So much it really hurts. Selten sowas gut gemachtes gesehen. Charaktere, Plots, Fressen. Fast verdrängt und dann kalt erwischt via dogma2. And it’s NOT a spoiler.
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Menschen im hotel – Ingrid Caven
Blaaaaiiiches Licht
weißer Puder (Pudel?) bedeckt dein Gesicht,
wie ein Polaroid
auf dem man noch nichts sieht
Gestern abend, Berliner Ensemble: In Person: Ingrid Caven, Ingrid Ex-Fassbinder, La Caven.
Alle fünf Jahre, mehr muß nicht. Man macht sich rar, weil man rar ist. Ein paar neue Lieder, wenn man Glück hat, alle 10 Jahre. Und das reicht auch. Weil die alten Lieder ebenfalls immer neu sind, Madame rezitiert nicht, sie installiert, je nach Lust, Laune, Bezug, jeden Abend neu. Sie schreit, röchelt, summt, knarzt, soubrettiert, krächzt, schrillt. Jeder Ton kalkuliert, oder doch zufällig? Dazu steht sie, tanzt, liegt, rollt, hopst, springt, oder schleicht.
Trotz der Müdigkeit war mir recht flott und akimbo im Gemüt
Eine Einzigartigkeit, die seltsame entfernte respekteinflößende Unverwandte in ihrem Paralleluniversum – eine dunkle Sonne für sich, Fassbinder, Enzensberger, Jean-Jacques Schuhl, Peer Raaben, die ihr das Material an den Leib genäht haben, als Satelliten ihres Universums. Die meisten sind schon tot. Sie eine Gralshüterin ihres eigenen Grals.
Angelika lebt im Altersheim
von Tabletten und Haferschleim(…)
Marie-Claude bemitleidet sich
die Vera geht immer noch auf den Strich (…)
Utzi und Paul hab ich neulich getroffen
die waren schon am Morgen besoffen
Evelin ist sechsfache Mutter
und gibt ihren Gören Hundefutter
Kiki kriegt Prügel vom Alten
Anita kann das Wasser nicht halten
Aber ich hab mich nicht reinlegen lassen
ich habe gesagt, das könnt euch so passen
mit mir nicht, nicht mit mir
In Foyer alte Bekannte, alte Gesichter, Überlebende der Fassbinderzeit, innerer Kreis, äußerer Kreis, Lifestyleepigonen – zum Teil unappetitlich anzusehen.
Zwei Schritte vor und zwei zurück
und vor und zurück und vor und zurück
Wo bleibt das Glück?
Und zurück und vor und zurück und vor
auch Glück vergeht, ja wie
ja wie, ja wie?
ja wie – vom Winde verweht!
Wenn man zur Caven geht, hat man auch immer eine Befürchtung um ihre Gebrechlichkeit, um ihre Vergänglichkeit, von der sie weiß, mit der sie spielt. Auch mit der Befürchtung.
Sie ist die einzige, die ihre Lieder singen kann, egal, was andere vortäuschen. Ohne sie sterben auch ihre Lieder. Das erste Chanson gestern, ein Piaf, ohne Stimme.
Aber dann: eine Frau auf der Höhe ihrer Kraft, auf der Höhe ihres künstlerischen Ausdrucks, alte Lieder, neue Lieder, neuer Ausdruck, mit Ende Sechzig neu gewachsen.
Eine wunderschöne Frau, die den Dreck kennt, diesmal nicht im legendären Schwalbenkleid, sondern einer schwarzen raffinierten Robe, vielleicht Westwood, wie überhaupt Glitter von Dietrich, Garland, Piaf, Westwood und französischer Straßenhure in der Luft funkeln, aufgegriffen und wieder weggeworfen werden.
Er ist zufrieden und tätschelt meinen Hintern
ich lächle und denke ‘Ich bin eine Sau” (…)
Oh Mama, wenn er wüßte wie sehr ich ihn hasse
so daß ich fast schon stumm und steif und ratlos bin
und mich jetzt schon überhaupt nicht mehr fasse
denn nächsten Freitag geh ich ja doch wieder hin!
Kinder, das ekelt mich an
das riecht und das stinkt
und das nennt sich Mann
Lieder von Tod, dem seltsamen Wiedersehen, den Drogen, schmuddeligen Treffen in schmuddeligen Hotels, der Sehnsucht nach dem großen Glanz im großen Dreck, dem billigen kleinen Glück an der Ecke, der durchwachten Woche, der Zerstörung, die einem zugefügt wird, der Zerstörung, die man sich selber zufügt. Akne Vulgaris.
