Jessica Lange

Schauspieler und -Innen gibt es bekanntlich wie Sand am Meer, die meisten sind hübsch und einige, erstaunlich wenige, können sogar gut schauspielen.

Aber dann gibt es, zugegebenermaßen nur ein paar Mal in hundert Jahren, das Phänomen, daß Gesicht, Persona, Erscheinung das reine Bild und die Bewegung transzendieren – auf der Leinwand erscheint etwas ganz anderes als nur ein Film.
Man kann das wohl heute nicht mehr so richtig nachvollziehen, aber stellen Sie sich einmal die Auswirkung vor, von auf mehrere Quadratmeter geballt projiziertem Licht, 24 Bilder pro Sekunde, auf jemand, der so etwas noch nie gesehen hat. Moving Pictures. Movies.
Ein Gesicht, eine Großaufnahme, metergroß, geschaffen aus reinem Licht und Schatten, leicht flackernd. Stars – das sind Sterne, sie leuchten von innen, von selbst.
Kein Wunder, daß in der kulturgeschichtlich noch recht jungen Götzenwelt des Filmgeschäfts ein wahres Pantheon aus Göttern und Göttinnen entstand, die reinsten jene, die das bloße Bild zur Ikone transzendierten, eine Louise Brooks, eine Lillian Gish, ein junger Montgomery Clift, um mal einige der weniger üblich Verdächtigen zu nennen, und eben: Jessica Lange.

Jessica Lange ist eine der besten, kreativsten und talentiertesten Schauspielerinnen, die es gibt, aber das ist hier nicht der Punkt. Es ist ihr Film-Wesen, ihr Gesicht, ihr Körper und wo sie das Gespielte her nimmt, was sie unterscheidet, von einer, sagen wir, Meryl Streep.

Sie ist diejenige mit der hohen runden Stirn, ein wenig Porzellanpuppe, ein wenig Baby Jane Hudson, Intelligenz und seltsame Niedlichkeit. Diejenige mit den starken Wangenknochen, die Sturheit andeuten, wären da nicht die schmalen, leicht schräg gestellten, aber vor allem immer flüchtig blickenden, seitlich ausweichenden, Verletzung kennenden, die Situation auf Auswege absuchenden Augen. Der Ausdruck, wenn sich diese dann fokussieren.
Der Mund, oft unsicher, stur, grübelnd, oder auf unglaublich freche Art herausfordernd lachend. Die leider etwas schlecht gemachten Kronen, die das ganze in einer Billigkeit (verzeihen Sie, mir fällt kein anderes Wort ein) erden und das menschlich fassbarer machen.

Entdeckt für mich habe ich Jessica Lange mit Jack Nicholson in The Postman always rings twice und war sofort hooked. Die Körperlichkeit, die eine ungeahnte Kraft aus Schwäche, aber auch Gier und Wut holt.
Was sie für Frances noch einmal komplett neu und anders erfindet. Spätestens mit Frances war ich ihr dann komplett verfallen. Crimes of the Heart nicht zu vergessen.
Eine Sphinx, die alles zeigt, aber nichts verrät.

Gestern abend war ich dann furchtbar wütend und traurig, als ich den von Glam bereits vorgestellten Bonneville gesehen habe, ein Roadmovie für 3 Frauen und eine Urne, das seine Möglichkeiten leider weitgehend ungenutzt verschenkt.
Wütend und traurig aber war ich über drei andere Umstände: Das Altern. Man sollte Jessica Lange das Altern verbieten. Und Facejobs und Botox. Das sollten sie ihr auch verbieten. Aber vor allem dem Kameramann, dem sollte man seinen Beruf verbieten und schnell umschulen, vielleicht auf Fleischereifachverkäufer, denn so fotografiert man keine Frauen mittleren Alters.

Nix für Weicheier

Nein, ich würde nie lange Unterhosen tragen. Das hat mit gar nicht mal so frühkindlichen kratzigen Wollstrumpfhosen zu tun.
Außerdem besitze ich keine und man würde mich nicht mal tot in einem Lange-Unterhosen-Laden finden.
Darüber hinaus besitze ich auch keine Hose, in der außer mir auch noch eine lange Unterhose Platz finden würde.

Mein einziges Zugeständnis an den Winter ist ein Schal. Eigenfett wärmt schließlich auch. Und Kaltes-Wetter-Essen. Aber da gehen mir langsam die Rezepte aus, nach mütterlichem Gemüseeintopf und Kartoffelpürree á la Mama fällt mir nichts mehr ein, Pasta geht definitiv nicht bei solchem Wetter. Vielleicht mal Kartoffelpuffer? Ob ich was mit Speck kochen soll?

