Na, doll.

Ich bin ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Das muß man wohl so stehen lassen, das denkt jeder und das kann man sehen. Eine Firma mit bald fast 50 Mitarbeitern, noch etwas mehr Kunden, und die größte der Region in dieser Branche. Zugegeben, das war nicht geplant, ein Zufall ist es aber auch nicht.

Schade nur, daß davon so wenig bei mir selbst ankommt. Erfolgreich – das fühle ich nicht, wenn ich so dermaßen unter Druck stehe und jeden Tag mit (teil überflüssigen, teils nicht überflüssigen) Befürchtungen ins Büro gehe, Anspannungen, die mir morgens schon ein steifes Genick mit damit einhergehenden Kopfschmerzen verschaffen. Chronische Rückenschmerzen sowieso.

Geschäftsmann – das bin ich nicht. Eigentlich nicht. Nichts in meiner Ausbildung, durch die ich mich so vortrefflich durchgeschummelt habe und die eh nichts mit meinem Beruf zu tun hat, hat mich darauf vorbereitet. Gut, ich kann seit Jahren vor mich hin experimentieren und tue anscheinend instinktiv oft das Richtige, aus dem Bauch heraus.
Meine Verhandlungsmethoden entstammen der Position des Schwächeren, der sein Handicap durch umso längeren Langmut und Gewitztheit ausgleichen muß. Das mag der hohe Weg sein, er ist auf jeden Fall aber auch unglaublich anstrengend und ohne Netz und doppelten Boden.

Bis vor einigen Jahren paßte das auch so, oder besser, ich dachte das müßte so sein, aber seit einiger Zeit nicht mehr. In all den Jahren kannte ich keine oder wenig Rücksicht auf mich, ließ mein eigenes Leben zurückstehen zugunsten der Arbeit, und versuche jetzt mühsam, Stück für Stückchen wieder ein eigenes Leben aufzubauen, beziehungsweise erst einmal herauszufinden, was das denn eigentlich ist. Grundsätzlich und minütlich will man nichts als raus aus dem Hamsterrad.
Wünsche finden ist schwer, und wenn man dann einen gefunden hat, dann ist es furchtbar zu sehen, daß man im Hamsterrad verbleiben muß, um sich den einen Wunsch zu erfüllen. Was den Druck nicht gerade mindert.

Haben wollen, auf T-Shirt!

Gestern mal wieder Termin des Schreckens beim Lieblingskunden, eigentlich ging es um Abrechnungen, aber der Irre ließ sich nicht davon abhalten, Grundsätzliches immer wieder und wieder verhandeln zu wollen, und natürlich immer Unterstellungen und Mißtrauen und allgemeine Ekelhaftigkeit, wie das bei Menschen immer so ist, die “Visionen” haben, die nicht unbedingt alle ohne künstliche Hilfsmittel erzeugt wurden.
Für den nächsten Termin hätte ich gerne diesen Aufdruck einer Hallenkehrmaschine auf T-Shirt:

haulotte

Verehrt

Bei Gayromeo habe ich ja einen Dauerverehrer, ach eigentlich ist es längst schon viel mehr, was Festes, so regelmäßig wie er mein Profil besucht und mich mit den schönsten Tapsen bedenkt. Beständigkeit und Ausdauer sind eben auch tolle Charakterzüge.
Sein Name ist “Aksel”, und er hat nicht mehr so viele Haare, dafür sind sie sehr dünn und er trägt sie lang, bis auf die kahlen Stellen, da nicht. Er wohnt in einem fernöstlichen Berliner Bezirk und zeigt sich gerne spindeldürr und nackt bis auf die geländegängigen Sandalen in dem Haufen Messiemüll, in dem er anscheinend wohnt, wenn er nicht gerade FKK am Müggelsee macht oder ein lecker Bierchen in der Besenkammer am Alex bei Freunden und guter Musik genießt.
Aksel verwendet den Deppenapostophen so konsequent, daß es verwundert, daß er ihn nicht auch in seinem Namen untergbracht hat. Er ist wohl gerne aktiv und sucht als Gegenpart knuddelige Passivbärchen, seine Wortwahl, und das meint er an mir gefunden zu haben. Bjäch.
Und weil im Leben alles oft so schwer und verwirrend ist, engagiert er sich in einem östlichen schwulen Kirchenverein, was ihm sicher auch die Kraft gibt, sein Profil mit vielen schönen Piktogrammen aus Tastaturzeichen zu verschönern.

Ich weiß gar nicht, warum ich mich dauernd beschwere. Im Grunde hab ich doch alles.

