Archiv für den Tag: 8. Mai 2006

miss new york

I do. I miss it.
Anfang der Neunziger verbrachte ich zwei Sommer dort. Einem Ort, den es nicht mehr gibt.

Vor Hitze kochende Straßen in der Lower East Side, und Happy Hour Hopping, von Bar zu Bar. Wenn der Barkeeper einen von uns beiden, Anja oder mich, mochte, gabs heimlich immer noch einen zweiten B52 hinterher. Ein sehr schicker Barkeeper brachte zum ersten Date mit Anja gleich ein Date für mich mit. Der war zwar nicht mein Fall, aber das sind amerikanische Sitten, im guten Sinne.

Eine durchtrunkene und durchkokste Nacht in der Tunnel Bar und anderen Clubs, auf dem Heimweg im Sonnenaufgang am East River, mit einem Sardinier, der ganz und gar ohne Haare warund ein eindrucksvoll brachiales Gesicht hatte. Er machte Fotos von mir, und ich brachte ihm beim dritten Date bei, daß man passiv auch viel Spaß haben kann. Dafür mußte ich mich einmal drei Stunden unterm Bett verstecken, weil seine katholischen sardinischen Kusinen, bei denen er wohnte, Geräusche gehört haben, und nicht wußten, daß er schwul war. Ich bin fast gestorben an dem Lachkrampf unterm Bett.

Mein erstes Mal im Waschsalon, wo mich dicke schwarze Mamis retteten, als meine Waschmaschine überlief. ‘You put in too much soap, honey’, mich ob meines verschreckten Blicks ins Herz schlossen, und mir verrieten, welcher Trockner für zwei Quarter am längsten trocknet.

In der Wohnung der Schauspielerin, die Marilyns Rolle aus ‘The Seven Year Itch’ am Broadway spielte, direkt gegenüber vom Dakota Building, gab es zwei Klavierzimmer, ein helles und ein dunkles, ich nehme an eins für Dur und eins für Moll. Die großen Zimmer waren unbewohnt, die Famile lebte in vollgestopften kleinen Verbindungszimmern zwischen den großen leeren. Woody Allens Hund war dort grade in Pflege.
In dem Haus mußte man nur über die Terrasse von Carly Simon klettern (die nicht zuhause war), um den großartigsten Blick auf den Central Park haben und in die Wohnungen von Mia Farrow, Leonard Bernstein und wem noch alles zu gucken.

In einem Club am St. Marks Place sprach mich ein atembraubend schöner Mann an ‘Hey, I know you. I know you from your fotograph, the one with the wings.’ In New York! Man kennt mich in New York!
Ein Freund hatte ihm das Bild aus Berlin mitgebracht, es hing über seinem Bett, wie ich feststellte, als ich mit ihm nach Hause ging. Angeblich war er der Sohn einer ehemaligen Miss Ägypten, und unehelicher Sohn von Omar Sharif. Ich habs ihm geglaubt, weils schicker so war. Und im Folgejahr gabs auch eine Wiederaufnahme unfern des Broadway.

Auf der siedend heißen 5th Avenue fing mich eine südamerikanische Wahrsagerin ab, las mir aus der Hand, und hatte ziemlich recht mit dem, was sie sagte, mein Leben in Berlin war ziemlich vermurkst. ‘There’s three men who have put a spell on you, honey, to keep you from being loved. I can take it away, with candles, for only 50 Dollars, believe me!’
Ich glaubte natürlich nicht, hatte auch keine 50 Dollars, aber sie sagte, ‘I’ll do it anyways, ‘cos I like you. You come back and tell me what happened, and you’ll see I was right’ Klar. Aber sie hatte Recht, in derselben Nacht lernte ich oben erwähnten jungen Mann kennen, und auch später in Berlin hatten sich alle Probleme in Wohlgefallen aufgelöst. Gut, bei einem der drei Männer mußte ich ein wenig zu Kreuze kriechen, ich hatte ihn wirklich nicht gut behandelt, aber dafür nahm er den Fluch weg, den er, wie er sagte, tatsächlich auf mich gelegt hatte.

Ein magischer Ort, eine magische Zeit. Verlorene Welt. Heute darf man dort nicht mal mehr in der Öffentlichkeit rauchen, höre ich, und ich habe keine Lust, das zu überprüfen.