Category Archives: igel when he flies

Cutie Overload

Als ich heute aus dem Haus gehe, kommt eine afrikanische Hochzeitsgesellschaft aus dem Standesamt gegenüber, die Männer schick geschniegelt in schwarzen Anzügen, die Frauen in großen bunten afrikanischen Kleidern, die Braut strahlend mit Riesenblumenstrauß, ich lächle sie an und sie strahlt doppelt zurück.

10 Meter weiter ein Kinderladenausflug, 3jährige aus aller Herren Länder, braune, schwarze, weiße, gemischte, arabisch, deutsch, asiatisch. Artig halten die Kinder sich in Formation an den Händen, und alle plappern ganz aufgeregt durcheinander.

Meine Güte, bin ich hier in Disneyland, und gleich kommt noch jemand mit einem Korb neugeborener Kätzchen rum, denke ich noch, und sehe zu meiner Beruhigung mir entgegenkommen zwei typisch verbuckelte, grauschwarz gekleidete Kreuzberger Gestalten. Die sich beim Näherkommen als ein Pärchen von zwei Mongoloiden entpuppen, die händchenhaltend lächelnd in die warme Frühlingssonne blinzeln.

Hab ich schon mal gesagt, wie sehr ich es liebe, in Berlin zu leben?

Es wird – muss ja

Nee, keine gute Zeit gehabt die letzten Monate, zuviel Ungewissheiten, laufende Verhandlungen mit offenem Ausgang, und machen Sie das mal, die ganze Firma durch die Monate zu schieben, und nicht wissen, ob der Abhang da vorne in 3 Monaten nicht doch eine Steilklippe ist.
Und zu durch gewesen, um zu verhindern, das Ganze auch noch persönlich zu nehmen.
Folgen: monatelang unter Druck stehen, meistmöglicher Energieverbrauch mit mindestmöglichen Ergebnissen oder miinimalster Bewegung, irgendwo zwischen Im- und Explodieren, und natürlich hat sich das auf die Umgebung übertragen, was zu sehen schmerzt.

Aber jetzt scheint die Sonne, draußen auf der Terrasse balgen sich die Vögel um die Mandeln, die ich ihnen geopfert habe, Elstern und Drosseln, und eine Amseldame nebst Amselherr (sollte Evelyn nach all den Jahren noch fündig geworden sein? Welch tröstlicher Gedanke!), mit Glämmie nicht nur gelernt, toten Autobatterien Starthilfe zu geben, sondern gestern auch noch gelernt, ganz tote Autobatterien auszutauschen, eine ganz hochdramatische Situation ganz schnell und ich muß sagen hochelegant gelöst, und diese eine Entscheidung zumindest muß auch in den nächsten Tagen fallen.

UND: gestern Glammies erstgeborenes Buch in den Händen gehalten, als erster, und mit Widmung und auch Danksagung – was ein schöner Moment! Siehst so aus, als ob doch alles gut werden muß!

Ätsch Bätsch

Ich weiß ja nicht, was Sie dieses Wochenende so vorhaben, wahrscheinlich auf dem Sofa unter einer Decke verkriechen und auf den Frühling warten, oder mit Milliarden stinkender schwitzender Mitbürger durch diverse häßliche Einkaufszentren hetzten, um irgendwelchen überteuerten Müll für Weihnachtsgeschenke an Land zu ziehen – ICH fahre morgen mit meiner Doppelkopfclique an die Ostsee, auf Usedom, um da drei Tage lang:
– am Strand mir den Wind die Drögheit aus dem Kopf pusten zu lassen
– Doppelkopf zu spielen bis zum Abwinken
– genüßlich zu kochen und zu essen und zu trinken
Und haben Sie keine Angst, das wird nicht allzu kitschig, einer unserer Lieblingssporte ist, beliebige Teilnehmer möglichst gezielt möglichst persönlich zu beleidigen, was zu allgemeinen Lachkrämpfen auf offener Richterskala führt.
“Nein, die ist nicht gekommen, weil sie dich mag. Sie ist nur gekommen, um dir den Abend mit ihrem Anblick zu versauen, so sehr haßt sie dich!”
Mal sehen, wie wir das noch toppen können.

