billig nachtreten für wohlfeil ruhm und ehre

Habe mir eben auf youtube mal die Szenen von Rauswurf der Hermann beim blöden Kerner angeschaut.
Kein Zweifel, die Frau erzählt unreflektiert dümmste Gülle und kann Konservatismus nicht von Nationalsozialismus unterscheiden. Mir ist das egal, ich verachte beides und finde, man sollte ihr einfach keine Öffentlichkeit mehr gönnen und basta. Soll sie’s ihrem Apfelkuchen erzählen.

Das Ganze erinnert mich allerdings unangenehm an die 5. Klasse, als ich und ein paar andere den blöden Roman N., der immer absurde und schlimme politische Sachen behauptete, in der Pause regelmäßig konfrontierten und zum Widerruf zwingen wollten, wohl wissend, daß er das in seiner Blödheit nicht tun würde, und wir damit die perfekte Gelegenheit hatten, ihn zu verprügeln. Wir wußten auch, daß er sich nicht wehren würde.

Hinterher hatten wir dann das selbstgefällige Gefühl, wieder mutig für die richtige Sache eingetreten zu sein, und fühlten uns großartig.

Heute schäme ich mich dafür. Ein ähnliches Gefühl kam mir beim Schauen der Szenen bei Kerner.

Außerdem überlege ich, warum man eigentlich dieser Frau so viel Forum gibt. Liegt es daran, daß sie eigentlich mal fast eine Sympathieträgerin war, und da macht es viel mehr Spaß, die dann öffentlich zu schlachten, zumal sie offensichtlich nicht so helle ist, und außerdem blond und Frau? Ich meine, so mancher fette alte CSU-Sack vertritt auch öffentlich ähnliche Positionen, aber den lädt man dann nicht zur öffentlichen Schlachtung ein.

P.S. Alte Mädchen

Miss Deborah Harrie, Miss Blondie, hat auch ne neue Platte. Sie, die so begnadet auch noch in vielen Filmen mitspielt (unbedingt Mein Leben ohne mich gucken!), It-Girl des CBGB, narkotische Sirene der späten 70er und frühen 80er, und immer noch und zu jeder Zeit und vor allem: eine Lady, eine coole Sau.
Ich sach nur: Atomic!
Und werde vom neuen Album berichten, sobald ich sie habe.

update 12:15

Nachdem ich selbsverständlich auf keiner Nebenstelle irgendjemand erreicht habe, kriegt ich zum Schluß die Amtsleiterin, die mir beschied, daß sie mit mir als Drittem über meinen Antrag (!) nicht sprechen könne. Sie habe aber mein Fax erhalten und mit den Kollegen gesprochen. Die Betroffene erhalte zu gegebener Zeit Bescheid.
Auf meinen Hinweis, daß ein solcher Bescheid gesetzlich schon vor zwei Wochen fällig gewesen sei, erntete ich hilfloses Schweigen.
Sie war aber immerhin bereit, mir die Ansprechpartnerin bei der übergeordneten Stelle, der Senatsverwaltung für Inneres und Sport (sagte ich, doch, das wird sportlich!) zu nennen, die ich auch gleich erreichte.
Die wiederum war perfekt in Beschwerdemanagement und Deeskalation geschult, versprach den Vorfällen nachzugehen und die Vorgänge zu beschleunigen.
Meine Beschwerde über die Vorgänge bat sie mich, schriftlich einzureichen, was ich dann auch tun werde. In CC dann den Ausländerbeauftragten und ein paar Kontakte in der Politik.
Lieber Raketenprinz, lieber Sabbeljan, könnt ihr mir da einen Ansprechpartner mit Adresse mailen? Wäre toll!

der herbst der alten mädchen

Mir fällt auf, daß viele zum Teil beim eigenen Geschmack der formative years, also denen der Spätpubertät oder der jungen Erwachsenenjahre stehenbleiben, weswegen man z.B. recht viele um die 60jährige Frauen im Supermarkt sieht, deren Frisur noch eine jahrzehntelang perfektionierte Abwandlung eines ehemaligen Beehives ist. Von wegen retro.

