Kategorie-Archiv: gay astray ctsy glam

Hinterher ist immer billiger

Tscha, lieber Herr Westerwelle, lieber Herr Hitzlsperger, hinterher ne dicke Lippe riskieren, das gibt viel Aufsehen, und kostet doch nicht viel. Nicht, daß wir uns falsch verstehen, jede Äußerung in dieser Richtung ist eine gute, und selbstverständlich sollte es jedermann/frau/whoevers private Entscheidung sein, wieviel man von seinem Privatleben oder seiner Meinung öffentlich preisgibt, angesichts der Probleme, die man damit unweigerlich in Kauf nimmt.

Herr W., ich hoffe, Sie haben der Kanzlerin auch persönlich beim privaten Abendessen gesagt, daß sie ihre Haltung zur völligen Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften  persönlich und politisch inakzeptabel und gesetzeswidrig finden, und Herr H., ich hoffe Sie haben ihrerzeit in der Umkleidekabine nicht bei den dort vermutlich üblichen homophoben Ritualen und Sprüchen mitgemacht. So viel persönliche Integrität würde ich ihnen zutrauen, ich hoffe das Vertrauen ist gerechtfertigt. Schnell ist man doch in der Position, in der Mannschaftsdusche selbst als Außenminister mit kaltem Kanzlerinnenstrahl erwischt zu werden, oder beim Dinner mit Präsidentengattin in Dubai nach Buttplugs gefragt zu werden (oder umgekehrt, das ist mir gerade egal, ich bin im Rant).

Ich als schwuler Unternehmer arbeite zwar in der homofreundlichen Kulturbranche, aber auch dort ist die Kruste zu den Konzernen hin sehr dünn, und wenn man dann auf einer Messe in einer der gruppen- und kontaktdynamisch sehr wichtigen Rauchpause die Kotze nicht mehr zurückhalten kann, weil man den möglichen Geschäftspartnern zuhören muß, wie sie mit ihren sexistischen Sprüchen über Messehostessen ihr klägliches Geschlecht und Gemächt meinen aufwerten zu müssen und können, und stattdessen auf irgendeinen stattlichen Mann zeigt, dann wird man ganz schnell, eigentlich ab sofort, nicht mehr zu den strategischen Abendveranstaltungen eingeladen. Das ist ein widriger Umstand, mit dem man dann umgehen muß, aber das muß jeder für sich selbst entscheiden, welchen Preis er oder sie für die persönliche Integrität und letzten Endes vielleicht für einen Beitrag zur Umerziehung eines grundsätzlich immer noch untragbaren Systems zahlen möchte.

Da lobe ich mir die Pragmatik des Ministerpräsidenten Kretschmann, der mit “Menschen akzeptieren, wie sie sind. Fertig. Aus. Amen.” einfach alles Relevante gessagt hat. Mehr muß nicht. (Merken Sie? Er hat akzeptieren gesagt, nicht bloß tolerieren!)

Aber wie wichtig und wie leider wenig selbstverständlich es ist, daß alles auf einen so einfachen Nenner komprimiert werden muß, wenn es um die Gestaltung und Bildung der nächsten Generation geht, das wiederum ist sehr traurig. Daß z.B. irgendein Glaubensverein immer noch meint, eine Doktrin aus dem vorletzen jahrtausend durchdrücken zu müssen, und dabei mit den verständlichen Ängsten der Menschen arbeitet (Selbstmord! Drogen! Psychische Intabilität!), ist unerträglich. Ja, Schwule, Lesben, Bisexuelle, Trans-Menschen und alle drei Trillionen anderer Andersartigkeiten sind mit Selbstmord, Drogen, und psychischen Problemen konnotiert, aber nicht aus sich heraus, sondern weil die grundsätzlich immer noch Andersartigkeit ausschließende diskriminierende Mehrheit mit ihren Moral- und Lebensvorstellungen Andersartige dorthin treibt. Mit 13 hat man noch nicht so viel Lebenserfahrung, um diesen Kräften mit einen kräftigen FUCK YOU entgegen zu treten.

