Category Archives: gutes tun

richtig heiraten

(Ja, kaum zu glauben, ein Hochzeitstext bei Lucky!)
Wie ja jeder weiß hasse ich Hochzeiten wie der Papst die Selbstbestimmtheit des Menschen und mißtraue der ganzen Institution ‘Ehe’ ganz gehörig.

Ein sehr lieber alter Freund, nennen wir ihn L., hat es dagegen aber mal richtig gemacht. Mit L. habe ich vor X Jahren eine wunderschöne Zeit im Zivildienst verbracht, was unter anderem traute Abende mit Musikhören, Träumen, Philosophieren und auch Kuscheln beinhaltete. Natürlich war der kleine Lucky Hals über Kopf verliebt in L., was dieser jedoch aufgrund seiner gentechnischen, nicht selbst verschuldeten Hetero-Anlagen nicht erwidern konnte. Immerhin war er Manns genug, um einige Nähe zuzulassen.

Jedenfalls erreicht mich vor einer Woche eine schöne Mix-CD mit einem seltsamen Cover: Darauf L. und Freundin D., in hochzeitsanmutender Kleidung: er im Anzug und altem Zylinder auf dem Kopf, sie mit Jahrhundertwende-Schleier, er mit Zigarre, Sie mit einem ‘Kleinen Feigling’ am Mund.
Moment! dachte ich. Moment!

Und es klärte sich beim Zusammentreffen bald auf: die beiden haben fortpflanzungsplanungsbedingt ganz einfach ganz heimlich geheiratet, ganz sachlich, ganz ohne Brimborium, ganz ohne Einladungen mit langen erzwungenen Ritualen, und ganz ohne den Rest der Welt zu belästigen.

Das nenne ich die perfekte Hochzeit!

Lieber L., liebe D., ich wünsche euch beiden ein Leben voller Liebe und Füreinander-Da-Sein, so viele und so tolle Kinder wie ihr wollt und hinkriegt und viel Spaß und Glück!

pret-á-abtransporter

Liebe Gemeinde,
im Job gab es einen SuperGAU und den muß ich in den nächsten Tagen oder Wochen verwalten, verarzten und wasweißich-ichweißesnicht. Also mehr so 24/7.
Kann und darf dazu leider hier nichts sagen, aber es wird ab mittag auch wahrscheinlich in den Kulturnewstickern stehen.

Jedenfalls werde ich wohl eher wenig Zeit haben, um mich hier zu entäußern, und, was mir noch mehr leid tut, bei euch zu schmökern und meinen Senf dazu zu geben.
Please bear with me.

Der Vatter schmiert sich noch ne letzte Stulle und zieht in den Krieg.

I’ll be back as soon as I can and in between too. I hope.
Vielleicht fällt ja Kurioses für hier bei ab.

gestern war mir kalt

Und das geht so:
Man nehme eine mittelgroße Terrasse mit viel Grünzeuch.
Und einen Kaltwasserschlauch.
Man setze sich so nackt wie man es sich traut mittendrauf (auf die Terrasse, nicht den Schlauch!).
Dann wässert man zuerst den Boden und die Pötte grundlich.
Dann nehme man den Schlauch und halte ihn einfach grade hoch in die Luft und simuliere einen weichen kühlen Sommerregen.
Nach Bedarf beliebig wiederholen.
Die Verdunstungskälte wirkt wirklich sehr gut – ich gebe zu, ich habe etwas übertrieben mit der Anwendung, so daß ich relativ früh ins Bett mußte, um mich da mal so richtig warm einzumummeln.

