Wüste

So, gestern abend den glutäugigen Wüstensohn wohl endgültig dahin geschickt, wo er her kam. Nice while it lasted – aber wenn mein eigenes Begehren so unproportional ist zu dem, was bei ihm geht, dann haut das nicht hin, bzw. habe ich das mit der casual affair zumindest emotional nicht so richtig verstanden. Und daß das keine Perspektive hat, wußte ich ja von Anfang an.

Allerdings, Schaden habe ich gar keinen genommen, sondern es war eine durchaus positive Erfahrung, und das nicht nur für meine immer noch laufende seelische wie körperliche Reha-Maßnahme, so dornröschenmäßig nach hundertjährigem Komaschlaf wieder ins Hier und Jetzt gefickt zu werden – großartig!

Profitiert habe ich auf etliche Arten, nicht nur körperlich. Oder waren sie schon mal streng halal einkaufen, um nach dem Sex ausführlichst bekocht zu werden? Und ich habe jetzt ein wirklich gutes Humus-Rezept, obendrein.

Auch profitiert habe ich, indem ich in dieser relativ neutralen Testumgebung meinen üblichen Reflexen, Obsessionen und Unsicherheiten, mit denen ich schon so manche meiner Beziehungen (mit-)zerstört habe, beim Frei-Drehen zusehen konnte. Und es sogar geschafft habe, sie ab und an zu entlarven und einfach mein Gefühl und mein Verhalten zu ändern. Die Heidi wäre stolz auf mich, die Heidi in mir ist es schon.

Ich fand es auch sehr bereichernd, so einen echten Araber kennen zu lernen, auch wenn es mit der Kommunikation schon schwierig ist, wenn jemand wirklich nicht sehr gut Deutsch oder Englisch kann, und ich kein Arabisch. Oder kennen Sie so jemanden, außer aus dem Späti oder Gemüseladen? Ich finde es ziemlich faszinierend, ein so komplett anderes Weltbild und Leben mitzukriegen.

Oder auch deprimierend, zu sehen, wie jemand der kaum deutsch kann, hier leben muß – Sie haben sich doch sicher auch so aufgeregt über die Dokumentation über die Arbeitsbedingungen der Aushilfen bei Amazon? Ich verrate Ihnen jetzt mal was: das machen alle so. So leben viele hier in Deutschland, für netto tausend Euro arbeiten sie 40-60 Stunden die Woche in nacht- und Tagschicht, bei DHL, UPS und in Reinigungsfirmen, was auch immer, zuzüglich einer oft zweistündigen Anreise mitten in der Nacht nach Brieselang oder Birkenwerder. Oft ist übrigens die Unterbringung tatsächlich Teil des Jobpakets, im Wohnheim, zu überteuerten Priesen am Ende der Welt. Ja, da sagt unsereins als Bildungsbürger, selber schuld, erstmal die Sprache richtig lernen, und sich dann weiterbilden, dann hat man auch eine bessere Perspektive. Jaha, aber dann müßte man erst einmal regelmäßig und kalkulierbar frei haben, um eben diese Sprachkurse machen zu können, und Zeit und Kraft übrig, um hier in dieser Gesellschaft auch richtig anzukommen.

Und in diesem Fall auch, um sich ab und an mit Herrn Lucky einen vergnüglichen Abend zu machen. Und das öfter mal, damit der Wüstensohn auch mit seinem eigenen Begehren und der Lust, über die er sich so erschreckt hat, klar kommen kann.

 

2 Gedanken zu „Wüste

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