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Nachtrag zu “So kalt”

Ich weiß nicht, ob man einen solchen Beitrag wirklich einfach so hier einstellen kann und soll, so persönlich, so hart im Thema, so wenig literarisch überarbeitet.
Es ist sicher seltsam, an einem hundsgewöhnlichen Donnerstag mit einem solchen Thema konfrontiert zu werden, und ich habe länger drüber hin und her nachgedacht, bin aber zu keinem Schluß gekommen.
Fakt ist, das ist das, wo ich heute morgen war, und da twoday wieder mal nicht funktionierte, habe ich das offline geschrieben, war dann aber nicht zufrieden damit, daß es nicht online war, und so habe ich dann vorläufig entscheiden, es doch zu veröffentlichen.
Exhibitionismus? Vielleicht. Bedürfnis? Wahrscheinlich.
It’s a Blog-Thing, obviously.

Es tut mir leid, wenn einer oder mehrere meiner Leser unverhofft mit einem solchen Thema konfrontiert wurden und dadurch in ihren Gefühlen ungewollt berührt sein sollten an einem solch schönen Sommertag.
Andererseits, vielleicht hilft es jemand, der im Netz nach Texten zu dem Thema sucht.

So kalt

Die Nachricht vom Tod meiner Mutter erreichte mich völlig überraschend und alltäglich, im Büro. Ein Telefonanruf meiner Schwester, schon beim Blick auf den Display wußte ich, was passiert war.
Das war das, wovor ich mich seit Jahren am meisten gefürchtet hatte, und jetzt war es da. Darin lag, neben dem unglaublichen Schmerz und dem Wahnsinn, auch eine gewisse Erleichterung. Nichts ist schlimmer als die Angst. Bestimmt nicht das, wovor man sich gefürchtet hat.

Nach 8 hysterischen Stunden auf der Autobahn, einer Reise nicht nur über 800 Kilometer, kam ich irgendwie an, man frage mich nicht, wie.
Alle waren da, Schwester, Schwager, Schwager, Tante, Onkel, Neffe, die Reste unserer Familie, mit bleiernen tauben Gesichtern saßen sie stumm im Licht der Deckenlampe. Es war für sie ein langer schlimmer Tag gewesen, vom Anruf der Nachbarn, vom Einbrechen ins Haus, vom Finden meiner Mutter, die langen Minuten der Verzeiflung und Sorge, bis der Arzt eindeutig feststellte, daß sie schon länger tot war, der Stille danach.
Ängstlich suchten sie mein Gesicht nach Anzeichen ab, wie es mir gnge, sie machten sich große Sorgen, für sie war ich die am meisten betroffene Person in diesen Umständen.
“Ich nehme an, es gibt heute keinen Kappestetisch?” fragte ich. Meine Mutter hatte mir zur Ankunft immer mein Lieblingsessen gekocht.

Meine Schwester hatte entschieden, daß Mutter über Nacht zuhause bleiben sollte, bis ich da war, damit ich Abschied nehmen konnte. Darüber war ich sehr froh. Trotzdem dauerte es ein paar Stunden, bis ich den Mut fassen konnte, sie in ihrem Schlafzimmer zu besuchen. Seltsame Vorstellung, daß sie dort oben liegt, still, tot, wenn unten das Haus voller Gäste ist.
Als ich mich dann endlich langsam nach oben begab, lag sie dort auf ihrem Bett, in ihrem gelben Frottee-Schlafanzug, so vertraut und doch so fremd. Auf ihrem Gesicht war ein kleiner Abdruck, wo sie gefallen war, aber sonst sah sie friedlich aus. Dennoch, ein Toter ist ein fremdes kaltes Ding. Jeder Ausdruck, jede Haltung, die einen Menschen ausmacht, ist gelöscht. Eine leere Hülle. Und doch – ein Körper, wenigstens.
Es hatte einige Zeit gedauert, bis die Familie sich getraut hatte, sie aufzuheben und auf das Bett zu legen. Sie hatten nicht daran gedacht, ihre Hände übereinander zu legen, und irgendwie hatte ich das Gefühl, das würde sie wollen, und auch ihren Rosenkranz in ihre Hand hätte sie sicher gerne gehabt, sie war eine sehr gläubige Frau.
Irgendwie war es keine große Überwindung, sie anzufassen. Ich habe schon einige Tote gesehen, aber nie einen angefaßt. Aber das war schließlich meine Mutter.

