Rollenverständnis

(Alter Chathase, beim morgendlichen Austausch, und nach einen Hinweis auf ein besonders, na sagen wir mal, eindrucksvolles Userprofil, der auch “Massagen” anbietet)
“tschiesus
nene lassma stecken
das is so gar nich mein beuteschema”
lucky
“wer spricht denn von beute-schema?
manchmal ist man eben auch bloß opfer!
menno!”

Nachtrag:
Ich glaub ich leg mir ein Sexprofil an. Den Nick hab ich schon:
MUFFENSAUSEN

Die spinnen, die Spinnen

So eine Terrasse ist ja auch ein schönes Ding. Das finden nicht nur die gelegentlichen Besucher, nein, andere Kreaturen fühlen sich geradezu eingeladen, dort einzuziehen, um genau zu sein, Spinnen, in allen Farben, Formen und Größen.

Die ganz kleinen sind mir auch fast egal, weil ich sie nicht so genau erkenne. Allerdings ist es schon sehr ekelhaft, wenn man überall in den Netzen kleben bleibt, wenn man die verblühten Blumen entfernen will. Dann gibt es noch so kleine Springspinnen, die wenn man genau hinguckt, sehr apart zebramäßig gemustert sind. Das Problem, die Dinger können problemlos einen halben Meter springen, und so kann es sein, daß sie einem beim genau Hingucken mitten ins Gesicht springen. NOT nice!

Das schlimmste sind allerdings die megafetten Kreuzspinnen. Jemals abends an der U-Bahn Hallesches Tor gewartet und nach oben geschaut? Dann können Sie sich das vorstellen. Grauen pur. Die fetten Geräte bauen ganz einfach ihr Netz über die Terrassenbeleuchtung, und brauchen eigentlich nur noch den Hals offen zu halten.
Keine Ahnung, ob die sich überhaupt so oft häuten können, wie sie wachsen, aber ich habe bisher noch keine Kreuzspinne platzen gehört bei mir.

Jedenfalls, fangen und wegtun kann ich nicht, kein Glas und Papier für mich, und irgendwie mag ich auch keine Spinnen töten, ich glaube an friedliche Koexistenz, wie bei den meisten Türkenmackern oder rumänischen Windschutzscheibenputzerinnen auch, am besten allerdings auf unterschiedlichen Kontinenten.
Die Spinnen haben aber leider ein anderes Konzept, mehr so Multikulti.
Immerhin sind die fetten Kreuzspinnen recht intelligente Geschöpfe, und wenn man mehrmals hintereinander ihr Netz zerstört, verziehen sie sich, bis dann eine Verwandte neu einzieht, es bleibt halt Work in Progress, wie jeder andere Friedensprozeß auch.
Zu dem Zweck habe ich einen sehr sehr sehr langen Bambusstab, und mit einer mittlerweile routinierten Handbewegung drehe ich das Netz ein, samt Spinne, und klopfe das ganze beherzt am Geländer ab. Naürlich unter Kreischen, versteht sich.
Nur letztens kribbelte später irgendwas an meinem Bein, und ich stellte fest, daß sich das Monstergerät unter mein Hosenbein gerettet hatte.
Mein Geschrei rief dann gottseidank den LMB auf den Plan, der mich rettete. Wer weiß, was passiert wäre… Immerhin hatte sich die Spinne auch sehr erschrocken.

Nachtrag: Ich gehe ja fest davon aus, daß die Biester immer schön brav in ihrem Netz sitzen bleiben. Sonst könnte ich nachts ja auf gar keinen Fall die Terrassentür offen lassen. Also ich gehe ganz fest davon aus. Ganz ganz fest!

Beautiful Day without You

Living on my guard (guarded)
Wind is on my neck (fateless)
Sun is on my face (have courage)
Beautiful day without you (ah)

Like rays of gold (I honestly can)
Now can I (forget the pain)
(Royksopp, Beautiful Day without You)

Ein oder mehrere Tage auf dem See mit den richtigen Menschen sind wahrscheinlich der Zustand, der am nächsten und direktesten an das Seelenheil herankommt.
Zuhause und auf dem Weg hin noch voller Angst und Haß auf die Menschen, und würgend und erstickend an dieser unstillbaren, unerträglichen Sehnsucht, den Menschen anzurufen, den kein Telefonanschluß mehr erreicht. All die kleinen unbedeutenden Details zu erzählen, zu teilen, komplett egal, was man erzählt, das Gespräch als Seelenaustausch und Nabelschnur. Getrennt.

