Category Archives: igel when he flies

Die Zeit der kleinen Wunder

Jaja, Sie haben richtig gelesen, Wunder, nicht Wunden, auch wenn das untypisch ist für dieses kleine Schmutzblog hier.

Es gibt nicht viel zu berichten, Herr Lucky ist beschäftigt damit, die kleinen Wunder zu genießen, wie den blühende Apfelbaum auf der Terrasse, den Vanilleduft des Goldlacks, den ersten kleinen Sonnenbrand des Jahres, einen Abend mit einem unwahrscheinlichen neuen alten Freund, und überhaupt. Zufriedenheit ist das neue Glück.

Seltsam, daß Elend für ein Blog so viel ergiebiger ist. Aber da muß das Blog mal eben leiden, für eine Zeit.

Aber nehmen Sie doch ruhig mein Mantra dieser Tage zur Kenntnis:

(Ja, der Anfang hört sich ein wenig schaurig an)

Frühling – am Arsch! oder: Kimmenkucken

Herrschaften, dieser Tage müssen Sie besonders im Straßenverkehr aufpassen. Wegen der großen hormonellen Verwirrung großer Teile der Bevölkerung.
Geblendete graue Rentner rennen vor Pfosten, Bauarbeiter fallen aus den Gerüsten beim Versuch, einen Blick in die unten vorbeilaufenden frisch entblößten Dekolletés zu ergattern, und Autofahrer haben ihre Augen überall, nur nicht auf der Straße.

Gestern hatte der Herr Lucky eine herrliche Anfahrt zum Büro aufgrund der vorherrschenden Herrenmode: Jeans, die beim Laufen auf Halbmast des Arsches sitzen, geben bei Radfahrern ein sehr hübsches Bild ab, und so fuhr er nicht wirklich konzentriert.

Füllige Ärsche, dürre Ärsche, nackte oder haarige Ärsche, vorgebräunte oder rosa Ärsche, muskulös oder flabberig, eine wahre Parade von Männerärschen wogte auf den Radwegen wie eine Revue aus mehr oder weniger üppigen Dirndl-Ausschnitten umher und sorgte für große Erheiterung Unkonzentriertheit Inspiration.

Dazu noch die ersten noch bleichen, aber teils recht strammen Waden, rasiert oder unrasiert. Hach!

Frühling, ick komme, ick bin mit bei.

(Bemerkenswert: Früher hätte in diesen Zeiten an dieser Stelle ein Beitrag in der Rubrik “Was geht mich der Frühling an!?” gestanden. Sexual Healing in Progress. I guess. I hope.)

Tür zu, Fenster auf

Irgendwie gibt es mir doch Vertrauen, daß die Welt nicht wirklich böse ist:
Der Monsterkunde will wohl wirklich kündigen, und es stehen 10 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Zwei Tage später kommt eine Anfrage, die wirklich riesengoß ist, zwar eine ziemliche Herausforderung, aber auch spannend. Damit ließen sich auf jeden Fall die Arbeitsplätze retten, plus ein paar neue.
Und die Abfindung wäre dann wirklich obendrauf. Leckerland!
Jonglieren ist nun wirklich eine abartige Tätigkeit, aber ich glaub ich mach es grad ganz gut.
Toi toi toi!

Eine Tür fällt zu, ein Fenster geht auf.
Es steht ein Pferd auf dem Flur.

(Herr Glam ist heute ja auch kryptisch, dann kann ich das auch.)

Doch

… die gut abgehangene Endfünfzigerin mit der großen, wenn auch etwas kaputten blonden Frisur im TXL-Bus, wie da aus ihrer Handtasche sehr laut und glockenklar Opening und Refrain von “The Final Countdown” vom Handy erklang. Das war eine große Freude für den ganzen Bus, und es hieß mich herzlich wieder in Berlin willkommen.
Besser als sich von Taxifahrern anschnauzen lassen.

Achso, und auf der Hinfahrt weigerte sich der TXL-Busfahrer, mein (vorsichtshalber sorgsam abgezähltes) Fahrgeld anzunehmen und zwang mich damit also, schwarz zu fahren.

-zig Kilo weniger in nur 4 Stunden!

Karfreitag dreht sich um Schmerz und Demütigung, Dornenkrone und Holzkreuz, Entsagung und so. Stundenlanges demütigendes Zurschaustellen des geschundenen Körpers.

Da ich nur ein Hohlkreuz habe, zog ich gestern beste Freundin Paula Sau dazu, ihrerseits Expertin im Entrümpeln von Messie-Wohnungen und praktischerweise gleich Trödelladenbesitzerin dazu.

Schon lange vorgehabt, und ebenso lange verschoben, war die Entrümpelung des Luckyschen fastbegehbaren Kleiderschranks dran.

