Der Fluch des Hellblau-Feingestreiften

“Na Glückwunsch, da bist du ja gleich in den ersten Stunden des neuen Jahrs in der besten Homobar der Stadt gelandet!” erkläre ich dem freundlich interessierten Hetero aus Süddeutschland.
“Homobar!????”
“Ja, wenn auch eben tolerant und aufgeschlossen!”
“Homobar??? Guck dich doch mal um!”
Und recht hat er mit seinem Dialekt, die Lieblingsbar ist gestopft voll – mit Heteros, vor allem Pärchen. Vor allem von auswärts. Macht aber nichts, wir sind ja tolerant und aufgeschlossen, und aufgekratzte Heteros sind eh lustiger als Durchschnittshomos.

Ansonsten scheint auf mir an Neujahrsmorgen der Fluch des Hellblau-Feingestreiften zu liegen, in diesem Jahr in Form eines blonden Gemischtgeschlechtlich-Liebenden, der ein eben solches Hemd bis oben zuknöpft trug. Ein solches Hemd geht gar nicht, nicht im Büro und schon gar nicht in der Silvesternacht, aber immerhin hatte es keinen weiß abgesetzten Kragen, und so bat ich ihn um einen Gefallen – er möge doch bitte sein Hemd einen Knopf weiter aufmachen. Sichtlich erfreut über so viel Aufmerksamkeit kam er meinem Wunsch sofort nach, müßte aber feststellen, daß das seiner Sabine (sie hieß wirklich so, ich kann da nix für, und vermied den Rest des Abends Augen- oder Sprachkontakt mit mir) erheblich mißfiel. Aber jedesmal, wenn sie den Aufgeknöpften wieder zuknöpfte, mußte ich ihn wieder aufknöpfen, bis er so wild war, einen weiteren Knopf aufzuknöpfen und mit mir knutschen (oder Schlimmeres) wollte.
Aber auch Schwule, so dekorationsfreudig sie auch sein mögen, haben ihre Grenzen, sogar am Neujahrsmorgen.

6 Gedanken zu „Der Fluch des Hellblau-Feingestreiften

  1. luckystrike

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    Also an sich hat nur die Sabine gekämpft, zu mir kam er immer freiwillig, ich glaube er fühlte sich attraktiv und wild, wenn ihm ein fremder Mann den Knopf aufknöpft.

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  2. luckystrike

    REPLY:
    Ganz bestimmt, Heteromänner finden es ja toll, wenn sie vermeintlich auch “Stich” am anderen Ufer haben. Die Sabine dagegen wird sich zukünftig genauer anschauen, wo sie mit ihren Kerlen feiern geht. Und ich, ich warte noch auf eine kleine Apanage vom Senat, denn das war ja nun eindeutig ein Beitrag zu dieser unsäglichen Be-Berlin-Kampagne.

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  3. arboretum

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    Wenn der Senat das hört, macht der Sie glatt zum Berlin-Botschafter. Und dann müssen Sie andauernd Heteromännern die blau-weiß-gestreiften Hemden aufknöpfen. Falls die Sabines dieser Welt die dann überhaupt noch nach Berlin lassen. ;-)

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