Too long to long too long

Someone left a cake out in the rain –
I don’t think that I can take it
‘Cos it took so long to bake it
and I’ll never have the recipe again
(Donna Summer)

Dein Zug fährt gleich ab
(Hildegard Knef)

Die äußerliche Automatik funktioniert schon noch, während man die Straße entlanggeht, sortiert man die Männer zwischen 25 und 50 noch, die Guten ins Kröpfchen die Schlechten ins Töpfchen, allerdings eben auch nur noch beiläufig, Konkreteres wie auch nur ein Flirt ist schon längst aus dem System.
Die Beschäftigung mit sich selbst wird meist vergessen, und wenn nicht, dann ist es eher ein Untenrum-Schneuzen, für das lustlos irgendwelche verblasste alte Erinnerungen oder Phantasien hervorgekramt werden, die längst zu Standard-Pornoformaten erstarrt und abwaschbar laminiert sind. Wie es sich tatsächlich angefühlt hat, ist lang vergessen.
Natürlich möchte man eigentlich nicht allein sein, aber man kommt mit dem Alleinsein im Grunde wunderbar klar, man war schließlich den Großteil seines Lebens allein, und mag das auch grundsätzlich.
Die Kluft zwischen gelegentlich aufkeimenden Wünschen und deren Erfüllung wird immer größer, und so manche romantische Vorstellung wird rasch erstickt von Visionen der negativeren Erfahrungen: ein arg haariger Arsch, zum Lecken entgegengestreckt, mit Klopapierresten in den Haaren, eine extrem lange Vorhaut, oder eine unter der eine kleine Ricottazucht herben Duft verströmt. Mitleiderregende Kleinstschwänze, talentlose desinteressierte Rammelhengste, psychotische Marathonficker, Zwei-Minuten-Spritzer oder gar reglose Mehrlochstuten. Beim Blasen denken, wievele Leute eben diesen Schwanz diese Woche schon im Maul hatten, oder wo er sonst schon drin steckte. Und wie gesund oder sauber er wohl ist. Mal ganz zu schweigen vom großen weiten Feld der psychisch-narzisstischen Störungen.

Irgendwie scheint mir die Lust vergangen, und da wollte ich mal eine Runde Defätismus unter die Leute bringen, wenn schon nicht mein welkendes Fleisch.
Und jetzt kommen Sie mir nicht mit “Aber das kann doch auch ganz anders verlaufen und man kann auch mal Glück haben!” Das weiß ich selber. Hilft mir aber grad auch nicht weiter.

22 thoughts on “Too long to long too long

  1. kittykoma

    naja so generell, vielleicht macht es irgendwann nicht mehr nur die masse? da kann man zwar statistisch argumentieren und sagen: je mehr durchlauf, desto größer die chance aus dem ganzen dreck mal ein echtes goldnugget rauszuwaschen.
    da glaub ich aber nicht mehr dran.
    schlampen sind schlampen sind schlampen. wenn ficken nicht mehr ist als untenrum schneuzen mit aufmerksamkeitseffekt kann mans auch lassen und sich als mann dem frisch geputzten waschbecken zuwenden und als frau dem elektrischen freund einen satz frische batterien spenden und loslegen.
    ich bin mir aber bewußt, daß das eine mädchenmeinung ist und männer unter männern nun mal generell anders programmiert sind. in uns dröhnt es bindungbindungbindung, ihr wollt euer sperma möglichst weit verbreiten.
    und das ist der grund, weshalb sich männer und frauen nur fragil miteinander arrangieren können (die wollen einfach nicht das gleiche), schwule auf der jagd aneinander vorbeirasen und lesben schon im zweiten satz sagen: du meinst es doch aber ernst, oder?

    vielleicht ist es sinnvoll, das die sache mal komplett anders anzugehen. sex als intensive beschäftigung mit einem anderen menschen?

  2. Llama (Gast)

    Wunderschön! (in a disgusting kind of way)
    Und weitermachen, Soldat. Irgendwann werden neue Blogger davon inspiriert, oder die alten feiern Comeback.

  3. LadylikeKandis

    tja so ist das…und das traurigste an allem, an deinen aufgeführten illosionskillern ist sogar wahrheit dran..;-))) gruselig..

    kann man sie abonnieren? obwohl ich eigentlich schon zu viel rauche…
    einen schönen sonntag noch..gruß lady

  4. luckystrike

    REPLY:
    Und dann werden Sie sich bei der Blog-Oscar-Verleihung bei mir bedanken, hach!
    (Welch mysteriöse Idee, die Sie da haben)

  5. luckystrike

    REPLY:
    Abonnieren kann man mich, also das Blog wohl, aber ich weiß nicht wie das geht, es haben aber schon etliche geschafft.
    Dann grüße ich freundlich dahin zurück, wo heute Sonntag ist!

  6. arboretum

    Das erleben auch Frauen, wenn auch in einer etwas anderen Form. Die Krönung ist dann aber noch, mitzubekommen, dass die Frau im Freundeskreis, die Sex eigentlich am wenigsten mag, immer einen Freund hat (und sich mitunter über den Sex beschwert).

  7. kittykoma

    REPLY:
    viellicht sollte ich demnächst liebesworkshops geben? die erika berger der neuzeit. kriegt zwar selbst kaum was auf die reihe, kann aber verdammt gut quatschen…

  8. Llama (Gast)

    REPLY:
    Im Ernst! In diesem Text steckt so viel vom ursprünglichen Geist des Bloggens (sowas wie “Kotz mir deine Seele aus, in schönen Worten und lebendigen Bildern”), ich hätt ja fast selbst wieder Lust gekriegt, mit dem Schreiben anzufangen.
    In der blogosphärischen Dürreperiode ist dieser Text sowas wie ein… Kaktus. Mit ner Blüte drauf. 🙂

  9. walküre

    REPLY:
    Ich dachte speziell an die Anforderungen bezüglich Körperpflege, denn gegen die Launen der Natur ist man ohnehin eher machtlos. Mein Irrglaube gründet wahrscheinlich darin, dass bis dato alle schwulen Männer in meinem Umfeld großen Wert auf eine gepflegte und wohlriechende Erscheinung gelegt haben.

  10. luckystrike

    REPLY:
    Da sieht es sicher ein wenig besser als als bei den Heteros, aber die Grenzen schwinden.
    Dafür dürfte der Psycho-Quotient deutlich höher liegen, sozialisationsbedingt.

  11. luckystrike

    REPLY:
    Das ist auf jeden Fall die beste Qualifikation! Ich freu mich schon auf den Koma-Liebe-Workshop! Oder sollen wir ihn “Boyfriend in a Koma” nennen, da freut sich Morrissey!

  12. kittykoma

    REPLY:
    oder wie ein freund von mir immer wieder trefflich sagte: ein jeder macht sich das leben so zur hölle, daß ers grade noch aushält.

  13. walküre

    Ach Herr Lucky, rauben Sie mir doch nicht meine letzten Illusionen. Ich dachte immer, die von Ihnen geschilderten optischen, olfaktorischen und gedanklichen Eindrücke, welche jegliche Erotik bereits im Keim ersticken, würden nur heterosexuellen Frauen widerfahren …

Comments are closed.