Mittag, 12:09, U1, zwischen Schlesischem und Halleschen Tor.
Ein Typ steigt ein, Sneakers, Bomberjacke, Glatze, Pupillen wie 2 schwarze Lakritztaler, Pickel im käsigen Gesicht. Setzt sich mit gegenüber, nervöses Zucken. Nimmt Tempopackung raus, friemelt eine Pille daraus hervor und schmeißt ein. Schneuzt sich die Nase. öffnet Fenster, schmeißt Taschentuch hinaus. Holt Klappmesser aus Hosentasche und putzt sich die Fingernägel damit. Immer mit Ganzkörper-Hibbeln und aggressivem Blick in den U-Bahn-Waggon und auf mich, der ihm gegenübersitzt und sein Bestes tut zu ignorieren.
Als wir beide am Halleschen Tor aussteigen, achte ich sehr darauf, nicht vor ihm zu gehen.
Freitag Nacht, 1:30
Ein nett- und gutaussehender Anfang-Vierziger springt und spricht mich an: ‘Hey, ich habe heute genau einen wahren Menschen getroffen! Und weißt du, was er zu mir gesagt hat? ‘Du bist ein Vampir’, hat er zu mir gesagt, ‘ein echter Vampir’ Hah – ich bins Dracula, der Blutsauger’
‘Dann mußte jetzt aber schnell schauen, da0 du vor Morgengrauen zuhause bist’ sage ich zu ihm, als ich mich umdrehe, um schnellstens den sicheren Hafen meiner Wohnung anzulaufen.
Gruselig. Und es werden immer mehr.
So schlecht ist Luxemburg als Wohnsitz dann doch nicht. So gesehen…
REPLY:
‘Ja, isses denn ein Wunder!?’ sang einst Frau Hagen und hatte recht.
REPLY:
Na, weiß nicht, bei den Geschichten, die du so erzählst… Mir ist urbaner harter Horror allemal lieber als diese schleichende Gruseligkeit anderswo… (ich hoffe ich trete jetzt niemandem zu nahe, wenn ich Luxemburg eine gewisse Urbanität abgesprochen habe)
In Birmingham würdest du dich dann sicher so richtig wohl fühlen. So viele unheimliche Leute auf einen Haufen hab ich sonst noch nie gesehen (und die haben alle Ringelpullis an).
REPLY:
Aber Ringelpullis muten doch sonst so harmlos an… (außer für Brittbee)