schaf im wolfs(schanzen)pelz

Ein Bekannter von mir ist in heller Aufregung:
In der aktuellen Nazis-machen-unsere-WM-
kaputt-sonst-ist-uns-ja-egal-was-sie-machen-aber-muß-
das-sein-wenn-Besuch-da-ist-Hysterie und den vielen entsprechenden Berichterstattungen im TV tauchte auch irgendwo ein Bild von ihm und einem Kumpel auf, mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln, als Skinheads halt.
Nun, er ist kein Nazi, sondern schwul, findet aber die Äthetik “geil”. Und er ist obendrein ein deutschlandweit bekannter Funktionär im sozialen Bereich. Und es war kein Nazitreffen, sondern ein schwullesbisches Straßenfest, wo die Aufnahme gemacht wurde.
Mal abgesehen von der journalistischen Schlamperei:
Jetzt hat er ein Problem. Man sah wohl in der Menschenmenge nicht, daß er die ‘richtigen’ Schnürsenkel hatte (wenn ich auch nicht wüßte welche Farbe die richtige wäre).
Und ich, ich hab ein kleines bißchen Schadenfreude….

kein grand-prix-content

auch wenn es letzte woche mal wm-content gab, und dafür aber auch keinen grand-prix-content, muß sich keiner sorgen machen über meine sexuelle identität.
es war nur so, daß ich am samstag party-marathon hatte, und auf keiner der partys gabs auch nur ein zu kurzes röckchen oder eine zu dicke, dick geschminkte frau im zu engen kleid im fernsehen zu gucken – da sieht man mal wieder, daß wir doch in einer heterosexuell dominierten welt leben. heteros können so grausam sein, am grand-prix-abend zu laden.
korrektur: einige. andere haben ja tatsächlich den grand prix gesehen, wenn auch aus den falschen beweggründen 🙂
wu0te gar nicht, daß körbchengrößen auch ein argument dafür sein könnte…
andererseits hab ich das semifinale gesehen, mit blutenden augen und ohren, mehr hätte ich wohl auch nicht ausgehalten.

ganze nüsse

Vorgestern bei Kaisers:
Zwei Ossi-Proll-Mädchen, bauchfrei, Stringtanga obenraus, sehr laut und offenbar im gesteigerten hormonellen, laufen aufgeregt schreiend durch den Suppermarkt. Trotz Ausblendens hört man immer wieder ‘geil, ey’ ‘der Typ is ja sooo…’, ‘boah, was machste jetz mit deeeem?’
An der Kasse dann,ich stehe in der Schlange des hübschen leicht metrosexuell angehauchten türkischen Kassierers, höre ich sie sich nähern ‘Nä, ich brauch nen Kerl – ich geh zu dem Mann da’
Mein Nacken spannt sich an.
Ein Beratungsgespräch ist erwartet. Jacqueline oder Mandy oder Dayana lehnt sich, Bauchnabel und Piercing und alles über mich und meine Einkäufe rüber und bläht den Kassierer an: ‘Ey, ist das ne Schokolade die man nem voll süßen Typen schenken kann? Was essen Typen eigentlich für Schokolade?’
Schreckgeweiteten Blicks kriegt der Türke kein Wort raus. Ich schreite ein: ‘Zeig mal – hmh – Joghurt-Pfirsich, nee, das ist Mädchenschokolade’ ‘Ey Mann was essen Typen denn für Schokolade’ – ‘Na Nüsse, für Männer sind Nüsse immer wichtig’ ‘Wie Nüsse?’ der Türke schenkt mir einen erleichtert-vertraulichen Blick – ich zurück ‘Ganze Nüsse, ne, da kommts bei Männern drauf an’. Der Blick wird fast vertraulich, das Nicken steigert sich ‘Ja, ganze Nüsse, ist wichtig’ sagt er.
Und dann tritt er vor lauter Aufregung so feste aufs Laufband, daß ich erstmal springen muß, um die Flaschen zu retten, die hinten grade auf den Boden zu fallen drohen.

