Kategorie-Archiv: Moments of Pleasure

In the Hood

Wie suess! Hab ich mich grade vvon einem Nachmittag bei Schwester losgeeist, die es einfach nie auch ne Nummer kleiner hat, und nach den Friedhofsgiessgang (5 Graeber) wohlig mit nem Bier und ner Zichte vors Haus gesetzt, da kommt eine Nachbarin vorbei, mit der ich hoechstens drei Mal im Leben geredet habe und meint, dass es ja nicht richtig ist, dass ich hier so alleine sitze ich solle doch mit zum Feuerwehrhelferfest drei Haeuser weiter. Ich mein, es ist total verfehlt, aber doch inheimlich nett, oder?

Tango

Hotel Mama hat grade eine verschüttete Erinnerung geweckt, eine der schönsten Dinge, die ich jemals gesehen habe.

Vor Jahren, als ich noch mit dem Sitzgeiger zusammen war, hatte er einen Gig als Stehgeiger in einem Tango-Orchester, argentinisch. Der Gig war im Palais am Funkturm, ein komplett irrealer Ort. Dort sind die deutschen Sechziger wie in einer Zeitkapsel gefangen, und mit der richtigen Beleuchtung erwartet man, daß jeden Moment die junge Romy Schneider die Treppe herunterkommt, gefolgt vom jungen Horst Buchholz und Hardy Krüger – ein verzauberter Ort.

An dem Abend aber gab es argentinischen Tango, eine wunderschöne Musik, die ich aber leider nicht so richtig verstehe in ihrer Um-sich-Gewundenheit, so komplett anders als unser europäischer Tango-Marsch.
Die Tanzfläche war gefüllt von Paaren, die offensichtlich versucht hatten, ihrer welkenden Beziehung mit einem Tangokurs wieder einen Pfiff zu geben, und entsprechend hölzern oder athletisch oder eben größtenteils verzweifelt sahen ihre Versuche auf dem Parkett auch aus.

An einem Tisch jedoch saß eine, ich nehme an, argentinische Großfamilie, offensichtlich gehobenen Standes, vielleicht Diplomaten. Und von jenem Tisch erhob sich ein uraltes Pärchen, weit über 80, würde ich sagen, und bewegte sich in Zeitlupe auf die Tanzfläche. Er im Smoking, sie in einer langen glitzernden Robe, stellten sie sich in der Mitte der Tanzfläche auf und begannen zu tanzen.
Das heißt, sie schlossen beide die Augen, und nur die leisesten Bewegungen, eine kaum wahrnehmbare Ausfallbewegung hier, eine Andeutung von Auffangen da, und ab und zu ein leichtes Drehen der Köpfe. Mehr nicht.
Allein das Leuchten in ihren Gesichtern ließ erahnen, welch einen Tango die beiden tanzten, vielleicht derselbe, den sie vor 65 Jahren damals in Buenos Aires getanzt haben, als sie sich kennenlernten.

Walking with Kate

Wenn Kate Bush eine neue Platte herausbringt, ist es ja nun nicht damit gehalten, das Ding zu rippen und so nebenher zu hören, das muß man schon entsprechend würdigen.
Freitag abend, nach einer emotional mistigen Woche, war nicht die Stimmung und überhaupt, auf dem Sofa war auch nicht richtig.
Also grade raus in die Dunkelheit, Far from the Madd(en)ing Crowd, und ans Wasser, in die frühe Nacht am späten Nachmittag. Hier meine Kate-Walk-Empfehlung:

Am Schleusenufer, kurz vorm Minki, 50 Words for Snow starten, und dann am Club der Visionäre vorbei in die Gasse mit den roten Freilufthängelampen in der Arena.
Die ersten drei Lieder der Platte sind schwer zugänglich, Hmhpf, schwer ist das falscheste Wort, sie sind leicht, federleicht, schneeleicht, sie glitzern, kühl hingetupft im Wind.

The World is so loud. Keep falling, I’ll find you.

Kate hat recht, laute amerikanische und spanische Touristen mit Blitzlichtkameras stören, also die Musik neu starten. Keep falling, I’ll find you.

