Pscht!

Hören Sie das leise Knispern unter den grauen toten Blättern? Das zarte Raunen unter den Hundehaufen?
Das sind die Schneeglöckchen und die Kroketten, die sich rüsten.
Haben Sie die Stürme und den Weltuntergangsregen am Wochenende mitbekommen? Das sind die Frühlingsgöttinnen, die der alten grauen Winterhexe gehörig in den Arsch treten und dafür sorgen, daß der Himmel wieder hoch und breit und blau wird.
Sehen sie die blassen Gestalten, dick und dunkel wintermuffschweißvermummt, die leicht schwitzend vom plötzlichen Sonnenschein geblendet umherstolpern? Es sind die Überlebenden des Berliner Winters.

Er kommt, er kommt – der Frühling!

Starkes Mißverständnis

Depression is not a sign of weakness
it means you have been strong for far too long
(gefunden bei
Herrn Nach21s Alternativen)

“Sie sind sehr stark Herr Lucky, schauen Sie doch mal an, was Sie alles durchgestanden haben in den Jahren.”
“Ja, da könnte ich jetzt stolz drauf sein. Ich könnte mich aber auch darüber ärgern, daß ich so toll stark war, viele Jahre im Regen zu stehen auszuhalten, anstatt so stark zu sein, mich einfach irgendwo unterzustellen.”

Faust, Ehre, Mittelfinger & Road Rage

Gestern wurde der Herr Lucky für einige Minuten von einem großen kräftigen Türken im Aufzug festgehalten und hat fast ordentlich auf die Fresse gekriegt.
Und das kam so:
Wie immer war die doppelte Einfahrt zum Firmenhof zugeparkt, diesmal extra bescheuert, von nur einem Lieferwagen, der besonders bekloppt da stand. Herr Lucky hatte eh schon eine fürchterliche Laune und hupte sich die Hupe wund, was aber nichts nutzte. Irgendwann gelang es ihm, um den Wagen herumzurangieren und mit gesundem Augenmaß fügte er noch einige Huperei hinzu. (Es ist nämlich wirklich nicht lustig, von einer dreispurigen Straße über rad- und Fußweg zu rangieren)
Jedenfalls, der Fahrersitz des Lieferwagens war leer, und vom Beifahrersitz fuchtelte jemand kaum erkenntliches wild umher. Was Herr Lucky mit einem deftig ausgestreckten Mittelfinger quittierte.

So weit, so gewöhnlich. Ungewöhnlich wurde es erst, als Herr Lucky in den Aufzug stieg, und ein Unbekannter, Türke, massig und anderthalb Köpfe größer, den Aufzug blockierte, und eine Entschuldigung für seine verletzte Ehre forderte. Nicht, daß ich das so schnell verstanden hätte, der Gute war unglaublich aufgeregt (ich dann auch ganz bald) und sprach mehr so “waszeigsdumirmittelfingeralter, binischkanakfürdischoderwas, du hassmeinÄrreveletz” und so weiter.
Also, so ging das ein paar Minuten, und Herr Lucky war ob der für ihn sinnlosen Eskalation auch keinesfalls zu einer Entschuldigung bereit, in den Aufzug eingekesselt wie er war. Zurückbrüllen nutze nichts, Hausverweis auch nicht, also rief ich die Polizei an, Nötigung, Bedrohung, Festhalten, ich weiß auch nicht mehr, was ich dem Notruf sagte. Jedenfalls beeindruckte das den Türken nicht, seine Ehre wollte er wiederhergestellt wissen, ganz dringend.
Irgendwann kam dann ein Nachbar, was die Situation irgendwie deeskalierte, und nach einiger Zeit konnten wir in den 4. Stock fahren, wo Herr Lucky schnell die Firmentür zuschloß.
Danach klingelte es noch eine Viertelstunde an der Tür, aber ob es mein neuer Freund war oder die Spätschicht, die nicht reinkam, kann ich jetzt nicht mehr auseinanderhalten. Und die Polizei bestellte ich dann auch wieder ab.

Im Nachhinein tut es mir allerdings dann schon leid, eien so unfeine Geste gewählt zu haben. Ich hatte ja überhaupt nicht gesehen, wer da im Auto saß (was aber auch letzlich egal war, es hätte ja für egal wen gemeint gewesen), aber der arme Mann dachte, daß ich ihn als Türken angreife. (Zudem sagte er irgendwann, daß er keinen Führerschein hat und er das Auto gar nicht hätte wegfahren können, er war also wirklich in einer beschissenen Situation)
Und der arme Mann tut mir auch sehr leid, daß er eine so fragile, verletzliche Ehre hat, die man mit einer so kurzen bündigen Geste so tief verletzen kann.