Im kleinen Leben liegt der große Schmerz
der große Schmerz im kleinen Leben
die Großen brauchen für ihr großes Leben
ohnehin kein Herz
Vielleicht der größte Abend, dem ich beiwohnen durfte.
Doch während dieser ganzen Zeit da
seh ich dies und seh ich das
hör ich all die Dinge da
und ich singe lalalalala
man wird singen lalalalala
man wird tanzen lalalalala
lala lalalalala
ich bin dann auch nicht mehr da.
Der Herr Glam,mit dem ich das Erlebnis teilen durfte, hat sich ebenfalls auf Vorzüglichste geäußert
old school – frl. schons
Inspiriert von Modestes Einschulung hier meine Einschulungsbeichte:
Meine erste Grundschule war ein wunderbares altes verwittertes Gebäude, umgeben von hohen Kastanienbäumen, gleich neben dem Rest einer alten Burg, gelegen auf der Spitze eines kleinen Berges. Vom Schulhof konnte man über das ganze Kylltal blicken. Die Schule war so verkommen, daß meistens morgens, wenn der Eimer nicht zugefroren war, im Tafelwischwassereimer ersoffene Ratten oder Mäuse schwammen.
Was Frl. Schons dann immer zum Kreischen brachte, und der stabilste Junge mußte dann die Leichen entsorgen.
Frl. Schons, über 60, stammte aus einer Zeit, in der man als Frl. auch wirklich Frl. war und darüber hinaus auch großen Wert auf eben diese Bezeichnung legte.
Sie war dürr und verfügte über die bleicheste Haut, die ich jemals an einem lebenden Wesen gesehen habe. Es sah so aus, als hätte sich die Kreide von über 40 Jahren Tafelwischen auf ihre vielen vielen Falten gelegt. Die wasserblauen Augen hinter strenger Brille konnten sich gegen den wahren prächtigen Farbpunkt in ihrem Gesicht, die langen leuchtend gelben Zähne, nicht wirklich durchsetzen.
Frl. Schons glaubte noch an bewährte Erziehungsmethoden, sie war gut geübt in schnellen kleinen gemeinen Ohrfeigen oder in schmerzhaftem Wangenzwicken. Ja, das war Anfang der 70er, und eigentlich verboten, aber eigentlich waren alle glücklich, daß sie nicht in der Parallelklasse gelandet waren, denn Herr Knop, der Rektor, glaubt noch an Prügelstrafe mit Stock und Lineal, auf Hände oder Hosenboden.
Aber ich liiiiebte Frl. Schons, zum einen, weil sie mich liebte, zum anderen hatte ich damals schon ein Faible für seltsame ältere Damen. Wohl genetisch so veranlagt.
Frl. Schons hatte auch von moderneren Erziehungsmethoden noch nichts gehört – sie glaubte an die Förderung der Begabteren, und die weniger begabten oder Lästigen reichte man halt am Ende des Schuljahres an die nachfolgende Klasse weiter.
Einschulung war für mich das Größte – einen Kindergarten hatte ich nie besucht, und wirklich sozialisiert hat mich eigentlich nie jemand, ein Einzelgängerkind. Hier waren zig neue Spielkameraden, das Lernen ging nebenher wie von selbst und so konnte ich meine Hauptaktivitäten auf die Unterhaltung der Klasse konzentrieren – ich war also der Klassenclown. Nie der Klassensprecher.
Zur Einschulung wurde ich extra neu eingekleidet: eine knallgrüne Latzhose mit sonnengelben Applikationen und einen Ranzen und eine Schultüte in knallblau. Perfekt zu meinen damals noch semmelblonden Haaren.
Gleich am ersten Schultag, als alle in den Klassenraum stürmten, suchte ich meinen Platz neben dem hübschesten Mädchen, das ich erblickte: D. Mit der ich heute noch befreundet bin. Schinkend., die man so herrlich in der Pause über den Hof jagen konnte, weil sie sich vor meinen Schinkenbroten so ekelte.
Ja, ich war ein wirklich ekelhaftes Kind.
Der Zauber war vorbei, als die Schule in meinem 3. Schuljahr in einen langweiligen Neubau umzog, wir eine neue junge moderne Klassenlehrerin Namens Frau Zahnen bekamen, die zwar wirklich nett war, aber in Punkto Old-Schoolness mit Frl. Schons so überhaupt gar nicht mithalten konnte. Ich war desorientiert, lustlos und weinte mich viele Wochen in den Schlaf, bis ich mich an ihren weniger autoritären Stil gewöhnt hatte.
die toffi-fee
Immer wenn ich Toffifee esse, wie jetzt grade, muß ich an Frances denken. Denn die aß sie furchtbar gerne und in rauhen Massen. To-fii-fii gellte es dann durchs Haus und durch den Supermarkt. Und selten schaffte sie es zur Kasse, ohne die Schachtel schon vorher aufzumachen.