Elektrolytverlust

Aua aua aua, dabei wars doch so ein reizender Abend mit dem Herrn Spango und Glammie, aber der letzte Wodka-Cranberry war dann wohl doch einer zu viel.
Es ist schon ein Verbrechen, daß Herr Spango so geizig mit sich umgeht und seine Weltsicht schon länger nicht mehr verbloggt (er hat Besserung versprochen), und außerdem mir nicht sein Herz, seinen Geist und seinen Körper schenkt (keine Besserung in Sicht).
Immerhin habe ich ihm ganz brachial gestanden, daß ich ihn vom Fleck weg heiraten würde, so hab ich das wenigstens aus dem System. Neben einigen anscheinend lebenswichtigen Elektrolyten, die fehlen. Aua aua aua.

Experiment geglückt

Es war eine schöne Zeit – vielen Dank, ihr Lieben, für die wunderbare Gesellschaft!
Mit bis zu 6 höchst individuellen Individuen in einem Haus könnte es auch schwierig werden, wurde es aber nicht. Na gut, für die betreute Alters-WG werden wir wohl doch ein größeres Haus brauchen.
Wetter von allen Sorten, sogar anderthalb richtige Hochsommertage haben wir noch abgreifen können am Strand, und an den anderen wurde eben was übergezogen für die Strandspaziergänge, oder sich verkrochen hinterm Windschutz, und die richtig windigen Tage waren super für Drachen steigen lassen, eine richtig schöne Wiederentdeckung. Zwei Drachen habe ich allein verschlissen.

Was gibt es eigentlich schöneres, als von Freunden unglaublich lecker bekocht zu werden? Und das mehrmals am Tag, manchmal? Mit meiner zurückhaltenden Art habe ich es sogar geschafft, nur einmal ein Kartoffelpüree beisteuern zu müssen, ansonsten: Schlaraffenland!

Die Nachtspaziergänge á deux, einmal sogar bei Vollmond, das andere Mal mit den Füßen im nachtwarmen Meer, werden mir lange in Erinnerung bleiben. Und natürlich die Spieleabende, mit Wizard of Oz-Monopoly, Zettel an’ Kopp und selbstverständlich Charade. Versuchen Sie mal “Aromastoff” darzustellen, und das mit Umweg über windschutzscheibenputzende rumänische Einsatztruppen!
(Und beim Badminton habe ich (ich!) alle in die Tasche gesteckt, muß ja auch mal gesagt werden…)

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Wenn ich das Meer seh’

brauch ich kein’ See mehr!

(Jedenfalls für die nächsten sieben Tage, und vom Haus aus sieht man auf der einen Seite Meer, auf der anderen Bodden, also See, man kann also doch beides haben!)

Ich wünsche Ihnen eine wunderbare Zeit, liebe Kollegen, und bin gespannt, wie eine ganze Woche offline leben so kommt.
Godspeed!

Haus am Ende der Welt

Es war auf der Rückfahrt nach dem mühsam überlebten Weihnachten, dem ersten im Kreis der Familie ohne meine Mutter, daß ich die Idee hatte. Ach was, es war keine Idee, es war ein Bild, was ich hatte:

Ein großes Haus am Meer, für zwei Wochen im Sommer, ich darin, und alle meine Lieben können mich besuchen, wenn sie wollen. So eine Art Home at the End of the World mit ein bißchen Brothers and Sisters. (Wobei, mit dem Vergleich schieß ich mir jetzt selbst ins Knie, so zwischen Colin Farrell und Sally Fields fällt die Zuordnung dann doch leider leicht, dabei hab ich doch einen eher kleinen Mund…)

Nun gut, es wurde nur eine Woche, und auch nicht Kalifornien oder New England, sondern Ostsee, aber dafür steht das Haus nicht hinter den Dünen sondern OBENDRAUF! Mit einem unendlichen Strand direkt darunter.

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Auch Colin Farrell wird nicht da sein, aber dafür beehren mich insgesamt sieben meiner liebsten Menschen dort und ich bin sehr sehr gespannt, was die Woche so bringen wird. Noch 2 Arbeitstage zu überleben!

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… not yet saved

Es geht mir schon ein paar Wochen so, obwohl der Sommer in voller Blüte tobt. Gut, mittlerweile mischt sich ein kleiner Whiff Herbst dazu, in den Abenden, die kühler sind, in den Blättern und an der merklich schräger stehenden Sonne auf dem See:
The Summer has ended and we are not yet saved!

Es ist viel passiert mit mir seit April, viel Gutes, vieles in Bewegung, manch alte Schnur durchschnitten, manch Ahnung von Anfang, und da ginge noch was. Jetzt huscht schon leise der Herbst herein, auf Zehenspitzen, und wenns nur in meiner internen Wahrnehmung ist – bei 26° sitze ich hier mit eiskalten Füßen und dabei bin ich doch noch gar nicht bereit, ich brauche noch zwei Monate Sommer, um zu festigen, um weiter zu kommen.
So langsam kommen die Kunden aus den Sommerpausen zurück, und der Großkonzern droht den Saft abzudrehen. Interessiert mich doch alles nicht, ich will weiter nach mir schauen, weiterkommen, was erreichen, bevor es Winter wird und jede Bewegung schwer fällt!