alpha-blogger, geht kacken!

…denn Tante Gerda weiß Bescheid!

Der Festsaal, Altersdurchschnitt 65, kämpft sich durchs Kuchenbuffet.

Ein Zufall im Universum verfügt momentweise Stille, während sich die Gratulanten die Dritten geraderücken oder ein wenig Sabber aus dem Mundwinkel wegwischen.

Tante Gerda (das ist die mit den kleinen zugekniffenen Augen, dem massiven Unterbiß und dem sehr, sehr lauten Organ, ihr kennt sie, sie hatte neulich Goldene Hochzeit) bricht die Stille, als Neffe Lucky durch den Saal zum Buffet geht:

“Do, Do, guckt mal! Wie der aussieht, wißt ihr wie der aussieht!? Wie een, wie een JOURNALIST!”

Nun wissen wir nicht, was der freundliche Arzt oder Apotheker unserer Tante Gerda empfohlen hat, aber eins ist klar:
Da mögen andere sich seit Jahren die Tastatur blutig schreiben in ihren Blogs oder ins Internet, um als die besseren Journalisten anerkannt zu werden, unsere Tante Gerda, die hats gleich geblickt!

DER BRÜLLER DER FAMILIENFEIER

Die alte Dame steht am Eingang zum Festsaal, umgeben von Sohn und Tochter, um die Gäste zu begrüßen und Glückwünsche und Geschenke zu ihrem 80sten entgegenzunehmen.

Ein Geschenk rutscht ihr aus den Händen, der Sohn bückt sich, um es aufzuheben, und zischt laut und vernehmlich: “Paß bloß auf, sonst kommst du ins Heim!”
Betretenes Schweigen, irritierte Blicke, hochrote Köpfe bei den Gästen. Die Todesstille vibriert vor Entsetzen.

Bis die Jubilarin zeitgleich mit ihrem Sohn laut losprustet, die beiden können kaum an sich halten, Tränen strömen ihre Wangen herunter, sie krümmen sich vor Lachen und müssen sich aneinander festhalten, sie gackern und lachen und es nimmt kein Ende.

Verwirrt schauen sich die Gäste an, manche lächeln unsicher, andere versuchen ein höfliches Kichern. Irrtitiert bleiben sie. Die Schwester ist es bis heute.

Meine Mutter gestand mir hinterher, daß sie sich um ein Haar eingemacht hätte vor Lachen.
Sie ist schon eine coole Sau, meine Mom.

medikamentenmißbrauch richtig gemacht

Nein, nicht die Sache mit der Viertel E, das war meine beste Idee seit langem. Mußte nur einmal nachlegen, und ich war die sonnigste, aufmerksamste, herzlichste Präsenz am Platze und half jedem, der wollte, die Treppe hoch und runter, egal wie oft. Die Cousins waren auf meine Konstitution neidisch, aber ich war nicht bereit zu teilen, weder Geheimnis noch Substanz.
Es kann zwar etwas gefährlich werden, wenn man auf einmal mit den 78jährigen Nachbarn, der an Durchblutungsstörungen im Hirn leidet (er selbst merkt es nicht so), viele Gemeinsamkeiten entdeckt, wenn man erstmal in sein Universum einsteigt und die verborgene Logik dort versteht. Oder mit der Tante mit dem Unterbiß auf einmal Händchen haltend und kuschelnd durch den Saal schwebt.

In meinem gestandenen Alter war ich immer noch der viertjüngste vor Ort, und wenn man sich den Anteil der wächsernen Gesichter ansah, wußte man, wo das viele Geld der Krankenkassen hingeht: die Pharma- und besonders die Psychopharmaka-Industrie hat sehr guten Umsatz und treue Kunden in der Eifel.

‘Junge, als ich dich das letzte Mal gesehen habe, warst du aber noch viel schmaler!’ ‘Tante, als ich dich das letzte Mal gesehen habe, hattest du noch deine eigenen Zähne!’

Irgendwann ab Mitte 60 werden übrigens alle Frauen blond, auch in der Eifel. So viel hält man also schon noch auf sich.

Man hat hier auch einen schönen Ausdruck, der bedeutet übersetzt: ‘Jemand hat das arme Tier’. Gemeint ist kein mißhandelter Hund, sondern eine Depression.

