Category Archives: auch scheisse

Faust, Ehre, Mittelfinger & Road Rage

Gestern wurde der Herr Lucky für einige Minuten von einem großen kräftigen Türken im Aufzug festgehalten und hat fast ordentlich auf die Fresse gekriegt.
Und das kam so:
Wie immer war die doppelte Einfahrt zum Firmenhof zugeparkt, diesmal extra bescheuert, von nur einem Lieferwagen, der besonders bekloppt da stand. Herr Lucky hatte eh schon eine fürchterliche Laune und hupte sich die Hupe wund, was aber nichts nutzte. Irgendwann gelang es ihm, um den Wagen herumzurangieren und mit gesundem Augenmaß fügte er noch einige Huperei hinzu. (Es ist nämlich wirklich nicht lustig, von einer dreispurigen Straße über rad- und Fußweg zu rangieren)
Jedenfalls, der Fahrersitz des Lieferwagens war leer, und vom Beifahrersitz fuchtelte jemand kaum erkenntliches wild umher. Was Herr Lucky mit einem deftig ausgestreckten Mittelfinger quittierte.

So weit, so gewöhnlich. Ungewöhnlich wurde es erst, als Herr Lucky in den Aufzug stieg, und ein Unbekannter, Türke, massig und anderthalb Köpfe größer, den Aufzug blockierte, und eine Entschuldigung für seine verletzte Ehre forderte. Nicht, daß ich das so schnell verstanden hätte, der Gute war unglaublich aufgeregt (ich dann auch ganz bald) und sprach mehr so “waszeigsdumirmittelfingeralter, binischkanakfürdischoderwas, du hassmeinÄrreveletz” und so weiter.
Also, so ging das ein paar Minuten, und Herr Lucky war ob der für ihn sinnlosen Eskalation auch keinesfalls zu einer Entschuldigung bereit, in den Aufzug eingekesselt wie er war. Zurückbrüllen nutze nichts, Hausverweis auch nicht, also rief ich die Polizei an, Nötigung, Bedrohung, Festhalten, ich weiß auch nicht mehr, was ich dem Notruf sagte. Jedenfalls beeindruckte das den Türken nicht, seine Ehre wollte er wiederhergestellt wissen, ganz dringend.
Irgendwann kam dann ein Nachbar, was die Situation irgendwie deeskalierte, und nach einiger Zeit konnten wir in den 4. Stock fahren, wo Herr Lucky schnell die Firmentür zuschloß.
Danach klingelte es noch eine Viertelstunde an der Tür, aber ob es mein neuer Freund war oder die Spätschicht, die nicht reinkam, kann ich jetzt nicht mehr auseinanderhalten. Und die Polizei bestellte ich dann auch wieder ab.

Im Nachhinein tut es mir allerdings dann schon leid, eien so unfeine Geste gewählt zu haben. Ich hatte ja überhaupt nicht gesehen, wer da im Auto saß (was aber auch letzlich egal war, es hätte ja für egal wen gemeint gewesen), aber der arme Mann dachte, daß ich ihn als Türken angreife. (Zudem sagte er irgendwann, daß er keinen Führerschein hat und er das Auto gar nicht hätte wegfahren können, er war also wirklich in einer beschissenen Situation)
Und der arme Mann tut mir auch sehr leid, daß er eine so fragile, verletzliche Ehre hat, die man mit einer so kurzen bündigen Geste so tief verletzen kann.

Rückrufaktion

Eigentlich gefällt es mir ganz gut, daß mein Mobiltelefon weg ist, one less bell to answer.
Andererseits sind, fürchte ich, alle gespeicherten Nummern wahrscheinlich auch weg, wenn Sie also so freundlich wären, mir Ihre Nummern nochmal per Mail zukommen zu lassen? Wär doll!

Merkelwürdig

Bin immer noch ganz verstört, was wollte denn die Kanzlerin die ganze Nacht von mir, daß sie dauernd überall in den Träumen auftauchte, was hatte sie in der ominösen Handtasche, warum schaute sie immer so nervös um sich und warum wollte sie unbedingt mit mir nackt schwimmen gehen, sie wisse da einen wunderschönen Ort?

G- und H-Schwäche

Herrschaften,
daß hier so selten etwas steht, liegt nur zum Teil an meinem superöden, lebensleeren Leben, der wahre Grund ist der, daß ich an einem der letzten Terrassenabende dieses Jahr das Laptop einfach so zugeklappt habe, als der Mitbewohner zu Besuch kam, und erst später merkte, daß da eine Zichte eingeklemmt war, die munter weiter schmurgelte. Immerhin hat sie zwar nicht den Bildschirm, dafür aber das G und das H zusammengeschmolzen, weswegen es überhaupt keinen Spaß mehr macht, irgendwas zu tippen.
Der Glam kann ein Lied singen, wenn er meine Chatmessages morgens enthieroglyphisieren muß.

