Category Archives: chateau de tourette

Maklerhafte Lyrik

“Das Leben kann so spannend sein”
-> Obwohl Sie als Suchanfrage Dachgeschoß mit Terrasse Südwest ab 80 qm angegeben haben, möchten wir nicht, daß Ihnen diese wunderschöne Wohnung Erdgeschoß mit Terrasse zum Hof gleich neben den Mülltonnen entgeht. Ausrichtugng Südwest, sie könnte aber auch im Keller sein, weil das Fabrikgebäude Ihnen auf jeden fall jegliches Licht wegnimmt.

“Bei mir bekommst du das Dach gleich mit dazu”
-> Denn Dachgeschoß kann man es nicht nennen, es ist eine verfurzte schattige Miniwohnung im 4.Stock Hinterhaus und das Dach darüber war zu klein, um es jemand noch als Trockenraum andrehen zu können. Durch den Sehschlitz zwischen den Dachziegeln können Sie an Neumondnächten den Fernsehturm sehen, wenn Sie sich auf einen Tisch und einen Stuhl stellen und ganz viel Phantasie haben.

“Ein lebendiger Traum”
-> Trotz des Ttels hat diese Wohnung (wahrscheinlich) keine Kakerlaken, Asseln oder Silberfische. Die sind nämlich durch den Anblick des unglaublich rot-schwarz-grau-gemusterten Designerkachekfußboden wahnsinnig geworden und haben sich von der Terrasse, äh, Verzeihung, Balkon gestürzt.

(Alle Wohnungen befanden sich im “Szenebezirk Bergmannkiez” also in vielbefahrenen Asostraßen wie der Urbanstraße ca. 5 km von eben jenem Kiez entfernt.)
Gibt es eigentlich irgendwo einen Treffpunkt, wo man Makler verprügeln kann?

Frechheit!

An die senkrechten Schlaffalten, die sich über den Tag mittlerweile auch nicht mehr komplett aufploppen, hatte ich ja jetzt genug Zeit mich zu gewöhnen.
Jetzt hab ich neuerdings auch welche an meinem Dekollete. Eine ausgewachsene Frechheit!

Schlaffalten, häßliches Wort. Vorne schlaff, und hinten alten.

Out-of-my-Face-Book

Liebe Freunde, werte Herrschaften und Kollegen,
nein, ich möchte Sie nicht bei Facebook sehen oder treffen.
Ich habe so gut wie jeden Tag genug Kommunikation, meist sogar mehr, als ich ertragen kann oder möchte, und ebenfalls mehr als genug Information, aller Arten.
Meine 3-8 realen Freunde reichen mir aus und ich würde sie um nichts in der Welt gegen 587 virtuelle tauschen.
Mit meinen Daten und Vorlieben versuche ich digital sparsam umzugehen und verschwende sie eigentlich nur hier und in der blauen Welt.
Auch mein Selbstdarstellungsdrang ist eher gering ausgeprägt und reicht mitunter nicht mal mehr für hier.
Im übrigen schätze ich es auch gar nicht, wenn Sie meine Mailadresse so großzügig an verschiedene Online-Community-Portale verteilen, damit diese mich in regelmäßigen Abständen mit Einladungen nötigen und nerven.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Ich glaub es pfeift gleich!

“immer wieder geschenke von lucky strike bekommen” lautet eine Suchanfrage, die hierher geleitet wurde, Top of the Suchergebnisse.
Sehr geehrte/r Suchende/r,
hier wird einem nix geschenkt, nicht mal mir selber. Sogar die Leute, die ein Anrecht auf Geschenke haben, müssen darauf ewig warten, mit ungewissem Ausgang.
Wenn Sie gern was hätten, besorgen Sie es sich gefälligst selbst.
Herzlichst,
Ihr Lucky

Haben wollen, auf T-Shirt!

