Archiv für den Tag: 15. September 2009

Na, doll.

Ich bin ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Das muß man wohl so stehen lassen, das denkt jeder und das kann man sehen. Eine Firma mit bald fast 50 Mitarbeitern, noch etwas mehr Kunden, und die größte der Region in dieser Branche. Zugegeben, das war nicht geplant, ein Zufall ist es aber auch nicht.

Schade nur, daß davon so wenig bei mir selbst ankommt. Erfolgreich – das fühle ich nicht, wenn ich so dermaßen unter Druck stehe und jeden Tag mit (teil überflüssigen, teils nicht überflüssigen) Befürchtungen ins Büro gehe, Anspannungen, die mir morgens schon ein steifes Genick mit damit einhergehenden Kopfschmerzen verschaffen. Chronische Rückenschmerzen sowieso.

Geschäftsmann – das bin ich nicht. Eigentlich nicht. Nichts in meiner Ausbildung, durch die ich mich so vortrefflich durchgeschummelt habe und die eh nichts mit meinem Beruf zu tun hat, hat mich darauf vorbereitet. Gut, ich kann seit Jahren vor mich hin experimentieren und tue anscheinend instinktiv oft das Richtige, aus dem Bauch heraus.
Meine Verhandlungsmethoden entstammen der Position des Schwächeren, der sein Handicap durch umso längeren Langmut und Gewitztheit ausgleichen muß. Das mag der hohe Weg sein, er ist auf jeden Fall aber auch unglaublich anstrengend und ohne Netz und doppelten Boden.

Bis vor einigen Jahren paßte das auch so, oder besser, ich dachte das müßte so sein, aber seit einiger Zeit nicht mehr. In all den Jahren kannte ich keine oder wenig Rücksicht auf mich, ließ mein eigenes Leben zurückstehen zugunsten der Arbeit, und versuche jetzt mühsam, Stück für Stückchen wieder ein eigenes Leben aufzubauen, beziehungsweise erst einmal herauszufinden, was das denn eigentlich ist. Grundsätzlich und minütlich will man nichts als raus aus dem Hamsterrad.
Wünsche finden ist schwer, und wenn man dann einen gefunden hat, dann ist es furchtbar zu sehen, daß man im Hamsterrad verbleiben muß, um sich den einen Wunsch zu erfüllen. Was den Druck nicht gerade mindert.