Category Archives: confessional pottery

Multiple Choice

  • Ja
  • Nee
  • Weiß auch nich

Es waren einfach viele Eindrücke die letzten Tage, zu viele für meinen Hermitenhaushalt, das schöne Fest bei Glämmie, wie immer eigentlich der Höhepunkt des Jahres wie für andere vielleicht Weihnachten (bjäch), tolle Menschen, große Freude, dann zwei Tage aufm See, und das Job-Bömbchen am Freitag – bin platt und weiß auch nicht, aber alles weitgehend schön, überwiegend.
So weit ich das beurteilen kann.
Achso, und an alle die, deren Geburtstag ich jetzt nicht entsprechend gewürdigt habe, es tut mir leid, ich war überfordert – bitte um Geduld.

Selbstverständlich!?

Vielleicht ist mein Hauptproblem, daß ich nichts als selbstverständlich nehmen kann – schau ich mir meine heißgeliebte Wohnung an, denke ich an Mieterhöhung oder Jobverlust. Kneife ich mal bei einer Freundeseinladung, habe ich gleich Angst, nicht mehr gemocht zu werden. Denke ich an die Familie, befürchte ich, mich nicht genug zu kümmern.
Das Ding mit dem Großauftrag hat einen gewissen Knopf gedrückt, mich irgendwie in den Zustand eines Sechsjährigen gebracht, kein schöner Zustand für einen Tag mit gleich 3 echt wichtigen Terminen, ein kleines zitterndes Elendspaket am Vormittag. 20 Minuten allein habe ich den Gürtel gesucht, den ich schon längst an hatte.
Ich hatte total vergessen, daß das solche Zustände von außen keiner sehen kann, und die Leute an sich einem und auch mir schon eine gewisse Statur und Respekt zubilligen und daß man sich erstmal eh auf Augenhöhe trifft.
Wurde dann alles soweit gut gemeistert, aber schön war das nicht, so nackt im Wind in die Schlacht zu ziehen.
Nur so als Memento hier für mich für nächstes Mal.

Starkes Mißverständnis

Depression is not a sign of weakness
it means you have been strong for far too long
(gefunden bei
Herrn Nach21s Alternativen)

“Sie sind sehr stark Herr Lucky, schauen Sie doch mal an, was Sie alles durchgestanden haben in den Jahren.”
“Ja, da könnte ich jetzt stolz drauf sein. Ich könnte mich aber auch darüber ärgern, daß ich so toll stark war, viele Jahre im Regen zu stehen auszuhalten, anstatt so stark zu sein, mich einfach irgendwo unterzustellen.”

Abstand (halten)

Die letzten Tage ein wenig traurig gewesen, aus gutem Grund. Also, aus positiven Beweggründen jetzt, nicht aus negativen.

Jetzt doch seit über 4 Monaten aus meiner Depression hinaus, wohl tatsächlich eine (vorläufige) Heilung, halbwegs stabil, und das ohne Medikamente (ja, so dumm war ich auch). Und mit diesem Abstand wird mir auf einmal klar, welch ein Leben und Empfinden ich für mich als gegeben, verdient, alltäglich, für mich passend und selbstverständlich akzeptiert hatte, über die Jahre.

Mit dem Abstand erschrickt mich nachträglich sehr, wie dramatisch das an sich war, manche Tage, Wochen, Monate, Jahre, welche Meinungen und Überzeugungen man so in sich horten konnte, wie schlecht man sich versorgen kann, nur weil man irgendwo tief drin denkt, das stünde einem nicht zu, und in welch akut verwirrten Situationen ich so steckte. Und ich bin meiner Therapeutin im Nachhinein dankbar, daß sie es nicht für mich dramatisierte, es ist wohl besser einen Schlafwandler nicht zu wecken, bis er in sicheren Gefilden ist..
Ich möchte manchmal heulen (und tue das auch), aus Selbstmitleid, und das ist mir auch ein wenig peinlich.

