pfümpf

Der Herr King Fisher hat mit Stöckchen nach mir geworfen, und da ich lang keins mehr hatte, schnapp ich zu.

Fünf Dinge, die ich nicht habe, aber gerne hätte:

  • Season 6-20 von Six Feet Under, gibt es aber leider nicht. Never. Everything. Everywhere. Everyone. Ends.
  • Jemanden, der mich liebt (also auch sexuell, meine ich)
  • Zeit, mehr Zeit und noch mehr Zeit. Und nein, ich habe keinbe Lust auf besseres Zeitmanagement. Ich möchte sie verschwenden.
  • Ein funktionierendes Kurzzeit- und Menschengedächtnis
  • Ein verwunschenes Haus mit Garten, aber bitteschön mitten in der Stadt

Fünf Dinge, die ich habe, aber lieber nicht hätte:

  • Einen Bauch
  • Ganz erbärmliche Höhenangst
  • Schüchternheit und ein nicht allzu starkes Selbstbewußtsein
  • Einfach zu viel Plunder
  • Sorgen und z.Zt. schwache Nerven

Fünf Dinge, die ich nicht habe und auch nicht haben möchte:
och nee, das gefällt mir nicht, das möchte ich ändern:
Fünf Dinge, die ich habe und über die ich glücklich bin:

  • Wunderbare Freunde
  • Eine heißgeliebte Wohnung
  • Einen seltsamen aber immerhinnen Geschmack
  • Charakter
  • Liebe

Das sah sich erst so einfach an und wars dann doch gar nicht.
Achso, und wer mag, soll weiterstöckeln.

taxi zwischen den welten

Taxifahrer und Berlin passen ja zusammen wie Currywurscht und Pommes Schranke (rot-weiß), wie Molle und Korn und Pfitze und Mira. Eigentlich SIND sie Berlin, und sollten bei Altersmittellosigkeit genauso gehegt und gepflegt werden wie die Knef, als sie alt, hilf- und mittellos war. So als National Treasure.
Schließlich weiß man nur dann genau, daß man in der harten Hauptstadt angekommen ist, wenn man erstmal gleich am Flughafen oder Bahnhof herzhaft vom Taxikutscher angeschnauzt wird. Wenn nicht, könnte man ja meinen, in Köln oder München gelandet zu sein.

Manchmal gerät man aber auch an einen Taxifahrer, der mit Bolle-Jovialität genau den Spruch macht, den man brauchte für die richtige Einstellung, den Tag zu überleben. Herzhaft herzlich, Hartz 4 am richtigen Fleck.

Als ich gestern Nacht in ein Taxi stieg, war das eine ganz neue Erfahrung. Kein Nichtrauchertaxi, im Gegenteil, die Endvierziger wettergegerbte Fahrerin hatte sich ihre Pause mit einem fetten Joint versüßt, gleich vorm Curry 36. So fett, daß das innere des Taxis milchblau schien, und ich sehr bald ebenfalls deutlich entspannte. Sie fuhr dann auch, sagen wir, sehr intuitiv, ging kreativ mit dem Schalten um, brachte mich aber einen Euro billiger heim, als alle ihre Kollegen das jemals vorher geschafft hatten, auf gleicher Strecke.
Nur bei der Bitte um eine Quittung kam sie ins Schleudern: Im breitesten Schwäbisch rätselte sie: ‘Als wir losgefahren sind, war noch Gestern, jetzt ist heute, also morgen, welches Datum soll ich denn eintragen? Wir sind ja nur ein paar Minuten gefahren, aber ich hab Sie in einen anderen Tag gebracht, seltsam, nicht? Eine Zeitreise! Zwischen Gestern und Morgen!
Ach ja, und es lief natürlich esoterische Klimper- und Flötenmusik.

nachgetreten

Naaaa? Vermißt du mich
wenn die Nächte lang und kalt sind?
Träumst du von mir
im sehnsuchtsvollem schwarzen Dunst?
(Nina Hagen, ‘Alptraum’
)

Na, hat es sich gelohnt?
“Wer mich liebt, liebt auch XY!” XY, die bestenfalls drittklassige Kabarettfigur, die du (mit meiner Hilfe) geschaffen hast. “Wer XY nicht liebt, hat auch keinen Platz im meinem Leben”, sagtest du und machtest mir damit die Entscheidung sehr leicht, die wahrscheinlich sowieso überflüssige Wiederaufnahme unserer Beziehung ein für allemal abzusetzen.
Ist es so, wie ich es dir vorausgesagt habe? Ist es einsam, nach einem Auftritt in einer Stadthalle so allein und schlecht oder gar nicht gefickt in einem verschissenen Hotel in einer verschissenen Kleinstadt zu sitzen? Hat es sich gelohnt?
Jetzt, wo du alles aus dieser erbärmlichen kleinen Idee herausgepresst hast, zweieinhalb Programme, zwei CDs und eine Restverwertung als Buch? Das Buch, zu dem ich dir verboten habe, irgendwelche Details zu mir und dir zu verbraten? Mit immer denselben 3 Pressefotos?
Einmal habe ich dich in diesem Jahrtausend noch gesehen. Du hütest immer noch die Terrassenpflanzen, die ich dir vor fast 10 Jahren gepflanzt habe, und denkst jeden Tag an mich, hattest du die Größe zuzugeben. Dir fehlt unser Sex, unser animalischer Sex, sagtest du. Niemals hättest du solchen Sex gehabt, weder vor mir noch nach mir. Ja, mir fehlt er auch. Wir waren einander hörig. Unser Sex war nicht schön, er war geil.
Allerdings fand ich es stillos, daß du das im Beisein deines ehemaligen Ex- und jetzt wieder Lovers gesagt hast.