Hinter der Hoppetosse, am nachtschwarzen Ufer, verschwinden die Menschen. Der Himmel ist hoch und dunkel und bietet gerade genug Platz für die sparsame Instrumentierung, die hingetupften Vocals. Ab und zu blinkt ein Licht vom Ufer gegenüber auf dem Wasser. Little brown jug how I love thee, grüßt ein Klavierakkord aus Kates Aerial, der Sommerschwester von 50 Words, herüber, und verbindet den Knabensopran ihres Sohnes in Snowflake mit dem Gedenken an ihre Mutter in A Coral Room.

Wenn man Glück hat unter der furchterregenden finsteren Elsenbrücke, kommt gerade ein Schiff vorbei, so daß die Wellen unter dem Ufersteig in Lake Tahoe, das zweite Lied, gemischt werden. Leicht erschreckt, als ich feststelle, daß das gar nicht zu dem Song über die porzellanpuppenhafte Leiche in dem kalten See gehört – die Lieder sind so filigran und offen, daß Umgebungsgeräusche ganz einfach mitklingen können.

Ach, wäre es doch noch kälter, aber die klirrenden flirrenden Lichter auf dem Wasser, von Stralau vom anderen Ufer her illuminieren Misty auf beste. Ich liebe es wie sich der Wild Man des folgenden Liedes in den Klängen der Gambe oder Gitarre (?) schon ankündigt

They call you an animal, the Kangchenjunga Demon. Die Leute vergessen vor lauter Ehrfurcht vor der Legende fast immer, was für einen Humor Kate Bush besitzt, einen manchmal groben (This sense of humour of mine / it isn’t funny at all) und wie herzhaft ihre Lache ist, und von daher paßt es, daß Wild Man einsetzt, als ich am Gasthaus Zenner (um diese Jahreszeit gottseidank menschenleer und ohne Tanztee) vorbei die steile Brücke der Insel der Jugend erklimme, als ob es ein tibetanisches Kloster wäre.

Von der Insel der Jugend mit (passendem) Blick auf die Liebesinsel und den Kratzbruch (!) macht sogar Elton John einen guten Job in Snowed in at Bleecker Street. Es hätte vielleicht sympathischere Partner für das Duett gegeben, aber irgendwie macht es vielleicht auch Sinn.

Zeit für den Rückweg – in 50 Words for Snow treibt Kate Stephen Fry an, 50 Wörter für Schnee zu finden, und er gibt sich redlich Mühe – Come an man, you’ve got 44 to go! – der auch fürs Gehen treibende Rhythmus erinnert verwickelt an The Sensual World, und man kann sich vorstellen, wie die beiden am Boden gelegen haben vor Lachen bei der Aufnahme: Icyskidski! Whippoccino! Shnamistoflopp’n! Shimmerglisten!

Among Angels schließlich gönnt einem ein bißchen Wärme, im Ton und im Text: I can see Angels standing around you / they shimmer like Mirrors in Summer, und so tun die zunehmenden Lichter von Stralau auf dem Wasser auch gut auf dem Rückweg. Bleiben Sie ruhig noch ein wenig stehen am Ufer und lassen Sie das Lied ausklingen, bevor sie – die Platte ist jetzt zu Ende – sich ein paar Songs für den Rest Weg aussuchen.

Mit noch einmal Among Angels nähere ich mich der Zivilisation, und im Soundtrack hört sich der rauschende Verkehr an, als fahre er durch Schneematsch.
Bleiben sie auf der Schleusenecke stehen, diekt an der rechten Schleuse steht abends immer ein Reiher, den Sie nicht sehen, wenn sie nur eben vorbeigehen. Heute abend aber, Sie werden es nicht glauben, taucht von links ein Fuchs (I found a Fox, caught by Dogs) hinter der Hütte auf, läuft über den Steg, der Reiher schreckt auf und fliegt zur Mitte, während der Fuchs (not caught by Dogs) unter der Brücke weg seinen Geschäften nachgeht.

The World is so loud. Keep falling, and I’ll find you.

Wie Sie Ihre Therapeutin zum Weinen bringen

und sich selbst auch gleich mit.
So klar hatte ich es eigentlich nicht, als ich hin ging, aber so offline Thema war es schon, in den letzten Tagen.
Und dann platzte es plötzlich raus, und wir waren beide ein wenig erschreckt über die Endgültigkeit des Spruchs: Ich habe das Gefühl, ich bin durchtherapiert.
Die letzten Sitzungen, nur noch monatlich, waren mehr ein Bespiegeln, wieviel stabiler ich geworden bin, wie ich besser zurechtkomme, besser auf mich aufpasse, besser in Krisen agiere, und daß ich – endlich! – wieder Kraft verspüre und Lust auf da draußen.