Und hier greift dieser wunderschöne Song von John Grant (you gotta love him!), der beschreibt, wie dieser Schmerz, der einem von der Gesellschaft zugefügt wird, einen zu einem besseren und noch besondereren Menschen machen kann, so wie Diamanten eben durch immensen Druck aus bloßer Kohle entstehen. Das stimmt so auch, aber was ist, wenn man, wie so viele, den Schmerz und Druck nicht überlebt? Ich kenne einige unglaublich wundervolle Menschen, bei denen es nicht nur einmal sehr sehr knapp war.

Es wäre doch schön, in einer Welt zu leben, in der jeder Mensch, egal was seine Andersartigkeit ist (und geben Sie doch zu, Sie alle sind andersartig, oder?), einfach so glänzen und funkeln darf, für alle. Amen.

Bitte schauen Sie das Video an, zwei- oder dreimal mindestens. Es zeigt am Beispiel amerikanischer Kulturgeschichte, welchen Weg wir schon hinter uns haben. Und wieviel Weg noch vor uns liegt. But: What a way to go!

This pain –
It is a glacier moving through you
And carving out deep valleys
And creating spectacular landscapes
And nourishing the ground
With precious minerals and other stuff
So don’t you become paralyzed with fear
When things seem particularly rough

Das Comeback des Ali Sultan M.

Wie bei jedem Comeback kann man sich ja grundsätzlich fragen, ob es wirklich nötig sei, meist verklärt ja die Erinnerung oder das Einzigartige von damals den Blick – so auch hier.

Vertrautheit mit dem Sexpartner ist ja durchaus was Positives, auch wenn sie dann an den Rändern leicht in Langeweile abgleiten kann – aber: wir sprechen hier von dem, der meinen hundertjährigen Dornmöschenschlaf beendet hat. Das muß man auch erstmal hinbekommen (haben.)

Auch wenn es nur halb so aufregend ist, wenn die Affäre zum Fuckbuddy mutiert – der emotionale Aufwand ist einfach deutlich niedriger, wenn man sich drauf einstellt, daß man das Angebot nutzt wenn es paßt (oder eben nicht) und ansonsten seinen Kram macht. Und wer kann schon von sich behaupten, daß er ein time-share an einem Sultan hat?

So gesehen, auch wenn es gestern ein wenig ernüchternd war, kann der so oft zum Comeback vorbeikommen wie Tina Turner auf Abschiedstournee ging – hello, Private Dancer! What’s Love got to do with it? We don’t need another Hero.

Wüste

So, gestern abend den glutäugigen Wüstensohn wohl endgültig dahin geschickt, wo er her kam. Nice while it lasted – aber wenn mein eigenes Begehren so unproportional ist zu dem, was bei ihm geht, dann haut das nicht hin, bzw. habe ich das mit der casual affair zumindest emotional nicht so richtig verstanden. Und daß das keine Perspektive hat, wußte ich ja von Anfang an.

Allerdings, Schaden habe ich gar keinen genommen, sondern es war eine durchaus positive Erfahrung, und das nicht nur für meine immer noch laufende seelische wie körperliche Reha-Maßnahme, so dornröschenmäßig nach hundertjährigem Komaschlaf wieder ins Hier und Jetzt gefickt zu werden – großartig!

Profitiert habe ich auf etliche Arten, nicht nur körperlich. Oder waren sie schon mal streng halal einkaufen, um nach dem Sex ausführlichst bekocht zu werden? Und ich habe jetzt ein wirklich gutes Humus-Rezept, obendrein.

Auch profitiert habe ich, indem ich in dieser relativ neutralen Testumgebung meinen üblichen Reflexen, Obsessionen und Unsicherheiten, mit denen ich schon so manche meiner Beziehungen (mit-)zerstört habe, beim Frei-Drehen zusehen konnte. Und es sogar geschafft habe, sie ab und an zu entlarven und einfach mein Gefühl und mein Verhalten zu ändern. Die Heidi wäre stolz auf mich, die Heidi in mir ist es schon.

