Schönheit – ein Missverständnis

Schön sind immer die andern – ich hab was bessres zu tun!
(Cora Frost)

Ich glaube, ich hab mir das mit der Schönheit immer in etwa so vorgestellt wie im Märchen: ein paar Feen stehen an der Wiege des neuen Menschlein und vergeben ihre Gaben, je nachdem, was sie noch so in der Handtasche hatten, und je nachdem, wie besoffen oder misogyn sie sind.
“Und mit diesem goldenen Löffelchen verleihe ich dir Schönheit!”
“Und mit diesem diamantbesetzten Löffelchen verleihe ich dir Intelligenz.”
“Und mit diesem silbernen Löffelchen verleihe ich dir ein sportliches Wesen”
“Dieses rubinverzierte Löffelchen stattet dich mit einem warmen Herzen aus”
Und so weiter. Das wäre dann das gewesen.

Das System erledigt dann alles weitere, und teilt die Menschlein auf, in Haupt- oder Realschule oder Gymnasium, um die, die immer eine Ehrenurkunde bekommen, und jene, die beim Mannschaften wählen in den stinkenden Turnhallen der Welt bis zuletzt sitzen bleiben, die, die unbeschadet von einer Beziehung zur nächsten hetzten und jene, die sich alleine am besten zurecht finden, die, die sich einfach nehmen von der Welt, was sie brauchen, und jene, die sich zuerst um die anderen kümmern.

Was ich komplett vergessen hatte, ist die Zeitachse, der freie Wille, die Möglichkeit der Entwicklung, die Gehässigkeit oder auch das wohlwollen des Lebens, und nicht zuletzt, daß jeder Mensch einen anderen Blick auf Leben, Land und Leute hat.

- Schönheit hilft auch nur die ersten 10 Minuten –
sagt da ganz schlau ein mir unbekannter nicht unattraktiver Gayromeo-User dazu. Und der muß es ja schließlich wissen.

4 Gedanken zu „Schönheit – ein Missverständnis

  1. larousse

    So, jetzt hab ich Ihren schönen Text schon zum dritten Mal gelesen.
    Und werde das jetzt das vierte Mal machen – immer mit dieser besoffenen Fee vor Augen… (o;

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  2. timsss (Gast)

    was für ein wunderbarer text!und vom glauben an den freien willen bin ich etwas befreit worden. aber ich werde ja jetzt eh wieder gelöscht.

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