In über 4 Stunden mußte der Herr Lucky nackt oder halbnackt über 20 Hosen, ca. 120 Tshirts, 30 Pullis, 60 Hemden, 50 Schlüpper anprobieren. Was sich eben so ansammelt, wenn man das letzte Mal vor 8 Jahren umgezogen ist.
“Die Hose ist sehr schön und sexy geschnitten, aber kriegst du sie auch ganz hoch oder nur bis zu den Knien?”
“Aha, dein Lieblingsschlüpper. Schickes Eierschalebeige, und SOLLEN die Eier raushängen?”
“Aha, das T-Shirt mit der Aufschrift SOLO vom letzten Annie-Lennox-Konzert. An sich schön. Wenn ich dir da eine Borte drannähe, und ein paar Fransen, dann reicht es auch über die Plauze rüber. Vielleicht sticke ich dir dann noch auf die Borte: “Und hier sehen Sie, warum solo!”
“Wenn du bei dem Anzug das Hemd draußen läßt, dann sieht man nicht, daß die Hose nicht mehr zugeht, und wenn du beim Hinsetzen ein wenig aufpaßt, dann kannst du den gut und gerne noch ein paar Jahre tragen.”

Die Ausbeute: 4einhalb blaue Müllsäcke voll Altkleider, und ein wieder begehbarer Kleiderschrank. Und man braucht eigentlich auch nur 3 Hosen, die dann aber passen.
Und irgendwie ist es auch ok, sich einzugestehen, daß man aus ‘S’ herausgewachsen ist.
(Ich hatte das aber auch vorher mit der Therapeutin besprochen, die die Aktion sehr befürwortet hat, steht sie doch auf dem Standpunkt, ich sei gar nicht zu dick, möglicherweise seien meine Klamotten aber etwas zu klein. Ich halte das aber nach wie vor für einen billigen psychotherapeutischen Trick. Das nächste Mal mach ich meine Drohung wahr und zeig ihr meine Plautze.)

Isn’t it Ironic?

Life has a funny way of sneaking up on you
Life has a funny, funny way of helping you out
Helping you out

Seit Wochen schon habe ich so ein ungutes Gefühl, als Echo meines Burnouts kriecht es unvorhergesehen aus meinen Eingeweiden hervor, und sorgt dafür, daß ich nicht mehr klar denken kann. Ich zittere und bin wie gelähmt.
Der Körper hat die beste und genaueste Erinnerung, nur leider nicht das beste Gespür dafür, wann es angebracht ist, diese aufzutischen.

Jedenfalls, das ist der Zustand, wenn ich täglich mein Emailpostfach aufmache, und den wünsche ich niemand.

Gestern war es dann soweit: Einer meiner Kunden schickt seinen Kündigungswunsch. Es ist jener, der hauptsächlich mein Burnout verursacht hat, mit seinem Wahnsinn, seiner Inkompetenz, Arroganz, andauerndem Mißtrauen und kompletten Verblendung (mal abgesehen davon, daß er in manchen Terminen immer mal kurz rausmußte, um ne Line nachzuziehen). Ein Kunde frisch aus der Hölle, den ich meinem schlimmsten Feind nicht wünschen würde. Seit 6 Monaten läuft das Projekt zwar reibungslos bis erfreulich, aber ich wußte, daß der Wahnsinn nicht dauerhaft verschwunden sein würde.
Stellen Sie sich vor, sie müssen einen Pudding an die Wand nageln. Immer wieder.

Meine Reaktion: Zittern, Schwitzen, Panik. Doch dann, von ganz ganz tief unten, ein breites Lächeln, eine Entspannung, ein herzlicher Glückwunsch.
Der sich nach und nach durchsetzt, bis ich am Abend das wohlig-erschöpfte Gefühl habe, das nach stundenlangen Weinkrämpfen einsetzt.

Selten hat es mir so gut getan, ein Geschäft zu verlieren. Über 2 Jahre harte Arbeit in die Tonne zu treten.

Dazu muß Ostern gemacht sein: Tod und Auferstehung. Erneuerung!

Klassentreffen der Travestie

So ist das richtig, morgens noch mit Weltkonzernen verhandeln, und abends dann zum 20. Bühnenjubiläum der Tuntengruppe (die allerdings die letzten 18 1/2 Jahre nicht mehr zusammen aufgetreten sind, muß man ehrlichkeitshalber dazu sagen.)

Eigentlich war ich ja schon um 19 Uhr bettschwer, aber das wollte ich mir dann doch nicht nehmen lassen, und es hat sich gelohnt, viele Überleber, alte Freunde, ehemalige Bekannte, manche hat es schwer getroffen, andere viel glücklicher als früher.
Dazwischen sah man auch den Geist des ein oder anderen Verstorbenen am Kaltgetränk nippen. Alles schön, alles gut für Seele, und viel getanzt. Jaja.

