Die letzten Tage ein wenig traurig gewesen, aus gutem Grund. Also, aus positiven Beweggründen jetzt, nicht aus negativen.
Jetzt doch seit über 4 Monaten aus meiner Depression hinaus, wohl tatsächlich eine (vorläufige) Heilung, halbwegs stabil, und das ohne Medikamente (ja, so dumm war ich auch). Und mit diesem Abstand wird mir auf einmal klar, welch ein Leben und Empfinden ich für mich als gegeben, verdient, alltäglich, für mich passend und selbstverständlich akzeptiert hatte, über die Jahre.
Mit dem Abstand erschrickt mich nachträglich sehr, wie dramatisch das an sich war, manche Tage, Wochen, Monate, Jahre, welche Meinungen und Überzeugungen man so in sich horten konnte, wie schlecht man sich versorgen kann, nur weil man irgendwo tief drin denkt, das stünde einem nicht zu, und in welch akut verwirrten Situationen ich so steckte. Und ich bin meiner Therapeutin im Nachhinein dankbar, daß sie es nicht für mich dramatisierte, es ist wohl besser einen Schlafwandler nicht zu wecken, bis er in sicheren Gefilden ist..
Ich möchte manchmal heulen (und tue das auch), aus Selbstmitleid, und das ist mir auch ein wenig peinlich.
Mittlerweile habe ich das neue, unbekannte Gefühl, daß ich weniger fühle. Vieles berührt mich nicht, meine Familie ist mir egal oder nervt, gibt mir aber nichts mehr. Das leere Mutterhaus war nur noch ein leeres Haus, sonst nichts. Ich bin sicher zur Zeit ein schlechter Freund, weil ich so wenig mitfühle und meinen Abstand halte. Ich kann, oder um es mit Heidi zu sagen, ich will nicht. Ich brauche das jetzt so. Nur das Drama kann/will ich jetzt nicht teilen. (Und bitte vergeßt nicht, daß ich dennoch immer für euch da bin und alles tun würde für euch!)
Ich fühle mich neuerdings meist ruhig, kühl und klar und, und das ist neu, distanziert. Damit fühle ich mich nicht besonders wohl, es ist mir ungewohnt und frend und schien mir immer wenig erstrebenswert und verursacht mir Schuldgefühle. Jedoch versichert meine Heidi mir, daß das ein sehr gesunder und richtiger Zustand sei.
Nun, wir werden sehen, aber es fühlt sich immer mehr wie ein neuer Lebensabschnitt an, der vor 4 Monaten begann.
(Und ja, es ist mir unendlich peinlich, das hierhin zu schreiben, soviel “ich” und “fühle”, aber es ist eine Flaschenpost an mich für später, und auch eine für diejenigen meiner Leser, die ähnliche Themen haben, ich weiß es gibt einige. Soll heißen, seht her, vielleicht geht’s!)
I hope so. Das ist noch ein langer Weg.
Ich dachte, dazu wären diese Blogs gut? Diesmal will ich aber nicht so ein Pünktchen setzen oder eine Schweigeminute einlegen. Ruhig, kühl und klar: klingt in jedem Fall gut!
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Yep, it is. bei mir von 2006 bis 2010, und dann noch die paar Jahre vor 2006, in denen ich mir das alles an Land gezogen habe, also sozusagen die Vorbereitungsphase…
distanz und nähe
statt
nähe und distanz
kann sehr heilsam sein
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Ja, vielleicht sind Blogs zu sowas gut, aber mir ist so komplette Selbstentblößung immer außerordentlich unangenehm.
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wir werdens sehen!
das mit dem ‘sich-plötzlich-distanziert-fühlen’ kenn ich gut. wobei ich damals sehr erschrocken bin, dass ich das gleich als “ich kann nicht/niemanden/nie mehr lieben” überinterpretiert habe. aber mittlerweile weiß ich, dass der schluss falsch war …
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Ich fühle mich auch nicht wohl damit, ich kenne das so gar nicht, aber ich vertrau jetzt mal meiner Heidi, die sich außerordentlich darüber gefreut und mich gelobt hat.
Ich seh sowas als eine Art Wildwasserfahrt. Wenn man sich eine Weile sehr verausgabt hat, braucht man den Rückzug ans ruhige Ufer (= in sich selbst), um sich wieder orientieren und positionieren zu können; das kommt einem mitunter als Kälte vor, ist aber in erster Linie ein (sinnvoller) Selbstschutzmechanismus.
(Mir gehts derzeit sehr ähnlich, nach all den hinter mir liegenden katastrophalen Monaten.)
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Ich weiß, ich habs gelesen, mir fehlten aber die Worte zum Kommentieren – Hut ab, wie Sie das durchgestanden haben bisher!
Meine Heidi meint, es sei ein grundlegender emotionaler Wechsel, und findet ihne gut – man wird sehen.
Ich denke, dass es keine eindimensionalen Gefühle gibt.
Sich jemandem ganz nah zu fühlen hat immer auch eine Prise Distanz dabei. Sonst gäbe es ja keine Nähe.
Bei jeder Liebe, jeder Hingabe ist auch immer ein Teil Abgrenzung dabei.
Bei mir ist es so. Es gibt für mich kein lupenreines “DAS” – Gefühl. Immer sind auch andere Emotionen mit im Spiel.
Trauer kann für mich Wut, Erleichterung, Liebe und Angst beinhalten.
Ich finde das mittlerweile auch gut und angemessen.
Schönen Urlaub!!
Ich lese nicht mit, um zu hören, dass es anderen schlechter geht. Davon hab ich nichts und Sie auch nicht. Aber gerade heute hilft es doch, zu wissen, dass man damit nicht alleine ist. Danke.
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Na, vielleicht ist es ja auch nur eine für mich noch ungewohnte Mischung…
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Und daß es besser wird!
wave good-bye to drama. so fühlte sich das im letzten halben jahr für den prinzen an. und mit wachsenden abstand realisierte er, welch alb auf ihm lastete. wieviel kraft, energie, lebenslust dafür drauf ging. never, please, never again. lucky, you’re lucky.
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Dann machen wir das einfach nicht nochmal, Herr Rakete!