Category Archives: jeden tag 1 kleiner tod

Prost! Neujahr!

Das fängt ja gut an. Grade einen Kaffee geholt und dann die ganze Wohnung danach absuchen müssen. Die Tasse stand dann neben dem Klo.
Dabei habe ich das neue Jahr so gesundheitsbewußt angefangen, zu Fuß nach Hause gegangen, vom Hermannplatz. Nicht freiwillig, eher weil der Geldbeutel zwischen Bezahlen im Fickschuppen und Taxi rufen verschwunden war. Mit allem Zick und Zack, Karten, Perso, Führerschein. Klar, wenn schon, denn schon, wie ein blutiger Anfänger. Ich hoffe daß die den noch irgendwo auf dem Klo finden.
Immerhin einen Nippel angefaßt, dort. Wurde mir aber dann schnell langweilig, mit dem Nippel. Egal.

Ansonsten war es ein wunderbarer Abend in wunderbarer Gesellschaft und sehr lecker Essen, vorher. Und das Feuerwerk vom Dach aus sehen war eine sehr gute Idee.
Bin mal gespannt, welchen Teil des Abends/Morgens sich das Jahr als Motto aussucht.

Euch ein wunderbares neues Jahr!
Ich jedenfalls begrüße 2009 mit meinem Mantra

Krabat für zuhause

Nach einem schönen Abend mit charmanten Menschen leider blöd aufgewacht nach einem Familien-Weihnachtstraum, schwer, die Gespenster wieder zu verscheuchen.
Immerhin die armen nicht wintertauglichen Kollegen unter der Schneedecke von der Terrasse ins Warme gerettet, mal sehen, wie sie aussehen, wenn sie aufgetaut sind.
Dann die warmen von Mutter gestrickten Socken angezogen und da mußte ich weinen.
Der Herpes an der Unterlippe kommt bestimmt von den vielen guten Tagen, die ich in letzter Zeit hatte, die vielen Hochs müssen einen Organismus ja über Gebühr stressen, der sich unter den Tiefs wohler fühlt und besser auskennt, logisch. Eben mal einen Tag Pause einlegen. Schon ok. Wohnung putzen wird bei der Seelenheilung helfen.

Draußen tanzen 7 Krähen im Wintersturm, sie haben einen Heidenspaß, im Gegenwind zu versuchen, auf dem Schornstein oder der rostigen Antenne zu landen, jedenfalls machen sie schon seit einer Stunde schönsten Scherenschnitt vor dem graublauschwarzen Winterhimmel.

Liebe ohne Leiden

Wenn man wie ich schon etliche Jahre ohne Beziehung ist (worüber ich heute ausnahmsweise mal nicht klagen will) hat man gelegentlich so Momente, wo man denkt, wenn man erstmal wieder einen gelandet hätte, wäre alles gut. Regenbogen, blutrote Sonnenuntergänge, Cocktail am Strand, Bilderbuchsex. Slow curtain, the End. Happily ever after.

Was ja mal so gar nicht hinhaut: der Typ entpuppt sich als Arschloch, Fremdgänger, Loser, Charakterweichtier… (ad infinitem, ad nauseam fortzuführen), mal ganz zu schweigen von all den kleinen nervigen alltäglichen Reibereien und Unsäglichkeiten. Schlechte Laune am Dienstag, Schwiegermutter übers Wochenende, Ausdünstungen aller Art, oder womöglich ist der Geliebte auch noch Künstler, und man muß augenkrebserzeugendes Selbstgemachtes begutachten und darf nur Gutes darüber sagen.

Eigentlich ist es dasselbe wie bei Menschen, die jahrelang auf eine Geschlechtsumwandlung hoffen und warten und denken, wenn sie dann im richtigen Körper gelandet sind, daß dann ihr Leben ins richtige Gleis fällt und alles gut wird.
Dabei fangen dann die wahren Probleme erst an.

Wahrscheinlich bin ich also weitgehend fein raus.