Als das dann klar war, kriegte meine Heidi rote Augen, und ich mußte heulen – es war eine lange Strecke, über 4 Jahre Therapie, viele Komplikationen, wir nahmen immer den hohen Weg und nie eine Abkürzung. Eine unendlich großartige Frau, meine Heidi. “Ach, Herr Lucky, ich habe ja viele Patienten, die ich nicht so…, aber sie werden mir wirklich fehlen, ich werde Sie vermissen.” Mehr Tränen meinerseits, es war die wichtigste Beziehung der letzten Jahre, und wird es wohl auch noch eine Weile bleiben, ich habe ja auch die Heidi in mir. “Und wie traurig wir beide jetzt auch sind, es ist doch ein wichtiger und großer Moment, dieser, in dem Sie zu sich selber und zu mir sagen: ‘Ich bin jetzt wieder gesund!’”

Und recht hat sie, wie meist, 10 Jahre sind eine lange Zeit, sich ein kleines und ein großes Burnout zu erarbeiten, sich mit “posttraumatischer Belastungsstörung”, sich mit Depressionen und Angststörungen durch die Welt zu schlagen, obendrauf Trauerfälle, frische und die ganzen alten, und das in durchaus exponierter Funktion und Position. Auch wenn diese Gespenster immer noch durch meine Tage geistern, sie bekommen nicht mehr dieselbe Macht, weil ich besser weißm wie ich damit umgehen soll.
Eine lange Strecke, und was aus mir geworden wäre ohne Heidi – ich weiß es nicht. Ich werde sie noch ab und zu besuchen, um mir in Situationen helfen zu lassen, aber: die Therapie ist vorbei.
Auf der Straße und der Heimfahrt und am Abend überwältigte mich das Gefühl, wie wohl auch noch in den nächsten Tagen, oft, aber es steht auch ein neues da, groß und kühl und klar, ein Gefühl, das wie das hier aussieht:

der-wanderer-ueber-dem-nebelmeer

An alle da draußen, die sich das jetzt vielleicht gar nicht vorstellen können : It gets better! It does, eventually!

Legion – oder die seltsame Gräfin vom Schlachtensee

Es ist schon ähnlich frustrierend wie ein Auto zu haben aber keinen Führerschein, wenn man die Schlauchboote im Kofferraum und auf dem Rücksitz zurücklassen muß und sich stattdessen ein Ruderboot mieten muß, weil man keine Lust hat, sich seinen Poppes zu verkühlen, indem man ein paar Stunden zu nah auf dem doch schon deutlich erkalteten Schlachtensee zu sitzen.
Aber wir wollten noch ein wenig Sommergefühl aus diesem Altweibersommer quetschen, und eh haben wir beschlossen, uns wenigstens einen Tag am Wochenende der Welt zu zeigen und ungekehrt.
Aber wenn, dann gibt es keine Alternative, wenn schon Ruderboot, dann nur beim Verleih der schattigen Gräfin am Schlachtensee – purer Menschenhaß gepaart mit altem gammligen Westberlin und dann noch in den Arsch gefickt mit blanker Geldgier.
Die arme Frau vor mir in der Schlange, die noch schnell ein Boot wollte und nur fragte, ob das Boot denn um 18 Uhr schon zurück sein müßte, wenn um 18 Uhr Schluß ist – ich dachte sowas liest man nur ein Schauerromanen, aber nein – blanker Haß schüttelte die seltsame Gräfin, der Kopf fing bedrohlich an zu rollen, Zischlaute und andere nicht menschliche Geräusche stießen aus dem greisen Körper – ein Schauspiel, das die Szene in Legion komplett in den Schatten stellte – ich war froh, daß die Alte uns derweil den Rücken zu drehte, man liest ja auch in Schauerromanen auch von furchtbaren Anblicken, die einen um 50 Jahre altern lassen.
(Und um Ihnen das zu ersparen: 18 Uhr Schluß bedeutet, daß dann das letzte Boot rausgeht und spätestens um 19 Uhr wieder da sein muß. Was allerdings passiert, wenn Sie dann 3 Minuten zu spät kommen, well, da muß Hollywood erst noch einen Film zu drehen, oder besser noch, Glämmie schreibt einen Roman drüber.) Ich habe jedenfalls jetzt eine Ahnung, woher der Schlachtensee seinen Namen hat.