Meine formative years verbrachte ich mit Kate Bush, Annie Lennox, Cyndi Lauper und Alison Moyet (neben einigen Wave- und Alternative-Künstlern), halt Pubertät in den 80ern. Damals gekaufte Platten wurden wochenlang gehört, gefühlt und geträumt, das bekommt man so schnell nicht aus dem System.

Wie schön, daß all die alten Mädchen noch an Bord sind, auch wenn es wahrscheinlich noch 15 Jahre dauern wird, bis Kate Bush nochmal eine Platte vorlegt. Wahrscheinlich wird sie dann nicht mehr mit den Vögeln singen, sondern mit den Sträuchern tanzen.

Wie durch kosmische Verabredung (oder ist es als Geschenk zu meinem 40sten?) bringen fast alle anderen diesen Herbst eine neue Platte raus:
Annie Lennox “Songs of Mass Destruction”, an die ich mich noch etwas gewöhnen muß. Die Stimme finde ich manchmal fast schmerzhaft, und ein wenig stört mich die Phantasielosigkeit der Arrangements. Auch hoffe ich mittlerweile eine positivere Lebendeinstellung zu haben, als Annie mit ihren Songs meist transportiert.

Nena (die ich damals nicht mochte) hat eine Doppel-CD mit Coverversionen. Wobei ich Coverversionen absolut liebe. Einge davon sind auch wirklich herrlich, wie “Ich werde dich lieben” oder “Sliping Away”, aber ich denke, man hätte es auf eine einzelne CD eindampfen können.
Wenn ich noch einmal irgendwen “Blowin in the Wind” covern höre, der muß zur Strafe Bob Dylan entkeimen. Mit der eigenen Zahnbürste. Die er/sie dann selber weiterbenutzen muß. Zur Strafe.

Nächste Woche erscheint dann das neue Album von Alison Moyet, und ich bin durch die Previews auf ihrer MySpace-Seite nicht grade vorfreudig. Aber was solls, Pflicht ist Pflicht. Ihr letztes Album mit Covern war auch nicht so grade der Reißer. Ich finde sie sollte wieder mehr brüllen, zartes Ding, was sie ist. Ihr Blog ist übrigens lustig, eigen und ehrlich, und im Gegensatz zu dem von Annie Lennox auch vermutlich selbstgeschrieben.

Was mir jetzt noch zu meinem Glück fehlt, ist ein schönes neues Album von Cyndi. Das wär noch was.

Fällt mir grade auf, daß alle (außer natürlich Kate, deren “Rocket Man übrigens kürzlich in GB zum besten Cover überhaupt gewählt wurde, wobei ich eigentlich Placebos Kate-Bush-Cover “Running up that Hill” das allerallerbeste finde) ein Album mit Coverversionen rausgebracht haben, die sehr unterschiedlich ausgefallen sind – Cyndi erweckt auf “At Last” so manches vermeintlich totgehörte Lied zu komplett neuem Leben, Annie schafft es auf “Medusa” bei einigen Songs, sie dem Besitzer so richtig aus den Klauen zu reißen, und Alison singt auf “Voice” klassische Songs eher bieder nach, was nur wegen ihrer stimme hörenswert ist.

per Fax

Landesamt für Bürger-
und Ordnungsangelegenheiten
xxx
Per Fax 030- xxx

Berlin, 8.10.2007 15:20

Sehr geehrte Frau xxx, sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem ich an mehreren Tagen in der letzten Woche und heute seit 9:30 vergeblich unter allen Durchwahlen von -xxxx bis xxxx, -xxxx und auch unter -xxxx und -xxxx versucht habe, einen Ansprechpartner zu erreichen, bin ich nun mit meinem Rat am Ende, und bitte Sie, sich persönlich meiner Rückfrage anzunehmen.

Es geht um meinen Antrag auf Erteilung einer Zustimmung nach §39 Abs. 2 des Aufenthaltsgesetz für meine Mitarbeiterin Frau xxx.