Beim Rausgehen höre ich Mandy-Jacqueline-Dayana eine andere Kassiererin anblöken: ‘Ey sag mal sind hier Nüsse drin? ich brauch nämlich ganze Nüsse, weißte?’

gutes tun

heute gutes getan, und zwar mir. mit paula vor der arbeit frühstücken gegangen. wunderbar. entspannend. und sättigend.
trotzdem komisches gefühl, es fehlt was:
unser brauchtum ist es immer, wenn wir verreisen, das mit einem ausführlichen frühstück zu beginnen.
jetzt fehlt mir irgendwie der reisepart hier im büro. ostsee fühlt sich anders an.

vorsicht: wm-content – ich schwörs – zum ersten und letzten mal!

…und dann garantiert niiie wieder.
Das absurde ist, daß ich jetzt schon 2 Einladungen zu irgendwelchen WM-Spielen bekommen habe.
Immer von irgendwelchen Firmen, denen ich in Kürze irgendwas sehr teures abkaufen muß.
‘Herr Lucky, haben Sie denn am xx.x. Zeit? Wir hätten da etwas ganz Exclusives für Sie: wir möchten Sie zum Spiel wasweißich-gegen-mirauchwurscht einladen. Zuerst gibt es eine voll exclusive Führung durch das Olympiastadion, dann haben wir 2 Stunden Zeit, um Ihnen in einem der Konferenzräume unsere neuen Produkte einmal kurz vorzustellen, natürlich mit krass exclusiven und erlesenen Buffet, und dann können wir Anzugs-MarketingVertriebler-Hasen uns alle zusammen das Spiel anschauen, natürlich im supi-dupi-wasweißichfürn-Block.’

Ich erkläre dann mit bewegter, aber klarer Stimme, daß das ja ein ganz doll exclusives Angebot ist, man mich mit Fußball aber ganz doll jagen kann und sie doch lieber wen anders glücklich machen sollen.
Wenn mein Schwager das wüßte, er würde mich mit der Axt richten.

Was mich aber massiv dran ärgert, ist, daß wahrscheinlich die Hälfte der Tickets an irgendwelche Firmen gegangen sind, die da dann ihre voll-doll-exclusiven Präsentationen machen und ganze Blöcke mit exklusiven Anzughasen blockieren, und richtige Fans dann eben keine Tickets bekommen haben, während die Anzughasen mit steinernem Blick das exclusive Erlebnis absitzen.

(und nein – zwecklos – ich habe gefragt: Die Einladungen sind nicht übertragbar, es braucht also keiner in Wallung zu kommen) Über Geschenke freue ich mich natürlich trotzdem jederzeit 😉

leerungut

ist es nun sozial oder asozial, wenn ich meine pfandflaschen einfach in ner tüte auf die straße stelle?

anstelle sie so lange zu horten, bis die automaten die flaschen nicht mehr anerkennen? oder sie einfach ins altglas zu tun?
solche dinge wie leergutrückgabe haben mich schon immer überfordert, und auf der straße sind die pfandflaschen immer in 15 minuten weg, dort klappt also die logistik.

der ex weiß was man braucht und wie man’s braucht

Samstag nachmittag, volle Sonne, Terrasse.
Will grade eine größeren Schlechte-Laune-Schub anschieben, weil mitten im Frühling? Frühsommer? meine Terrasse aussieht wie Dezember, toter Bambus, leere Töpfe, verblichenes Kraut.
Und ich kann nicht in die Gärtnerei, weil Auto nicht verfügbar.
Ungefähr 20 Sekunden in den Ganz-Gefährliche-Ganz-Miese-Laune-Schub hinein klingelt das Telefon, der Ex: Hey, ich fahr grade zum Holländer, willst du mit?
He made it, made my day, saved my weekend, saved my life. Und das vieler unschuldiger Passanten.
I love him for that. Amongst other things.
Wer einem schon das zum Geburtstag schenkt:
facialspritz
der weiß, was und wie ich es mag.

miss new york

I do. I miss it.
Anfang der Neunziger verbrachte ich zwei Sommer dort. Einem Ort, den es nicht mehr gibt.

