Archiv für den Monat: Februar 2011

Starkes Mißverständnis

Depression is not a sign of weakness
it means you have been strong for far too long
(gefunden bei
Herrn Nach21s Alternativen)

“Sie sind sehr stark Herr Lucky, schauen Sie doch mal an, was Sie alles durchgestanden haben in den Jahren.”
“Ja, da könnte ich jetzt stolz drauf sein. Ich könnte mich aber auch darüber ärgern, daß ich so toll stark war, viele Jahre im Regen zu stehen auszuhalten, anstatt so stark zu sein, mich einfach irgendwo unterzustellen.”

Faust, Ehre, Mittelfinger & Road Rage

Gestern wurde der Herr Lucky für einige Minuten von einem großen kräftigen Türken im Aufzug festgehalten und hat fast ordentlich auf die Fresse gekriegt.
Und das kam so:
Wie immer war die doppelte Einfahrt zum Firmenhof zugeparkt, diesmal extra bescheuert, von nur einem Lieferwagen, der besonders bekloppt da stand. Herr Lucky hatte eh schon eine fürchterliche Laune und hupte sich die Hupe wund, was aber nichts nutzte. Irgendwann gelang es ihm, um den Wagen herumzurangieren und mit gesundem Augenmaß fügte er noch einige Huperei hinzu. (Es ist nämlich wirklich nicht lustig, von einer dreispurigen Straße über rad- und Fußweg zu rangieren)
Jedenfalls, der Fahrersitz des Lieferwagens war leer, und vom Beifahrersitz fuchtelte jemand kaum erkenntliches wild umher. Was Herr Lucky mit einem deftig ausgestreckten Mittelfinger quittierte.

So weit, so gewöhnlich. Ungewöhnlich wurde es erst, als Herr Lucky in den Aufzug stieg, und ein Unbekannter, Türke, massig und anderthalb Köpfe größer, den Aufzug blockierte, und eine Entschuldigung für seine verletzte Ehre forderte. Nicht, daß ich das so schnell verstanden hätte, der Gute war unglaublich aufgeregt (ich dann auch ganz bald) und sprach mehr so “waszeigsdumirmittelfingeralter, binischkanakfürdischoderwas, du hassmeinÄrreveletz” und so weiter.
Also, so ging das ein paar Minuten, und Herr Lucky war ob der für ihn sinnlosen Eskalation auch keinesfalls zu einer Entschuldigung bereit, in den Aufzug eingekesselt wie er war. Zurückbrüllen nutze nichts, Hausverweis auch nicht, also rief ich die Polizei an, Nötigung, Bedrohung, Festhalten, ich weiß auch nicht mehr, was ich dem Notruf sagte. Jedenfalls beeindruckte das den Türken nicht, seine Ehre wollte er wiederhergestellt wissen, ganz dringend.
Irgendwann kam dann ein Nachbar, was die Situation irgendwie deeskalierte, und nach einiger Zeit konnten wir in den 4. Stock fahren, wo Herr Lucky schnell die Firmentür zuschloß.
Danach klingelte es noch eine Viertelstunde an der Tür, aber ob es mein neuer Freund war oder die Spätschicht, die nicht reinkam, kann ich jetzt nicht mehr auseinanderhalten. Und die Polizei bestellte ich dann auch wieder ab.

Im Nachhinein tut es mir allerdings dann schon leid, eien so unfeine Geste gewählt zu haben. Ich hatte ja überhaupt nicht gesehen, wer da im Auto saß (was aber auch letzlich egal war, es hätte ja für egal wen gemeint gewesen), aber der arme Mann dachte, daß ich ihn als Türken angreife. (Zudem sagte er irgendwann, daß er keinen Führerschein hat und er das Auto gar nicht hätte wegfahren können, er war also wirklich in einer beschissenen Situation)
Und der arme Mann tut mir auch sehr leid, daß er eine so fragile, verletzliche Ehre hat, die man mit einer so kurzen bündigen Geste so tief verletzen kann.

Die arme Lena-Renate Meyer-Künast-Landrut

Die Idee schien sicher ganz glorreich, damals im Rausch, hat aber was von einer Altmänner-Stammtischrundenwette: Wollnwer doch mal sehen, denen werden wirs zeigen.
Uns so schaltet man in Wahlkampfmodus, klingelt langweilige belanglose Lieder vor einer Jury, von der man nicht weiß, wie die zusammengewürfelt wurde, wahrscheinlich hatte sonst grad keiner Zeit, während man Stefan Raab anmerkt, daß er eigentlich lieber gleich alles selber machen würde, und wozu dieser Ansageonkel und die Ansageuschi gebraucht werden, erschließt sich ebenfalls nicht. Boring.
Oder man schaltet in Beißmodus, egal zu welchem Thema, auch wenn man davon keine Ahnung hat, weil man die Stadt einfach nicht genug kennt, versucht dem Amtsinhaber ans Bein zu pinkeln, wo immer es auch geht, nur hat der scheints Teflonhosen an. Wahlkampf ist immer. Nur Regieren ist nie. Wie beim Grand Prix.

Und wie schade ist es doch um unsere Lena-Renate Meyer-Künast-Landrut: Was ein süßes frisches freches Mädel, allein der Anblick machte Freude, damals in Oslo, damals als Landwirtschaftsministerin. Auch wenn sie das mit den Tönen nicht so drauf hat, eigentlich war es erfrischend sie zu hören, mit ihrer anderen, frechen Meinung, aber mittlerweile werden die Töne harsch und bemüht. Und keiner wills hören.
Es muß deprimierend sein, eine Schnapsidee von vor einem Jahr auszubaden, währenddessen die Quoten in den Keller gehen. Einen Gefallen hat sie sich und uns jedenfalls nicht damit getan.