Es wird Zeit, meine Steuer zu machen, damit ich mir ein neues leisten kann. (Jaja, ich krieg was zurück, stellensesichdasmavor!)

Valentine’s Day Massacre

Gestern frei gemacht und shoppen gewesen, gute Maßnahme. Bloß, ich weiß auch nicht, was mich dazu getrieben hat, ich glaube ich wollte einfach nur was kaufen – in diesem Fall “Valentine’s Day”, in den Staaten ein riesiger Erfolg, und hier off-season ein Straight-to-DVD-Release.

In “Valentine’s Day” spielen alle mit, Arsch und Eimer, außer eigenlich Cameron Diaz und Hugh Grant. Und was kommt dabei raus, wenn es soviele Ärsche und Eimer gibt? Richtig.

Merke: Wenn man alle Sorten Zucker und Süßstoff zusammenrührt, wird es nicht süßer, es wird einfach nur brechreizerregend. Nun gut, könnte man sagen, das ist der Sinn von Romatic Comedies, aber daß es auch anders und weniger billig und hirntötend geht, zeigen Filme wie Elisabethtown, oder Love, Actually, oder The Family Stone oder Playing by Heart. Mehr ist leider leider nicht mehr. 20 dünne Geschichten ergeben einfach nicht immer eine dicke.

Zu den Schauspielern kann ich leider wenig sagen, weil sich mindestens die Häfte aus diesen austauschbaren Gesichtern rekrutiert, zu denen Michael K bei Dlisted täglich hämisch Bikinifots präsentiert, und ich sie und ihre vorgeformten Gesichter und Geschichten nicht auseinanderhalten konnte.
Ashton Kutcher, bei dem der einzige Reiz seiner Schauspielkunst (?) bisher darin bestand, exakt an der Grenze zur Peinlichkeit und Lächerlichkeit herumzuchargieren, ist hier eindeutig einen Schritt weiter.
Kathy Bates ist schneller aus dem Film ein- und ausgeblendet, als man “Kathy Bates” sagen kann,und das einzig Bemerkenswerte, das man dazu sagen kann, daß sie sich die Mühe von Makeup oder Frisur gespart haben – ich glaube, sie kam vom Einkaufen mal kurz vorbei.
Taylor Lautner darf sagen, daß er nicht gerne sein T-Shirt auszieht, und es dann doch tun – immerhin.
Von jemand wie Shirley MacLaine sagt man ja gerne, daß sie “a fixture in the movies and especially Romantic Comedies” sei, und das stimmt auch, in dem Sinne, wie jede größere Einrichtung auch ein Behindertenklo haben muß. Ich bin sicher, daß man mittlerweile auch japanische Roboter soweit programmieren kann, daß sie die 6 1/2 Mimiken, die Shirley noch bietet, abilden können, dann könnte das alte Mädchen endlich zuhause bleiben. Ich meine, es gibt ja auch noch andere alte Schauspielerinnen, die aber noch Feuer haben, wie Betty White zum Beispiel. Shirley, ich mochte dich wirklich immer gerne, but you’ve outstayed your welcome for nearly 20 years.
Glammie, wenn du dich jetzt auf Julia Roberts freust, dann schau dir lieber ein Bild an oder zwei, Julia hat ca. 3 Minuten Spielzeit brutto, und sieht einfach nur leicht grünlich aus.
Ich bring dir das Machwerk nachher mit, und du kannst es auch gleich behalten, vielleicht kannst du es auf die Terrasse hängen, zum Krähen abschrecken. Zu irgendwas muß es doch gut sein.

Und Sie, kaufen Sie sich ne Flasche Assugrin oder sowas, und schlucken sie auf ex, da haben Sie genau so viel davon, nur billiger.

(Hach, macht das Spaß, so eine richtig schlecht gelaunte Rezension zu schreiben, insofern hat sich die Investition schon wieder gelohnt…)

Ha-ha, said the Clown

… aber wirklich lustig war es nicht, als ich heute morgen beim Hosenanziehen umgefallen bin, weil sich ein Bein im Hosenbein verhakte, ich eine ungeschickte Bewegung mit dem anderen machte, welche meinen Nerv aktivierte, mich laut vor Schmerz aufschreien ließ und ich dann einfach umfiel, nicht ohne mir noch ein wenig die Schulter zu zerren, als ich den Fall von xx Kilo abzufangen versuchte. Pfanni!

Aber für die Passanten war es sicher ein Schauspiel, mir gestern abend dabei zuzusehen, wie ich versuchte, aus meinem viel zu tiefen Auto rauszuklettern (ja Herr Timanfaya, sie haben recht!), mal mit Hintern zuerst, dann links oder rechts rum, und, als ich dann fast gänzlich draußen war, sich der Gürtel von Mantel hinterm Lenkrad verhakte, was nicht so einfach zu lösen ist, wenn man sich nicht drehen kann, ich hing da also eine Weile. Ha-ha!