Vor Hitze kochende Straßen in der Lower East Side, und Happy Hour Hopping, von Bar zu Bar. Wenn der Barkeeper einen von uns beiden, Anja oder mich, mochte, gabs heimlich immer noch einen zweiten B52 hinterher. Ein sehr schicker Barkeeper brachte zum ersten Date mit Anja gleich ein Date für mich mit. Der war zwar nicht mein Fall, aber das sind amerikanische Sitten, im guten Sinne.

Eine durchtrunkene und durchkokste Nacht in der Tunnel Bar und anderen Clubs, auf dem Heimweg im Sonnenaufgang am East River, mit einem Sardinier, der ganz und gar ohne Haare warund ein eindrucksvoll brachiales Gesicht hatte. Er machte Fotos von mir, und ich brachte ihm beim dritten Date bei, daß man passiv auch viel Spaß haben kann. Dafür mußte ich mich einmal drei Stunden unterm Bett verstecken, weil seine katholischen sardinischen Kusinen, bei denen er wohnte, Geräusche gehört haben, und nicht wußten, daß er schwul war. Ich bin fast gestorben an dem Lachkrampf unterm Bett.

Mein erstes Mal im Waschsalon, wo mich dicke schwarze Mamis retteten, als meine Waschmaschine überlief. ‘You put in too much soap, honey’, mich ob meines verschreckten Blicks ins Herz schlossen, und mir verrieten, welcher Trockner für zwei Quarter am längsten trocknet.

In der Wohnung der Schauspielerin, die Marilyns Rolle aus ‘The Seven Year Itch’ am Broadway spielte, direkt gegenüber vom Dakota Building, gab es zwei Klavierzimmer, ein helles und ein dunkles, ich nehme an eins für Dur und eins für Moll. Die großen Zimmer waren unbewohnt, die Famile lebte in vollgestopften kleinen Verbindungszimmern zwischen den großen leeren. Woody Allens Hund war dort grade in Pflege.
In dem Haus mußte man nur über die Terrasse von Carly Simon klettern (die nicht zuhause war), um den großartigsten Blick auf den Central Park haben und in die Wohnungen von Mia Farrow, Leonard Bernstein und wem noch alles zu gucken.

In einem Club am St. Marks Place sprach mich ein atembraubend schöner Mann an ‘Hey, I know you. I know you from your fotograph, the one with the wings.’ In New York! Man kennt mich in New York!
Ein Freund hatte ihm das Bild aus Berlin mitgebracht, es hing über seinem Bett, wie ich feststellte, als ich mit ihm nach Hause ging. Angeblich war er der Sohn einer ehemaligen Miss Ägypten, und unehelicher Sohn von Omar Sharif. Ich habs ihm geglaubt, weils schicker so war. Und im Folgejahr gabs auch eine Wiederaufnahme unfern des Broadway.

Auf der siedend heißen 5th Avenue fing mich eine südamerikanische Wahrsagerin ab, las mir aus der Hand, und hatte ziemlich recht mit dem, was sie sagte, mein Leben in Berlin war ziemlich vermurkst. ‘There’s three men who have put a spell on you, honey, to keep you from being loved. I can take it away, with candles, for only 50 Dollars, believe me!’
Ich glaubte natürlich nicht, hatte auch keine 50 Dollars, aber sie sagte, ‘I’ll do it anyways, ‘cos I like you. You come back and tell me what happened, and you’ll see I was right’ Klar. Aber sie hatte Recht, in derselben Nacht lernte ich oben erwähnten jungen Mann kennen, und auch später in Berlin hatten sich alle Probleme in Wohlgefallen aufgelöst. Gut, bei einem der drei Männer mußte ich ein wenig zu Kreuze kriechen, ich hatte ihn wirklich nicht gut behandelt, aber dafür nahm er den Fluch weg, den er, wie er sagte, tatsächlich auf mich gelegt hatte.

Ein magischer Ort, eine magische Zeit. Verlorene Welt. Heute darf man dort nicht mal mehr in der Öffentlichkeit rauchen, höre ich, und ich habe keine Lust, das zu überprüfen.