Frances kam durch einen Studentenaustausch London-Berlin in meine Wohnung und mein Leben. Sie war ein seltsamer Mensch, schien immer meilenweit weg und verträumt, nur um dann aus dem Nichts mit einer knalltrockenen Pointe die ganze Runde zum Lachen zu bringen.
Sie war es auch, die uns Jahre, bevor man es hier in Deutschland kannte, mit VHS-Kassetten von French&Saunders und Absolutely Fabulous versorgte. Remember, Glam?
Und da gab es noch diesen einen meiner Geburtstage, an dem aus Versehen oder Zufall alle Anwesenden ein orangenes Oberteil trugen. Die Fotos sehen aus wie von einer Hare-Krishna-Party.
Frances war Fotografin, ich verbrachte einmal zwei schreckliche Wochen im November damit, mit ihr im Regen und bei 3 Grad Berlins und Potsdams Sehenswürdigkeiten abzufahren, weil sie Fotos für einen Reiseführer machen sollte – großartige Idee, Berlin im November, Nieselregen und graues Licht, und das als Fotos für einen Reiseführer.
In der Woche nach ihrer Rückkehr nach London fiel sie plötzlich auf der Straße um und war tot. Ein angeborener nicht entdeckbarer Herzfehler, eine Zeitbombe, die in ihr tickte. Sie war innerhalb von Sekundenbruchteilen tot, und mein größter Kummer war, ob sie ihr eigenes Sterben überhaupt mitbekommen hat. An – Aus.
Der Reiseführer wurde dann nicht produziert, weil die Fotos nach Ansicht des Verlages nicht brauchbar waren: Frances hatte nur Details fotografiert, einen Türknopf des Charlottenburger Schlosses, eine Treppenstufe von Sanssouci, ein Kraut am Fuße der Mauer. Keine Totalen. Schade, daß sie nichts draus gemacht haben. Totalen gibt es doch schon millionenfach.
Alles was ich von ihr habe, ist eine wunderschöne Postkarte von einer ihrer Ausstellungen: die bestand nur aus Schwarz-Weiß-Fotos von Himmeln, mit und ohne Wolken. Cloudbusting. Heartbusting.
Und alles was sie von mir hat, ist die Schachtel Toffifee, die ich ihr bei der Beerdigung ins Grab geworfen habe, in Gransden, nördlich von London.
zitat
I hold no Grudge
I hold no grudge
there’s no reason that I’m mean.
I’ll extend the laurel wreath and we’ll be friends
But right there is where it ends.
I hold no grudge
and I forgive you your mistake
but forgive me if I take it all too hard
and make sure that it doesn’t start again.
Yes I’m the kind of people
you can step on for a little while
but when I call it quits
baby thats it
I’m the kind of people you can hurt once in a while
but crawling just ain’t my style
I hold no grudge
deep inside me there’s no regrets
but a gal who’s been forgotten
may forgive
but never once
forget!
(A. Badale/J.Clifford)
Wunderbar und nachdrücklich interpretiert von Ms. Nina Simone.
Ach, fällt mir ein, ich sollte sie dringend hier in meine Hall of Fame aufnehmen.
Mechthild
Heute vor 20 Jahren ist meine Schwester Mechthild gestorben. Sie, die nicht mal 30 wurde, meine schöne. lustige, mittlere, größere Schwester, immer war sie 10 Jahre älter als ich. Jetzt bin ich 10 Jahre älter als sie jemals geworden ist. Eine Logik, der ich nicht mehr folgen kann, und ich kann mir auch nicht vorstellen, wie sie heute wäre, mit Ende 40. Meine Schwester Mechthild habe ich nur mein halbes Leben lang gehabt.
Nicht mal 30 ist sie geworden, und von den 30 kläglichen Jahren, die sie hatte, war sie 15 Jahre krank, ihr halbes Leben, sehr krank, zwar mit Pausen von einem halben oder ganzen Jahr, aber Hodgkin ist keine spassige Angelegenheit.
Ich glaube aber nicht, daß Mechthild ihre 30 Jahre kläglich fand, immer wenn sie etwas Pause zwischen OP und Chemotherapie hatte, plante sie, Kinder, ein Haus, ein nächstes Projekt.