Woche mit Klassentreffengeschmack

Und zwar diesem mehligen, etwas abgestanden-säuerlichen, enttäuschend im Abgang.
Da war zum einen diese Premiere, die an sich sehr schön war, wenn es nicht das dazu geladene Publikum gegeben hätte. Alles Protagonisten einer Welt, die vor 15 Jahren eine Wunderwelt war, die aber mittlerweile sang- und klanglos untergegangen ist. Also lauter mehr oder weniger gekrönte Häupter, die sich auf den Restschollen ihres ehemaligen Königsreich nur mühsam über Wasser halten, was man daran erkennt, daß sie den Kopf sehr hoch halten müssen, um überhaupt noch Luft zu bekommen. Was sie aber nicht davon abhält, aus den Augenwinkeln Vergleichsblicke zu schießen, schließlich ist ja der Hauptzweck eines Klassentreffens, festzustellen, ob man sich besser oder schlechter gehalten hat, als die, auf die man früher schon immer neidisch gewesen war. Schöne Genugtuung, wenn dann jemand wirklich noch dicker/deutlicher gealtert/abgehalftert/dürrer ist als man selbst, oder, böse böse, jemand sich einfach gut gehalten hat und sehr bei sich zu sein scheint.
Mangels Unsichtbarkeitsmantel habe ich meinen ich-kenn-keinen-und-keiner-kennt-mich-Modus angeworfen und bin dann auch sehr schnell verschwunden.

Ein anderer Sinn von Klassentreffen ist es, die Freunde von früher zu treffen, mit denen man all die Jahre so viel Spaß hatte, und zu sehen, was aus ihnen so geworden ist. Auch das kann enttäuschend sein. Sex and the City – The Movie ist so eine Art von Klassentreffen. Wieviele Jahre hat man mit Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte gelacht, geliebt, gelitten, gesoffen, Spaß gehabt? Etliche. Klar will man wissen, wie es ihnen jetzt wohl geht. Um es kurz zu machen, der Spaß und die Leichtigkeit sind raus. Was ja wiederum realistisch ist, für so ein Klassentreffen.
Auch wenn jede der vier einen Handlungsstrang bekommt, so bleibt es ein Abriß, eine bloße Aufzählung was wann wo wie passiert ist, wie bei einem echten Klassentreffen erlebt man die Sachen nicht mehr zusammen, sondern es geht nur noch darum, wie es ausgeht.
Das ist in erster Linie der Fehler des Formats, ein Spielfilm ist nunmal keine Serie, sei er mit 160 Miuten noch so lang. Wie die einzelnen Storylines ausgingen, war noch nie das spannendste in Sex and the City, das Tolle daran war, sie quasi mitzuerleben, die Stimmungen, die Details, die kleinen witzigen oder sarkastischen One-Liner, die sexy Eskapaden – und das über egal wieviele Wochen. So ein Film hat da eine anderen Erzähldruck, und wird deshalb dem damaligen Reiz von SATC nicht gerecht.
So war es nett, die alten Freundinnen wieder zu treffen, und wieder auf dem Stand zu sein, aber was mir als Highlight bleibt, ist daß Charlotte sich in die Hose gePoughkeepsied hat.
Zum nächsten Klassentreffen werde ich wohl eher nicht gehen.

Wurzelschmerzen

Nein, es geht nicht weg, es kommt immer wieder, und immer mehr.
Nein, keine Zahnwurzel-, es sind Herzwurzelschmerzen.
Ob mir ein Blumenkatalog in die Hände fällt, ob es die Nachricht auf dem AB ist, die ich nicht löschen kann, ob es das Festnetztelefon ist, das Sonntags um halb zwei nicht mehr klingelt, und dessen Nummer eh so gut wie keiner hat, ob es die längst abgelaufenen Süßigkeiten im Schrank sind, die sie mir vor 11 Monaten als 5kg-Paket geschickt hat obwohl ich ihr seit Jahren sage, daß ich kaum Süßigkeiten esse, die Marmelade, die ich nur aufmache, wenn Frühstücksbesuch kommt. weil ich selber ebenfalls kaum welche esse, die tausend Kleinigkeiten, die ich nicht mehr erzählen kann, weil es niemanden mehr gibt, den sie interessieren, keiner mehr, dem ich wirklich kindlich von meinen Ängsten erzählen kann, und keiner mehr, auf den ich wirklich archaisch böse werden kann.
Die kleine weiche bleiche alte Frau mit dem großen starken Willen, die meine Mutter war, fehlt.
Nacht um Nacht um Nacht um Nacht räume und baue ich mit ihr und oft mit meinem ebenfalls toten Vater das Haus um, das Haus meiner Kindheit.

R.I.P. and let R.I.P.

liebe kleine Zebraspringspinne, mit der ich so lange das Bad teilte.
Du hattest Glück, daß du so klein warst, so daß ich dich nicht so genau erkennen konnte, sonst wärst du schon lange geext worden, obwohl du so schön hoch und weit und vor und zurück springen konntest.
Doppelt so groß und das wärs viel früher gewesen.

