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Mittelalt im Frühling

Ungewöhnlich aktives Wochenende im Hause Lucky: Samstag erstmal spontan zum Holländer, Frühling kaufen, in blau, pink, gelb, himmelblau, orange und rot, honigduftend. Dann zum Ku’damm, den neuen Anzug abholen. Immerhin, er glänzt leicht, und immerhin, alles paßt rein, keine Gefahr, daß einem mitten auf der Premiere die Hose platzt (ein sehr ungutes Gefühl, das!), aber ach, mit den Maßen gabs keinen wirklich schick geschnittenen – und im neuen Hemd mit der Marke fühlt man sich ein wenig schröderesk. Hm, welcome middle age. Was solls. Noch ein paar Lebensmittel, dann endlich aufs Sofa. Welcome middle age.
Sonntags dann extra früher aufstehen, Wohnung saugen und Küche klar machen. Dann endlich raus auf die Terrasse, bevor die Sonne verschwindet. In Windeseile Primeln, Narzissen, Hornveilchen und Ranunkeln versenkt – es ist ein wenig wie Ostereier verstecken. Frühling angekommen, Winter adé!
Mit Weißwein in der Restsonne sitzen und darüber nachdenken, wie lange es wohl dauert, bis japanischer Fallout eben solches verbietet, aber erstmal muß man nicht nüchtern zum Abendtermin, Pflichttermin. Jetzt, wo das Gebiß fertig restauriert ist, besonders viel und besonders groß lächeln. Wirklich angenehm, der neue Anzug kneift nirgends, irgendwo eine Ahnung, wenn was gut aussehen soll, muß es auch kneifen. Egal. Egal wie die Vorstellung, Mondlicht, schau hinauf in das Mondlicht, ächz. Ich kann nicht verstehen, wie das so ein Erfolg sein kann, langweilig, wie es ist. Einziger Höhepunkt, als die Nebelmaschine es übertreibt und die ersten Zuschauerreihen verschluckt, wie einzelne Menschen verzweifelt und nach Luft schnappend vom Sitz aufspringen. Allerdings in den letzten Wochen wesentlich Schlimmeres gesehen, auch auf Bühnen.
Und auch schon beschissenere Wochenenden gehabt.

Premierentip

Wenn Sie mal auf einer Premiere mit anschließender Feier sind, und es gibt nur ein mobiles Buffett, also diese armen unterbezahlten Studenten mit Häppchentellern und Sektflaschen, dann hier ein Tip für Sie:

Stellen Sie sich zu einem dicken Mann. So einem wie mir.

Wenn es am Anfang auch nur schwer und kaum aussichtsreich ist, überhaupt ein Häppchen zu ergattern, weil diese Lichtenradener Hausfrauen sich äußerst erfolgreich Ausfallschritte und Einkesselungsmethoden von den Elstern in Ihren Reihenhausgärten abgeschaut haben, so erlahmen die dann doch ganz schnell. Und wenn dann noch Tonnen Essen da sind, kommen die Häppchen von ganz alleine zu Ihnen, für fünf Euro die Stunde haben die Buffethasen nämlich auch keine Lust, das Zeug allzuweit und mit unberechenbaren Abnahmechancen zu schleppen. Dasselbe gilt für die kleinen Mädchen mit den großen Sektflaschen.

Heidi hat recht

Sie hat wirklich lange gebraucht, um mir klar zu machen, daß mein Job als Chef ein anderer ist als der meiner Angestellten.
Lange hatte ich ein schlechtes Gewissen, immer erst mittags im Büro zu erscheinen, und meine Assistenten unter ihrer Belastung ächzen zu sehen. Dabei war das ja nur ein gutes Zeichen, daß ich meine Belastung reduziert und Aufgaben erfolgreich delegiert habe. Und wenn es den Assis zu viel würde, würde ich mich schon kümmern.
Trotzdem hat mich das schlechte Gefühl in meiner persönlichen Heilung jahrelang behindert.

Mein Job sei es schließlich, Arbeitgeber zu sein, und die Verantwortung zu tragen, im wörtlichen Sinn: Arbeit zu geben, Arbeitsplätze zu erhalten, das Schiff im Sturm um die Klippen zu segeln und neue Felder aufzutun, und das ließe sich nicht in einer 30-, 40- oder 60-Stunden-Woche ausdrücken.

