bin ich zur Zeit, unkommunikabel, unnütz und ungenießbar wie ein Holzapfel.
Sogar mit der Therapeutin hab ich Streit. Wenn das so weitergeht, feuert sie mich noch.
Author Archives: luckystrike
Es ist November und der Regen
Jetzt wollte ich doch in meiner Serie “November” schon wieder einen Liedertext auftippen, und dann hab ich bei Youtube doch ein Filmchen gefunden, da hat es jemand namens Queerkopf doch komplett genial umgesetzt – Schaunse ma, paßt perfekt zum da draußen:
Alexandra feat. Stollah!: “Was ist das Ziel”:
Und jetzt raus, spazieren gehen!
wird herbst da draussen
Die Tauben sitzen schwer wie Steine
der Baum im Hof verliert Gewicht
Ein alter Mann vertritt die Beine
Wird Herbst da draußen, wie ich meine
Wird Herbst da draußen
Und in mir.
Zwölf Bänke stehn und sind vergessen
Eine Tulpenbeet hat nichts zu tun
Ein Sonnenstrahl grüßt sehr gemessen
Den Herbst da draußen
Und in mir.
Und Fenster blicken ernst entschlossen
Als sähe keiner rein noch raus
Ein Pudel schüttelt sich verdrossen
Ein Unbekannter hat beschlossen
Wird Herbst da draußen
Und in Mir.
(Knef natürlich.
Ich würde ja mehr dichten, wenn ich nicht den Einruck hätte, das hat schon mal jemand perfekt auf den Punkt gebracht.)
senza fine – das leben vor dem tod – im november
Ann: If you don’t kiss me right now I’m gonna scream.
Sie ist 23, eine an italienisch erinnernde Schönheit, vielleicht in Kanada, mit zwei kleinen Töchtern, einem süßen, liebevollen, aber zerstreuten Ehemann, lebt in einem Trailer in Garten ihrer Mutter, die Debbie Harry ist, welche eine klassisch schlechtgelaunte Shirley-Maclaine-Altersrolle spielt, nur mit echtem Witz und ohne Chargieren (unlike Ms. MacLaine.)
Und sie wird in zwei Monaten sterben.
Er ist um die 30, Modefotgraf, Franzose, schwul, hat ein inniges, aber gestörtes Verhältnis zu seinem Verhältnis und auch zu seiner Familie. Er hat noch drei Monate zu leben.
Beide Krebs.
Es geht um die Entscheidungen – was würdest DU tun, wenn du nur noch 2 oder 3 Monate zu leben hättst?
Beide sind Versorger, seine Familie, besonders seine Schwester, sind emotional genauso abhängig von ihm, wie sein Liebhaber komplett, auch finanziell, abhängig ist von ihm.
Ihre Familie hängt absolut an ihr, wie sie ohne zu murren in Nachtschicht die Schule putzt, weil ihr Gatte keine Arbeit hat, und die Mädchen sich gewöhnt haben daran, daß ihre Mutter tagsüber schläft, aber zum Zubettgehn mit ihren “Wenn mein Bett ein Floß wäre” spielt.
Beide verweigern die Mitteilung an die Nahestehenden, sie nehmen ihren Tod persönlich. Einsame Entscheidungen.
Er holt sich Rat und einen Moment Geborgenheit bei seiner Großmutter, die Jeanne Moreau ist, und zieht es ansonsten vor, sich von allen zurückzuziehen, letztendlich jedoch nicht ohne eine Spur eines mit beautiful strangers gezeugten Kindes zu hinterlassen.
Sie nimmt Mitteilungen auf Kassetten auf, für jedes Jahr der Geburtstage ihrer Töchter bis zum 18ten eine. Später auch für Ehemann, Mutter und Geliebten, den sie sich in der Zwischenzeit angegangen hat, weil ihr Ehemann ihr einziger Mann in ihrem Leben war, und sie wissen will, wie es mit einem anderen gewesen wäre, und außerdem erfahren will, wie es ist, wenn sich jemand in sie verliebt. (Enter Marc Ruffalo, just the guy for me)
Zwei wunderschöne Filme, hervorragend komponiert, besetzt und gespielt, passend zum gestrigen Allerheiligen, und zum November allgemein, die zeigen, wieviel Leben möglich wäre. Traurig, vielleicht. Deprimierend, keineswegs.