Mittlerweile habe ich das neue, unbekannte Gefühl, daß ich weniger fühle. Vieles berührt mich nicht, meine Familie ist mir egal oder nervt, gibt mir aber nichts mehr. Das leere Mutterhaus war nur noch ein leeres Haus, sonst nichts. Ich bin sicher zur Zeit ein schlechter Freund, weil ich so wenig mitfühle und meinen Abstand halte. Ich kann, oder um es mit Heidi zu sagen, ich will nicht. Ich brauche das jetzt so. Nur das Drama kann/will ich jetzt nicht teilen. (Und bitte vergeßt nicht, daß ich dennoch immer für euch da bin und alles tun würde für euch!)

Ich fühle mich neuerdings meist ruhig, kühl und klar und, und das ist neu, distanziert. Damit fühle ich mich nicht besonders wohl, es ist mir ungewohnt und frend und schien mir immer wenig erstrebenswert und verursacht mir Schuldgefühle. Jedoch versichert meine Heidi mir, daß das ein sehr gesunder und richtiger Zustand sei.

Nun, wir werden sehen, aber es fühlt sich immer mehr wie ein neuer Lebensabschnitt an, der vor 4 Monaten begann.

(Und ja, es ist mir unendlich peinlich, das hierhin zu schreiben, soviel “ich” und “fühle”, aber es ist eine Flaschenpost an mich für später, und auch eine für diejenigen meiner Leser, die ähnliche Themen haben, ich weiß es gibt einige. Soll heißen, seht her, vielleicht geht’s!)

Allein Allein

Für die meisten ist allein sein gleichbedeutend mit einsam sein und damit schrecklich und unerträglich, mir ist das noch nie passiert.
Ich bin gern allein und fühlte mich nur ganz selten einsam – das wurde gut trainiert in Kindheit und Jugend, ohne Freunde auf so einem Mistdorf.
Nach 1450 km und insgesamt über 25 Stunden Autobahn mit 96 Stunden “Weihnacht” dazwischen ist meine soziale Kapazität ausgereizt. Und gegeben hat mir das ganze auch nichts außer einer tiefen Erschöpfung. In den letzten Jahren war das Weihnachten mit der Restfamilie wichtig für das Vorankommen, die Trauerarbeit. Dieses Mal war es eine sinnlose Pflichtübung, nicht mal “Frohe Weihnachten” haben wir uns untereinander gewünscht, der von meinem armen Schwager mühevoll aufgestellte Weihnachtsbaum blieb ignoriert, und das leere Haus war einfach nur noch kalt und leer und keine Heimat mehr.
Ich glaube ich werde mir das nächstes Mal sparen. Und die nächsten Tage in Quarantäne zuhause verbringen, gut gepolstert mit Entertainment und lecker Essen und Trinken. Und Silvester werde ich garantiert keinen Fuß vor die Tür setzen. Auch ein erstes Mal.

First Marriage, then Love? oder: Schade!

Wurde es uns weggenommen
oder ist es weggeschwommen
wird es einmal wiederkommen?
ach.
Würstel und Speck
alles weg
Schade!
(Cora Frost)

Ein wenig wund heute, gestern Spontan-Dinnerdate mit dem letzten Ex – vor 9 Jahren und 10 1/2 Monaten haben wir uns das erste Mal gesehen.
In den zwei Jahren, die wir zusammen waren, haben wir und anscheinend so gründlich gegenseitig geschädigt, daß keiner von uns mehr eine weitere Beziehung auf die Reihe bekommen hat, gut, bei mir kam ja auch noch der Burnout dazwischen.
Es ist schön, wieviel Nähe und auch Liebe nach der Trennung und ein wenig Quarantäne heutzutage möglich ist, auch wenn die Bilder, wie man die Geschichte erlebt und eingeordnet hat, kaum mehr aufeinander passen – erstaunlich, wie Selbstbild, wie selektiv Erinnerung auf beiden Seiten funktioniert.
Und doch, es bleibt die Frage, was wäre, hätten wir die Krise damals irgendwie gemeistert oder einfach ausgesessen. Vielleicht hätten wir heute eine Hausgemeinschaft, und ein, zwei Kinder.
Wo sind die Tränen von gestern abend, wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr? Erinnert man sich in einer 30jährigen Ehe noch an den Streit, die Krise vom Jahre Schnee?
Es hat zwar bis 3 Uhr gedauert, aber nach langem Hin und Her konnten wir dann immerhin ein vorsichtiges “Schade” gemeinsam verabschieden. Immerhin.

