“Boah, ich schwitze bestimmt noch mehr als xxx!”
“Warum, schwitzen denn dicke Menschen wirklich so viel mehr als dünne?”
“Stell dir einfach vor, du hättest einen Neopren-Anzug an, den ganzen Tag. Immer.”
“Ach so, ja nee, is klar.”
Category Archives: jeden tag 1 kleiner tod
Die Nachricht
Auf meinem Anrufbeantworter habe ich noch eine Nachricht von meiner Mutter, aus dem April.
Die habe ich damals nicht gelöscht, weil ich weinen mußte, als ich sie hörte.
Gut gelaunt und aufgeräumt (das war sie nicht immer auf meinem AB) gratuliert sie mir zum Namenstag, und deswegen mußte ich damals weinen, weil ich den Namenstag schon längst abgeschafft habe, und sie die letzte war, die zu dem Tag noch gratulierte.
Dann entschuldigte sie sich ein wenig selbstironisch, daß sie kein Paket geschickt habe, mit ihr sei eben auch nicht mehr so viel los wie früher. (Sie hatte mir immer ein mehrere Kilo schweres Paket mit selbstgebackenem Marmorkuchen, Zigaretten und Tonnen Süßigkeiten geschckt, mit der Ermahnung, nicht so fett zu werden und endlich mit dem Rauchen auszuhören. Die Süßigkeiten hab ich meist verschenkt, die Zigaretten natürlich selbst geraucht.)
Dann flucht sie eine Runde, weil sie sich an der Tischkante gestoßen hat, versichert mir ihre Liebe, und erinnert mich noch dran, den Onkel zum Geburtstag anzurufen.
Der Gedanke war, wie so oft vorher schon, daß sie eben die letzte war, die einzige, in so vielen Dingen, wie viele Jahre das noch so sein wird, und die Angst vor dem Tag, der dann ja sehr bald auch kam.
Deathwish auf Rädern?
Diese Woche kam ich auf dem Weg zur Arbeit an einem Unfall vorbei, Fahrrad gegen Auto oder vice versa. Sah extrem schlimm aus, man konnte nicht richtig unterscheiden, welche Teile zum Radfahrer und welche zum Fahrrad gehörten, es lag nur eine Masse aus Mensch und Metall auf der Straße.
Nun weiß man nicht, was da passiert ist, und wer schuld hatte, aber es hat meine Wut nur gesteigert:
Ich bin eigentlich ein recht besonnener und umsichtiger Autofahrer. Zu oft habe ich eine Vison, was passiert wäre, wenn ich das kleine Kind am Straßenrand nicht rechtzeitg gesehen hätte, oder nicht vorsichtshalber schon mal wegen dem Fahrrad gebremst hätte. Da wird mir dann immer ganz schlecht bei.
Wütend macht es mich dann aber ganz massiv, wenn die meisten Radfahrer von Schulterblick bei Spurwechsel, Anhalten und Gucken beim Abbiegen, mal so sacht andeuten, wo sie hinwollen, entweder noch nie was gehört haben oder nichts davon halten. Am besten mit Kleinkind im Kindersitz oder links ein Handy am Ohr und rechts ne Bierflasche.
Der Glauben an persönliche Schutzengel scheint sehr sehr weit verbreitet zu sein.
Kinners, wenn ihr sterben wollt, das ist euer Ding, nehmt Pillen, schneidet euch in der Badewanne die Pulsadern auf (längs, nicht quer!), während ihr in der anderen Hand den Fön haltet, aber ich bin nicht der U-Bahn- oder Straßenbahnfahrer, vor dessen Zug ihr euch schmeißt.
Frisch gefickt – Tag für Tag
(aus einem Chat in der blauen Welt, Verabschiedung in den Tag )
so poppes ist sauber, der tag kann kommen. wahrscheinlich wird er mich ficken, es wird ein harter tag.
(ob ich hätte spülen sollen?)

Nun, geh ich jetzt erstmal zur Polizei in Friedrichshain. Man hat mich wegen Betrugs angezeigt, ausgerechnet, albern, Blödsinn. Immerhin, meine erstes Verhör Anhörung. Doll.
Ich Bückstück.
I know it’s over
…still I cling
I don’t know where else i can go
Over over over…
(The Smiths)
Ich kriege langsam aber sicher das Gefühl, daß Bloggen tot ist.
