Archiv für den Tag: 9. November 2009

Tunten & Technik III: Alaaaaarm bei Lucky

(aus der Reihe “Wie handwerklich begabte Homosexuelle sich selbst ganz professionell und ohne ADAC aus der Autopanne helfen”

Zu sagen, der Lucky wäre ganz entspannt bei seiner Deutschland-Durchquerung per Autobahn wäre genauso falsch wie die Behauptung, daß Gürtelrosen die schönsten Rosen seien.
Es hängt ja schließlich immer am ganz dünnen seidenen Faden, der Tank kann sich leeren, die Abfahrt verpaßt werden, ein Reifen platzen oder Herr Lucky einschlafen oder sich beim Spurwechsel vertun, um nur einiges zu nennen.

Jedenfalls, gestern in Herford (oder so ähnlich), Mitte der Strecke, vorbildlich und zum richtigen Zeitpunkt getankt, Proviant und Wasser für den Fahrer besorgt, losfahren wollen, da ertönt dieses penetrante Tüdelüdelüdelüdelüdelüdel, welches mir sagen soll, daß mit dem Auto was nicht stimmt, und die STOP-Leuchte blinkt auf, die mir sagt, daß ich sofort das Auto stehen lassen und mich an einen Vetragshändler wenden soll. Um acht Uhr Sonntag abend, auf einem novembernachtdunklen Rastplatz in Herford. Wo ich eben noch vorm Toilettenbesuch beschlossen hatte, dieses Mal auch zu reagieren, wenn vor mir wieder jemand so mit seinem Gemächt vor mir wedelt wie bei der Hinfahrt.

Ich schweife ab. Also erstmal Geräusch ignorieren. Leider eskaliert es, bevor ich den Parkplatz verlassen habe, also zurücksetzen und wieder parken. Motor aus, Motor an. Jetzt gehts! Nee, doch nicht.
Ich weiß nicht, obs nur mir so geht, wohl nicht, aber der Anschein von gutsortiert, fachmännisch und selbständig in der Welt zurecht kommen ist zumindest bei mir hauchdünn bis fadenscheinig, und in solchen Momenten knäult sich der weitläufige Magen des Lucky zu einem kleinen ängstlichen Mäuschen und Lucky selbst mutiert zu einem hilflosen 3jährigen, der mal wieder was angestellt hat und bestraft werden muß.
Also Aktion: Motorhaube auf (sieht immer professionell aus und vielleicht kommt jemand helfen, neugierige Menschen gibts ja immer) und Handbuch raus. Hmh, Kühlfüssigkeit, Bremsflüssigkeit, Motoröl. Kühlflüssigkeit, könnte es sein, Motor ist ja sehr heiß, oder kommt das vom 180-Fahren? Wasser ist ja da. Nimmt man da Wasser, oder was spezielles? Mal in den Tankshop fragen. Oh, der ist sehr voll, und womöglich die Frage peinlich. Sowas weiß ja schließlich jeder, der Auto fährt. Eigentlich.
Oder einfach auf dem Parkplatz in ein kleines Knäuel zusammenknäueln und sterben, unauffällig? Oder doch den ADAC anrufen? Motorhaube wieder zu, Motor an. Tüdelüdelüdelüdelüdelüdel. Rückwärtsgang, komisch, dann tütets nicht. Also los. Doch nicht, es fängt wieder an.
Blanke, nackte Verzweiflung, sogar Rauchen ist vergessen. Es sind doch noch 380 km bis Berlin!
Schluck Wasser aus neu gekaufter Flasche, das Tüdeln hört auf. Gut. Wasser absetzen, Mist, jetzt fängt es wieder an.

Moment.

Wasserflasche anheben. Tüdeln hört auf. Wieder abstellen, Tüdeln fängt an. Nachschauen.
Oh. Die Wasserflasche stand auf dem Schalter zum Öffnen des Cabriodachs. Das löste den Alarm aus.

Und so hat Herr Lucky einiges Geld gespart, den ADAC nicht gebraucht, sich nicht im Tankshop vor restjugoslawischen Truckern blamiert und einen alarmierenden alarmauslösenden schweren gravierenden Ausnahmefehler an seinem Auto selbsttätig mit seinen eigenen Händen behoben (so wie damals das mit der Fußmatte, s.o.) und kann wieder in die Nacht hinausfahren.
Der Magen allerdings entknotete sich erst bei Helmstedt.