Gestern mal wieder Termin des Schreckens beim Lieblingskunden, eigentlich ging es um Abrechnungen, aber der Irre ließ sich nicht davon abhalten, Grundsätzliches immer wieder und wieder verhandeln zu wollen, und natürlich immer Unterstellungen und Mißtrauen und allgemeine Ekelhaftigkeit, wie das bei Menschen immer so ist, die “Visionen” haben, die nicht unbedingt alle ohne künstliche Hilfsmittel erzeugt wurden.
Für den nächsten Termin hätte ich gerne diesen Aufdruck einer Hallenkehrmaschine auf T-Shirt:

haulotte

Hit & Run auf dem Friedhof

Ältere, leicht haldol-umwehte Nachbarin auf dem Friedhof:
“Oh, hallo, äh, Lucky, du bist doch Lucky?”
“Ja, Frau Haldol, guten Tag!”
“Ich war mir unsicher, du bist ja so dick geworden!”
“Oh, vielen Dank, das ist ja nett!”
“Ich meine rund, im Gesicht, du hast so ein rundes Gesicht bekommen…”
“Zu spät, Frau Haldol, was raus ist ist raus”
(Noch bevor mein letzter Satz raus war, war die Alte ruckzuck und ganz behende um die Ecke verschwunden)

Massenmörder, als Institution

Da regt sich sie Welt über Amokläufe auf (klar, zurecht) aber der weltgrößte institutionalisierte Massenmörder läuft frei in der Welt herum, zur Zeit in Afrika, und predigt gegen die Benutzung von Kondomen. Der Papst läuft Amok. Mit einer MG in der Hand könnte er weit weniger Schaden anrichen.
Auf einem Kontinent, auf dem 20 Millionen Menschen HIV-infiziert sind. Das wäre auf Deutschland bezogen, jeder und jede vierte. Auf einem Kontinent, auf dem der Einfluß der katholischen Kirche leider stark wächst und viele Menschen nicht die nötige Bildung haben, sich zu dem Thema selber eine Meinung haben.

Das ist Dogma pur, halsstarrig, unrealistisch, grob fahrlässig und menschenverachtend.

Da lobe ich mir good old crazy Uta Ranke-Heinemann, die es genau auf den Punkt bringt: ein “Verbrechen in Form von tödlicher Irreführung der Menschheit. Ich klage ihn an, an Krankheit und Tod vieler Menschen die Schuld zu tragen”, schrieb die Kirchenkritikerin. Sie verlange vom Vatikan, “allen betroffenen Ehefrauen (…) medizinische Versorgung zu finanzieren und ihnen und ihren Familien Schadenersatz zu leisten”.
(zitiert nach SPON)

Die Anteilnehmer

Wenn irgendwo im Land etwas scheinbar gesellschaftlich Relevantes Schlimmes passiert oder dazu stilisiert wird, also etwas wirklich Furchtbares geschieht, was zu Recht viele Menschen erschüttert, und ich sage jetzt nicht Ba-Wü oder W., aber Sie wissen schon, dann kommen sie in rauen Massen: die Betroffenen, die Anteilnehmer.
Wobei sie genau genommen nicht wirklich direkt Betroffen sind, aber Anteilnehmen geht immer.

So hat man ganze 16 Kerzen (16!?) im Berliner Dom entzündet, und abends gab es eine Trauerfeier. In Berlin.

Ein zu Unrecht sehr erfolgreicher Comedian (sie wissen schon, je mehr der Scheißhaufen stinkt, desto mehr Fliegen) sagt “aus betroffenheit” seine Teilnahme an seinen eigenen Premierenfeiern ab, nicht aber die Premieren selbst. Das würde ja Geld kosten, das andere ist wohlfeil. Wohlfeil. Umsonst.

Die üblichen verdächtigen Statementgeber geben ihre üblichen verdächtigen Statements ab, ebenfalls wohlfeil, und keinesfalls selbstzweckbefreit, und die Fußballer wollen in schwarzem Trauerflor spielen. Man fragt sich, wo sie betroffen sind.

Das Ganze ist doch wie die laute überschminkte fette Tante: Mit frisch gegipsten, kurz zuvor gebrochenem Bein liegt der Kleene im Kreise der Familie und Freunde und sonnt sich im Licht und Trost der Aufmerksamkeit und Geschenke.
Bis die laute, überschminkte fette Tante anrauscht und das Bild sprengt: “ACHwasHABICHMIRSORGENgemachtumdich!!! ICHkonnteDIEGANZENACHTNICHTSCHLAFENundjetzthabICH HERZRASENUNDMIGRÄNE!!!”
Und der Kleene und sein Drama ist komplett vergessen.

Man sollte sie Anteilwegnehmer nennen, das wäre genauer und ehrlicher.