Monthly Archives: October 2007

that’s what friends are for

Moin liebster Lucky,

hier ist der Link zum Osteopathen. Einen Termin solltest Du dann bei XX machen, bei dem war ich auch.
Bedenke falls Du hingehst, dass man sich dort bis auf Unterhosen und Socken entkleiden muss (ich hab zumindest in meinem Sortiment auch diverse Teile, die ich nicht herzeigen möchte;-)). Erster Termin ist 75,-€, die Folgetermine 60,-€…

Mir hat es sehr geholfen und ich finde es außerdem angenehm und nett dort.

Kuß
A.

Sie sorgen sich um einen und geben wichtige fürsorgliche Hinweise 😉 Nicht, daß ich mit dreckigem Schlüpper beim Osteopathen erscheine, gacker

tagger von heute

In Kreuzberg sind die Tagger heute auch nicht mehr drauf wie früher.
Nix mehr mit “Krieg den Palästen”, “Zusammenlegung der politischen Gefangenen jetzt” oder “Vergewaltiger, wir kriegen euch! Kopf ab, Schwanz ab!” Dafür:

tag

mein gnädiger tag

Das Beste daran, wenn man den horrormäßigsten Geschäftstermin schon am Montag hat, ist, daß er dann eben auch montags vorbei ist.
Auch wenn er einen das ganze Wochenende erstarrt aufs Sofa gefesselt hat, und man am Montagmorgen erstmal mit Magen- und Kopfschmerzen aufwacht und erstmal kotzen geht.

Völlig absurd, so zu reagieren, aber an diesem Mann, der stadtbekannt verrückt und meist auf Drogen ist, manifestiert sich meine Unsicherheit und der Wahnsinn, den ich in den letzten anderthalb Jahren beruflich (für sonstwas blieb eh nix über) durchmachen mußte.
Aber das ist meine Rechnung, und er hat nicht mal direkt damit zu tun. Eigentlich war der Termin gestern nicht mal unfreundlich.

die schönsten franzosen hängen sehr öde in berlin

Überraschend in den Genuß einer VIP-Karte für die angeblich schönsten Franzosen gekommen. Frisch erholt aus dem Urlaub und voller Vorfreude macht man sich mit Onkel und bisher unbekannter Cousine auf den Weg in die Ausstellung, ausgestattet mit einem Audioguide und den Erinnerungen ans MOMA in New York.

Schon die Treppe nach unten läßt eine böse Vorahnung aufkommen: dort verweisen Plakate auf die Franzosen, die nebenan in der Alten Nationalgalerie hängen. Nicht weiter verwerflich, jedoch sind die Plakate wenig stilvoll in diesen billigen Plastikrahmen gehängt. Nun gut.

Also betritt man die Ausstellung und ist erst mal desorientiert, weil es doch sehr voll ist und es keinen empfohlenen Rundgang gibt. Der Audioguide begrüßt einen im besten Deutschfranzösisch, was man albern, aber auch drollig finden kann, ich entscheide mich für letzteres. Die Texte zu den Bildern spricht größtenteils Otto Sander, der ein Monopol auf alles, was gesprochen werden muß zu haben scheint.

Mit Entsetzen nehme ich die erste Hauptsünde und Lieblosigkeit der Ausstellung wahr: die angeblich schönsten Franzosen sind auf weißer Rauhfaser gehängt. RAUHFASER! Zusammen mit dem häßlichen dunklen Billigteppichboden und den ebenso billig aussehenden Abstandshaltern aus weißen Preßspan auf dem Boden ergibt sich der Eindruck, als ob ein Baumarkt aus der dritten Reihe seinen Praktikanten die Aufgabe gestellt hat, mal schön alle Kunstdrucke aufzuhängen.

Auch das Licht scheint eher uncharmant – nach 30 Minuten kratzen die Augen, zwar sind alle Bilder gleichmäßig ausgeleuchtet, jedoch tragen die Strahler nichts zu Dramaturgie oder sonstwas bei, sie machen einfach nur hell. Manchmal muß man sich sogar etwas seitlich vor die Bilder stellen, da das Licht sich auf ihnen spiegelt.

Da es keinen empfohlenen Rundgang gibt (oder habe ich ihn verpaßt?) suche ich mir meinen Weg danach, wo am wenigsten Besucher stehen. Dadurch, daß nur einige wenige Bilder mit Audiokommentar ausgestattet sind, stauen sich dort die meisten Besucher, und oft sind diese Bilder auch in den Ecken gehängt, so daß man sich praktischerweise die umliegenden Bilder ebenfalls nicht ungestört ansehen kann.

Nach 30 Minuten bin ich bei den wirklich schönen Bildern von Modigliani angekommen, und der Audioguide will mich mit diesem letzten tragischen Eindruck (erzählt wird die traurige Liebesgeschichte des letzten Portraits Modiglianis, der bald drauf starb, und die portraitierte schwangere Lebensgefährtin ebenfalls) aus der Ausstellung entlassen.

Moment! Also nochmal zurück, und so komme ich in der falschen zeitlichen und dramaturgischen Reihenfolge in den Genuß der Pointillisten, Impressionisten und der Klassiker. Leider erschließt sich so nicht die ästhetische Revolution, die die Impressionisten einmal waren, und der Eindruck der Bilder bleibt lauwarm.
Nicht nur bei Van Goghs Sonnenblumen oder Monets Seerosen stellt sich bei mir das ärgerliche Gefühl ein, daß die Bilder leergeguckt sind – man ist angeödet, weil man sie als Kunstdrucke schon in 1000 Zahnarztpraxen vom Wegschauen zur Genüge kennt. Die Schuld daran schiebe ich allerdings auf das lieblose Ambiente der Ausstellung.

Das einzige Bild außer den Modiglianis, das mich beeindruckt, ist die Jeanne d’Arc von Bastien-Lepage, ein komplett wahnsinnniges Bild. Leider ist es sehr besucherumvölkert, und riesengroß. Man müßte ein paar Meter zurücktreten können, um es sich richtig anzuschauen, aber der Gang vor dem Bild ist nicht breit genug. Schade.

Also Herrschaften, seien Sie gewarnt – löhnen Sie nicht den völlig überteuerten Eintritt (36,- inkl. Vorverkauf für ein VIP-Ticket) für eine viel zu volle, lieblos und billig zusammengestöpselte Geldmach-Ausstellung. Das haben die angeblich schönsten Franzosen nicht verdient.
Gönnen Sie sich was und gehen in eins der echten Museen, dort wo nicht der Hype regiert, und wo man den Bildern ihre Würde läßt. Denn dort können sie wirklich strahlen. Und dann sind sie auch wirklich schön.