Erschreckend aber war diese Kälte. Kälter als kalt, kälter als der Tod, diese Kälte stand in keiner Beziehung zur Umgebung. Sie ist absolut.
Und das meiner Mom, die immer so kälteempfindlich gewesen war, die zur voll aufgedrehten Heizung immer auch noch den Holzofen angemacht hatte. Als Kind hatte sie wohl sehr viel Kälte ertragen müssen.
Die Hände und die Arme waren steif vor Kälte, und so dauerte es einige Zeit, bis ich sie mit der Wärme meiner Hände so weit aufgewärmt hatte, bis ich ihre Hände übereinanderlegen konnte, und eine Hand so weit öffnen konnte, daß ich ihren Rosenkranz zwischen ihre Finger legen konnte. Die Hände, die so viel gearbeitet hatten in ihrem langen harten Leben, auch für mich.
Die Finger, die jetzt im Tod ganz zart und glatt waren, wie überhaupt ihre Haut ganz zart und glatt und eben geworden war, wie ich spürte, als ich ihr über die Wange strich.

Dann ging ich wieder zum Rest der Familie, die ich später in der Nacht fast gegen ihren Willen nach Hause schicken mußte. Ich wollte noch einige Zeit mit meiner Mtter verbringen, die so allein dort oben lag.

Wieder ging ich zu ihr, und es verschaffte mir einen seltsamen Trost und eine Beruhigung, meine Mutter anzufassen und zu halten, ihre Hände, jetzt so weich, ihr Gesicht, und ganz besonders ihre Schulter, diese starke runde Schulter. Es war gut gewesen, meine Mutter für diese eine Nacht noch zuhause zu behalten. Dort lag sie, in ihrem gelben Schlafanzug, so klein und weich und bleich und kalt.

Tagsüber im Leben war meine Mutter auch noch mit 80 eine sehr selbstbestimmte, aktive, umtriebige Frau mit starkem eigenen Willen gewesen, die auch manchmal hart und herrisch sein konnte. Wir hatten uns oft und heftig gestritten, weil sie einem ordentlich auf die Nerven gehen konnte.
Abends aber, wenn sie sich aufs Zubettgehen vorbereitet hatte, den Schlafanzug angezogen, die Dritten im Glas, dann kam sie immer noch einmal zu mir, und das waren unsere intimsten Momente, egal wie der Tag gewesen war. In diesen Minuten hatten wir andere Namen füreinander, Kosenamen, die niemand sonst kennt, und wir konnten uns zärtlch und liebevoll in den Arm nehmen und brauchten keine anderen Worte.

An der Wand neben ihrem Bett hing neben Familien- und Heiligenbildern auch ein altes Mariengebet, aus ihrer Kindheit wohl, das ihr wichtig gewesen sein mußte. Ich bete zwar nicht und glaube auch kaum, aber da sie ja nun keine Stimme mehr hatte, wollte ich ihr meine leihen, ich faltete meine Hände über ihre und betete das Mariengebt, drei Mal, für sie, statt ihrer.
Ein seltsames Gefühl ist es, wenn die Hände eines Toten langsam wieder warm werden, wenn man sie lange genug hält. Nach einiger Zeit beginnt man sogar einen Puls zu spüren, aber natürlich ist es nur das Echo des eigenen.

Einige Stunden saß ich noch so bei meiner toten Mutter, und wir schauten im Kopf das Fotoalbum der gemeinamen Erinnerungen, der 40 Jahre gemeinsamen Lebens an.
Als ich in den Morgenstunden dann endlich schlafen ging, ließ ich beide Zimmertüren auf, damit sie – und ich – wenigstens diese letzte Nacht nicht alleine schlafen mußte.

Käffchen?

Es ist ja nichts so unnötig, wie Verwandte beim Berlin-Besuch zu bespaßen, egal wie kurz.

Es ist ja aber auch nichts so unnötig, daß nicht doch was bei rumkommt, zwei Sachen habe ich gelernt:

Beim normalen Filterkaffeekochen (ich liebe Filterkaffee, da könnt ihr euch auf den Kopf stellen) gebe man zum Schluß eine Prise Salz in den Pott, solls leckerer machen, alter 50er Jahre-Trick.

Ein anderer Kaffee-Koch-Trick (auch wohl 40er oder 50er):
Wenn man jemand so gar nicht leiden kann, dann koche man den Kaffee folgendermaßen:
Erstmal kocht man einen alten Weinkorken ca. 10 Minuten in Wasser auf.
Dann kocht man den Kaffee mit eben diesem Wasser, Salz hin oder her, egal.
Dann wartet man auf das Unwohlsein dessen, dem man das serviert hat, es soll nämlich ziemlich schnell unglaublich starke Blähungen erzeugen. Hrhr.

(Beides von meiner Tante, die ihrerzeit Köchin in hochherrschaftlichen Häusern war)

So, und eins davon probiere ich morgen aus, welches, verrat ich nicht.

