Herpes in der Politik

Gestern abend beim Nachrichtenmarathon unendlich über den überquellenden Herpes am Mund des Umweltministers gefreut – endlich mal ein ehrliches Zeichen in der Politik, das garantiert nicht kalkuliert und gelogen sein kann…

Update 17.3. Für die gestrigen Interviews haben sie ihm dann einen altrosa Lippenstift verpaßt. Man kann sich aber auf wirklich nichts mehr verlassen in der Politik.

Premierentip

Wenn Sie mal auf einer Premiere mit anschließender Feier sind, und es gibt nur ein mobiles Buffett, also diese armen unterbezahlten Studenten mit Häppchentellern und Sektflaschen, dann hier ein Tip für Sie:

Stellen Sie sich zu einem dicken Mann. So einem wie mir.

Wenn es am Anfang auch nur schwer und kaum aussichtsreich ist, überhaupt ein Häppchen zu ergattern, weil diese Lichtenradener Hausfrauen sich äußerst erfolgreich Ausfallschritte und Einkesselungsmethoden von den Elstern in Ihren Reihenhausgärten abgeschaut haben, so erlahmen die dann doch ganz schnell. Und wenn dann noch Tonnen Essen da sind, kommen die Häppchen von ganz alleine zu Ihnen, für fünf Euro die Stunde haben die Buffethasen nämlich auch keine Lust, das Zeug allzuweit und mit unberechenbaren Abnahmechancen zu schleppen. Dasselbe gilt für die kleinen Mädchen mit den großen Sektflaschen.

Mittelalt im Frühling

Ungewöhnlich aktives Wochenende im Hause Lucky: Samstag erstmal spontan zum Holländer, Frühling kaufen, in blau, pink, gelb, himmelblau, orange und rot, honigduftend. Dann zum Ku’damm, den neuen Anzug abholen. Immerhin, er glänzt leicht, und immerhin, alles paßt rein, keine Gefahr, daß einem mitten auf der Premiere die Hose platzt (ein sehr ungutes Gefühl, das!), aber ach, mit den Maßen gabs keinen wirklich schick geschnittenen – und im neuen Hemd mit der Marke fühlt man sich ein wenig schröderesk. Hm, welcome middle age. Was solls. Noch ein paar Lebensmittel, dann endlich aufs Sofa. Welcome middle age.
Sonntags dann extra früher aufstehen, Wohnung saugen und Küche klar machen. Dann endlich raus auf die Terrasse, bevor die Sonne verschwindet. In Windeseile Primeln, Narzissen, Hornveilchen und Ranunkeln versenkt – es ist ein wenig wie Ostereier verstecken. Frühling angekommen, Winter adé!
Mit Weißwein in der Restsonne sitzen und darüber nachdenken, wie lange es wohl dauert, bis japanischer Fallout eben solches verbietet, aber erstmal muß man nicht nüchtern zum Abendtermin, Pflichttermin. Jetzt, wo das Gebiß fertig restauriert ist, besonders viel und besonders groß lächeln. Wirklich angenehm, der neue Anzug kneift nirgends, irgendwo eine Ahnung, wenn was gut aussehen soll, muß es auch kneifen. Egal. Egal wie die Vorstellung, Mondlicht, schau hinauf in das Mondlicht, ächz. Ich kann nicht verstehen, wie das so ein Erfolg sein kann, langweilig, wie es ist. Einziger Höhepunkt, als die Nebelmaschine es übertreibt und die ersten Zuschauerreihen verschluckt, wie einzelne Menschen verzweifelt und nach Luft schnappend vom Sitz aufspringen. Allerdings in den letzten Wochen wesentlich Schlimmeres gesehen, auch auf Bühnen.
Und auch schon beschissenere Wochenenden gehabt.

Selbstverständlich!?

