Archiv für den Monat: Dezember 2009

Broken Bicycles

Broken bicycles, old busted chains
With rusted handle bars, out in the rain
Somebody must have an orphanage for
All these things that nobody wants any more
September’s reminding July
It’s time to be saying goodbye
Summer is gone, but our love will remain
Like old broken bicycles out in the rain

Broken bicycles, don’t tell my folks
There’s all those playing cards pinned to the spokes
Laid down like skeletons out on the lawn
The wheels won’t turn when the other has gone
The seasons can turn on a dime
Somehow I forget every time
For all the things that you’ve given me will always stay
Broken, but I’ll never throw them away
(Lyrics: Tom Waits, best Version by Agnes Bernelle)

(Hatte heute unabsichtlich einen kleinen Vergangenheitstag und fühle mich etwas ziemlich etwas ein wenig verloren. Was man mal war, wer man nun ist, Sie wissen schon.)

Erpress(o-)Bar (No, No, No!)

Ja, es ist wahr.
Ich dumme Kuh habe unseren Firmennamen getanzt, auf der Weihnachtsfeier, um 3 Uhr morgens, oder 1, wasweißich. Und, ich saudumme Kuh hatte auch sogar (natürlich ironisch gemeint, ursprünglich) höchsselbst die Idee: Hey. Betsy, du bist doch anthroposophisch aufgewachsen! (Davon haben wir viele) Du kannst doch sicher unseren Namen tanzen! – Aber klar, aber nur wenn du mitmachst! – Ja sicher! – Ok!
Und natürlich absolut super sonnenklar, das hat jemand mitgefilmt, ich habs gesehen, Betsy und ich tanzen Ns und As und Ps und andere Buchstaben (Sie müssen nicht lösen)
Bin gespannt, wann das auf Youtube auftaucht und 2 Milliarden Klicks kriegt, bei Dlisted gefeatured wird und ich zu Stefan R*ab muß. Na vielen Dank auch!
(Man kann sich im Medienzeitalter einfach gar nicht mehr gehen lassen…)

(Spät-)Pubertät und Küchentisch

“Schmeckts dir denn”
“Hmh…” (die Augen fest ins Paperback)
Sie hat dir eins deiner Lieblingsessen gemacht, 60er Paparika-Hähnchen, und Pommes, und Salat.
“Willst du noch ein bißchen Haut?” während die Haut fetttriefend auf deinen Teller ploppt.
“Nein, äh, kannst du mal aufhören, mir irgendwelches Zeug auf den Teller zu schmeißen!?”
Sie erzählt von irgendwas und fragt gelegentlich was, während du das Gesicht fest ins Buch gepresst hast.
“A-hmh”
“Hörst du mir eigentlich zu?”
“Ach jetzt hör doch mal auf, kannst du mich nicht EIN-MAL in Ruhe lassen!?”

Überhaupt redet sie mit dir, egal wo du dich grade im Haus aufhältst, als wärst du ihr Ellenbogen, oder sonst ein Körperteil von dir. Du sitzt auf dem Pott, und von der Küche her schallt es “Du mußt heute noch den Rasen mähen. Sollen wir die Hecke heute oder morgen schneiden? Hast du schon deinen Schwager zurückgerufen?”
Da deine Hmhs nicht zurückschallen bis in die Küche, eskaliert es beim Zähneputzen, und du schreist laut “Meine Fresse, laß mich doch endlich mal 5 Minuten in Ruhe!!!” während sich der Mund voller Zahnputzschaum über das ganze Bad entleert.

“Ich hab dir Kirschstreusel gebacken, magst du ein Stück?”
“Nein” (habe doch grade erst gegessen, das ist ja widerlich)

Nächster Morgen, noch vor dem ersten Kaffee: “Heute mußt du das und das, und morgen machen wir das und das, hast du an das und das gedacht? Immer noch nicht?” Während du dich mit Kaffee, Buch und Zichten verziehst, geht unten das Mantra der Pflichten und Vorhaben gnadenlos weiter, in Endlosschleife.