Berlin muß Palermo sein. Man ist ja gar nicht gerüstet für so einen Winter, scheint’s. Völlig überraschend, ein Wintereinbruch! Und das mitten im Winter! Wer konnte bei einer Lage so kurz vor Russland mit Schnee und Eis rechnen?
In dem 250-Seelen-Dorf, wo ich herkomme, und wo es mittlerweile bestimmt nur noch 150 Seelen gibt (plus ein paar Seelenlose), war spätestens um halb acht alles geräumt und geschippt und die Verbindungsstraßen zischen den 150-Seelen-Gemeinden selbstverständlich eisfrei und gestreut. Wer vor seinem Haus nicht Hof UND Gehweg geräumt hat, wird erschossen oder in die Güllegrube gesteckt, in Berlin sind die einzigen schneefreien Eckchen dort, wo jemand hingepißt oder ein Hund einen saftig dampfenden Haufen hingesetzt hat.
In der Hauptstadt: selbst auf den Hauptstraßen zentimeterdick das Eis, die Bahnen fahren nicht, und eigentlich sollten sich alle das morgendliche Eiskratzen am Auto sparen, wenn sie danach eh nur 10 km/h fahren wollen oder können.

Besser geht’s doch

Ich liebe diese eisvogelblauen Tage, wenn der Himmel so hoch und breit und weit ist, daß er einem unendliche Möglichkeiten vorgaukelt. Freiheit, Mut, Zuversicht, Selbst-Bewußtsein, in so einem blitzeblanken, neuen Jahr, der Kalender noch nicht mit unnützen Terminen vollgeknallt, noch nur bis zu den Knöcheln zugemüllt statt bis über beide Ohren.

Dann steht man da, hat sich freigeschwommen von allerlei, hat einiges vor, großes und kleines und selbstsüchtiges, die Richtungen sind einigermaßen klar, nur wie man es anfangen soll, das weiß man noch nicht. Nur bald sollte es sein, bevor die Wellen wieder über einem zusammenschlagen.

Da wünscht man sich ein wenig mehr Selbstvertrauen, und eigentlich möchte man mal wieder auf den Arm, nur daß man leider mittlerweile zu groß und zu alt und zu schwer ist.

Reflexlos

Da fällt mir grade ein, ich hatte in der Silvesternacht doch tatsächlich einen Verehrer. Groß, schlank, blond, also nicht ganz mein Beuteraster, aber Beggars can’t be Choosers can be Losers. Wirklich nicht häßlich, und er sagte mehrmals, daß er mich sexy fände. Damit konnte ich wohl nicht so viel anfangen, ausschlaggebend war allerdings das Feingestreifte in Hellblau, was an sich schon schwierig ist, aber wenn es dann noch auf Feingestreiftes in Rosa und Weiß trifft, in Verbindung mit einem hellen Anzug mit zu kurzer Hose, dann ist mir das eine Spur zu Krömer.

Zugegeben, etwas wählerisch für Hermannplatz um 6 Uhr morgens, aber man kann offensichtlich nicht aus seiner Haut heraus.

Dabei habe ich doch eigentlich die schöne Tradition, daß ich, wenn schon sonst nicht, wenigstens am Neujahrsmorgen noch was abbekomme. (Wahrscheinlich weil ich sonst nicht ganz so besoffen bin und mich wehren kann… – Oder umgekehrt, man weiß es nicht mehr so genau…)

Vor drei Jahren einen echten Pornostar, hünenhaft und gut gebaut, den alle in den diversen Kneipen mit den Augen auffraßen, aber ich war es, der dann mit ihm all die Sachen tun durfte, die ich niemals zuvor und niemals danach wieder getan habe, aber für die paar Stunden hat es schon gepaßt.

Vor zwei Jahren jemand, an dem ich mich schon mittags nicht mehr erinnern konnte, als ich wach wurde, und auch nicht nachschauen konnte, weil er schon weg war. Aber wund geknutschte Lippen und Augenzeugen aus der Bar vorher bestätigten mir, daß da was war.

Letztes Jahr war, glaub ich, nichts.

So gesehen, muß ich wohl für dieses Jahr mal meine Reflexe wieder aufpolieren. Und zwar vor der nächsten Silvesternacht. Gefälligst.

Prost! Neujahr!

Das fängt ja gut an. Grade einen Kaffee geholt und dann die ganze Wohnung danach absuchen müssen. Die Tasse stand dann neben dem Klo.
Dabei habe ich das neue Jahr so gesundheitsbewußt angefangen, zu Fuß nach Hause gegangen, vom Hermannplatz. Nicht freiwillig, eher weil der Geldbeutel zwischen Bezahlen im Fickschuppen und Taxi rufen verschwunden war. Mit allem Zick und Zack, Karten, Perso, Führerschein. Klar, wenn schon, denn schon, wie ein blutiger Anfänger. Ich hoffe daß die den noch irgendwo auf dem Klo finden.
Immerhin einen Nippel angefaßt, dort. Wurde mir aber dann schnell langweilig, mit dem Nippel. Egal.

Ansonsten war es ein wunderbarer Abend in wunderbarer Gesellschaft und sehr lecker Essen, vorher. Und das Feuerwerk vom Dach aus sehen war eine sehr gute Idee.
Bin mal gespannt, welchen Teil des Abends/Morgens sich das Jahr als Motto aussucht.