Die arme Lena-Renate Meyer-Künast-Landrut

Die Idee schien sicher ganz glorreich, damals im Rausch, hat aber was von einer Altmänner-Stammtischrundenwette: Wollnwer doch mal sehen, denen werden wirs zeigen.
Uns so schaltet man in Wahlkampfmodus, klingelt langweilige belanglose Lieder vor einer Jury, von der man nicht weiß, wie die zusammengewürfelt wurde, wahrscheinlich hatte sonst grad keiner Zeit, während man Stefan Raab anmerkt, daß er eigentlich lieber gleich alles selber machen würde, und wozu dieser Ansageonkel und die Ansageuschi gebraucht werden, erschließt sich ebenfalls nicht. Boring.
Oder man schaltet in Beißmodus, egal zu welchem Thema, auch wenn man davon keine Ahnung hat, weil man die Stadt einfach nicht genug kennt, versucht dem Amtsinhaber ans Bein zu pinkeln, wo immer es auch geht, nur hat der scheints Teflonhosen an. Wahlkampf ist immer. Nur Regieren ist nie. Wie beim Grand Prix.

Und wie schade ist es doch um unsere Lena-Renate Meyer-Künast-Landrut: Was ein süßes frisches freches Mädel, allein der Anblick machte Freude, damals in Oslo, damals als Landwirtschaftsministerin. Auch wenn sie das mit den Tönen nicht so drauf hat, eigentlich war es erfrischend sie zu hören, mit ihrer anderen, frechen Meinung, aber mittlerweile werden die Töne harsch und bemüht. Und keiner wills hören.
Es muß deprimierend sein, eine Schnapsidee von vor einem Jahr auszubaden, währenddessen die Quoten in den Keller gehen. Einen Gefallen hat sie sich und uns jedenfalls nicht damit getan.

Slum drüber – Endlich wieder frei!

Puh, es ist geschafft. Ich gestehe, ich habe jede einzelne Folge Dschungelcamp gesehen, sklavisch, und ich schäme mich rein gar nicht dafür – zunächst schaute ich nur aus reiner Häme, denn wer guckt nicht gern unwichtigen Leuten beim Abgeben der Rest-Menschenwürde zu, aber dann bekam das Ganze ja ungeahnt Meta- und Meta-Meta-Ebenen.
Die reine Freude, die Strategien der Teilnehmer durch die Strategien des Senders und dann nochmal durch die Strategien von beiden durchgewurstet zu sehen, das Geknarze der Inszenierungsmaschinerie durch zu hören – Brecht! Grand Guignol! Shakespeare! Griechische Tragödie! (Ach, lesen Sie sich die metakulturellen Verweise selbst im Feuilleton zusammen.)
Jedenfalls, eine Freude, eine spannende Sache, und ich ließ meine Sym- und Antipathien gerne und voller Wollust lenken und treiben – wenn man das als Serie schreiben wollte, müßte man sich ganz schön Mühe geben.

Daß der gute Peer gewinnen würde, dachte ich mir allerdings schon nach dieser Mobbing-Szene (und ich freu mich für ihn, was auch immer er davon hat). In echt ist der übrigens genauso, wir hatten in dem Laden mal eine Weihnachtsfeier, wo Glam seine Hose verloren hat. Die Bedienung war überfordert und kam mit Getränken nicht nach (beim Essen wars ja auch einfacher, einfach ein Riesenstück Käse in nen Schmelzapparat, und dann lauter kleingeschnibbeltes Zeuch auf den Tisch.) Jedenfalls, Peer, der Chef, kam später raus, und fragte, wie es uns so gefällt. Ich war grippal, schlechtgelaunt und ungnädig und beschwerte mich über die schlechte Bedienung. Da fing er an zu weinen und zu greinen, hatte aber immerhin den Anstand, erstmal eine Flasche Champagner zu holen, was wiederum den Glam sehr begeisterte, und in späterer Folge zu eben jenem Hosenverlust führte.

Aber ich bin auch unglaublich erleichtert, daß das jetzt zu Ende ist. Die Sendezeit lag so ungünstig, daß man weder vor- noch nachher noch einen Film oder eine Serie reinquetschen konnte, und ich so auf Rumzappen beschränkt war. Und da fühle ich mich unglaublich infiltriert vom Privatfernsehen, sah diesen ekligen Lederhäutigen arme doofe Teenager runterputzen, schlimmste Comediens unlustige Sachen tun, und hätte bei den RTL-Nachrichten sogar um ein Haar z.B. das mit Ägypten verpaßt. Mal abgesehen davon, welchen Teil der Gesellschaft man da ungefragt dauernd präsentiert bekommt. Oder ist Deutschland wirklich so?