Und kümmerte sich, um Freunde, um die Famile, sie war die Sonne und der Zusammenhalt, der Mittelpunkt der Familie, nie ein Fall für Mitleid oder Rücksicht. Ich weiß zum Beispiel nicht, wie sie es geschafft hat, mir regelmäßig ein Mittagessen zu arrangieren, wenn sie chemotherapiebedingt, nach einem Morgen voller Kotzen, halbkahl, mit kaltem Schweiß vom Morphiumentzug und auf anderen Medikamenten trotzdem frische Brötchen hatte, und meinen Pubertätsproblemen lauschte, als gäbe es nichts wichtigeres.
Sie hat sich jedenfalls vom Tod nicht das Leben versauen und auch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Ich weiß nicht, wie oft sie, von den Ärzten aufgegeben, dem Tod von der Schippe gesprungen ist, furchtlos, aus reinem puren Lebenswillen.
In unserer nicht grade freudigen Familie war sie die Lebensfreudige, die Lebenshungrige, die Sonne, das Kraftwerk, der Spaßfaktor. Es gibt viel was ich von ihr lernte, und es gibt noch viel zu lernen. Ich wünschte ich hätte auch nur ein Zehntel ihres Lebenswillens und ihrer Lebensfreude.
Selbst ihr Tod war ein Lebensgeschenk – wir konnten ihre letzten Tage rund um die Uhr mit ihr verbringen, sie begleiten, verstehen, was passiert und uns nach und nach von ihr verabschieden, sie gehen lassen. In dem Moment, wo sie ihren letzten Atemzug tat, kam die Sonne hinter den dunklen Wolken hervor und erfüllte das Krankenzimmer mit einem goldenen Licht – wir fielen uns in die Arme und weinten – vor Glück. Sie schenkte mir in der folgenden Nacht noch einen Traum, der keiner war, und seitdem habe ich keine Angst mehr vor dem Tod. Den erzähle ich Ihnen vielleicht mal persönlich, er ist ein Geschenk zum Teilen und Weiterschenken, aber er ist auch nicht dazu, verwässert zu werden.
Aber sie fehlt. Ihre Abwesenheit ist ein klaffender Krater in der Mitte der Familie, mit der Zeit haben alle gelernt, am Rand entlang zu balancieren, mit tapferer Mine, und nicht mehr abzustürzen. Das schulden wir Mechthild, nur leider gelingt es keinem von uns, das Leben so prall anzufüllen, wie sie es hätte tun können.
Ich würde mir gerne vorstellen, wie es heute mit ihr wäre, wenn sie mich in Berlin besucht, wenn ich sie in Ihrem Haus besuche, die Patenkinder aufwachsen zu sehen, die es nie gab. Selbst diesen traurigen Gedanken liegt eine Freude inne, denn ich weiß es wäre schön gewesen.
Aber um selber weiterzuleben, muß man solche Gedanken gehen lassen.
Hildegard Knef hat einmal gesagt, sie habe mehr überlebt als gelebt. Das hört sich sehr traurig an. Mechthild hat zwar nicht überlebt, aber sie hat auf jeden Fall gelebt, und das ist das Wichtigste, und da kommt es vielleicht nicht so sehr drauf an, wie lange, sondern wie sehr.
so blau
muß blau sein. So, daß es im Dunkeln noch nachleuchtet.

Oder so blau wie die Männertreu, die ich zu zig gepflanzt habe. Aber die nutzen anscheinend auch nix.
Aber die Hoffnung stirbt ja angeblich zuletzt.
sexiest man alive
hatte es schon fast vergessen, aber chris isaak is the sexiest man alive. uuuuuh!
nurn komisches fernsehprogramm, was er da hat 😉
da fällt mir auch noch das video zu ‘wicked game’ ein, wo er mit einem model an einem strand rummacht. zu den aufnahmen gefragt, beschwerte helena christensen sich über die steinchen am sand, und daß die überall kratzten. meine güte, ich hätte den strand GEFRESSEN, hätte ich an ihrer stelle sein können…
ehrung des monats: la yiyi – la lupe

Wenn es Almodovar nicht gäbe, wäre sie ganz vergessen: La Lupe, eine der famosesten kubanischen Bolero- und Salsa-Sängerinnen der 60er und 70er.
Mich als Gay Astray interessieren natürlich mehr ihre hochdramatischen Rumbas – ‘Teatro’, ‘La Tirana’, ‘Se Acabo’ – wenn man mal richtig in den Schmerz eintauchen will oder mit der Wut und der Verletzung hoch fliegen will, sind das die richtigen Lieder.
