Maklerhafte Lyrik

“Das Leben kann so spannend sein”
-> Obwohl Sie als Suchanfrage Dachgeschoß mit Terrasse Südwest ab 80 qm angegeben haben, möchten wir nicht, daß Ihnen diese wunderschöne Wohnung Erdgeschoß mit Terrasse zum Hof gleich neben den Mülltonnen entgeht. Ausrichtugng Südwest, sie könnte aber auch im Keller sein, weil das Fabrikgebäude Ihnen auf jeden fall jegliches Licht wegnimmt.

“Bei mir bekommst du das Dach gleich mit dazu”
-> Denn Dachgeschoß kann man es nicht nennen, es ist eine verfurzte schattige Miniwohnung im 4.Stock Hinterhaus und das Dach darüber war zu klein, um es jemand noch als Trockenraum andrehen zu können. Durch den Sehschlitz zwischen den Dachziegeln können Sie an Neumondnächten den Fernsehturm sehen, wenn Sie sich auf einen Tisch und einen Stuhl stellen und ganz viel Phantasie haben.

“Ein lebendiger Traum”
-> Trotz des Ttels hat diese Wohnung (wahrscheinlich) keine Kakerlaken, Asseln oder Silberfische. Die sind nämlich durch den Anblick des unglaublich rot-schwarz-grau-gemusterten Designerkachekfußboden wahnsinnig geworden und haben sich von der Terrasse, äh, Verzeihung, Balkon gestürzt.

(Alle Wohnungen befanden sich im “Szenebezirk Bergmannkiez” also in vielbefahrenen Asostraßen wie der Urbanstraße ca. 5 km von eben jenem Kiez entfernt.)
Gibt es eigentlich irgendwo einen Treffpunkt, wo man Makler verprügeln kann?

13 Gedanken zu „Maklerhafte Lyrik

  1. walküre

    DAS wär doch einmal eine Geschäftsidee: Makler-Bashing !

    Ihre Zeilen oben haben mich an einen Teil eines Eintrags erinnert, den ich vor etwas mehr als zwei Jahren bei meiner eigenen Wohnungssuche verfasst habe:

    Apropos: Die blumige Sprache der Makler finde ich absolut köstlich ! Wenn mir eine Wohnung mit „in Wirtschaftswunderqualität“ angepriesen wird und statt Bildern nur zwei Grundrisse zu sehen sind, gehe ich beispielsweise davon aus, dass die Wohnung in den 60er-Jahren erbaut und danach kaum mehr saniert wurde – aber die Beschreibung klingt durch und durch positiv ! Soll sie ja auch, ich weiß eh, wegen des Interesses und der Aufmerksamkeit und überhaupt, nur lösen manche Worte bei mir halt andere Assoziationen aus als beim Durchschnitt, was aber auch daran liegt, dass ich auf einige Erfahrungen mit Immobilien zurückgreifen kann. Im Zusammenhang mit einem Haus mit großem Garten hab ich auch schon gelesen „zum Wachküssen“ – mich schauderts bei dem Gedanken an die Arbeit und das Geld, die in solch eine Immobilie investiert werden müssen, denn die lyrische, an Dornröschen erinnernde Phrase heißt für mich nichts anderes, als dass weder Haus noch Garten in den vergangenen Jahren über ein Minimum hinaus (wenn überhaupt) bewirtschaftet wurden. Ich möcht jedenfalls nicht einer der Prinzen sein, die in der Hecke hängenbleiben.

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  2. walküre

    REPLY:
    “es handelt sich um eine emotionale immobilie”

    !!!

    *fällt vor lachen um*

    PS: Für ein derartiges Buch stünde ich jederzeit zur Verfügung, für ein Zusatzkapitel “Altbausanierung” ebenfalls (“Baumeister&Handwerker-Deutsch/Deutsch-Baumeister&Handwerker”).

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  3. luckystrike

    REPLY:
    Ich würde gerne, seit meine Finanzberaterin mir mal vorgerechnet hat, daß ich statt Miete zahlen auch einfach einen Kredit abbezahlen könnte, und mir dann in meinem unterversorgten Alter wenigstens die Miete sparen könnte – das wäre mehr Geld, als ich jetzt mit Versicherungen und wasweißich noch zusammenklauben könnte.