Nüsse, Krähen und Elefanten

Ein Heidenkrach im Hinterhof heute nachmittag. Die Krähen haben Nüsse gefunden und probieren die richtige Fallhöhe um sie zu knacken – knick knock dongelong krack – vom Dachfirst über die Dachfenster über die Zinkverkleidung in den Hof.
Und es sieht so aus, als ob sie auch einen Heidenspaß dabei haben, wie sie tanzen.

schachtelhalm

Im Hintergrund fliehen die Helden in Ketten und ich sitze immer noch leicht hung over von gestern in der Altweibersonne, oben heiß und unten kühl, zwischen herbstlichen Blüten und habe Water for Elephants angefangen – wahnsinnig tolles Buch, bin erst 24 Seiten weit und mußte schon zweimal weinen, so schön ist es.

sonnenhut

Es gibt einfach perfekte Momente.

passion1

(UND grade festgestellt, daß ich nicht so dringend einkaufen gehen muß – unbezahlbar!)

Es war ein großes Finale

das uns am Sonntag noch vom Sommer geschenkt wurde.
Noch ein letztes Mal richtig heiß und Sonne, wo wir uns so oft dieses Jahr unter wolkenverhängenem Himmel begnügt haben, auch wenn das Wasser echt schon was britzelfrisch war.
Und beim Boote aufpumpen (immer eine unwürdige Situation; ich habe ja eigentlich sogar eine elektrische Pumpe im Kofferraum, was ich aber keinem verrate, weil irgendwie geht das gegen die Boating-Ehre, vor die Freude haben die Götter dne Schweiß gesetzt oder so), jedenfalls beim Boote aufpumpen an der Straßenecke, kurz nachdem uns die ohne erkennbaren Grund rotbehelmte Frau fragte, wohin denn die Reise geht, ob bis nach Panama, da liefen hübsche nackte Füße an mir vorbei, und beim Hochgucken hing auch ein paradiesischer junger blonder Jungenskörper dran, in frisch gebügelten weißen Boxershorts, Zehlendorf eben, ansonsten nackt. So eine Schönheit, die es sonst nur in amerikanischen Serien zu sehen gibt, aber nicht in 3D.
Also so richtig ein Anblick für uns beide alten Säcke, pardon, mich alten Sack und den Glam, und dahinter ein hysterisch gackerndes Mädel, der Junge hatte wohl eine Wette verloren und mußte so rumlaufen, und wir waren beim Kopf-Foto-Machen sowas von ertappt. Gottseidank ist mein Reflex, wenn mir was sehr sehr peinlich ist, ein furchtbarer Lachkrampf, der Glam behielt eh seine Countenance (wurde aber auhc ziemlich rot). Er sieht ja auch öfter halbnackte junge Menschen als ich.
Und so war es dann ein glorioser letzter Sommertag auf dem Wasser, mit freundlich grüßenden Schwimmern in Glams liebster Optik (langes blondes Haar und schönstes Lächeln), wenn auch ohne unsere üblichen liebsten Seebegleitungen, die dieses Jahr sowieso komplett geloost haben, denn sie haben sich nicht einmal angemeldet. Mit Ausnahme der wunderbaren Hotel Mama natürlich, aber ansonsten: their loss, zu spät. Ich hatte aber auch nicht einmal das Bedürfnis, andere zu ihrem Glück zu überreden.
Auf dem Rückweg mit offenem Verdeck schon die ersten Regentropfen, was aber keinen davon abhielt, dem Shuffle-Modus blind zu vertrauen und laut mitzusingen, unter andem bei Kate Bushs The Big Sky (Meteorolical Mix), sogar an der Ampel stehend. Wat mutt, mutt.
Und kaum zuhause die Tür zugemacht, beginnt es, das große formidable Gewitter, zwei Stunden Lightshow und Percussion vom Feinsten, rumdum, ich mit Logenplatz auf der Terrasse, den besten Blick auf horizontumfassende Blitze, auch wenn es sogar mir irgendwann zu brenzlig wurde beim Gedanken, von einem Blitz getroffen zu werden.
Warum eigentlich, nach so einen perfekten Tag?

Wie ein neues Geschwister

Die ersten beiden Folgen hab ich noch an meinem Verstand gezweifelt, denn es kann durchaus sein, daß ich nen Film oder ne Serie eine halbe Stunde gucke, nur um dann festzustellen, daß ich das schon mal gesehen habe.

Aber gestern, angeregt durch die Nachricht von 3 neuen Xmas-Specials, habe ich nochmal die Absolutely Fabulous-Box rausgekramt, und stellensesichmavor, da war noch eine ganze fünfte Staffel, die ich noch NIE gesehen hab und von deren Existenz ich gar nichts wußte.
Wie blöd kann man denn sein, und wie toll ist das denn!?
Lucky Me!

Could we be Heroes?