Six Teeth Under

Wahrscheinlich sollte ich mir ernsthaft Gedanken über Mundgeruch machen, wenn die Zahnärztin, als sie nach einer längeren Behandlung den Mundschutz abnimmt, dicke weiße Ränder unter der Nase hat, genau wie so ein Bestatter über einer gut abgelegenen Leiche.
ich hoffe, es lag nur an dem Abendessen, da hatte ich vergessen, daß ich am nächsten Tag so einen Termin habe.

Hell freezes over at 11:15 a.m.

Die Heidi sagt mir, daß es ein gutes Zeichen ist, daß in mir kaum noch etwas umgeht, was ich zum Beispiel fürs Bloggen verbraten könnte. Es würde bedeuten, daß ich aus meiner depressiven Belastungsstörung so langsam, aber endlich heraus wäre.
Das große Hallen in Herz und Hirn läge daran, daß ich über die Jahre so konditioniert gewesen wäre, daß ich nur depressives und angsterfüllendes gehortet hätte, und es mir ungewohnt sei, andere Gedanken oder Gefühle wahrzunehmen.
Nun gut, sie ist die Expertin, und sollte es wissen, gut für mich, schlecht fürs Bloggen.

Jedenfalls läuten hier grade die Kirchenglocken (ja, mitten in Kreuzberg!) und das zu Recht, mein letztes Stündlein hat auch gleich geschlagen: ich habe einen Zahnarzttermin.
Den ersten seit über 15 Jahren, ich weiß nicht, ob Sie sich vorstellen können, was das heißt.
Beten Sie für mich!

Es scheint an der Zeit, die alten Leichen mal alle aus dem Keller zu holen.

…doch heut bin ich wieder dabei

Vier Wochen Urlaub, das schien mir eine unendliche Strecke, nicht mehr gehabt seit den großen Schulferien von damals, und durchaus furchteinflößend. Was würde passieren, ich so ganz auf mich selbst geworfen?
In der ganzen langen Zeit hat sich jedoch nicht das eingestellt, was ich erwartet hatte: der Moment, wo man wieder beide Beine auf den Boden bekommt, ausgeruht, ein wenig Klarheit, und den Blick für ein wenig Richtung für einen selbst.

Nun, nichts ist passiert, aber die letzte Woche, die erste Arbeitswoche, war die blanke Hölle. Nicht, daß irgendwas schlimmes passiert wäre, es war nur so, daß ich ein ganz klares Gefühl hatte, daß ich das alles nicht mehr will. (Und ich werde mich bei dem ein oder anderen Kollegen für die furchtbar schlechte Laune entschuldigen müssen…)
Besonders schlimm der Nervfaktor meiner Arbeit, an den ich mich erstmal wieder gewöhnen muß (Muß ich das?)
Freitag abend war dann der Höhepunkt, Midlife Crisis at it’s best, aber nach einem verkrochenen Wochenende fühle ich mich wieder in der Lage und willens, weiter zu machen. Erst mal.

(Ich nehme an, das macht so jetzt gar keinen Sinn, vielleicht kommt der ja noch, irgednwann)

Merkzettel für den nächsten langen Urlaub: Reizfreiere Umgebung mit weniger Verbindlickeiten, dafür mehr Unbekanntem.