverkehr zum Beispiel)

maßlos

Ich weiß auch nicht, woher das kommt, aber ich bin maßlos. Maßlos im Genießen, egal ob Rauchen, Trinken, Essen, eine/r/s geht noch. Maßlos im Arbeiten, und maßlos im Schlafen. Eine Umdrehung geht immer noch.
Maßlos in Abneigung, vielleicht etwas gemäßigter in der Liebe. Beim Sex – ach lassen wir das.
Bei fast jeder Party bleibe ich, bis sie grau geworden ist (wenn ich denn überhaupt hingegangen bin) und auch auf dem Sofa kann ich so lange sitzen bleiben, bis der Rücken weh tut.

Ob das genetisch ist?

über-

Wenn man aus einer schlimmen Situation noch lebendig rauskommt, nennt man das ja “überlebt”.

Dann könnte man ja auch, wenn eine Beziehung vorbei ist, “überliebt” sagen, oder?

wird herbst da draussen

Die Tauben sitzen schwer wie Steine
der Baum im Hof verliert Gewicht
Ein alter Mann vertritt die Beine
Wird Herbst da draußen, wie ich meine
Wird Herbst da draußen
Und in mir.

Zwölf Bänke stehn und sind vergessen
Eine Tulpenbeet hat nichts zu tun
Ein Sonnenstrahl grüßt sehr gemessen
Den Herbst da draußen
Und in mir.

Und Fenster blicken ernst entschlossen
Als sähe keiner rein noch raus
Ein Pudel schüttelt sich verdrossen
Ein Unbekannter hat beschlossen
Wird Herbst da draußen
Und in Mir.

(Knef natürlich.
Ich würde ja mehr dichten, wenn ich nicht den Einruck hätte, das hat schon mal jemand perfekt auf den Punkt gebracht.)

mein gnädiger tag

Das Beste daran, wenn man den horrormäßigsten Geschäftstermin schon am Montag hat, ist, daß er dann eben auch montags vorbei ist.
Auch wenn er einen das ganze Wochenende erstarrt aufs Sofa gefesselt hat, und man am Montagmorgen erstmal mit Magen- und Kopfschmerzen aufwacht und erstmal kotzen geht.

Völlig absurd, so zu reagieren, aber an diesem Mann, der stadtbekannt verrückt und meist auf Drogen ist, manifestiert sich meine Unsicherheit und der Wahnsinn, den ich in den letzten anderthalb Jahren beruflich (für sonstwas blieb eh nix über) durchmachen mußte.
Aber das ist meine Rechnung, und er hat nicht mal direkt damit zu tun. Eigentlich war der Termin gestern nicht mal unfreundlich.

ach judith

Ach, liebe Judith Holofernes, vielen Dank für dieses wunderbare Lied:

Dein Vater ist kaputt
Aber du bist es nicht
Verbeult und verbogen
Und vielleicht nicht ganz dicht

Aber irgendwo darunter
Bist du seltsam okay
Beinahe unversehrt
Unter allem was weh tut

Ich weiss, du willst helfen
Ich weiss, du grämst dich
Ich weiss, du willst abhauen
Ich weiss, du schämst dich

Es ist okay
Jeder soll fliehen, der kann
Wenn du den Fluchtwagen fährst
Schnall dich an

So viel kaputt
Aber so vieles nicht
Jede der Scherben
Spiegelt das Licht

So viel kaputt
Aber zwischen der Glut
Zwischen Asche und Trümmern
War irgendwas gut

Deine Mutter ist kaputt
Aber du bist es nicht
Du trägst die selben Verbände
Schicht über Schicht

Aber irgendwo darunter
Bist du längst schon verheilt
Du hast viel zu lang
Ihre Wunden geteilt

Ich weiss, du willst helfen
Aber du weisst nicht wie
Ich weiss, du willst abhauen
Das könntest du nie

Es ist okay
Jeder soll helfen, der kann
Wenn du die Scherben aufliest
Zieh dir Handschuhe an

So viel kaputt
Aber so vieles nicht
Jede der Scherben
Spiegelt das Licht

So viel kaputt
Aber zwischen der Glut
Zwischen Asche und Trümmern
War irgendwas gut

Du hast es gefunden
Und du musst es tragen
Für dich und für alle
Die dich danach fragen

So viel kaputt
Aber so vieles nicht
Jede der Scherben
Spiegelt das Licht

So viel kaputt
Aber zwischen der Glut
Zwischen Asche und Trümmern
War irgendwas gut

Danke!

houseboy

Der junge Mann, der mir in Form meiner Kaffeemaschine jeden Morgen den Wachmacher kocht, heißt Russell Hobbs. Und ich hab mir die Maschine ausschließlich wegen des hübschen Namens und der damit verbundenen schönen Assoziationen gekauft.

(Indulge your Phantasy here)

(Gebloggt in der geheimen Rubrik ‘Wenn Sie sonst nur schreien müßten, dann schauen Sie auf die kleinen Details und lenken Sie sich ab, gefälligst!)

ton in ton

The summer has ended and we are not yet saved
(irgendwo in der Bibel und auch bei Jeanette Winterson)

‘aarg, yeah, let’s fuck this day’
‘too late, it already started fucking us. and it is not ready to turn over’
(Glam and Lucky im morgendlichen Chat)

“I’m bitter? Who’s drunk and shouting at a dead woman?!”
(Lisa, dead, to Brenda, drunk in a not glad way & newly married, Six Feet Under)

Draußen regnet der November und die verbliebenen Blüten auf der Terrasse schaffen es vor Frösteln und Triefen nicht einmal mehr, entrüstet zu blicken.
Es ist Montag, es ist kalt, und der Sommer ist vorbei.
Zeit, die Schlauchboote einzulagern, Glam.
Mit fällt grade auf, daß ich diesen Sommer niemand auf meine Terrasse eingeladen habe. Carpe Diem. My Ass!
Apropos – ach, lassen wir das.
Beim Aufstehen macht es Zing!, und das sind nicht The Strings of my Heart, sondern die Lendenwirbelsäule. Herrlich, so ein halber Hexenschuß am Morgen. Hauptsache man spürt sich.
Gut, daß sie Nina Ruge gefeuert haben, mit ihrem “Alles wird gut!” Haben wohl genug Leute rausgefunden, daß sie lügt. Sonst könnte sie jetzt rechts und links eine von mir geschallert bekommen.

Ich wünsche Ihnen allen eine wunderbare Woche!

Bjäch, jetzt hat mir der “49jährige” Leder”boy” bei Gayromeo auch noch einen Tapsen “knuddelig” gesetzt. Ich kotz gleich.