Rendez-vous avec moi-meme 1986

Beim Schränke ausräumen im alten Haus auch den mit meinen alten Schulsachen vorgeknöpft. Fiel erstaunlich leicht, Altkleider und -papier. Dann aber in einer weißen(!) Bundfalten(!)hose einen 10-Mark-Schein gefunden, ach der hätte mir damals sicher genutzt.
In der Jacke der Totenzettel von der Beerdigung des einzigen Jungen im Dorf, der nett zu mir war, mit 18 im Auto verunglückt. Wußte ich dann auch, wann ich die Jacke das letzte Mal trug.
In den Schulunterlagen der Entschuldigungszettel meines Abiturjahres, ganz profan: 2.-4. September, Grund: Familienangelegenheit (3 Tage frei für den Tod meiner Schwester) 10. Oktober, beurlaubt, Grund: Musterung.
Dann gleich dabei einige handgeschriebene Fassungen meiner Wehrdienstverweigerung, damals mußte man sich noch erklären, und wenn man Pech hatte, mußte man auch zum mündlichen Verhör (mußte ich nicht.), dafür wurde ich von meiner Restfamilie geteert und gefedert, weil ich mir so “sämtliche Zukunftsaussichten verbauen würde.”
In der Begründung spielte ich meinen größten Trumpf: 5 Tote in der Familie, 2 Tote im Freundeskreis.
Also wirklich nicht verwunderlich, warum der kleine Lucky sich die Haare schwarz färbte, toupierte und vorne lang wachsen ließ.
Ich hab dann ein wenig geweint, für den kleinen Lucky Version 1986, und eine kleine Kerze angesteckt.

2 Gedanken zu „Rendez-vous avec moi-meme 1986

  1. schneck08

    those days… ich hatte in der ersten verhandlung (ich musste hin…) auch meinen toten vater aus der tasche gezogen, immerhin war der an spätfolgen der mangelernährung in russischer kriegsgefangenschaft gestorben. der vorsitzende meinte dazu süffisant “herr schneck, nicht ihr vater verweigert, sondern sie!”. ich hätt ihn umbringen können…

    den 10-mark-schein gut aufheben! ;)

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  2. luckystrike

    REPLY:
    ….das mit dem Umbringen haben Sie aber hoffentlich nicht gesagt?
    Zu jener Zeit gab es auch einen Bekannten, ein paar Jahre älter, der immer noch, auch Jahre später, mit einem Fuß im Gefängnis stand, weil er verweigert hatte, als es noch gar nicht ging.

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