Der eine: Mein Leben ohne mich von Isabel Coixet (produziert vom Pedro Almodovar, und wahrscheinlich der beste Film, den Almodovar nicht gedreht hat) und der andere
Die Zeit die bleibt, ein Film von Francois Ozon.
Enjoy!
genau betrachtet
ist die schöne Wortbildung “After Show Party” doch ein ziemlich häßlicher Begriff.
memento
note to self: we want more of this:

and also more of whats in the lower right corner.
Don’t forget.
scheiß-ampel-scheibenputzer!
Du brauchst mir keine Herzchen mit deinem dreckverschmierten Lappen auf die Windschutzscheibe malen.
Sei ehrlich, du würdest mir doch eh nicht deinem Schwanz zeigen.
marlene war die erste bloggerin
Circa 1976 hatte Marlene Dietrich es vermutlich einfach satt, Marlene Dietrich sein zu müssen, legte sich ins Bett und stand im Wesentlichen nicht mehr auf, bis sie 1992 in eben jenem Bett starb.
Von ihrer Bettstatt, die mit Kochplatte, einerm Vorrat an Jim Beam, ihrem berühmten Telefon und einem Fernseher ausgerüstet war, nahm sie an der Welt teil, machte sich so ihre Gedanken und rief unabhängig von Tag- oder Nachtzeit ihre Vertrauten an – oder auch ihr persönlich nicht bekannte Persönlichkeiten.
Eine Lebensplanung, die mich sehr anspricht und ganz oben auf der Liste der Optionen für später (und gelegentlich auch für jetzt schon) steht.
Der Schlaf war ein seltener Gast in der Avenue Montaigne. Oft sammelte sie ihre Gedanken in kleine Gedichte, schrieb per Hand oder mit Noel Cowards Schreibmaschine, die immer an ihrem Bett stand.
Vor ein paar Jahren hat ihre Tochter einige der Gedichte in ein hübsches Coffetable-Book gesammelt, kurze, prägnante Gedichte, die dadurch bestechen, daß die wenigen Worte um sich selbst kreisen, mal larmoyant, mal mit ihrem kühlen Witz durchsetzt. Oft sind es Hymnen an ihre früheren Lebensbegleiter, manchmal anrührend.
Go to sleep
Stop your relentless
brain
From Working
overtime
Just go to sleep
Take pills
Take love
if you can get it
And Sleep
In Arms
enfolding
Or lonesome
With no one holding
you
But go to sleep
You will keep
Till morning
oder:
AMERICA
The Land
Of the Free
You can go there
Be free
To kill
The remains
Thrown in
The trash
As long
As you
Have cash.
oder:
NO MORE
BODY
TO HOLD
ONTO
WHILE YOU SLEEP
JUST THE SHEET
WHAT A CHEAT!
Leider nicht im Buch enthalten die wesentlich poignanteren Texte und Bemerkungen, die man nach ihrem Tod auf Zetteln in der ganzen Wohnung verteilt fand:
We wanted it all
and we got it all!!!
You and me!
(an einen unbekannten Adressaten)
oder
Ich habe
Alle meine
Zähne
Aber keine
Meiner Beene
Ich hätte lieber
Meine Beene
Als meine Zähne
Denn meine Zähne
Nützen
Mir nicht.
oder:
Isn’t it strange?
The legs
That made
My rise to glory
Easy, no?
Became
My Downfall
Into Misery!
Queesy, no?
(3 a.m., April 9, 85)
So gesehen war Marlene wohl die erste Bloggerin, wenn auch noch analog. Wer weiß, was sie mit dem Internet angefangen hätte?
ach!
Evelyn Hamann ist tot.
Das find ich jetzt wirklich traurig.
wiederholung aus gegebenem anlass
Heavy hangs the Head
that yesterday wore the Crown.
or:
The Hangover that won’t quit.