Gut, einige der geschätzten Kollegen stellen immer noch mehr oder weniger regelmäßig Texte ins Netz, auch sehr schöne dazu. Bei vielen werden die Intervalle aber immer länger dazwischen.
Die Zeiten aber, wo man gespannt auf die eigene oder andere Seiten geklickt hat, um zu sehen, was sich getan hat, wer wie kommentiert hat, um dann wieder seinen Senf dazuzugeben, so daß sich mitunter herrlichste Dialoge ergaben, die sind vorbei. Man twittert wohl.
Meine Besucherzahlen sind nur noch ein Drittel von dem was sie einmal waren, und auf meinem morgendlichen Rundgang durch meinen Blogkiez, den ich immer noch zu Fuß und nicht per Feedreader unternehme, komme ich mir zunehmend vor wie ein Clubbesucher, der verpaßt hat, mit allen anderen zum nächsten, heißeren, neueren, angesagteren Club weiter zu ziehen.
Schäume – blutrot
Wenn man den ersten Teil der Nacht damit verbracht hat, fast all seinen ehemaligen Klassenkollegen mit einem Vorschlaghammer die Schädel zu zertrümmern, weil sonst grad nichts zur Hand war und sie sich dauernd in gefährliche Zombies verwandelten, und den zweiten Teil der Nacht damit verbracht hat, ein Heer komplett unbeeindruckbarer, renitenter und arroganter Arschloch-Heimverschönerungsdesigner (ohne Hilfe eines Vorschlaghammers) aus dem Haus zu jagen, dann blinzelt man in den ersten Stunden dem schönen neuen Tag ganz und gar nicht vertrauensvoll entgegen.
Fatale Trendkombi
Ich bin mein ganzes Leben lang noch nicht gerne unter Autobahnbrücken druchgefahren, nicht erst seit Oldenburg. Wahrscheinlich weil ich mir den Kitzel ganz gut vorstellen kann, da mal eben kurz was runterzuwerfen.
Und neuerdings sind die überforderten Mütter schon zu faul, ihre Kinder anständig im Balkonkasten oder in der Tiefkühltruhe aufzubewahren, sie schmeißen sie einfach vom Balkon.
Wen wundert es also, daß mir heiß und kalt wurde, als ich auf der Autobahn eine Mutter auf der Autobahnbrücke sah, die ihr Kind im Arm über die Brüstung hielt?
Messiemutter zum 1. Mai
Wenn man am 1. Mai nur eben abends mal ins Kino will und in Kreuzberg wohnt, dann ist der schnellste Weg niemals der kürzeste, denn die Polizei hat alle Straßen abgeriegelt, und schickt einem im Kreis. Der Einsatzleitung wär ja mal das System zu empfehlen, das in Telefonanlagen auch die Weiterleitung im Kreis unterbindet.
Jedenfalls, man kann auch über Treptow zum Kottbusser Damm kommen, um ins Moviemento zu gehen. Wir wollten Sieben Mulden und eine Leiche sehen, bei Herrn Antiteilchen war ich drauf aufmerksam geworden.
Im Moviemento war ich schon seit gefühlten 100 Jahren nicht gewesen, und ebenso lange ist dort wohl nicht gelüftet worden, was sich als unglückliche Kombi mit dem gewählten Film herausstellen sollte.
Ein Schweizer Dokumentarfilm, der erzählt, wie zwei Brüder um die 40 die Wohnung ihrer Mutter ausräumen, nachdem diese wohl schon länger tot lag (und außerdem eine Fußbodenheizung und Katzen hatte.) Eben diese Mutter war, wie wohl schon ihre Mutter vor ihr, außerdem Messie und hortete alles aus ihrem 70jährigen Leben in ihrer Wohnung. Ene schöne Frau aus guter Familie, mit guter Bildung, Dolmetscherin, dann Wirtschaftsanwaltsgattin, später geschieden, die sich mit 60 noch liften ließ, um dann mit 70 alleine in ihrer vollgemüllten Wohnung zu verrecken.
Beim Aufräumen findet sich die Biographie von 3, fast 4 Generationen einer Familie zusammen, fast ein Jahrhundert, eine wohlhabende, mitunter fast jetsettende Familie, und das kleine Ende des einzelnen kleinen Lebens in Form einer Lache aus Leichensuppe auf von unten beheizten Steingutplatten. Die dann mit dem Spachtel entfernt werden muß.