Über euch!

Wenn das Wetter nicht schnell noch ne Kapriole schlägt, dann leiste ich meinen Beitrag zur Klimakatastrophe und fliege heute nachmittag mit einem Rosinenbomber eine Stunde lang über die Stadt.
For free, natürlich, bin gespannt. Ein letztes Mal Tempelhof.

Also: nicht nackig auf den Balkon gehen, und die alten Lieblingsschlüpper vom Wäscheständer nehmen, sonst sehe ich das. Ich bin dann sozusagen Google Earth.
Und ich werde es erzählen!

auwei!verschlafen!

… und nicht nur ne halbe Stunde… nein, bis eins!

(und das bei einem Wecker, der sogar den Nachbarn im Seitenflügel aufweckt…)

Jetzt aber schnell, schnell, Mamsell!

Schutz-Rock oder: Balladenhandhabung

Leider erlebt man als Blogger ja manches schon gleich mit der Feder, oder besser, Tastatur im Kopf.
So gings Herrn Lucky und Herrn Ereignishorizont (i.R.) auch gestern, als sie auf freundliche Einladung der Veranstalter bei Alanis Morissette im Tempodrom waren.

Zuerst mal ist es ja eigentlich hocherstaunlich, daß jemand wie Alanis Morissette überhaupt eine so beachtliche Karriere hinlegt, Alben in Top 10s hat und große Venues füllt – so hochgradig neurotisch sie und ihre Texte sind, so unbequem die Musik oft ist, und außerdem, ist es nicht ein ungeschriebenes Gesetz, daß man keine Wörter mit mehr als 3 Silben für Lyrics verwendet? Ganz klar, das ist ein Grund, weswegen wir sie mögen, auch wenn ich nicht zur 1. Reihe Fans gehöre, aber der Mainstream, was soll der damit anfangen?

Im Tempodrom, welches mir übrigens so langsam ans Herz wächst, weil es ganz entspannte Konzerterlebnisse zuläßt, war das Publikum überraschend sehr gemischt, von allen Sorten etwas, Prolls und Intellektuelle, Jüngere, Ältere, Muttis und Teenies, Rocker und Müslis. Erstaunlich.
Und nur ganz wenig Schwule, es scheint doch immer noch eine Aversion gegen Gitarren mit dem Homo-Gen vrbunden zu sein.

Keine Frage, Miss Morissette bot ein richtiges Rock-Konzert. Sehr laut, sehr Gitarren- und Drumlastig, überraschend deshalb, weil man (oder ich) immer dachte, es geht in erster Linie um die komplizierten Texte. Dazu rockte Madame auch körperlich in vielleicht etwas zu engen T-Shirt und Jeans aufs Heftigste, wenn auch die Bewegungen ein wenig seltsam, hospitalistisch-autistisch (sehn’se, es geht schon los mit den langen Wörtern!) wirkten.

Ihre Stimme war live auch am Ende des Konzerts genau so wie auf den CDs, es zahlt sich halt doch aus, wenn man seine Musik selbst schreibt, nicht wie manche andere, die dann live Schiffbruch erleiden, wie diese Esther, beispielsweise.

Bei den Balladen fiel mir ihre seltsame Handhaltung auf, die linke Hand zur Faust geballt in die rechte Hand gepreßt, wobei der Daumen die linke streichelte. Immer. Grundsätzlich. Außer wenn sie die Hand vors Gesicht hielt, um sich vor zu nahen Handyfotos zu schutzen.

Das, und der Umstand, daß sie kaum ins Publikum schaute, legte bei uns beiden die Vermutung nahe, daß Alanis Morissette eigentlich gar nicht so gern unter Leuten ist.
Herr Ereignishorizont prägte darauf den Begriff Schutz-Rock für diese Art Musik, und wenn man es so richtig überlegt, war vielleicht der Moment, in dem Alanis sich minutenlang im Kreis drehte, ihre langen langen Haare um sie fliegend wie ein Kettenkarussell, der authentischste des ganzen Konzerts.

Ich glaube, Alanis spielt schon ganz gerne live, wenn nur nicht die ganzen Leute da wären, die ihr in die Seele gucken wollen, deswegen der monumentale Schutz-Rock und die Balladen-Handhabung.
Dafür hat sie es dann aber sehr schön gemacht. Thank U!

und über mir die Sterne

Was man in der Stadt immer komplett vergißt, wieviele Sterne an einen einzigen Nachthimmel so passen.

Gestern Nacht fast eine Stunde in den klaren glitzernden Himmel gestarrt, Millionen und Abermillionen von Sternen, sogar die Milchstraße war gut zu sehen, ich mit Zigarette, so als kleines rotglühendes Sternchen von unten am Gegenleuchten.