Es gibt einfach viel zu wenig Slapstick mit Behinderten.

Jedenfalls geht heute insofern “besser” als daß ich nur ziemliche Schmerzen habe, im Gegensatz zu “man möchte einfach nur den ganzen Tag brüllen”, denn gestern war ich bei einem Physio, der anscheinend gut was drauf hat. Ich höre, er therapiert auch für Hertha und für die Musicaltheater, und da dachte ich, die brauchen ihre Leutchen auch schnell wieder flott, und Angst vor Abstieg habe ich momentan nicht, bin ja grad ganz unten.

Bin großer Hoffnung, daß ich heute nacht mal im Bett bleiben kann, statt alle 2 Stunden vom Bett aufs Sofa auf den Stuhl auf die Bank zu wechseln, um überall mal 10 Minuten zu dösen.

Vielen Dank für die Tipps und die Anteilnahme, wirdschonwiederwern!

Och nöööh!

Schon wieder Schnee, noch mehr Schnee…!
Kinners, es war wirklich schön und außergewöhnlich und romantisch und so, aber jetzt bekommt es einen Hauch Shirley MacLaine, man muß auch wissen, wann man aufhört.
Mir wäre jetzt mehr nach Schneeglöckchen, Kroketten, Primeln, Narzissen. Echt!

Bleeding Heart Days

Muß dann doch die Vorweihnachtszeit sein…
Während ich in meinem Leben hause wie eine Made in einem Kadaver (siehe unten), gibt es so viele Menschen, die mir nahe stehen und die ein echtes Problem haben…

F., meine beste Friseurin vor Ort und dazu noch alte Bekannte, geht gleich nach Neujahr ins Krankenhaus, zu ihrer 4. Mastektomie. Ich wußte gar nicht, daß sie überhaupt Brüste hat, so schlank und jungenhaft ist sie, aber Platz ist anscheinend in der kleinsten Hütte. Diesmal läßt sie sich alles ratzeputz entfernen, und später mit einer deutlich größeren Körbchengröße aufpolstern. Ihre Mutter ist vor einem halben Jahr an Krebs am anderen Ende gestorben, ganz schnell, noch jung, und das letzte, was sie momentan braucht, ist das. Das Probelm dazu: sie ist alleinerziehend mit 9jährigem Sohn, und verdient als Selbständige in den mindestens acht Wochen, die sie nicht arbeiten kann, keinen Pfennig. Wenn also jemand einen Job weiß, den man von zuhause machen kann, ohne sich allzuviel zu bewegen, her damit!

Die J. ist in der Klinik, Seele flicken, und ish würde sie zu gerne mal fest drücken. Was sie schreibt, hört sich befremdlich bis grausig an, aber immerhin zunehmend mit kleinen Lichtsprengseln drin.

Der D. muß ich noch beibringen, daß ich nicht Patenonkel ihres Kleinen werden will kann, eigentlich eine Anfrage, die eine Ehre ist und die man an sich nicht ablehnen darf. Sie wird verletzt sein.

Kollegin L., eine Prachtkumpelin, auch wenn ich sie nicht oft sehe, liegt seit 8 Wochen im Krankenhaus im Wedding, anfangs kleine Sportverletzung, dann Entzündung, usw usw. Sie leidet wie ein Tier, denn ihr Seelenheil hängt daran, daß sie jeden Tag eine Stunde laufen kann, und sich sonst viel bewegt. Sie ist eine der schicksten und schönsten und toughten Frauen, die ich kenne, aber einmal habe ich sie auf der Straße ungeschminkt und nicht zurechtgemacht gesehen, und sie sah aus wie der Geist von Miss Havisham. Da habe ich mich ein bißchen in sie verliebt.
Unnötig zu sagen, daß ich sie bisher weder angerufen noch besucht habe.

Die I. muß wieder ins Krankenhaus, nochmal der Fuß. Ich hoffe, daß ich diesmal nicht vergesse, sie zu besuchen.

Heute nacht habe ich geträumt, daß ich meiner Mutter geholfen habe, beim Pflanzen eines Brombeerstrauchs, sie telefonierte. Ein wunderschöner Fleck Garten, am Hang blühte dicker rosa Mohn und Gräser, und als ich das Pflanzloch aushub, krachte die Erddecke zusammen, zwei Särge wurden sichtbar. Einer war offen und beherbergte eine verkrümmte Leiche, feucht und bräunlich und grausig anzusehen. Vor Schreck wankte ich, der Boden brach mehr ein und ich fiel mit voller Wucht auf den anderen, ebenfalls gefüllten Sarg. Mit Schrei wurde ich wach. Wenigstens paßte der Traum zu den anderen letzte Nacht, mit verschiedenen Leuten war ich auf der Suche nach Herberge, einem Versteck, und immer, wenn wir in den verlassenen Bauten gemeint hatten, etwas zu finden, lagen dort verrottende Leichen.
Sehnse, schon wieder ich ich ich.