‘Als du eben reinkamst, dachte ich zuerst, da kommt dein Vater! Du wirst ihm immer ähnlicher’ ‘Aha, in welcher Phase denn, als er noch jung, knackig und schön war und lächeln konnte, oder als er das abgehalfterte Alkoholikerwrack war?’ That shut them up.

‘Du bist aber auch viel fülliger geworden!’ Mit direktem Blick zurück: ‘Das scheint einigen hier so gegangen zu sein’

Die extrem übergewichtige Verwandte, die man schon als Kind Piggy nannte, und die einem beim Eßvorgang die Redewendung ‘stuffing one’s face’ vorbildlich illustrierte, neben ihrem ebenso extremadipösen Gatten: ‘Seit die (extrem übergewichtige, Anm. d. Red.) Tochter aus dem Haus ist, habe ich immer das Problem, daß ich eine Portion zu viel koche’ (es sah sehr danach aus, daß die beiden das Problem sehr gut meistern).

Erste Runde überlebt. Heute Resteessen mit dem nicht eingeladenen Rest Verwandtschaft und denen, die gestern nicht genug bekamen. Heute ohne Extravitamine. man muß ja auch ein wenig auf sich achten.

Die Post macht auf sexy

Heute den Briefträger abgepaßt, um die Post persönlich aus seiner starken Hand zu pflücken.
Ohhh-La-La-La…
Braungebrannt, stramm und braune Augen zu sonnengebleichten Locken.
Ohhh-La-La-la.
Er ist Urlaubsvertretung, Spochtstudent aus Köln.
Hat meine Tante schon rausgekriegt, praktisch, so ein Dorf.

Leider beim Weg zurück ins Haus gegen die Tür gelaufen. Nächstes Mal eleganteren Abgang einplanen.

Schreibt mir mehr Postkarten!

lifesavers

All families are psychotic.
Douglas Coupland

Es ist seltsam, fast beunruhigend. Es scheint eine geheime Absprache zu geben, mich nicht zu nerven. Ich mußte noch nicht einmal meine Stimme erheben. Sogar ausschlafen läßt man mich, und meine ersten beiden Tagesstunden läßt man mich auch in Ruhe, bis ich auf Betriebstemperatur bin.

Gelegentlich bilde ich mir ein, man beobachte mich aus dem Augenwinkel. Angelegentlich fragt man nach, wie es denn in der Therapie voran gehe. Und ob man denn auch drin vorkomme. So als ob ich einen großen ZDF-Enthüllungsroman-der-Woche mit Klarnamen in Arbeit hätte.

Oops, da kommt meine Mom um die Ecke. Sie will ‘nur mal wissen, wie das Internet aussieht. ‘Bist du das da oben rechts?’ ‘Wie kommst du denn auf die Idee?’

Es muß die Ruhe vor dem Sturm sein, auf alle Fälle hochverdächtig.

Damit konnte ich nicht rechnen.
Aber ich bin gewappnet, für die Fälle der Fälle.

Ui, eine Sommer-Aushilfe bei der Post. Sonnenverwöhnte Locken, Shorts, die seine braunen Beine zeigen, und ein leichtes, an der Brust weit geöffnetes Poloshirt. Surfer-Wochen bei der gelben Sau. Ich sollte mal öfter Postkarten schreiben.

Ich habe alle meine Lifesavers dabei:
Den Rechner, für die kurze Flucht ins Netz.
Das Auto, für die Androhung plötzlicher Abreise.
Harry Potter 6 + 7, zum Ablenken.
Bier gibts hier ja eh genug und umsonst, aber ich habe beschlossen, in der Hinsicht etwas kürzer zu treten. Klappt ganz gut, bisher.
Zichten sowieso, und aus ‘Rücksicht’ gehe ich gerne nach draußen rauchen. Was ziemlich oft vorkommt.

