old school – frl. schons

Inspiriert von Modestes Einschulung hier meine Einschulungsbeichte:

Meine erste Grundschule war ein wunderbares altes verwittertes Gebäude, umgeben von hohen Kastanienbäumen, gleich neben dem Rest einer alten Burg, gelegen auf der Spitze eines kleinen Berges. Vom Schulhof konnte man über das ganze Kylltal blicken. Die Schule war so verkommen, daß meistens morgens, wenn der Eimer nicht zugefroren war, im Tafelwischwassereimer ersoffene Ratten oder Mäuse schwammen.
Was Frl. Schons dann immer zum Kreischen brachte, und der stabilste Junge mußte dann die Leichen entsorgen.

Frl. Schons, über 60, stammte aus einer Zeit, in der man als Frl. auch wirklich Frl. war und darüber hinaus auch großen Wert auf eben diese Bezeichnung legte.
Sie war dürr und verfügte über die bleicheste Haut, die ich jemals an einem lebenden Wesen gesehen habe. Es sah so aus, als hätte sich die Kreide von über 40 Jahren Tafelwischen auf ihre vielen vielen Falten gelegt. Die wasserblauen Augen hinter strenger Brille konnten sich gegen den wahren prächtigen Farbpunkt in ihrem Gesicht, die langen leuchtend gelben Zähne, nicht wirklich durchsetzen.

Frl. Schons glaubte noch an bewährte Erziehungsmethoden, sie war gut geübt in schnellen kleinen gemeinen Ohrfeigen oder in schmerzhaftem Wangenzwicken. Ja, das war Anfang der 70er, und eigentlich verboten, aber eigentlich waren alle glücklich, daß sie nicht in der Parallelklasse gelandet waren, denn Herr Knop, der Rektor, glaubt noch an Prügelstrafe mit Stock und Lineal, auf Hände oder Hosenboden.

Aber ich liiiiebte Frl. Schons, zum einen, weil sie mich liebte, zum anderen hatte ich damals schon ein Faible für seltsame ältere Damen. Wohl genetisch so veranlagt.
Frl. Schons hatte auch von moderneren Erziehungsmethoden noch nichts gehört – sie glaubte an die Förderung der Begabteren, und die weniger begabten oder Lästigen reichte man halt am Ende des Schuljahres an die nachfolgende Klasse weiter.

Einschulung war für mich das Größte – einen Kindergarten hatte ich nie besucht, und wirklich sozialisiert hat mich eigentlich nie jemand, ein Einzelgängerkind. Hier waren zig neue Spielkameraden, das Lernen ging nebenher wie von selbst und so konnte ich meine Hauptaktivitäten auf die Unterhaltung der Klasse konzentrieren – ich war also der Klassenclown. Nie der Klassensprecher.
Zur Einschulung wurde ich extra neu eingekleidet: eine knallgrüne Latzhose mit sonnengelben Applikationen und einen Ranzen und eine Schultüte in knallblau. Perfekt zu meinen damals noch semmelblonden Haaren.
Gleich am ersten Schultag, als alle in den Klassenraum stürmten, suchte ich meinen Platz neben dem hübschesten Mädchen, das ich erblickte: D. Mit der ich heute noch befreundet bin. Schinkend., die man so herrlich in der Pause über den Hof jagen konnte, weil sie sich vor meinen Schinkenbroten so ekelte.
Ja, ich war ein wirklich ekelhaftes Kind.

Der Zauber war vorbei, als die Schule in meinem 3. Schuljahr in einen langweiligen Neubau umzog, wir eine neue junge moderne Klassenlehrerin Namens Frau Zahnen bekamen, die zwar wirklich nett war, aber in Punkto Old-Schoolness mit Frl. Schons so überhaupt gar nicht mithalten konnte. Ich war desorientiert, lustlos und weinte mich viele Wochen in den Schlaf, bis ich mich an ihren weniger autoritären Stil gewöhnt hatte.

Ein Gedanke zu „old school – frl. schons

  1. scunthorpe (Gast)

    ja. ich glaube … bei mir ist es so, dass meien grundschullehrerin neben meiner mutter udn all den tausenden frauen die ich nach meinem 15. lebensjahr liebte, so ziemlich die wichtigste persönlichkeit war.
    alt, hart und fair.
    und eine 50ziger jahre schule mit welligem laminat und knirschendem parkett im winzigen turnsaal.

    und.. basteln zur weihnachtszeit … WEISST DU NOCH WELCH MAGISCHER GERUCH AUS EINER UHU FLASCHE KAM?
    nicht mehr so ein enttäuschene snichts wie jetzt…

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