Und recht hat sie, seit Monaten schlage ich mich mit Plan B und C herum, wenn die Zahlen weiter so schlecht bleiben sollten.
Andererseits, als ich am Donnerstag morgen zuhause die Mails öffnete, fand ich eine Anfrage nach einem Angebot für ein Projekt, das einen fast siebenstelligen Umsatz pro Jahr hat. Im Büro dann stand ich dreieinhalb Stunden am Telefon (bei wichtigen Telefonaten kann ich nicht sitzen), denn nachmittags kam die Anfrage nach einem Angebot für eine Position, für die ich schon seit über 10 Jahren Politik betreibe, hege, pflege und intrigiere. Letzteres wenig Geld, aber viel Ruhm, und ersteres wird wohl doch realistischerweise eher einer der Großkonzerne abgreifen.
Aber trotzdem, sowas muß man ja auch erstmal aushalten und bearbeiten. Auch wenn ich vormittags spontan Durchfall bekommen hab.

Kleine Strand-Schneekugel

Na gut, die Sonne zeigt sich am äußersten westlichen Zipfel der Bananenplantage, dann geh ich doch mal hoch, gleich erreicht sie auch die Terrasse.
Frau Koma hat schon den ersten Pott Kaffee aufgesetzt, ein verstrubbeltes “Guten Morgen”, und raus mit The Hunger Games in die noch wirklich frische Luft, erster Kaffee und natürlich erste Zichten.
Frau Koma kriegt immer schneller Hunger als ich und macht sich bald daran, Bacon zu braten, Spiegeleier, der Frühstückstisch wird gedeckt, Melone wird aufgeschnitten und es wird ausgiebig gefrühstückt, in der Sonne, die fast schon zu sehr wärmt. Das Meer ist von blaugrau auf tiefblau gewechselt, und immer wieder hört man die großen Wellen an die Steilküste bollern.
Nach dem Frühstück muß man sich erstmal ausruhen, also raus die Liegen und die Bücher und ein, zwei therapeutische Sekt. Für en Kreislauf versteht sich.
Sonnencreme braucht man fast keine, die Luft ist voller kleiner Salzwassertropfen, die man auch auf dem Lippen schmeckt.
Ab und an ins Internet geguckt, die Klickzahlen auf unseren Blogs überschlagen sich, was erwarten die wohl, wir schreiben doch gar nichts, haben die kein eigenes Leben?
Stunden später kommt eine gewisse Unruhe auf, obwohl, Unruhe ist dafür das falsche Wort. Wir sollten wirklich mal an den Strand. Also runter durch die Finca, zu dem schmalen Pfad, der unter Tamarisken oder neben freiem Fall zu dem kleinen Strand wo die großen Wellen eine wilde Gischt entfachen, wie sie aufeinanderknallen. Jede Welle scheint gewaltiger als die vorige, wie sie sich petrolfarben überschlagen, und dann in reinstem Türkis mit viel weißem Schaum auslaufen. Schwimmen kann man hier nicht, wäre auch eh zu viel Betätigung, aber man kann sich in den Schaum und die Gischt stellen und die Wellen mit sich spielen lassen.
Oder man setzt sich in den schwarzen Sand und beobachtet die anderen bei dem Spiel, schöne braune junge Körper oder auch viele alte greise, und wenn man Glück hat, kommt auch der ein oder andere Surfer mit Brett, um mit den Wellen zu spielen. Das kann man dann stundenlang betrachten, wie eine Lavalampe, der nächste Höhepunkt immer nur eine Sekunde entfernt. Abgesehen davon, daß so ein richtiger Neopremanzug jeden Körper gut formt, und wenn man Glück hat, sehen sie auch beim Ausziehen gut aus. (Frau Koma an einem Strand mit neoprenbekleideten Männenr müssen Sie sich in etwa so vorstellen wie ein hungriges Kätzchen vor der Auslage eines gut sortierten Metzgers.)
Irgendwann verschwindet die Sonne hinter der Steilwand, und es wird Zeit, sich um Abendessen zu kümmern, danach wird Dschungelcamp geschaut und wir wetteifern miteinander, wer die blödere Sarah geben kann, dann ist es schon wieder Zeit fürs Bettchen, denn morgen ist wieder so ein schwerer harter ereignisreicher Tag wie heute.