Den Antrag hatte ich Ihnen schriftlich am 12.09., also vor einem Monat zugesandt, nachdem mehrere Versuche Frau xxx, die Papiere persönlich zu überreichen, an der mangelnden Bereitschaft der Sachbearbeiter, diese entgegenzunehmen, gescheitert sind.

Da nun bald der Aufenthaltstitel von xxx abläuft, und ich dringend darauf angewiesen bin, diese weiter bei uns zu beschäftigen, wie ich Ihnen geschrieben habe, erbitte ich eine Auskunft zum Stand des Verfahrens.

Ich hoffe doch sehr, dass der negative Eindruck, den ich von Ihrem Amt bisher gewonnen habe, ein falscher Eindruck ist, und dass Sie mir in meinem dringenden Anliegen weiterhelfen können.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar für einen Rückruf unter Tel. 030 – xxx oder mobil unter 0179-xxx.

Mit freundlichen Grüßen,

so here’s the plan

Erstmal vielen vielen Dank an alle für die Tips, Entrüstungen und Ermunterungen, die haben in mir erst den Geist geweckt, das Ding anzugehen. Wie folgt:

1. Gleich mal morgen früh die Sachbearbeiter erwischen, Wenn die stur sind, deren Abteilungsleitung. Wenn die stur ist, deren Vorgesetzte. Denn:

Das ist eine Sache, die auf Sachbearbeiterebene entschieden wird. Weswegen man dort auch so komplett ausgeliefert (pardon the pun) ist. Rechtswege sind so gut wie ausgeschlossen, und gutmenschliches Argumentieren interessiert nicht, wenn sture Sachbearbeiter sich auf Paragraphen zurückziehen können. Und die Sachbearbeiter können nun mal einfach entscheiden, ob meine Argumentation, daß ich genau DIESE Mitarbeiterin brauche, und nicht ein Gesicht aus dem millionenfachen Heer von Arbeitslosen, aussagefähig ist. Oder nicht.

Die Fehler im System: Der Ausländer hat ein Recht auf Prüfung dieser Eingabe. Weder der Umstand, daß die Sachbearbeiterin sich mehrfach geweigert hat, die Unterlagen anzunehmen, noch das willkürliche Entwerten des gültigen Visums sind Umstände, die die Mitarbeiter vor Ort mit Ruhm bekleckern.

Das ist dann auch der Hebel, mit dem ich bei Vorgesetzten oder Amtsleitung operiere.

Wenn das nix nützt:
2. Politik und Presse angehen, vor allem über die nichtlegalen Handlungen des Amtes, denn so eine Eingabe kann ja nun mal abgelehnt werden, wenn sie nicht genug nachvollziehbar ist. Dazu werde ich euch, wenn nötig, auf eure Kontakte ansprechen.

Update:
Auf allen 3 Durchwahlen, die ich habe, geht seit 9:30 keiner ran. Nee, ist klar.

ihr amt für ausländerfeindlichkeit hilft gerne weiter

Bei mir arbeitet schon seit über 8 Jahren S., eine junge Frau aus Georgien. Sie macht das neben ihrem Studium, und arbeitet viel und hart und gut. Sie müht sich sehr ab, wohnt ärmlich im Studentenwohnheim, um nicht nur hier ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern auch noch, wann immer es geht, Geld nach Georgien an ihre Familie zu schicken.

Nun soll zum Ende Oktober ihre Arbeits- und Aufenthaltserlaubis ablaufen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, daß sie hier bleiben kann: entweder heiraten oder eine Zusage über einen Job, für den genau sie dringend benötigt wird. Da ich nicht heiraten will kann möchte von der Ehe nicht viel halte, habe ich diverse Anschreiben verfaßt, die bestätigen, daß ich sie gerne fest und Vollzeit anstellen will, und daß ich sie persönlich aufgrund ihrer Sprach- und kulturellen Kenntnisse dringend brauche.