Ich fand es auch sehr bereichernd, so einen echten Araber kennen zu lernen, auch wenn es mit der Kommunikation schon schwierig ist, wenn jemand wirklich nicht sehr gut Deutsch oder Englisch kann, und ich kein Arabisch. Oder kennen Sie so jemanden, außer aus dem Späti oder Gemüseladen? Ich finde es ziemlich faszinierend, ein so komplett anderes Weltbild und Leben mitzukriegen.

Oder auch deprimierend, zu sehen, wie jemand der kaum deutsch kann, hier leben muß – Sie haben sich doch sicher auch so aufgeregt über die Dokumentation über die Arbeitsbedingungen der Aushilfen bei Amazon? Ich verrate Ihnen jetzt mal was: das machen alle so. So leben viele hier in Deutschland, für netto tausend Euro arbeiten sie 40-60 Stunden die Woche in nacht- und Tagschicht, bei DHL, UPS und in Reinigungsfirmen, was auch immer, zuzüglich einer oft zweistündigen Anreise mitten in der Nacht nach Brieselang oder Birkenwerder. Oft ist übrigens die Unterbringung tatsächlich Teil des Jobpakets, im Wohnheim, zu überteuerten Priesen am Ende der Welt. Ja, da sagt unsereins als Bildungsbürger, selber schuld, erstmal die Sprache richtig lernen, und sich dann weiterbilden, dann hat man auch eine bessere Perspektive. Jaha, aber dann müßte man erst einmal regelmäßig und kalkulierbar frei haben, um eben diese Sprachkurse machen zu können, und Zeit und Kraft übrig, um hier in dieser Gesellschaft auch richtig anzukommen.

Und in diesem Fall auch, um sich ab und an mit Herrn Lucky einen vergnüglichen Abend zu machen. Und das öfter mal, damit der Wüstensohn auch mit seinem eigenen Begehren und der Lust, über die er sich so erschreckt hat, klar kommen kann.

 

(Don’t) Turn around, bright eyes

Und dann der doch durchaus und überaus peinliche Moment, wo der smarte Mann mit den schönen grünen Augen und dem exotischen Nachnamen (ungarisch?), mit dem man eben noch im Termin saß, sich in der Tür nochmal umdreht, justament und genau in dem Moment, wo man ihm zum Abschied noch genüßlich auf den Hintern gucken will.
Erwischt, du Fisch.

Heartbreaking

Hab ich Ihnen diese Seite schon mal ans Herz gelegt? Wenn nicht, wird es aber mächtig Zeit: Letters of Note.
Besondere Briefe von bekannten oder unbekannten Menschen. Mal witzig, mal wütend, mal sarkastisch, je nachdem.
Oder herzzerreißend, wie dieser hier, geschrieben von einem amerikanischen GI an seinen Kameraden, seinen Geliebten, anläßlich des Jahrestages, daß sie sich kennen lernten – nur um sich dann wieder zu verlieren:
Sleep well, my Love
Ein kurzer Brief nur, aber das in Cinemascope, Breitwand, mit ein wenig Sepia, ein Brief – ein Film.

Abenteuer

Es beunruhigt mich zutiefst, und doch ist es an sich ja gar nichts Ungewöhnliches, nur eben für mich, der ich so lange in meinen eigenen Kokon eingewickelt war.
Zum ersten Mal seit Jahren habe ich mich aus der Deckung gewagt, laid my heart (and ass) on the line (sorry, es fällt mir auf Deutsch nicht besser ein), verliebt bin ich nicht (oder nur ein kleines bißchen), aber angefaßt, ein bißchen verzaubert, ein bißchen verkatert und verwirrt. Bewitched, bothered and bewildered?
Die Geschichte ist eine lange und recht interessante, vielleicht erzähle ich sie auch einmal hier, aber sie wird bestimmt nicht mehr lange dauern, denke ich.
Ein Abenteuer eben, hoffentlich das erste von weiteren, erzähle ich mir zur Beruhigung, was soll schon Schlimmes passieren? Also schlimmer, als die letzten jahre waren?