In meinem Heimatdialekt gibt es ein Wort, das in Deutsch nicht existiert, es spricht sich ‘Geheeschnis’, und bedeutet in etwa: Heimat, geborgen sein, unerklärt und bedingungslos verstanden und angenommen werden, ein Mutterwort eben.

Wie schön, daß es auch im Hochdeutschen mindestens einen Menschen gibt, der die Bedeutung kennt und lebt.

(mit fliegenden Rochen und Quallen, dafür ohne Killerwelse)

Tunten & Technik II: Red-Hot Bullet on the Loose

So ein Cabrio ist eine feine Sache. Ich hab eins, einen ganz kleinen Peugeot, in knallrot, natürlich. Das fahren sonst eher Blondinen mit Weddingpalme auf dem Kopf – ich finde, es paßt zu mir.

Jedenfalls, so ein Cabrio ist eine feine Sache. Vorausgesetzt, das automatische Dach schließt sich auch wieder nach einen anstrengenden entspannenden Tag auf dem See.
Vorausgesetzt, die Pannenhotline, die man in einem ziemlich teuren Rundum-Sorglos-Paket gleich mit dem Leasingvertrag und der verlängerten Garantie abgeschlossen hat (ist ja nicht mein Geld, ist ein Dienstwagen), sieht sich auch zuständig.
Ansonsten kann es passieren, daß die Anwohner einen fast eine ganze Stunde auf der Straße ins Telefon schreien sehen.
Bei diesem Modell sei die Hilfe ausgeschlossen, in der Betriebsanleitung sei ja nun ganz genau geschildert, wie man das ganz einfach selber beheben kann. Die Anleitung ist 4 Seiten lang, wahrscheinlich die Mutter aller Ikea-Bauanleitungen, und es steht ganz fett drüber, daß man das zu zweit machen soll. Ich bin aber nur einer.

Jedenfalls, nachdem ich zwei Agents der Hotline umsonst verschlissen habe, brauche ich nur zwei Stunden, um das Dach (ich mittlerweile komplett eingesaut) wirklich zu schließen. Und ein paar gequetschte Finger.
Es gab auch keinerlei dumme Kommentare von Passanten, die haben wohl gespürt, daß es sehr sehr gefährlich hätte werden können. Auch mit nur einem Imbusschlüssel bewaffnet kann man Leben zerstören.

Diese modernen Autos sind ja mit allen Sorten von Alarmgeräuschen ausgestattet, das mußte ich am nächsten Morgen feststellen, denn das Auto beschwerte sich, daß das Dach nicht fachmännisch geschlossen sei. So ein Alarm eskaliert an Lautstärke stetig, so daß nicht nur mein Gesicht zur Faust geballt war, als ich endlich an der Werkstatt ankam.
“Ich bin NICHT glücklich…” preßte ich zwischen den Zähnen hervor.
“Oh, wir haben heute aber gar keine Kapazität mehr…” Erschreckter Blick hinter dem Counter.
“Iccccch bin mir sssssssseeeeeeehr ssssiccccccher, daßßßß sie etwas Zzzzzzzeit finden kööönnnnnnnnnen!!!!!”
Sie hatten dann ganz spontan noch Zeit, viel Zeit, wie sich herausstellen sollte.

Nur 3 Stunden später erfahre ich daß ein Ersatzteil bestellt werden muß, und ob das in der Garantie (bei Peugeot ist NIE irgendwas in der Garantie drin, das komplette Auto ist “Sonderausstattung”) eingeschlossen sei, müßte man erst noch – ein kurzer Blick, eine angehobene Augenbraue meinerseits – ja doch, das Ersatzteil sei sehr teuer, aber man sehe grade, es ist in der Garantie mit drin.
Das Dach könne ich jetzt zwar nicht öffnen, immerhin sei der Alarm abgestellt, also könne ich fahren.

Als ich vom Hof fahre, erklingt der Alarm. Ich zurück, muß auch gar nichts mehr sagen. Stattdessen rufe ich in der Firma an, und sage, daß ich erst in einer halben Stunde komme, wenn nicht, sollen sie auf Radiomeldungen hören, oder Newsticker lesen, von einem Amoklauf in der K.-Straße.