Nun ist die Gute schon ein paar Mal mit meinen Papieren zum Ausländeramt (das heißt jetzt anders) getrabt, aber ihre Sachbearbeiterin weigerte sich, irgendwelche weiterführenden Unterlagen anzunehmen. Mich selbst verwies man vom Amt zum Arbeitsamt und von dort wieder zurück und viceversa. Auch ein eingeschalteter Anwalt konnte bisher nichts erreichen. Seit mehreren Wochen von mir postalisch eingeschickte Unterlagen bleiben unbeantwortet, und es scheint unmöglich, dort jemand ans Telefon zu bekommen. Das macht mir eine Personalplanung komplett unmöglich.

Als S. das letzte Mal beim Amt anrückte, schickte man sie kurz aus dem Zimmer, und entwertete das bestehende Visum. Stattdessen händigte man ihre einen “Ausreiseschein” aus, den sie bei Ausreise an der Grenze abgeben müsse, ansonsten werde sie in Deutschland gesucht. Mittlerweile mußte sie schon ihre Wohnung auflösen und ihre Habseligkeiten verschenken, sie wohnt zur Zeit abwechselnd bei verschiedenen Freunden. Vorgeschriebener Ausreisetag ist Ende Oktober.

Wo bitteschön ist der Sinn in diesem fehlgeleiteten Ausländergesetz? Für eine Person, die sich all die Jahre selbst ernährt und niemandem auf die Tasche gefallen ist? Die seit 10 Jahren hier lebt und arbeitet, integriert ist und außerdem leitende Jobs bei Filmfestivals ausübt? Nur weil sie gut deutsch spricht, und sich nicht innerhalb einer türkischen Großfamilie verstecken kann?

Was bitteschön ist das Selbstverständnis dieses Amtes, welches willkürlich bestehende Visa entwertet und entscheidet, wichtige Dokumente erst gar nicht anzunehmen, obwohl es das Recht der Person ist, diesen Weg zumindest zu probieren? Erinnert das nicht an andere “Ämter”?

Weiß jemand, was man da noch unternehmen kann?

(Und wo ich dann den leckeren georgischen Rotwein herbekomme? Östliche Familien haben die angenehme Angewohnheit, den Arbeitgeber regelmäßig mit Ehrerbietungen zu versorgen)

that’s what friends are for

Moin liebster Lucky,

hier ist der Link zum Osteopathen. Einen Termin solltest Du dann bei XX machen, bei dem war ich auch.
Bedenke falls Du hingehst, dass man sich dort bis auf Unterhosen und Socken entkleiden muss (ich hab zumindest in meinem Sortiment auch diverse Teile, die ich nicht herzeigen möchte;-)). Erster Termin ist 75,-€, die Folgetermine 60,-€…

Mir hat es sehr geholfen und ich finde es außerdem angenehm und nett dort.

Kuß
A.

Sie sorgen sich um einen und geben wichtige fürsorgliche Hinweise 😉 Nicht, daß ich mit dreckigem Schlüpper beim Osteopathen erscheine, gacker

tagger von heute

In Kreuzberg sind die Tagger heute auch nicht mehr drauf wie früher.
Nix mehr mit “Krieg den Palästen”, “Zusammenlegung der politischen Gefangenen jetzt” oder “Vergewaltiger, wir kriegen euch! Kopf ab, Schwanz ab!” Dafür:

tag

mein gnädiger tag

Das Beste daran, wenn man den horrormäßigsten Geschäftstermin schon am Montag hat, ist, daß er dann eben auch montags vorbei ist.
Auch wenn er einen das ganze Wochenende erstarrt aufs Sofa gefesselt hat, und man am Montagmorgen erstmal mit Magen- und Kopfschmerzen aufwacht und erstmal kotzen geht.

Völlig absurd, so zu reagieren, aber an diesem Mann, der stadtbekannt verrückt und meist auf Drogen ist, manifestiert sich meine Unsicherheit und der Wahnsinn, den ich in den letzten anderthalb Jahren beruflich (für sonstwas blieb eh nix über) durchmachen mußte.
Aber das ist meine Rechnung, und er hat nicht mal direkt damit zu tun. Eigentlich war der Termin gestern nicht mal unfreundlich.