Ab heute jedenfalls nur noch selbst oder von Glam ausgesuchte Serien, Serien und Filme – bis es hoffentlich in einem Jahr wieder zwei Wochen slummen gibt.

Haltense durch!

Jaja, es ist schon noch Winter, und auch noch einige Zeit, aber die Zeichen sind unverkennbar: der Vorfrühling (wie ihn Frau Engl nennt) drängelt sich schon dazwischen: die Tage sind deutlich länger, es riecht schon anders, ab und zu streicht einem ein kleines lauwarmes Windchen um die Nase, mein Winterjasmin blüht schon auf der Terrasse, und eben ist eine großer Pulk Graugänse mit großem Getöse über mir nach Norden geflogen.
Winter, du kannst dich noch ne Weile wehren, aber gewinnen wirst du nicht!

Berlin liebt mich

“Ach, Herr Lucky, der Urlaub muß Ihnen ja sehr gut bekommen sein, Sie sind ja ganz rot!”
“Das nennt man jetzt braun, Frau Heidi, und ja, der Urlaub war herrlich.”

Seit gestern Abend Rückkehr muß mich Berlin sehr sehr lieben – jedenfalls zwingt mich jede einzelne verschissene Ampel, an der ich sonst achtlos in grüner Welle vorbeigefahren wäre, zu ein paar Minütchen Verweilzeit im Rotlicht (Ach verweile doch…). Anders ist es nicht zu erklären, außer sie hätten alle Ampeln umgestellt in der einen Woche.

Kleine Strand-Schneekugel

Na gut, die Sonne zeigt sich am äußersten westlichen Zipfel der Bananenplantage, dann geh ich doch mal hoch, gleich erreicht sie auch die Terrasse.
Frau Koma hat schon den ersten Pott Kaffee aufgesetzt, ein verstrubbeltes “Guten Morgen”, und raus mit The Hunger Games in die noch wirklich frische Luft, erster Kaffee und natürlich erste Zichten.
Frau Koma kriegt immer schneller Hunger als ich und macht sich bald daran, Bacon zu braten, Spiegeleier, der Frühstückstisch wird gedeckt, Melone wird aufgeschnitten und es wird ausgiebig gefrühstückt, in der Sonne, die fast schon zu sehr wärmt. Das Meer ist von blaugrau auf tiefblau gewechselt, und immer wieder hört man die großen Wellen an die Steilküste bollern.
Nach dem Frühstück muß man sich erstmal ausruhen, also raus die Liegen und die Bücher und ein, zwei therapeutische Sekt. Für en Kreislauf versteht sich.
Sonnencreme braucht man fast keine, die Luft ist voller kleiner Salzwassertropfen, die man auch auf dem Lippen schmeckt.
Ab und an ins Internet geguckt, die Klickzahlen auf unseren Blogs überschlagen sich, was erwarten die wohl, wir schreiben doch gar nichts, haben die kein eigenes Leben?
Stunden später kommt eine gewisse Unruhe auf, obwohl, Unruhe ist dafür das falsche Wort. Wir sollten wirklich mal an den Strand. Also runter durch die Finca, zu dem schmalen Pfad, der unter Tamarisken oder neben freiem Fall zu dem kleinen Strand wo die großen Wellen eine wilde Gischt entfachen, wie sie aufeinanderknallen. Jede Welle scheint gewaltiger als die vorige, wie sie sich petrolfarben überschlagen, und dann in reinstem Türkis mit viel weißem Schaum auslaufen. Schwimmen kann man hier nicht, wäre auch eh zu viel Betätigung, aber man kann sich in den Schaum und die Gischt stellen und die Wellen mit sich spielen lassen.
Oder man setzt sich in den schwarzen Sand und beobachtet die anderen bei dem Spiel, schöne braune junge Körper oder auch viele alte greise, und wenn man Glück hat, kommt auch der ein oder andere Surfer mit Brett, um mit den Wellen zu spielen. Das kann man dann stundenlang betrachten, wie eine Lavalampe, der nächste Höhepunkt immer nur eine Sekunde entfernt. Abgesehen davon, daß so ein richtiger Neopremanzug jeden Körper gut formt, und wenn man Glück hat, sehen sie auch beim Ausziehen gut aus. (Frau Koma an einem Strand mit neoprenbekleideten Männenr müssen Sie sich in etwa so vorstellen wie ein hungriges Kätzchen vor der Auslage eines gut sortierten Metzgers.)
Irgendwann verschwindet die Sonne hinter der Steilwand, und es wird Zeit, sich um Abendessen zu kümmern, danach wird Dschungelcamp geschaut und wir wetteifern miteinander, wer die blödere Sarah geben kann, dann ist es schon wieder Zeit fürs Bettchen, denn morgen ist wieder so ein schwerer harter ereignisreicher Tag wie heute.