Tiefer

Die Luft ist kühl, aber drückend und sehr feucht. Kleine klebrige Erdpartikel legen sich auf die Haut, in die Nase und den Mund. Die Schaufel und die Spitzhacke liegen schwer in der Hand. Die ersten Blasen platzen auf, und das Blut verbindet sich mit dem lehmigen, feuchten Staub.
Der Rücken schmerzt. Der Boden ist sehr hart und steinig, ich muß immer zuerst eine Schicht der schweren feuchten duftenden Erde mit der Spitzhacke auflockern, um sie dann mit der Schaufel nach oben zu befördern.
Der alte Mann über mir beobachtet mich mit spöttischem Blick. Seine zusammengewachsenen, buschigen Augenbrauen tanzen, als er sagt: ‘Na, das hast du in deiner tollen Schule wohl nicht gelernt, Herr Professor. Grab’ mal weiter, das muß noch viel tiefer werden.’
Mittlerweile stehe ich bis zur Brust in dem Loch. Der Lehm wird feuchter, schleimiger. Seltsame organische Partikel mischen sich dazu. Sind das Wurzeln? Holz?
Meine Arme schmerzen, sie haben keine Kraft mehr. Der Lehm muß mittlerweile über Schulterhöhe aus dem Loch befördert werden. Der Schweiß auf meinem Körper fühlt sich seltsam an in der feuchten Kühle der Erde, klamm.
Ein Schlag mit der Hacke, was ist das? Kein Stein, dafür ist es zu weich. Eine Wurzel? Vorsichtig lege ich das Ding mit der Schaufel frei. Ein Becken, das sieht aus wie ein menschlicher Beckenknochen. Aber so klein. Viel zu klein. Und irgendwie – weich. Der alte Mann lacht: ‘Das ist Martina. Die wurde vom Bus überfahren. In den 60ern. Sie ist nur 4 Jahre alt geworden.’
Vorsichtig lege ich die Reste der kleinen Martina zur Seite.
Noch dreißig Zentimeter tiefer, sagt der alte Mann. Er zeigt mir die Tiefe mit seinen knorrigen Händen.
Mein Schweiß riecht seltsam, hier in der kühlen Tiefe, wie er sich mit dem Aroma des feuchten Lehms verbindet. Er tropft von meiner Stirn, und beim Abwischen habe ich mir die Erde schon längst ins Gesicht und in die Haare verrieben.
Seltsamer Kontrast, wenn ich nach oben schaue, sehe ich einen blauen Himmel, einen heißen klaren Sommertag. Hier unten ist es November.
Bevor meine schmerzenden Schultern aufgeben, lege ich wieder los. Es gibt keine Ausflucht.
Ein weiterer fester Schlag. Die Hacke steckt fest. Meine blutenden Hände können sie nicht mehr herausziehen. Hebelwirkung. Ein fester Griff, ein Schwung. Was fliegt mir da entgegen? Rippen, das müssen Rippen sein. Ich habe soeben einen Brustkorb geöffnet!
Das Grauen schnürt mir die Kehle zu, von weit oben, von vor dem sommerblauen Himmel höre ich den alten Mann lachen. ‘Das muß Johann sein, der Vater. Der kommt nachher wieder mit rein.’
Jetzt ist es auch egal – Johanns Schädel finde ich sehr bald darauf, er starrt mich aus leeren Augenhöhlen an, die vielen weißen Zähne zu einem Lächeln gebleckt, fast gut gelaunt. Das Skelett ist sehr gut erhalten, gottseidank scheinen die anderen Überreste gründlich verwest zu sein. Kein Fleisch, keine Kleidung. Eigentlich eine saubere Sache, so ein Skelett, denke ich, als ich den Schädel, die Arm- und Beinknochen, die Wirbel nach oben schaufle. Die weiteren Schädel, die ich finde, werfe ich mittlerweile schon fast achtlos nach oben. Schädel verrotten am langsamsten, hat der alte Mann mir erklärt. So viele Zähne.
‘So, jetzt ist das Grab tief genug!’, befindet der alte Mann und verschwindet ohne weiteren Kommentar, er geht wohl zu Mittag essen.
Ich stehe in der dunklen, feuchten Grube, die etwas tiefer ist, als ich groß bin, 1,80 tief, zwei Meter lang, etwas über einem Meter breit. Das sind die Normmaße für ein Grab.
Ich lege mich hin, will spüren, wie sich das anfühlt. Über mir ein eisvogelblauer Himmel, um mich die schwere Kühle. Nicht unangenehm, wie die braunen Wände die Sommergeräusche von draußen schlucken, eine große Ruhe. Fast verführerisch.
Mühsam stemmen meine mittlerweile tauben Schultern und Arme mich am Rand des Grabes aus der Tiefe heraus. Die warme Sommerluft fühlt sich fremd und wohltuend auf meinen klammen Gliedern an.