Ironisch, oft witzig trotz des Grauens, distanziert, räumen die beiden Brüder über 4 Wochen das Messieuniversum ihrer Mutter aus der Wohnung, Schränke, Schränke, Schränke, Super-8-Familienfilme, Wohnungsverschönerunganleitungen aus den 60ern, Katzenfotos, sieben Container (das sind die ‘Mulden’ aus dem Titel) voll. Nichts bleibt ungelüftet.
Was ich aber angesichts des Abstands und der Ironie, die die beiden Brüder einnehmen, vermißte, ist ein Innehalten, eine Erklärung, warum das Verhältnis zur Mutter wirklich so distanziert ist, oder auch ein Innehalten, ein Zweifel, vielleicht auch Trauer, ein wenig Mitleid mit der Toten inmitten des massenhaft gestapelten Grauens der Wohnung.
Dem Messiesyndrom kommt man nicht wirklich auf den Grund.
Aber auf jeden Fall ein Film, der verstört und berührt, zum Nachdenken bringt. Und duschen will man auch hinterher, dringend.
Was die aufmerksame Polizei am 1. Mai nicht so einfach macht, hat man doch beschlossen, nunmehr Kreuzberg komplett abzuriegeln. Auch von Treptow kommend, muß man mit dem offensichtlich nicht aus Berlin kommenden Polizisten verhandeln, daß man doch jetzt bitte aber endlich nach Hause will. Nein, er hat auch nichts von Unruhen in meiner Ecke mitbekommen, und so läßt er mich letztendlich dann doch durch, nach Hause, unter die Dusche, wo ich den olfaktorischen Muff des Moviementos, der sich so perfekt mit dem optischen Terror des Films verbunden hat, endlich abwaschen kann.
…muß freundlich sein!
Ich weiß nicht, ob das immer noch so ist, lange nicht ausprobiert, aber früher, als ich noch ein Sexualleben hatte, setzte bei mir immer ein saublöder Mechanismus ein:
Wenn ich jemanden besonders attraktiv fand, setzte bei mir sofort eine komplette Unentspanntheit ein. Die Objekte der Begierde fixierte ich mit grimmigem Blick wie einen Schmetterling auf einer Nadel im Schaukasten, so daß es vorkam, daß das Objekt mich dann völlig verunsichert fragte, was denn los sei, und ob er mir was getan hätte, daß ich ihn so böse angucke.
Ein besonders attraktives und charmantes Exemplar meinte ich einmal wohl verbal so sehr auf meine (vermeintliche) Größe zusammenstutzen zu müssen, daß er heulend die Runde verließ.
Keine Frage, nicht die beste Strategie für ein reichhaltiges Sexleben….
Kann also sein, wenn ich Sie mal brachial grimmig anschiele, daß ich Sie sehr scharf finde.
(Gilt aber nicht für Polizisten, Busfahrer, bekloppte Radfahrer, CDU-Parteimitglieder und renitente Meckersenioren!)
die maske
(Nein, nicht der Film mit Cher)
Als ich klein war, gab es im Haushalt eine alte Till Eulenspiegel-Karnevalsmaske, vor der ich panische Angst hatte. Eine lange geschwungene Nase, joviale rote Wangen, ein spöttisch grinsender Mund und manisch heitere hervortretende Glubschaugen.
Die Maske wohnte in einem Schrank unterm Dach, und schon der Gedanke daran konnte mir schlaflose Nächte und Alpträume bescheren: das Böse lebte unterm Dach, sozusagen lebendig begraben. Sich einfach mal die Treppe zum Dachboden hochtrauen und das Ding einfach wegzuwerfen, das hätte ich mich nie getraut.
Das Problem war außerdem, daß in einem Nachbarort ein Mann wohnte, der der Maske unglaublich ähnlich sah, er war sehr groß und dünn, etwas verwachsen und seine Gesichtszüge schienen denen der Eulenspiegelmaske nachgeschnitzt. Der Mann war geistig behindert, hatte einen wilden Blick und mußte, wohl auf dem Weg zu seiner Behindertenwerkstatt, denselben Bus nehmen, den ich als Schulbus nutzen mußte.
Qualvolle halbe Stunden voller nackter archaischer Angst mehrmals die Woche. Was hätte ich damals für ein Unsichtbarkeitscape gegeben.
Schon allein deswegen, geht mir weg mit Karneval. Es ist nicht die Art von Spaß, den ich verstehe.