Und für alle Fälle habe ich für die Feier am Sonntag noch eine alte E gefunden und mitgenommen. Sie können sich nicht vorstellen, welch Hilfe eine gut dosierte Viertel E beim Konversieren, Freundlich- und Höflichsein im Kreise der Verwandtschaft sein kann.
Und das ist kein unerlaubtes Doping – so wie die meisten von denen gucken, sind die selbst reichlich mit Psychopharmaka versorgt. Es ist lediglich eine Maßnahme zur Chancengleichheit.

runde sache – ich bin dann mal wech

Wie die werte Leserschaft bemerkt hat, war der Herr Lucky in den letzten Tagen unleidlich. Das ist kein Grund zur Sorge, das ist er immer, wenn er verreisen muß. Und vergeht spätestens, wenn er wieder da ist.
Freudvoll macht er sich nun auf, um über 700 km Autobahn zu fressen, damit er den runden 80sten Geburtstag der Matriarchin feiern helfen kann.
Am Sonntag mit dabei sein werden über 50 der überflüssigsten nahestehendsten Verwandten, die Herr Lucky zum Teil seit 20 Jahren, also über die Hälfte seines Lebens, nicht gesehen hat. Ob sich einer traut, zu sagen, ich sei aber groß geworden?

Immerhin hat er im inneren Ringkampf eine Position gefunden, die ihm trotz des schlechten Timings zwischen Therapiethema und Kalenderanlaß hoffentlich erlauben wird, den Anlaß tatsächlich gebührend zu feiern:
Eine großartige Frau wird 80, eine Frau, die viel überstanden und alles gegeben hat, die ihr Leben trotz allergrößter Widrigkeiten immer mit großer Würde geführt hat, und sicher eine der monolithischsten Persönlichkeiten ist, die ich kenne. Die nicht nur ihren Sohn deutlich geprägt hat, im Schlechten wie im Guten. Und da gibt es viel Gutes. Und wenn man auch über das eine traurig und wütend sein kann, so kann man doch für das andere dankbar und liebevoll sein.
Ich hoffe sehr, daß ich mithelfen kann, daß es ein schönes großes Fest für sie wird.
(und daß trotzdem genug absurde Geschichten für hier abfallen…)

lasterhaft

Komisch, vor 10 Jahren hatten so gut wie alle Autobahnen nur 2 Spuren, und man kam ganz gut voran.
Heute gibts fast nur noch dreispurig, und alle PKWs müssen sich auf der linken Spur bei 110 km/h drängeln, weil die rechte Spur komplett mit LKWs zu ist, deren unternehmenslustigste Kollegen sich auf der mittleren Spur ein heiteres Wettrennen liefern.
War da nicht mal was mit Überholverbot für LKWs? oder was mit ‘Güter auf die Schiene’?
Hat die Verkehrspolitik komplett versagt?

Ich jedenfalls hatte heute nach gut 7 1/2 Stunden Autobahn die Schnauze gestrichen voll, mindestens 8x mußte ich von 180 oder 160 auf 100 runterbremsen, weil Irgendso ein Scheiß-Brummi ganz spontan auf die Idee kam, mal den Kollegen zu überholen, wo er doch 5 km/h schneller kann, und offensichtlich ohne irgendwie zu gucken einfach kurz vor mir ausscherte.
War des öfteren kurz vor Massenkarambolage. Hätte gerne eine Panzerfaust für solche Fälle.

shortbus

We all bear the scars.
Yes, we all fail in love.
We all sigh in the dark;
get cut off before we start.

And as the first act begins,
you realize they’re all waiting
for a fall, for a flaw,
for the end.

There’s a path stained with tears,
could you talk to quiet my fears?
Could you pull me aside,
just to acknowledge that I’ve tried?

And as your last breath begins,
contently take it in,
because we all get it in
the end.

And as your last breath begins,
you find your demon’s your best friend.
And we all get it in
the end.

späte lektion

Hätte ich vor einiger Zeit gewußt, daß ich einmal noch fetter würde, hätte ich damals doch wesentlich ungenierter in der Gegend rumficken können, mit der Hälfte des Übergewichts, das ich jetzt habe. So relativ gesehen.

Das heißt, wenn ich jetzt immer noch fetter werde, wäre es doch allerhöchste Eisenbahn, das Fleisch jetzt unter die Leute zu bringen. Ehs noch schlimmer wird.

Oder hab ich da einen Fehler in der Logik?
Ach, ich überdenk das besser mal noch nen Moment.

wale

einer de gründe wofür ich glam liebe

* Nach Wochen des aus-dem-Fenster-lehnend-Rauchens bin ich ziemlich sicher, wie der Wasserspeier erfunden wurde. Hässliche Bauarbeiter in Kathedralen mit Rauchverbot.

Für sowas. Drücke mich nämlich grade vor Reisevorbereitungen, indem ich mich sinnvoll beschäftige. Ich lese Glams kompletten Blog.