Morgen ist die Beerdigung von Jakob, einem alten Nachbarn, und es ist Brauch in meinem Heimatdorf, daß die männlichen Nachbarn das Grab bereiten. Wenn der Sarg dann heruntergelassen ist, werde ich die Erde wieder hinunterschaufeln, zusammen mit den Überresten von Martina und Johann und den anderen Verwandten von Jakob. Auf den Erdhügel werden dann die Kränze und Blumengestecke verteilt, die mehr nach Tod riechen als das Grab selber.

die boating-saison ist eröffnet

flusspferdchen

Zugegeben, das Foto ist aus einem der letzten Sommer, aber trefflich geschossen vom Glämmerwet
Aber immerhin, Ende Juni, und man kann doch noch schon mit Glämmerdick und Schlauchboot auf und in den Schlachtensee.
Ein neues Schlauchboot übrigens, ‘Tornado’ ist sein Name, riesengroß, nur nicht so schnell wie sein Name verspricht, nachdem pünktlich zum Ende der letzten Saison das schöne alte blaue nach vielen Jahren treuer Dienste eben jenen quittiert hat. So ist die neue Saison eben rot-silber-schwarz. Und geräumiger.
Und leider etwas zu viel Sonne abgekriegt, ich sehe aus wie ein gekochter Hummer. Deswegen heute kein See für mich.

ganze nüsse

Vorgestern bei Kaisers:
Zwei Ossi-Proll-Mädchen, bauchfrei, Stringtanga obenraus, sehr laut und offenbar im gesteigerten hormonellen, laufen aufgeregt schreiend durch den Suppermarkt. Trotz Ausblendens hört man immer wieder ‘geil, ey’ ‘der Typ is ja sooo…’, ‘boah, was machste jetz mit deeeem?’
An der Kasse dann,ich stehe in der Schlange des hübschen leicht metrosexuell angehauchten türkischen Kassierers, höre ich sie sich nähern ‘Nä, ich brauch nen Kerl – ich geh zu dem Mann da’
Mein Nacken spannt sich an.
Ein Beratungsgespräch ist erwartet. Jacqueline oder Mandy oder Dayana lehnt sich, Bauchnabel und Piercing und alles über mich und meine Einkäufe rüber und bläht den Kassierer an: ‘Ey, ist das ne Schokolade die man nem voll süßen Typen schenken kann? Was essen Typen eigentlich für Schokolade?’
Schreckgeweiteten Blicks kriegt der Türke kein Wort raus. Ich schreite ein: ‘Zeig mal – hmh – Joghurt-Pfirsich, nee, das ist Mädchenschokolade’ ‘Ey Mann was essen Typen denn für Schokolade’ – ‘Na Nüsse, für Männer sind Nüsse immer wichtig’ ‘Wie Nüsse?’ der Türke schenkt mir einen erleichtert-vertraulichen Blick – ich zurück ‘Ganze Nüsse, ne, da kommts bei Männern drauf an’. Der Blick wird fast vertraulich, das Nicken steigert sich ‘Ja, ganze Nüsse, ist wichtig’ sagt er.
Und dann tritt er vor lauter Aufregung so feste aufs Laufband, daß ich erstmal springen muß, um die Flaschen zu retten, die hinten grade auf den Boden zu fallen drohen.

Beim Rausgehen höre ich Mandy-Jacqueline-Dayana eine andere Kassiererin anblöken: ‘Ey sag mal sind hier Nüsse drin? ich brauch nämlich ganze Nüsse, weißte?’

gutes tun

heute gutes getan, und zwar mir. mit paula vor der arbeit frühstücken gegangen. wunderbar. entspannend. und sättigend.
trotzdem komisches gefühl, es fehlt was:
unser brauchtum ist es immer, wenn wir verreisen, das mit einem ausführlichen frühstück zu beginnen.
jetzt fehlt mir irgendwie der reisepart hier im büro. ostsee fühlt sich anders an.