Ich bin allerdings froh, wenigstens in den letzten zwei, drei Jahren das Buch beim Essen weggelassen zu haben, und mir die Mühe gemacht zu haben, ein paar Spielregeln aufzustellen, die uns das Zusammensein etwas leichter gemacht zu haben. Heute ist heute, was morgen zu tun ist, interessiert mich heute nicht, usw. Und mich bedanken habe ich gelernt.
Mütter eben, aber irgendwann sind sie halt nicht mehr da.

(inspiriert von Frau Nessys Beitrag.

Ich denke nicht

nein, ich denke einfach nicht nach. Wüßte ich auch gar nicht wo anfangen. Keinen Moment, so, hier ist jetzt das Problem, hier die Ursache, da die Lösung, es geht alles im Wusch, und das geht auch. Erstaunlich eigentlich.
Wenn ich Termine nicht grade einfach vergesse, wie mehrfach geschehen in den letzten Wochen, trotz Kalender und wasnoch, dann gehe ich komplett unvorbereitet, und schlage dort meine Notizen vom letzten Mal auf. Mehr geht irgendwie nicht. Und (fast) keiner merkts.
Was aber nicht heißt, daß mein Kopf nicht von früh bis spät sinnlos leere Achterbahnfahrten macht, halt nur auf einem anderen Rummel.

Die größte Freude

der letzten Wochen hat mir auf jeden Fall die langjährige Freundin gemacht, die mich fragte, ob ich ihren Sohn adoptieren würde, wenn mit ihr was Schlimmes passieren sollte. Ihre Eltern seien schon zu alt und wacklig, und ihre Schwester ist so ein krasser Panzer.
Ich war so gekitzelt, daß ich als erstes versprach, dann aber mit dem Rauchen aufzuhören.
Er ist aber auch ein sweetes aufgewecktes Kerlchen, der kleine schokobraune Macker mit Gentleman im Herzen, oder ist er Gentleman und Macker im Herzen?
Natürlich hoffe ich aber inständig, daß der A. nichts Schlimmes passiert, nicht daß ich hier mißverstanden werde!

Rendez-vous avec moi-meme 1986

Beim Schränke ausräumen im alten Haus auch den mit meinen alten Schulsachen vorgeknöpft. Fiel erstaunlich leicht, Altkleider und -papier. Dann aber in einer weißen(!) Bundfalten(!)hose einen 10-Mark-Schein gefunden, ach der hätte mir damals sicher genutzt.
In der Jacke der Totenzettel von der Beerdigung des einzigen Jungen im Dorf, der nett zu mir war, mit 18 im Auto verunglückt. Wußte ich dann auch, wann ich die Jacke das letzte Mal trug.
In den Schulunterlagen der Entschuldigungszettel meines Abiturjahres, ganz profan: 2.-4. September, Grund: Familienangelegenheit (3 Tage frei für den Tod meiner Schwester) 10. Oktober, beurlaubt, Grund: Musterung.
Dann gleich dabei einige handgeschriebene Fassungen meiner Wehrdienstverweigerung, damals mußte man sich noch erklären, und wenn man Pech hatte, mußte man auch zum mündlichen Verhör (mußte ich nicht.), dafür wurde ich von meiner Restfamilie geteert und gefedert, weil ich mir so “sämtliche Zukunftsaussichten verbauen würde.”
In der Begründung spielte ich meinen größten Trumpf: 5 Tote in der Familie, 2 Tote im Freundeskreis.
Also wirklich nicht verwunderlich, warum der kleine Lucky sich die Haare schwarz färbte, toupierte und vorne lang wachsen ließ.
Ich hab dann ein wenig geweint, für den kleinen Lucky Version 1986, und eine kleine Kerze angesteckt.