Eine große Show, und warum hat eigentlich nie jemand den “Zeppelin der Sehnsucht” auf CD gepreßt? Einziger Beschwerdepunkt: Früher dauerten solche Shows bis zu 6 Stunden, die hier nur 2. Also ich hätte noch 2-3 Stunden gekonnt.

Zitterpartie

Heute ein wichtiger Termin, vielleicht der wichtigste mehrerer Jahre. Kleines Dorf in Gallien trifft Cäsar. Streichelzoo trifft Haifischbecken.

Pünktlich dazu erinnert sich mein Körper schon die ganze Woche an alle Tricks und Finten, die er so auszuspielen hat, der Körper hat eine bessere Erinnerung als ich. Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Hexenschuß, Herzrasen. Aber ich habe es als Defaultmodus erkannt und lache es aus. Ich bin nicht mehr derselbe wie der mit dem Burnout von vor fast zwei Jahren. Aber er ist mir sehr vertraut.

Außerdem wollte ich den Termin selbst, dem Konzern ein wenig vor den Bug scheißen, und trotzdem oder grade damit ein paar Goodies abnötigen. Mal gucken, was er will.
Wenn ich zu weit gehe, könnten wir ganz kühl abgeschossen werden. Wenn ich nicht weit genug gehe, werden wir nie wieder ernst genommen.
Sportlich bleiben. Gefährliches Spiel. Diplomatie und Politik im Hochsicherheitsmodus. Drahtseilakt mit geschwollenen Füßen. Wer mit dem Teufel verhandelt, sollte seine Seele an einem sicheren, unbekannten Ort verwahrt haben.

Ich weiß wo sein Lindenblatt sitzt. Er mit dem Haifischlächeln kann nur gradeaus. Kann nur Zielvereinbarung. Kann damit nicht umgehen, wenn man gar kein Ziel vereinbaren will. Auf Angriff nicht eingeht, sich in keine Ecke drängen läßt, sondern Blumen schenkt. Wert auf Unabhängigkeit legt. Erfolg auch ohne ihn hat. Und ihn ganz umsonst und fast ohne Eigeninteresse profitieren läßt. Das versteht er nicht, sein Haifischlächeln verschwindet, und er bekommt rote und gelbe Pusteln um Mund und im ganzen Gesicht, fängt an zu schwitzen.
Ein Hase muß Haken schlägen, weil er nicht so schnell und so stark ist wie der Puma.
Hoffen wir, daß er schlau und wendig genug ist, um seinen sicheren Bau zu erreichen, mit fetter Beute obendrein.

Edit: Vielen Dank euch fürs Daumendrücken! Es hat geholfen, es war ein weitgehend freundlicher Termin, und auch wenn ich nicht so scharf agiert habe, wie ich es mir vorgenommen hatte, hat der Hai sich eine ganze Seite Notizen gemacht, was ich alles so haben will, und Zusagen gemacht. Wo sie mir ans Zeug wollten, konnte ich recht flink ausweichen…
(Hab mir ja sogar die Nasenhaare rasiert gehabt!)
Und jetzt bin ich groggy wie nach einem Boxkampf… und ganz glücklich. Merci nochmal fürs Daumendrücken!
Das Wochenende kann kommen…

Nackt im Wind…

Eine Playlist zum Geschehen da draußen:

Wild is the Wind – Nina Simone (wahlweise Bowie)
Cludbusting – Kate Bush
Riders on the Storm – The Doors
Blow Wind Blow – Alison Moyet
Wir beide gegen den Wind – Veronika Fischer
Nachmittag mit Wolken – Ingrid Caven
Blowing in the Wind – Dylan
Entends-Tu le Vent? – Abi & Esther Ofarim
Wie sich Mühlen drehn im Wind – Vicky Leandros
bzw. Windmills of my Mind – Dusty Springfield
One day I’ll fly away – Nicole Kidman
Blow away – Kate Bush
Wolken ziehn vorbei – 2Raumwohnung
Nackt im Wind – Band für Afrika 😉
Big Sky – Annie Lennox
Candle in the Wind – besser von Kate Bush
I’m not a Candle in the Wind – Tammy Wynette fühlt sich nicht angesprochen
Ruggewind – Michael von der Heide
The Big Sky – Kate Bush
Blow your House down – Siouxsie & the Banshees
Es bleibt uns der Wind – PeterLicht
Frag den Abendwind – Francoise Hardy
You’re the Storm – The Cardigans
Graue Wolken – Blumfeld
Wind beneath my Wings – Bette Midler
Der Wind – Ich & Ich
Up, up and away – 5th Dimension
Neuer Wind – Daliah Lavi
Skin Storm – Morrissey
Wind Wind – Alexandra
Der Wind hat mir ein Lied erzählt – am liebsten von Ingrid Caven
Wuthering Heights – Kate Bush
Cold Wind – The Arcade Fire