Euch ein wunderbares neues Jahr!
Ich jedenfalls begrüße 2009 mit meinem Mantra

Heute verhindert

Ich kann heute nix schreiben, wegen Sonne.
Die Sonne scheint so heftig – und schön – auf die Sofaecke, in der ich sitze, und da seh ich nix. Wenn ich in die andere Sofaecke wechsele, dann fehlt mir die Armfreiheit um zu tippen.

Außerdem muß ich mich ganz ruhig verhalten, der Hausbesitzer will heute die Wohnungen besichtigen, warumauchimmer, und hat schon 3x geklingelt. Aber das Besichtigen gönne ich ihm aus Gründen der grundsätzlichen Gehässigkeit nicht.

Eisvogelweihnachten

The phrase Halcyon days is a literary commonplace in English language and culture, signifying ideals of prosperity, bonhomie, joy, liberation, or tranquility. (Wikipedia)

Ein gutes Gefühl, alles richtig gemacht.
Die richtige Menge von Nähe und Verbindlichkeit, die richtige Dosis Freiheit und Unabhängigkeit. Nähe und Wärme, aber eben auch die Realität nicht vergessen. Aufgehobensein und Abgehobensein.
Tiefe Täler durchschritten, aber auch von den Berggipfeln das ganze Bild gesehen.
In den letzten kristallkalten, eisblauen Tagen das sonnendurchflutete Haus, aber auch die kaltfeuchten, muffig riechenden Nächte.
Die Menschen hier, nicht nur die Familie, auch die Nachbarn, haben ein schönes Bild von mir, sie kennen mich seit über 40 Jahren. Es ist nicht das ganze Bild, aber eine Ansicht, die ich manchmal vergesse. Es ist eben Heimat, wenn auch nicht mehr Zuhause.
Someting old, something new, something borrowed, somehing blue.
Ich habe nie verstanden, warum man den Spruch nur bei Hochzeiten anwendet.
Alles ist gut.

Schwul und vergesslich

Blöd ist es, wenn man vergessen hat, bei welchem Teil der erweiterten Verwandtschaft man sein Coming Out schon hatte, und wo nicht, und wo man das so unter der Hand geregelt hat.

Für manche der Leute ist es anscheinend auch seltsam, sonst würden sie bei dem ein oder anderen Scherz nicht so konsterniert oder verwirrt gucken.

Und ja, ich hab hier im Blog nachgelesen, auch hier fand sich keine Notiz drüber, hätte ich doch etliche Jahre früher mit Bloggen angefangen!

Holy Holy

Naja, ich hab dann die Aktion mit den Christbaumkugeln gemacht, was auch gut und richtig war, so als Weg, nicht als Ziel, denn es ist kein Zufall, daß die Menschen Christbäume hernehmen, und nicht Christsträucher – so ohne spitze Form sieht es Scheiße aus, wie ein Soufflé ohne Luft.
Egal, der Weg war der Weg, und ich hab das für mich und meine Mom gemacht, wie immer, erstmal wir zwei, bevor der Rest der Familie sich einmischt und Platz und Luft und freie Schallwellen vereinnahmt.
War auch ganz innig, nicht zuletzt dank der Flasche Firefinch, die sich so nebenher leerte, und so mußte ich erstmal ein paar Runden um die Dörfer fahren, wegen starker Verquollenheit im Gesicht und dahinter.
Das Gute an Familien ist ja, daß sie auf der Hand liegendes komplett zugunsten unmittelbar zu erledigender Sachen ignorieren können, und wenn es nur ein Fondue ist. Und so sagte niemand etwas zu meinem rotweißmarmorierten Gesicht und meiner Aussprache. Das ist es, wozu Familien da sind. Berge von Fleisch wurden in fettigem Fett erhitzt und verspeist.
Das unvermeidliche Drama um den Sohn hatte sich schon in der Nacht davor ereignet und von einer Wiederaufnahme blieb man vorerst erschont. Mal sehn, wie lange das hält, aber immerhin hoffte sogar die Schwester, daß es vielleicht damit für dieses Mal ‘aus dem System ist’.

-isten

Ganz gut angekommen, nach gefühlsintensiver und langer Autobahnfahrt und nettem Empfangskommittee.

Irgendwann fragt der Schwager anläßlich irgendeiner Fernsehdiskussion “Wie hängt das eigentlich zusammen, Islam, Moslems und Islamisten?”
Ich meinte:
“Nun, Moslems heißen die Gläubigen des Islam, Islamisten sind die Extremisten, die die die an sich großartige Lehre der Religion, die z.B.Toleranz gegenüber anderen Religionen als eine der wichtigsten Regeln predigt, pervertieren und ins Gegenteil verkehren.
Das mußt du dir so vorstellen wie mit den Christentum und den Christen, und dann kommt so ein Extremist daher, der Papst und seine Handlanger, und er predigt Haß, Intoleranz und Diskriminierung, gegen Schwule, gegen Frauen, gegen Transsexuelle, Beschneidung der Menschenrechte usw. Das ist dann eigentlich nichts anderes als ein Terrorist an höchster Stelle.”