Für nächstes Mal vorgenommen, bis dahin die Sternbilder wieder gelernt zu haben, früher kannte ich die alle.

Notizen aus der Provinz

Himbeeren, Erdbeeren. Himbeeren, Erdbeeren, Erdbeeren. Himbeeren. Und in ein paar Tagen dann auch noch Johannisbeeren. Ich bin ein Beer.

Die Schwester hat sich komplett verändert, 1000% zu ihren Gunsten. Ein Wunder. Man müßte eine Marienkapelle errichten.

Gestern abend ein Gewitter, rundum, Blitze, Donner Sturm und Hagel, da war was los. Da könnt ihr mit euerm Türkenkorso nach Fußball komplett zuhause bleiben, im Vergleich.

Fliegen, Fliegen, Fliegen. Die muß ich jetzt alle selbst erlegen, hält mich ganz schön auf Trab. FlipFlops und Fliegenklatsche.

Der kleine Lucky ist jetzt 3

Na da hab ich mir was ins Haus geholt: Zwilling Aszendent Steinbock, Mond im Skorpion, Mars im Widder, Venus im Krebs und die Sonne im fünften Haus, so ist der, der kleine Luckystike-Blog.

Nicht einfach, der kleine Kerl, wenn man so in sein Horoskop schaut:

Du willst vor allem Du selbst sein und wirst Dich allem oder jedem widersetzen, das Dich zwingt, Dich an etwas anzupassen, das Du nicht akzeptieren kannst. Du bist ziemlich wettbewerbsorientiert und hast eine Menge Energie.

Wenn Dich jemand verletzt, kannst Du wirklich sehr böse werden, denn Du bist sehr stolz. Du hast ein ausgeprägtes Gespür für Ehrlichkeit und gehst sehr direkt mit anderen Menschen um.

Du hast einen schnellen und agilen Verstand und bist so neugierig, daß Du jede Frage möglichst schnell beantwortet haben willst. Wenn Du älter wirst, wird es sehr wichtig werden, Deine Konzentrationsfähigkeit zu vergrößern.

Du bist eine praktisch veranlagte Person, zurückhaltend und ehrgeizig. Du möchtest gern etwas Bedeutendes in dieser Welt erreichen, und Du bist gewillt, dafür auch zu arbeiten.

Wie Du die Dinge siehst, hängt sehr stark von Deinen Emotionen ab, wodurch Dein Denken vielleicht nicht sehr klar und objektiv ist. Eine Sache, die man Dir auf logische Weise präsentiert, läßt Dich unberührt, außer, sie spricht auch Deine Gefühle an.

Diese Mondstellung spricht auch dafür, daß Du an Landwirtschaft interessiert bist.

Du bist den Menschen, die Du liebst, gegenüber sehr gefällig. Du hast das Gefühl, daß Liebe eine Art Dienstleistung ist, und je mehr Du für jemanden tun kannst, um so besser fühlst Du Dich. Vielleicht hast Du es aber nicht so leicht damit, von anderen Gefälligkeiten anzunehmen. Nur wenn Du selbst davon überzeugt bist, daß Du liebenswert bist, kannst Du es akzeptieren, von anderen geliebt zu werden.

Hätte ich ihn vielleicht doch besser unter einem anderen Mond gezeugt?

Schwere Reise

So, ich bin dann mal weg. Eine schwere Reise, eine große Reise, nicht nur wegen der 750 Kilometer hin und zurück.
Aber wahrscheinlich eine gute Reise, zumindest eine wichtige Reise.

Sie wird nicht mehr in der Türe stehen, um mich zu begrüßen, immer ein wenig grauer, weicher, bleicher, kleiner, als ich sie in Erinnerung habe. Sie wird auch keine Kerze angezündet haben, damit ich gut ankomme, die sie dann versteckt, damit ich nicht wütend werde.
Dafür werden zwei oder drei andere dort stehen, und wissentlich vergeblich versuchen, die Lücke zu füllen. Sie werden mein Lieblingsessen gekocht haben, wofür sie tagelang in der Nachbarschaft herumgefragt haben, um zu wissen, wie das überhaupt geht.

Die Rückfahrt wird wohl ein kleiner Umzug sein. Das behalte ich, jenes brauch ich nicht mehr, dies hätte schon lange weggeschmissen gehört, das hab ich neu gefunden, daraus läßt sich noch was machen, und das hat noch nie wirklich funktioniert oder gut getan, das bleibt hier, das kommt mit. Vielleicht werden die zwei Leben dann ein, meins.

Macht euch schöne Tage! Ich werds auch tun!