Jedenfalls, ein wohl doch jetzt letzter Spätsommertag auf dem See, nicht so heimelig wie mit dem Schlauchboot, aber immerhin – dem grauen Herbstwinter noch ein Schnippchen aus den Händen geschlagen. Und nächstes Wochenende darf der Glammer bestimmen, ich bin gespannt.

It’s raining Rain! Hallelujah!

Daß der Glämmer nicht nur ein Schönwetterfreund ist, und der beste, wußten Sie ja eh schon, und nachdem wir schon gestern unsere absoluten Bedürfnisse über die aktuellen Wetterverhältnissse gestellt haben, um aufn See zu fahren – ich meine: was kann einem schlimmstenfalls passieren? Naß werden? Jedenfalls wurden wir heute von einem Mega-Wolkenbruch überrascht, nur kurz nachdem ich im Suff mit der Zichte ein astreines Loch ins Schlauchboot gebrannt habe und überlegte, wie ich die nächsten zwei Stunden mit nur neun Fingern und einer Hand zubringen sollte, denn einen Finger und eine Hand zwangsläufig braucht ich ja zum Zuhalten des Lochs.
Zwar ein zwei Stunden verfrüht, denn man braucht nach Alkoholgenuß dann schon noch ne Weile zum Nach- bzw. Abglühen aufm Wasser, aber umso heftiger kam der Wolkenbruch, und nach Umsteigen auf Glams unlädiertes Boot mußten wir sogar notlanden, die Boote leermachen und ZUFUSS und naß und fast nackt durch den kräftigen warmen Sommerregen zurück, unsere halbleeren Boote um und gewickelt wie Federboas (-Böen?)
Lang lang lang schon nicht mehr so lebendig gefühlt und alle erstaunlich unbeirrten Regenspazierer zweireihig angelacht, getanzt im Regen, und so war es dann auch äußerst passend, als einer der Artistokraten im vollen Ornat inklusive Kniehose und bepuderter Perrücke irre lächelnd und “Ach, das schadet doch nicht!” schnarrend an uns wohin auch immer radelte. Only in Berlin!
Schließlich – was kann einem schlimmeres passieren als naß zu werden?
(Aus der Abteilung Moments of Pleasure)

kegeln! bloggerkegeln! hilfe!

Morgen ist Bloggerkegeln! Oh weh! Die Creme de la Creme des Blogwesens gibt sich ein Stelldichein, und macht sich ganz unleserlich ohne Lesen zum Horst. In der Urbanstraße, die ihren Namen völlig zu Unrecht trägt. In einem Schuppen, in dem man nicht mal völlig blind sonntags morgens mit 10,8 Promille stranden will… Neukölln Ultra halt. If you can make it there, you’ll make it anywhere.
Was zieht man denn da an? Brauche ich Fallschirmseide? Soll ich mich wirklich trauen, in DEM Laden was zu essen? Oder doch lieber nur trinken? Ganz viel am besten? Vielleicht schon vorher anfangen?
Und was ist wenn ich gar NIE was treffe?
Und das dann noch in so erlauchter Gesellschaft!

Weiß jemand wie das geht? Muß man da nicht immer so Mannschaftsspiele machen? Eins kenne ich: Tannenbaum oder so heißt das. Das sieht so aus:
9
8 8
7 7 7
6 6 6 6
5 5 5 5 5
4 4 4 4 4 4
3 3 3 3 3 3 3
2 2 2 2 2 2 2 2
1 1 1 1 1 1 1 1 1
Und dann gibts zwei Mannschaften, die müssen das abkegeln, bei einem Treffer wird ne 1 gestrichen usw. Und welche Mannschaft zuerst fertig ist, die haben gewonnen. Brauchen wir da nicht nen Pokal? Und sollen wir für mich nicht ne Reihe Nullen untendrunter machen?
Au wei. Mannschaften. Wählen. Traumatisch.
Glam, Glam, was haben wir uns da eingebloggt, äh -brockt…
Liebe Bloggerkollegen, wollt ihr nicht doch lieber ne Lesung machen..?