Nach weiteren 5 Minuten höchster Dringlichkeit ist dann das behoben, worauf ich 3 Stunden gewartet habe, und ich kann fahren.
Das war sehr sehr knapp, für die in der Werkstatt, und für mich.
Übrigens habe ich erfahren, daß die Pannenhilfe sehr wohl in der Garantie drin gewesen wäre.

I am a very, very angry person, right now.

Boah – Ick werd noch wahnsinnig

Ein Hinterhaus weiter, gegenüber im Vierten, wohnt in einer Einzimmerwohnung so ein Jung-Aso. Der begegnet einem oft schon mittags besoffen und mit schwerem Seegang.

Leider hat er eine unglaublich sonore Stimme, und leider benutzt er diese oft, und laut, um Befindlichkeit auszudrücken. Das reicht zwar immer nur zu entweder unbestimmten Grunzlauten, oder aber zu unkontrollierten Wutausbrüchen, in denen er auch seine Wohnung komplett zerlegt, wie es sich anhört.
Dazu liebt er auch Musik, aber nur wenn sie laut ist. Wenn man Glück hat ist es ein relativ entspannter Loungetechno, wenn man Pech hat, Death Metal. Wenn man ganz viel Pech hat, ist es Klingelton-Schlumpftechno. Wie grade eben, wo ich grade einen netten innigen Moment mit Emiliana Torrini auf der Terrasse hatte/hätte haben können.

Was kann man tun? Irgendwie traue ich mich nicht, mich mit ihm anzulegen? Hausverwaltung?
Oder nehme ich wieder den Wasserschlauch, und spritze ihm so lange auf die Fenster, bis er sie zumacht? Und ist das gegen die Menschenrechte, bei dem Wetter? Und was ist mit meinen Menschenrechten?

Majestät beliebt zu reisen

majestaet

Es muß allerdings einige kopflose Hektik beim Packen gegeben haben. Oder es ist der uneheliche Bruder von Marie Antoinette und Kuchen war alle (links im Bild.)
Sitzplätze waren auch alle, scheints.
(Gesehen gestern auf der Schlesischen Straße)

Lange Leitung

Manchmal dauert es ja auch ein wenig, bis der Groschen fällt:
Aus einem Kommentar der großen Britt von hier von vor 2 Jahren:
“Ich werde ja immer als Zicke bezichtigt, wenn ich am Strand über schlecht gemachte Titten lästere… meine Güte, wer läßt sich so etwas eigentlich noch machen. Da wurde doch echt ein Tausi am falschen Ende gespart.”

Am falschen Ende? Prust!

ich brauch ne Knarre

Gestern um ein Haar aufs Maul bekommen, und das kam so:

Am Kotti wie immer eine dieser rumänischen renitenten Fensterputzrattenkolonnen, die Frau ignoriert wie immer komplett mein Nein! Verzieh dich-Schreien und -Winken und fängt an, mir ihren Dreck auf die Windschutzscheibe zu schmieren.
Weswegen ich dann immer laut hupe, denn das kriegen sie dann doch mit und erschrecken sich, und zur Not mach ich Scheibenwischer an und spritze Wischwasser.
Ich meine, welchen Teil von NEIN kann man auch als Rumänin oder wasweißich nicht verstehen?

Jedenfalls, auf einmal fängts neben mir verstärkt an zu hupen, und zwei türkische Jungbullen brüllen mich aus ihrem fetten Präpotenzmercedes an:
“Eh Alter, das is ne Frau, verstehste, eine Frau!”
Ich verstehe nicht, und brülle zurück “Mir ist das egal, was das ist, die soll die Finger von meinem Auto lassen, wenn ich nein sage!”
Was die wiederum nicht verstehen, und weiter brüllen “Eine Frau, du Arschloch, ischkommdirmarüber!”
Die Sicherheitsgurte werden gelöst, und die Türen öffnen sich, ich voll im Schreck denke noch so schnell gehen meine Scheiben nicht hoch, da sehe ich aus dem Augenwinkel, daß die Ampel jetzt grün ist, und gebe Vollgas.

Deswegen hätte ich jetzt gern und sofortig eine dicke fette Knarre fürs Handschuhfach, nur so zum Zücken. Diese Sprache würde so eine osteuropäische Windschutzscheibenpenetrantin verstehen, und die mißgeleiteten muslimisches-Frauenbild-Vertreter auch.
Einfach kurz aufblitzen lassen, und Ruhe ist.