Du, der du immer deinen Kuchen aufessen aber doch behalten wolltest.

Na, hat es sich gelohnt?

not amused?

Ich bin ja eigentlich kein gemeiner Mensch, aber mein Humor ist manchmal halt etwas drüber.
Christine, englische Austauschstudentin und keines Wortes Deutsch mächtig, wollte von mir wissen, was ‘Wie bitte?’ also das deutsche Pendant zu ‘Pardon?’ auf deutsch hieße.
Ich sagte ‘ficken’.
Irgendwie vergaß ich, sie über den Scherz aufzuklären, so daß die arme Christine wohl ein paar Tage auf jedes Angesprochen-Werden mit einem freundlich-fragendem Blick und dem Wörtchen ‘Ficken?’ reagierte.
Für sie, die etwas unentspannt und auch ein wenig verklemmt war, schon eine schlimme Sache, als ich sie dann doch mal aufklärte.
She was so very not amused. I was. Very. Gemein, nicht!?

die toffi-fee

Immer wenn ich Toffifee esse, wie jetzt grade, muß ich an Frances denken. Denn die aß sie furchtbar gerne und in rauhen Massen. To-fii-fii gellte es dann durchs Haus und durch den Supermarkt. Und selten schaffte sie es zur Kasse, ohne die Schachtel schon vorher aufzumachen.

Frances kam durch einen Studentenaustausch London-Berlin in meine Wohnung und mein Leben. Sie war ein seltsamer Mensch, schien immer meilenweit weg und verträumt, nur um dann aus dem Nichts mit einer knalltrockenen Pointe die ganze Runde zum Lachen zu bringen.
Sie war es auch, die uns Jahre, bevor man es hier in Deutschland kannte, mit VHS-Kassetten von French&Saunders und Absolutely Fabulous versorgte. Remember, Glam?
Und da gab es noch diesen einen meiner Geburtstage, an dem aus Versehen oder Zufall alle Anwesenden ein orangenes Oberteil trugen. Die Fotos sehen aus wie von einer Hare-Krishna-Party.

Frances war Fotografin, ich verbrachte einmal zwei schreckliche Wochen im November damit, mit ihr im Regen und bei 3 Grad Berlins und Potsdams Sehenswürdigkeiten abzufahren, weil sie Fotos für einen Reiseführer machen sollte – großartige Idee, Berlin im November, Nieselregen und graues Licht, und das als Fotos für einen Reiseführer.
In der Woche nach ihrer Rückkehr nach London fiel sie plötzlich auf der Straße um und war tot. Ein angeborener nicht entdeckbarer Herzfehler, eine Zeitbombe, die in ihr tickte. Sie war innerhalb von Sekundenbruchteilen tot, und mein größter Kummer war, ob sie ihr eigenes Sterben überhaupt mitbekommen hat. An – Aus.

Der Reiseführer wurde dann nicht produziert, weil die Fotos nach Ansicht des Verlages nicht brauchbar waren: Frances hatte nur Details fotografiert, einen Türknopf des Charlottenburger Schlosses, eine Treppenstufe von Sanssouci, ein Kraut am Fuße der Mauer. Keine Totalen. Schade, daß sie nichts draus gemacht haben. Totalen gibt es doch schon millionenfach.

Alles was ich von ihr habe, ist eine wunderschöne Postkarte von einer ihrer Ausstellungen: die bestand nur aus Schwarz-Weiß-Fotos von Himmeln, mit und ohne Wolken. Cloudbusting. Heartbusting.
Und alles was sie von mir hat, ist die Schachtel Toffifee, die ich ihr bei der Beerdigung ins Grab geworfen habe, in Gransden, nördlich von London.

auf die technik kommt es an

Abgesehen vom gnadenlos dollen Outfit und der verwegenen Frisur überzeugt das überaus talentierte Fräulein Sheila durch den perfekten Tanzschritt. Allen Bewohnern der Hauptstadt sowie integrationswilligen Zugezogenen sei der Step empfohlen, wenn man sich durch Berlins Straßen bewegt. Mit dem eleganten und doch entschlossenen Tritt lassen sich Hundehäufchen, ob groß oder klein, ohne viel Aufwand aus dem Weg kicken. Und Aufsehen erregt man auch. Aber Vorsicht bei nassen Häufchen. (gefunden von Matze, merzi!)

rauchen tötet

Seit ich das Büro zur Nichtraucherzone erklären mußte, habe ich ernsthafte Probleme:
Da jetzt immer alle an allen Fenstern stehen und rauchen, ist so ein Durchzug, daß ich jeden Tag Halsschmerzen und ein verspanntes Genick und dadurch Kopfschmerzen habe, sowie eine Riesenerkältung, Schnupfen, Husten, Heiserkeit. Rotz am laufenden Band.
Außerdem fliegen jetzt immer meine sowieso schon ungeordneten Papiere durch die Luft, so daß ich nix mehr finde.
Und mir fehlen ca. 1 1/2 Stunden bis 2 am Arbeitstag, weil ich nicht mehr arbeiten kann, während ich rauche. Was darin resultiert, daß ich noch länger im Büro sitzen muß als sowieso schon. Also eher 13 als 11 Stunden.
Doll, was tut man nicht alles für die Gesundheit.

(Und wenn hier irgend jemand eine Nichtraucherparole abläßt, gibts Schläge! I mean it!)