Dein Pech, daß du heute morgen auf der Klobrille (was ein doofes Wort, Klos sind doch gar nicht kurz- oder weitsichtig) saßt. Und ich dich aus Versehen ins Becken pustete.

Swim on, little Diamond!

Moments of Pleasure

Happy Birthday, liebe Mom.
Dein erster Geburtstag ohne Dich. Nach 81 Jahren für Dich und 40 Jahren für mich.
Wie gut, daß du letztes Jahr nochmal so richtig zugelangt hast. (Nicht, daß das jetzt meine liebsten Erinnerungen wären.)

Luzia, was ein schöner Name. Schade, daß ich keine Tochter habe, die ich so nennen könnte.

Just being alive
it can really hurt.
These moments given
are a gift from time.
Just let us try
to give these moments back
to those we love
to those who will suvive.
(Kate, wer sonst)

Nix für Umme II

(Aufgewärmtes aus den Kommentaren vom letzten Jahr)

Kenn’se die Umme?
Det is ne Brumme
und keene Dumme!
Die hat ne Wumme
und kommst ihr krumme,
denn zieht sie Summe:
un’s orjentlich kracht –
bis keener lacht.

oder so.
(frei nach Umme Thurman, Kill Bill)

Die spinnen, die Spinnen

So eine Terrasse ist ja auch ein schönes Ding. Das finden nicht nur die gelegentlichen Besucher, nein, andere Kreaturen fühlen sich geradezu eingeladen, dort einzuziehen, um genau zu sein, Spinnen, in allen Farben, Formen und Größen.

Die ganz kleinen sind mir auch fast egal, weil ich sie nicht so genau erkenne. Allerdings ist es schon sehr ekelhaft, wenn man überall in den Netzen kleben bleibt, wenn man die verblühten Blumen entfernen will. Dann gibt es noch so kleine Springspinnen, die wenn man genau hinguckt, sehr apart zebramäßig gemustert sind. Das Problem, die Dinger können problemlos einen halben Meter springen, und so kann es sein, daß sie einem beim genau Hingucken mitten ins Gesicht springen. NOT nice!

Das schlimmste sind allerdings die megafetten Kreuzspinnen. Jemals abends an der U-Bahn Hallesches Tor gewartet und nach oben geschaut? Dann können Sie sich das vorstellen. Grauen pur. Die fetten Geräte bauen ganz einfach ihr Netz über die Terrassenbeleuchtung, und brauchen eigentlich nur noch den Hals offen zu halten.
Keine Ahnung, ob die sich überhaupt so oft häuten können, wie sie wachsen, aber ich habe bisher noch keine Kreuzspinne platzen gehört bei mir.

Jedenfalls, fangen und wegtun kann ich nicht, kein Glas und Papier für mich, und irgendwie mag ich auch keine Spinnen töten, ich glaube an friedliche Koexistenz, wie bei den meisten Türkenmackern oder rumänischen Windschutzscheibenputzerinnen auch, am besten allerdings auf unterschiedlichen Kontinenten.
Die Spinnen haben aber leider ein anderes Konzept, mehr so Multikulti.
Immerhin sind die fetten Kreuzspinnen recht intelligente Geschöpfe, und wenn man mehrmals hintereinander ihr Netz zerstört, verziehen sie sich, bis dann eine Verwandte neu einzieht, es bleibt halt Work in Progress, wie jeder andere Friedensprozeß auch.
Zu dem Zweck habe ich einen sehr sehr sehr langen Bambusstab, und mit einer mittlerweile routinierten Handbewegung drehe ich das Netz ein, samt Spinne, und klopfe das ganze beherzt am Geländer ab. Naürlich unter Kreischen, versteht sich.
Nur letztens kribbelte später irgendwas an meinem Bein, und ich stellte fest, daß sich das Monstergerät unter mein Hosenbein gerettet hatte.
Mein Geschrei rief dann gottseidank den LMB auf den Plan, der mich rettete. Wer weiß, was passiert wäre… Immerhin hatte sich die Spinne auch sehr erschrocken.

Nachtrag: Ich gehe ja fest davon aus, daß die Biester immer schön brav in ihrem Netz sitzen bleiben. Sonst könnte ich nachts ja auf gar keinen Fall die Terrassentür offen lassen. Also ich gehe ganz fest davon aus. Ganz ganz fest!