Vielleicht ist mein Hauptproblem, daß ich nichts als selbstverständlich nehmen kann – schau ich mir meine heißgeliebte Wohnung an, denke ich an Mieterhöhung oder Jobverlust. Kneife ich mal bei einer Freundeseinladung, habe ich gleich Angst, nicht mehr gemocht zu werden. Denke ich an die Familie, befürchte ich, mich nicht genug zu kümmern.
Das Ding mit dem Großauftrag hat einen gewissen Knopf gedrückt, mich irgendwie in den Zustand eines Sechsjährigen gebracht, kein schöner Zustand für einen Tag mit gleich 3 echt wichtigen Terminen, ein kleines zitterndes Elendspaket am Vormittag. 20 Minuten allein habe ich den Gürtel gesucht, den ich schon längst an hatte.
Ich hatte total vergessen, daß das solche Zustände von außen keiner sehen kann, und die Leute an sich einem und auch mir schon eine gewisse Statur und Respekt zubilligen und daß man sich erstmal eh auf Augenhöhe trifft.
Wurde dann alles soweit gut gemeistert, aber schön war das nicht, so nackt im Wind in die Schlacht zu ziehen.
Nur so als Memento hier für mich für nächstes Mal.

Böses Foul

Und wenn man dann die Konkurrenz um 25% unterboten hat, wohl wissend, daß das dann immer noch eine Lizenz zum Geld drucken ist, und dann eine Antwort bekommt á la: Halloooo, wie ist dir denn? Du weißt doch selber, daß du dafür nur eine Vollzeitkraft brauchst (ja, stimmt), dann erzeugt das eine intensive Mixtur von Scham (kalt erwischt!) und blanker Wut – die einen kommen damit durch, und mich versuchen sie zu drücken.
Mal genau überlegen, wie ich aus dieser Nummer rauskomme, Gesicht wahren und nicht klein beigeben, hmh.

Heidi hat recht

Sie hat wirklich lange gebraucht, um mir klar zu machen, daß mein Job als Chef ein anderer ist als der meiner Angestellten.
Lange hatte ich ein schlechtes Gewissen, immer erst mittags im Büro zu erscheinen, und meine Assistenten unter ihrer Belastung ächzen zu sehen. Dabei war das ja nur ein gutes Zeichen, daß ich meine Belastung reduziert und Aufgaben erfolgreich delegiert habe. Und wenn es den Assis zu viel würde, würde ich mich schon kümmern.
Trotzdem hat mich das schlechte Gefühl in meiner persönlichen Heilung jahrelang behindert.

Mein Job sei es schließlich, Arbeitgeber zu sein, und die Verantwortung zu tragen, im wörtlichen Sinn: Arbeit zu geben, Arbeitsplätze zu erhalten, das Schiff im Sturm um die Klippen zu segeln und neue Felder aufzutun, und das ließe sich nicht in einer 30-, 40- oder 60-Stunden-Woche ausdrücken.

Und recht hat sie, seit Monaten schlage ich mich mit Plan B und C herum, wenn die Zahlen weiter so schlecht bleiben sollten.
Andererseits, als ich am Donnerstag morgen zuhause die Mails öffnete, fand ich eine Anfrage nach einem Angebot für ein Projekt, das einen fast siebenstelligen Umsatz pro Jahr hat. Im Büro dann stand ich dreieinhalb Stunden am Telefon (bei wichtigen Telefonaten kann ich nicht sitzen), denn nachmittags kam die Anfrage nach einem Angebot für eine Position, für die ich schon seit über 10 Jahren Politik betreibe, hege, pflege und intrigiere. Letzteres wenig Geld, aber viel Ruhm, und ersteres wird wohl doch realistischerweise eher einer der Großkonzerne abgreifen.
Aber trotzdem, sowas muß man ja auch erstmal aushalten und bearbeiten. Auch wenn ich vormittags spontan Durchfall bekommen hab.

Was Festes

“Wir haben so gut wie keine gemeinsamen Interessen, keine gemeinsamen Freunde, wir unternehmen niemals etwas zusammen, ich hasse deinen Freund und kenne deinen Lover auch nach 4 Jahren kaum, aber wir haben viel aneinander.
Wir leben seit 20 Jahren zusammen – wir müssen nicht mal Freunde sein, wir sind eben – Brüder.”
Als Liebeserklärung an den Mitbewohner hört sich das auf den ersten Blick etwas zweifelhaft an, dabei ist es eher wunderbar.

Abgesehen davon

ist heute aber ein ausgesprochen Gutter Tag…
YEAH!
(Davon abgesehen ist da einer abgetreten mit der Begründung, der öffentliche Druck auf ihn sei zu groß, als daß er seiner Aufgabe nachgehen könnte. Also die Presse ist schuld daran, und das hat er nicht durch seinen gefakten Doktor und Lebenslauf und den Umgang damit selbst zu verantworten. Tsktsktsk.)