Schaue grade die letzte Staffel Heroes, recht lustlos, die Dramturgie der Serie ist eh seit ewig daneben, da werden ständig mühsam aufgebaute Allianzen im Sekundenbruchteil gekippt, so daß es keinen Sinn macht, der Handlung zu folgen, die Drehbuchautoren drehen es eh gleich wieder andersrum. Außerdem hat die Serie kein Ende, keine Closure, denn nach der vierten Staffel wurde sie sang- und klanglos abgedägt.
Und doch, einige Charaktere hängen einem nach, Noah Bennett, Sylar, Nikia Sanders, der schöne Inder, der in der dritten Staffel diese schöne Szene hat, die aussieht, als ob er von der größten Bukkake-Party ever kommt, und noch ein paar.
Wirklich interessant war aber immer der Aspekt der Superkräfte: Normale Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die sich erst mal mit dem Anderssein und der eigenen Macht zurecht finden müssen.
Das erinnert mich an mich als Kind, da war ich auch überzeugt, Superkräfte zu haben (hab ich neute auch noch manchmal, obwohl ich es besser wissen müßte.)
Und so verbringe ich die mäßig interessante Serie hauptsächlich damit, zu überlegen, welche Superkräfte ich denn am liebsten mein eigen nennen würde:
Selbstregenerierend zu sein wie dieses kleine orangene Mädchen? Nee, das ist lahm, und was hat man davon, daß andere einen zerstückeln können, und dann alles wieder nachwächst, aber selber komplett wehrlos zu sein?
Fliegen können, das ist schon was. Aber was ist dann mit meiner Höhenangst?
Herr über Zeit und Raum zu sein?
Empath werden, das heißt, jeweils die Superkraft des Gegenüber absorbieren zu können? Da würde ich mich immer ärgern, eine bessere abgeben zu müssen.
Die Gedanken des Gegenüber manipulieren zu können? Das schon eher…
Oder doch wie Sylar sie allesamt sammeln zu können?
Ach, ich kann mich nicht entscheiden…
Was wäre denn ihre Superkraft, wenn sie sich das aussuchen könnten?

PS: Und dann gabs noch Mulitplying Man, auch toll – jetzt nicht so für mich selber, aber, sagen wir mal, als Date – das wär schon aufregend…

Sechs

Hätte ich im Herbst 2004 was anderes gemacht als weiß ich nicht mehr, dann wäre vielleicht heute vor sechs Jahren was anderes passiert, als daß ich dieses kleine Schmutzblog in die Welt gesetzt hätte.

Dann hätte ich jetzt einen kleinen Jungen oder ein kleines Mädchen, das nach den Sommerferien eingeschult würde. Wahnsinn, oder?

When the Hurlyburly’s Done

“Lucky,” fragt die Modeste ganz interessiert, “nun haben wir uns ganz lange nicht gesehen, wie gehts, was hast du erlebt?”
Im Üblichen bekomme ich bei solchen Fragen eine nicht kleine Panik, denn mir geht es meist nicht, dieser Tage, erlebt habe ich nichts, was erzählenswert wäre, kein großes Glück und keine Katastrophen, ich segel mich halt so dadurch. Freue mich, daß Frühling ist und der Winter wieder mal überlebt.
Diesmal aber breitet sich ein gewisses Wohlgefühl statt Scham aus, als ich sage “Nichts, meine Liebe, ich habe rein gar nichts zu berichten.”
(Sie als Leser habens ja auch schon längst gemerkt.)

Aber dann gestern das Gewitter, oder besser: die Gewitter, rundum, 360°, wie Hexenkegeln liegt es über der Stadt und dröhnt und blitzt, der Regen prasselt wie Weltuntergang, dann wieder nur ein leiseres Grummeln, bis der nächste Blitz alles wieder von vorne losrüttelt.
Berlin im Licht! (Da kann dieses kitschige “Festival of Light” aber dermaßen kacken gehen…!)
Auf dem Weg nach Hause, bis in den Kern wachgeruckelt, in der schwer feuchten Luft und im zarten warmen Regen, möchte ich mir das nasse Hemd vom Leib reißen, um all das da aufzunehmen, eins zu werden, wie damals an dem Sommerabend, als ich den H. kennenlernte.
Aber ach, alles was die Leute auf der Schlesischen, die mich so schon seltsam genug anguckten, wie sie sich unter den Markisen durchdrückten, gesehen hätten, wäre ein dicklicher mittelalter Mann mit irrem Blick mit leichter Schieflage aufgrund Hexenschusses auf dem Weg nach Hause von der Abeit gewesen.