In den 60ern war La Lupe ganz bald ein Star in Kuba, sie trat als Sängerin mit Tito Puente und anderen Bands auf, flog aber mitunter mal ganz schnell raus, weil sie, wenn sie sich in Rage sang, mal eben was auszog oder sich ganz vergaß: ‘According to Cuban commentators, she wore strong makeup and revealing clothes associated more conventionally with putas. She would scream, laugh wildly, cry, swear at the audience, bite and scratch herself, hit her pianist Homero with her shoes, lift her skirts, sit on men or women in the audience and moan and groan in imitation of orgasm. Lupe publicly flaunted her sexuality.’ Man muß nur ihre Version von ‘Fever’ hören, dann kann man sich das vorstellen.
Bekannt geworden,wanderte sie in die U.S of A. aus, wo sie unter anderem mit seltsamen Coverversionen auftrumpfte – eine von vorn bis hinten durchgebrüllte Version von ‘Unchained Melody’ oder eine ebenso deftige Salsa-Version von ‘Dominique’, dem Lied der Singenden Nonne.
Ganz klar – keine Frau fürs Feine, sie konnte nur groß und heftig – und das mit Verve. Wahrscheinlich war das zu schräg für Amerika, und sie war Ende der 70er ziemlich vergessen, bis Almodovar ein paar ihrer Lieder als Soundtrack nutzte.
Sie starb dann aber doch verarmt und fast vergessen Anfang der 90er, nachdem sie als letztes eine Platte mit christlichen Liedern aufgenommen hatte.
Immerhin hat New York eine Straße in der Bronx nach ihr benannt: La Lupe Way. Sometimes I live there.
wieviele menschen waren glücklich, daß du gelebt?
Happy Birthday, Hilde (2 days late)
Ich! Ich! Ich! Ich bin glücklich, daß Du gelebt.
Vielen Dank für große Texte, große Lieder, große Bücher und auch ein paar schöne Filme.
‘Daß es gut war wie es war, das weiß man hinterher, daß es schlecht ist wie es ist, weiß man gleich’
Allein dafür schon.
Deine Texte und Lieder haben mir bestimmt manchmal das Leben gerettet.
Deine Schnoddrigkeit, Deine Manchmal-Schlecht-Gelauntheit, und die Erbarmungslosigkeit und Unverblümtheit des Blicks und der Sprache, die fühlt sich immer noch gut an.
Und dann: ‘Leg doch nur einmal den Arm um mich rum’ oder ‘Laß mich bei dir sein’, oder ‘Im Schlaf streck ich meine Hand aus’ – zum Weinen schön und zart.
Eine Ausnahme im Deutschen, ein Geschenk. Und kein Gaul.
In ‘Zwischen Gestern und Morgen’, wie Du allein durch dein Gesicht und Dein Schauspiel zwischen den ganzen alten UFA-Haudegen die neue Zeit einläutest – das muß man gesehen haben.
Dein letztes Konzert, in der Kleinen Revue im Friedrichstadtpalast, kurz nach Maueröffnung. Ich in der ersten Reihe, auf dem Intendantenplatz, der netterwerterweise nicht kam. (Und das für 25 Ostmark!) Wie Du auf die Bühne krochst, kaum fähig zu stehen, geschweige denn zu singen. Und wie Du nach und nach per Augenkontakt jeden im Publikum fragtest, ob sie zu Dir stehen, und Dir Energie saugtest, bis es ging, das Stehen, das Singen. Mein eindruckvollstes Konzerterlebnis. Eine Auferstehung.
In meinem alten, zerbrochenen Rechner ist noch ein Brief an Dich, nie abgeschickt. In dem ich mich bei Dir für meinen Beitrag an der Existenz dieser zweifelhaften Doppelgängerin entschuldige. Die Du überhaupt nicht amusing fandest. Entstanden war sie aus Liebe und Verehrung, aber dann rutschte es mir aus den Händen. Die dazugehörige Beziehung ebenso. Entscheiden mußte ich mich zwischen der Doppelgängerin oder dem was ich liebte, dem dazugehörigen Mann und Dir. Ich hab mich für mich entschieden. Und trotzdem tut es mir leid, einige der Witze sind von mir, auch wenn ich dafür keine Credits bekommen habe – dankenswerterweise.
Ich, ich, ich, ich bin glücklich daß Du gelebt. Ein hartes Leben, ein Leben mit wenig Erbarmen, weder seiner- noch Deinerseits. Ich hoffe, daß Du wenigestens auch ein bißchen glücklich warst, daß Du gelebt.