Am Tisch mit Hobbits

Es kann natürlich auch dran liegen, daß ich am Wochenende die ganze Herr-der-Ringe-Trilogie geguckt habe, aber ich habe den ganzen Vormittag bei der Besprechung mit dem Grafiker und dem Programmierer in mich reinkichern und grinsen müssen, so auf süße Weise verwachsen und ernsten, großen Blicks und kleinfingrig waren die jungen kompakten Herrn. Dazu paßte auch hervorragend, daß im Büro die Heizung ausgefallen war und alle dick vermummelt in Jacken und Schals saßen.
An den Füßen war allerdings nichts hobbitmäßiges festzustellen, soweit zu erkennen war. Süß!

Der Fluch des Hellblau-Feingestreiften

“Na Glückwunsch, da bist du ja gleich in den ersten Stunden des neuen Jahrs in der besten Homobar der Stadt gelandet!” erkläre ich dem freundlich interessierten Hetero aus Süddeutschland.
“Homobar!????”
“Ja, wenn auch eben tolerant und aufgeschlossen!”
“Homobar??? Guck dich doch mal um!”
Und recht hat er mit seinem Dialekt, die Lieblingsbar ist gestopft voll – mit Heteros, vor allem Pärchen. Vor allem von auswärts. Macht aber nichts, wir sind ja tolerant und aufgeschlossen, und aufgekratzte Heteros sind eh lustiger als Durchschnittshomos.

Ansonsten scheint auf mir an Neujahrsmorgen der Fluch des Hellblau-Feingestreiften zu liegen, in diesem Jahr in Form eines blonden Gemischtgeschlechtlich-Liebenden, der ein eben solches Hemd bis oben zuknöpft trug. Ein solches Hemd geht gar nicht, nicht im Büro und schon gar nicht in der Silvesternacht, aber immerhin hatte es keinen weiß abgesetzten Kragen, und so bat ich ihn um einen Gefallen – er möge doch bitte sein Hemd einen Knopf weiter aufmachen. Sichtlich erfreut über so viel Aufmerksamkeit kam er meinem Wunsch sofort nach, müßte aber feststellen, daß das seiner Sabine (sie hieß wirklich so, ich kann da nix für, und vermied den Rest des Abends Augen- oder Sprachkontakt mit mir) erheblich mißfiel. Aber jedesmal, wenn sie den Aufgeknöpften wieder zuknöpfte, mußte ich ihn wieder aufknöpfen, bis er so wild war, einen weiteren Knopf aufzuknöpfen und mit mir knutschen (oder Schlimmeres) wollte.
Aber auch Schwule, so dekorationsfreudig sie auch sein mögen, haben ihre Grenzen, sogar am Neujahrsmorgen.

Undank

So, fast noch ganz frisch liegt es da, das neue Jahr, das sogar auch noch ein ganz neues Jahrzehnt ist, so ganz nebenbei.
Überall stapeln sich die Jahresrückblicke, und man ist sich im großen und ganzen einig, daß das vergangene Jahr ein schlimmes, mitunter gar bösartiges war, und auch, daß das neue Jahr dagegen ganz bestimmt gut und wunderbar wird.
So oder ähnlich steht es auch bei mir hier im Blümchenblog, und auch sonstwo gibt man sich viel viel Mühe, die berühmte Erbse unter all den Polstern zu finden.

Komplett vergessen dabei wird, dankbar zu sein – daß es nicht noch viel schlimmer gekommen ist, daß man zum Beispiel Arbeit und Wohnung und Freunde hat, sich lecker was kochen kann, wenn man Lust hat, und generall mit seinem Leben anfangen kann, was man will – und überhaupt: daß man am Leben ist!
Und so kann man sich zum Beipiel mit dem besten Freund einen wunderbaren Silvesterabend machen und frühmorgens noch in die Lieblingsbar gehen, und alle Menschen freundlich anlächeln und ein Happy New Year wünschen.
Lach, und die Welt lacht mit dir, wein, und du schläfst allein (Dank an Georgette hierfür.) (Bin allerdings doch allein nach haus gegangen, warum auch nicht?)
Ein Jahr ist nicht schlecht oder gut, ein Jahr IST.
Und meint es selten persönlich.
Man kann es finden, gut oder schlecht, aber das kann man sich weitgehend aussuchen.
Machen Sie was draus, es liegt an Ihnen!
HAPPY NEW YEAR – HAPPY NEW DECADE!

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(Lachen Sie nicht, das ist kein Tier aus der Sesamstraße, sondern Lauren Bacall, wie sie singt und tanzt, in dem ziemlich mißglückten Musical “Applause” nach “All about Eve.” Oder doch – lachen Sie!) Und ja – sie landet in einer Gay Bar. Who doesn’t?

Die Ferres Vroni hat ihren Typ gefunden:

Nach endlosen Wirrungen als leidgeprüfte deutsche Spaltungs- oder Flüchtlingsmutti hat die Ferres-Vroni endlich ihre Bestimmung gefunden: als als Großfischsäuger des deutschen Fernsehen:
“Kämpfe für das, was du liebst: das Geheimnis der Wale!”

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Rettet die Wale!

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Jetzt müssen sie nur noch für die Berben was finden – vielleicht was mit Echsen.

Different but same

Spannend, so ein öffentliches Tagebuch, man kann nachlesen, wie man jedes Jahr vor dem Fest so zum Fest stand. Viel passiert, in den letzten Jahren.
Gestern die Geschenke (und einen Hexenschuß, oben zwischen den Schultern) besorgt, allerdings nur für die Kinder (wo kommen all die Kinder auf einmal her? Es mutet ja fast an, als ob ich auch auf dem letzten Drücker bin?), und na gut, für die Mütter darfs dann auch was sein, das Leben ist ja sonst schon ungerecht genug. Jedenfalls, wissen Sie, wie man Menschen 3 Tage vor dem sogenannten Heiligen Abend nachhaltig verunsichert? In Schlangen vorlassen, der gestreßten Kassiererin sagen, sie soll sich Zeit lassen, oder jemand die Tür aufhalten. Die fühlen sich komplett verarscht, garantiert.

Jedenfalls habe ich dieses Jahr nicht einmal darüber nachgedacht, nicht zum Rest der Restfamilie zu fahren. Vielleicht liegt es daran, daß letztes Jahr vielleicht das schönste, entspannteste Weihnachten war, an das ich mich erinnern kann. Es fühlt sich pervers an, das zu sagen, immerhin war es das erste ohne Mutter, und ich allein im leeren Haus.
Schlimm, die erste Nacht, als sich in dem klammen Haus die überparfümierte Bettwäsche mit dem Muff der immer noch unausgeräumten Schränke wie ein öliger Film auf meine Haut legte. Gut der nächste Tag, als die Sonne schien, ich ordentlich gelüftet hatte und mir einen eigenen kleinen Weihnchtsbaumersatz improvisierte. Und ganz entspannt und frei die Zeit mit Schwester.
Nicht so entspannt der Tag mit Tante und Familie, denn Tante hatte eine eigene bzw. keine Strategie, mit dem offensichtlichen Verlust umzugehen.
Nun, dieses Jahr wird das anders, denn Tante ist nicht mehr, und für einen Tag zumindest findet ihre Restfamilie Asyl bei uns.
Same same, but different. Different, but same same.
Also ich wünschte schon, ich hätte auch mal andere Themen.