Herz am rechten Fleck

Lichtenrade und Lichterfelde, zwei angegraute Berliner Jungs im besten Alter zwischen 50 und 60, unter der Dusche des Sportvereins am Columbiadamm.
Lichtenrade: “Na, ich weeß nich, so viele komische Leute hier in letzter Zeit, neulich hat mir eener beim Duschen die janze Zeit uffn Schwanz und Arsch gekiekt, det passt mir jarnich, sowatt!”
Lichterfelde: “Ach watt, det machtoch nüscht, haste doch hinterher nix weniger – is doch schön, wenn eener ma kiekt!”

To glare or not to glare, to taps or not to taps

Bei Gaydar gibt es eine Funktion, wo man jemand anzwinkern kann, und man bekommt dann eine Meldung “xxx has winked at you.” Ich hätte gerne eine Funktion, wo derjenige als Antwort bekommt “xxx has glared right back at you!”, also jemand hat zornig zurückgestarrt.

Dasselbe bei Gayromeo, dort hat man die Möglichkeit, ausnehmend häßlich entworfene Fußtapsen zu vergeben, z.B. mit der Beutung “Sexy!”, “Toller Po” oder “Möchte dich gerne kennenlernen”.
Ich hatte da gerne die Antwortmöglichkeit “Ohrfeige”, denn diese beiden Funktionen werden meist nur von absolut indiskutablen Individuen genutzt, bevorzugt aus der tiefsten Provinz oder über 70, die es wahrscheinlich auch nur satt haben, sich ausformulierte Abfuhren einzuholen.
So, what’s the point?

Cleanliness next to Godliness

Also das muß man ihm wirklich lassen, er hat sehr gut geputzt. Na gut, jede Perle hat so ihr eigenes System, und so muß man sich Nagelfeile, Fernbedienung oder Kabelei halt irgendwo suchen in der Wohnung.

Das schönste aber war der Duft: ein schwacher Hauch von Parfüm und ein sehr dezenter, sauberer, betörender Männerduft hing noch in der ganzen Wohnung, Fast hätte ich an dem Abend nicht geraucht, um den Duft noch ein wenig zu erhalten.

Allerdings muß ich zugeben, daß mir der neue Putzmann ein wenig schlechte Laune bereitet. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, ein wenig voraufräumen zu müssen, und diei ganz ollen Schlüpper ganz tief im Wäschesack verstecken zu müssen. Das ist mir bei meiner ukrainischen Perle nie so gegangen.

Ich weiß schon, warum ich eine weibliche Therapeutin hatte, und keinen schwulen.

Raphael behind me

Gabriel before me
Raphael behind me
Michael to my right
Uriel on my left side
in the circle of fire
(Kate Bush, Lily)

Die Zukunft der Raumpflege, ach, man muß schon sagen THE FUTURE, hält heute vertretungsweise Einzug in die Luckyschen Hallen: Raphael.
Er ist der Putzmann meines Mitbewohners, von einer so schönen Schönheit auf den zweiten Blick, so richtig saftig, ein Hunk. Und Brasilianer. So Hach halt. Mit einem Riesen-Schlong. Mein Mitbewohner wäre ja nicht mein Mitbewohner, wenn er nicht gleich zum zweiten Reinemachdate Sex mit Raphael gehabt hätte, daher weiß ich das. Mir hat er und wird er seinen Riesen-Schlong wohl eher nicht zeigen.

Dafür aber zückte er ob meiner Nachfrage, ob er Interimsvertretung für meine dralle ukrainische Putzbombe machen könnte, die wieder ein Vierteljahr Visum zuhause absitzen muß, gleich sein iPad und sein iPhone, fragte Mobilnummer ab, tippte ein bissel rum und sagte, er habe mir eine SMS mit Terminvorschlägen geschickt, ich solle die gewünschten besttigen, dann hätte er sie gleich als Termine drin.
(Er studiert International Public Relations oder so. “Sounds pretty dirty to me!” sagt da Bette Davis als Charlotte zu ihrer Cousine in Hush Hush Sweet Charlotte)
It’s the Future, Darling!

(Ob ich nachher nicht auch mal unvermutet und rein zufällig aus dem Büro nach Hause reinschneien soll?)