Nichts was wir tun können

außer uns auszuruhn.
(Wir sind Helden) (Wir auch)

Puh, das war knapp, um ein Haar Kittys Morgenmedikation verpaßt – ein Sekt allerhöchstens eine Stunde nach dem Frühstück, sonst weiß man nicht was passiert, wo ja außerdem noch Vollmond ist.

Außer der Landschaft, wenn es denn welche gibt, und dem Klima ist ja nichts reizvolles hier. Ok, es gibt Santa Cruz, die Hauptstadt hier, da könnte man hinfahren, aber Stadt haben wir ja ab morgen/übermorgen wieder im Übermaß.

Inselrundfahrt links- und rechtsrum, Berge, Täler, alles sehr eindrucksvoll, aber wenn man sich hier sagen wir 14 Tage von Restaurants ernähren müßte, würde ich spätestens nach acht Tagen in irgendeiner Restaurantküche Amok laufen. Es gibt alles, was eine Nachkriegsgeneration aus England und Deutschland als “feines Essen” bezeichnen würde, also Fleisch aller Sorten mit Pfeffersauce, oder Überbackenes mit Käse, oder alles wo man Shrimps oder Prawns auch noch drauflegen kann. 12 Standardgerichte auf allen allen Karten, plus ein “Original Kanarisches” Gericht, mit Fisch, Pellkartoffeln und zwei Soßen, wo es aber reicht, wenn man das einmal ißt, des Lokalkolorits zuliebe. Die gesamte Gastronomie sollte über eine der vielen Steilküsten entsorgt werden.

Also ist alles,was man wirklich braucht, ein okayes Appartment mit wirklich großer Terrasse zum Meer mitten in einer Finca, einen Supermarkt in der Nähe, und Frau Koma, die man mit Gewalt aus der Küche entfernen müßte. Nicht, daß ich nicht gerne kochen würde, aber noch lieber lasse ich mich bekochen, morgens und abends, wenn es sein muß.

Ich bin ziemlich sicher, daß Frau Koma in den nächsten Wochen auf gar keinen Fall Musik hören wird, zu der eine Frau singt oder kreischt, aber sie wird wohl gewußt haben, worauf sie sich eingelassen hat, und zur Not hat sie Medikamente.

Übrigens eine spannende Mischung, mit Frau Koma in Urlaub (alles wunderschön), und dann abends dazu Dschungelcamp gucken, und tagsüber und nachts The Hunger Games fertig lesen 😉
Wir halten uns nicht nur im Vergleich wirklich gut, und ich glaube ich bin sowas wie ihr Baldrian.

Easy does it

Frau Koma ist einfach – man gibt ihr nach dem Frühstück ein Glas Sekt und schon wirft sie sich auf die Sonnenliege wie Rainer L. für eine Dschungelprüfung. Keiner kommt zu Schaden.

Lucky’s Eleven

Heute nachmittag fast erfroren, und das in meiner eigenen Wohnung – und dabei ist es sowieso hoffnungslos zu glauben, man bekäme eine ausgewiesene Raucherwohnung einigermaßen rauchgestanksfrei für den Besuch einer gestandenen 2jährigen jungen Dame.
Der Dame wars dann aber auch einigermaßen egal, und wir samt Anhang hatten einen schönen Nachmittag – es gibt doch fast nichts Schöneres als (kleine) Kinder.

Der Silvesterabend ebenfalls gelungen, ein Experiment, das erste Mal gewollt allein.
Und schön nach 12 die Rocky Horror Picture Show geschaut und alle, ja alle Rollen mitgesungen – was braucht man Böller, um böse Geister zu vertreiben?

In diesem Sinne, liebe Herrschaften, ein wunder-volles neues Jahr Ihnen allen da draußen – Don’t dream it, be it!
(und ich bleibe, mit Verlaub, bis Montag mittag noch hier drin)