    Ich bin fasziniert von der Idee, bin ja selbst eine Immobilie.
    Nur leider liegen die Vorstellungen der Anbieter und meine noch weit auseinander, was Angebot und Bezahlbarkeit angeht. Ein Dachgeschoß mit großer Terrasse, 80-100qm, Südwestlage, in Kreuzberg 36, kann doch nicht so schwer sein!?

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  4. luckystrike

    REPLY:
    Ich werde da dann auch immer ganz “emotional” – bisher allerdings habe ich noch keinen Makler direkt getroffen, ich sondiere grade erstmal überhaupt den Markt, es gibt ja immer diese 20% Bodensatz, der immer da ist, und das muß man herauskriegen, bevor man ernsthaft Kontakt macht.

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  5. luckystrike

    REPLY:
    Wow, vielen Dank für die Beratung, auch wenn ich das mit dem Abschreiben noch nie wirklich verstanden habe… Bei mir gehts nicht um ein ganzes Haus, nur um eine Dachgeschoßwohnung.

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  6. timanfaya

    REPLY:
    bei ebay nennt man das die “deppenqoute”. die 10%, denen man es nie recht machen kann. irgendwo zwischen den 10 und 20% liegt wohl die deppenquote des lebens.

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  7. timanfaya

    REPLY:
    wenn man das wirklich aus geldgründen macht ist die finanzielle idealsituation, dass man ein völlig kaputtes haus mit guter grundsubstanz für eine vermietung + eigennutzung kauft und von einem vereidigten gutachter eine dem entsprechende restnutzungsdauer von höchsten 25 jahren bescheinigen läßt (im normalllfall bei einer schrotthütte kein thema). immobilien werden heute nach eigener wahl entweder linear (2%) oder degressiv (4% in den ersten 8 jahren, dafür am ende nur noch 1,25%) abgeschrieben – und zwar – festhalten[!] – über 50 jahre. das erleben wir also eher nicht mehr. bei einer restnutzungdauer von 25 jahren kann man 4% über 25 jahre für die kosten abschreiben, die man für den vermieteten teil aufgewendet hat (da bekommt man schon ordentlich was geschoben, dass der eigene sehr gering ausfällt.). wenn man das ganze aber komplett optimieren will “verkauft” man den eigen genutzten teil schon am anfang (also bei kauf schon eine teilung) an einen guten freund / familie whatever, der die kosten dann selber absetzt. man wohnt zwar zur “miete”, aber das ganze kann man natürlich so vertraglich absichern, wie es einem dünkt.

    mit der bastelanleitung würde ich noch mal den finanzmenschen befragen. da geht noch was … (o;

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  8. timanfaya

    REPLY:
    … hatte ich verstanden, aber eigentumswohnungen rechnen sich nur für zahnärzte [insiderwitz]. im ernst, ganz pfui, weil man teil eines gesamtwahnsinns [eigentümergemeinschaft] ist. daher: ein ganzes haus rulez. denn, als selbstständiger muss man: abschreiben, abschreiben, abschreiben. abschreibung bei einer selbstgenutzten eigentumswohnung: exakt null prozent. (o;

    p.s.: wenn ein guter steuerberater [den man als selbstständiger haben sollte] das einmal erklärt hat verinnerlicht man das irgendwann. ich habe mir gerade ein auto gekauft. das erste in selbstständigkeit. wenn man das durchrechnet landet man am ende bei irgendwas zwischen 50 bis 60% von dem, was ein angestellter dafür zahlen muss. jetzt weiß ich auch endlich, wer sich die ganzen teuren karren kaufen kann.

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  9. luckystrike

    REPLY:
    Tscha, was soll man machen, in der Innenstadt Berlins gibt es her wenige marode Zweifamilienhäuser, da kostet ein Haus auch gleich ab 500T (abrißbereit) bis x Mio – mir bleibt da nur die Zahnnarztlösung. Ohne abschreiben.

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