Fatsuit

“Boah, ich schwitze bestimmt noch mehr als xxx!”
“Warum, schwitzen denn dicke Menschen wirklich so viel mehr als dünne?”
“Stell dir einfach vor, du hättest einen Neopren-Anzug an, den ganzen Tag. Immer.”
“Ach so, ja nee, is klar.”

Public Displays of Affection

Boy, what a weekend!
Am Freitag also Yazoo live, ein unwahrscheinliches Ereignis, mit dem Ereignishorizont i.R. Auf dem Weg zur Columbiahalle die bange Frage, ob das jetzt ein ältliches Publikum wird, aus ewig Gestrigen, große Erleichterung dann, als wir auf eine größtenteils jugendliche, gothic- und animeorientierte Meute treffen, die in Schwarz, Lila, Rosa und Fuchsia auf Einlaß warten. Moment!? Es soll doch um acht losgehen? Ach richtig, das hier ist das Columbia Fritz, Yazoo ist eins weiter, und siehe da, eins weiter warten auch dann die Um-die-40-Jährigen auf ein Stück wiederbelbter Erinnerung aus ihrer stilbildenden Zeit. Das Konzert dann, großartig, kein Wunsch bleibt offen, hier und heute und doch exakt was es immer war, eine nichtmuseale Aufführung, kein peinlich modernisiertes Unterfangen, weil nicht nötig. Yazoo ist. Und war. Und wir sind glücklich und bewegt.

Danach dann zur Abschiedsparty des unglaublich reizenden Bomec, den ich allerdings leider erst dort kennenlerne – Say Hello Wave Goodbye in einem Rutsch. Noch nie habe ich mich auf Anhieb bei einem Menschen so wohl gefühlt. Man muß aber auch gönnen können, in dem Fall Serbien, und es wäre zwar menschlich, aber nicht nett, sich zu wünschen, daß er bald wieder zurückkommt (aber heimlich gedacht haben es sicher einige.) Gin Tonic war wiederkehrendes Thema des Abends, so wie Kopfschmerzen wiederkehrendes Motiv der Folgetage wurde.

Samstag dann eine unglaubliche Premiere: Kiss me Kate in der Komischen Oper. Im Unterhaltungsbereich das Schönste, was ich jemald auf einer Bühne gesehen habe, und das will was heißen. Witzig, sexy, respektlos, ironisch, liebevoll – Homoglitterpunkglampornmusical mit einer großartigen Hauptdarstellerin Dagmar Manzel und einer großen Menge Tänzer und Sänger in allersexiesten Kostümen. Hätten sie noch mehr Pailletten anbringen wollen, hätten sie das Publikum besticken müssen.

Danach dann der Versuch der Erregung öffentlichen Ärgernisses, als ich auf der Französischen Straße vor der Bayrischen Botschaft barfuß in einer transparenten Unterhose stand, um vom Premierenanzug in etwas Bequemeres zu wechseln. War dann aber keiner erregt oder verärgert. Seh’nse, det is Berlin!

Dann zur Party der Herzen. Es muß ein schlimmer Abend für den Rest Berlins gewesen sein, dann alle wunderbaren Menschen nicht nur Berlins waren in der Glamourdick Mansion, um dem Wunderbarsten von allen zu huldigen, ein Fest, ein Rausch, ein Herz und eine Seele, und Schönheit allerorten, innen und außen. Der Morgen wurde auf der Terrasse begrüßt, weil zusammen weinen genauso schön ist wie zusammen lachen oder zusammen singen, und man mit den richtigen Menschen alles zusammen und auf einmal tun kann.

Den Sonntag dann schmerzend und schwitzend auf dem Sofa verbracht, weil man das Bett nicht mehr gefunden hat, und dann zur Reprise ins Glamourdick Mansion, mit Restalkohol im Blut und aus dem Kühlschrank, Blasen (Seifen-), Beschneidungsdiskussionen und einem Ipod-Battle. Die amerikanische Nachbarin zeigt, daß sie im Gegensatz zu bestimmten Bloggerinnen Schlüpfer trägt. Er ist rosalila und heißt Erika. Glams Zeh ist rot lackiert, trägt aber keinen Namen. Man hätte ihn Rufus nennen können.

Life can be so beautiful. Zu meinem Glück fehlt mir eigentlich jetzt nur noch ein Zivi, um diese Woche durchstehen zu können. Noch so’n Wochenende und ich bin tot.