Das nächste mal, wenn einer meiner Assis meckert, wenn ich ihm oder ihr ein extra fieses Projekt auf den Tisch legen, sage ich:
“Moment mal, ich in hier der Arbeitgeber, und du, du bist der Arbeitnehmer. Ich geben, du nehmen.
Noch Fragen?”
(nein, nicht noch ein Beitrag über Charlotte Roch, ich habe der Diskussion nichts hinzuzufügen)
Gestern hab ich mich aus Gründen mit einem Blog eingehend beschäftigt. Gründen, die der Herr Glam zu gegebener Zeit sicher lüften wird.
Jedenfalls, ich habe mich durch den Blog gearbeitet und war höchst enthralled, auch wenn ich nur bis zum September 2007 gekommen bin: Witzig, poignant, auf den Punkt, kurze klare Sätze oder lange Klagen. Mit Person (oder Persona?). Mit Haltung und Meinung, aber komplett trivial.
Und auch und manchmal vor allem: Geniale Kommentatoren, die dem Ganzen etwas dazugeben, und oft den Artikel erst in Schwung bringen. Wie hier z.B. Mr. Glamourdick:
“lumbago hört sich ganz gemein an. wie etwas, was man am ballermann alten frauen als cocktail andrehen würde.”
So solls wohl sein, das Bloggen. Ich hab mich amüsiert wie Bolle jüngst zu Pfingsten.
Welcher Blog das war? Jetzt ist die Stelle, wo’s peinlich wird: es war dieser.
(Stöckchen von überall, hauptsächlich zur Befriedigung meiner eigenen statistischen Neugier)
Starte Dein iTunes, was sagt die Statistik:
2495Titel, 9,9 GB, 6:14 Tage
Kürzester und längster Track (ohne “Intros”):
“I am not going to apologize for havong a healthy sex life!” Edie aus Desperate Housewives 00:04
Fruitopia (die gesammelten Werbespots dafür von Kate Bush 22:16
Erster und letzter Track (Titelname):
9:00-10:00 – Cora Frost
Pi (also das griechische Zeichen) – Kate Bush
Erster und letzter Interpret:
Aaliyah bis Zweiraumwohnung (nicht repräsentativ)
Erstes und letztes Album (Titel):
Abendstern (Ingrid caven) bis 80er Kult (oops)
Die fünf meistgespielten Tracks:
1. Son of a Preacher Man – Dusty Springfield (Warum auch immer)
2. Beautiful Child – Blow Monkeys (ein Mensch braucht Trost)
3. Just like Heaven – Katie Melua (dito)
4. Filthy/Gorgeous – Scissor Ssters (ein Mensch braucht Inspiration)
5. American Bar – Ingrid Caven (ein Mensch braucht schöne Worte)
Fünf Songs im Partyshuffle (Party-Jukebox):
Habsch nich.
Suche nach folgenden Begriffen – wieviele Songs tauchen als Ergebnis auf?
Sex: 16 (von Essex bis Komplex mit dem Sex)
Death: nur 2x, bin erstaunt
Love: 159 (unproportional zum wahren Leben)
You: 217 (dagegen 614x Me, jaja, das Singleleben)
Home: 20x (auch unproportional zum wahren Leben)
Boy: 78
Girl: 49 (ok, verhältnismäßig)
Black: 10
Red: 54
Gold: 28
Zuerst / Zuletzt hinzugefügt:
Am 3.7.06 hab ich das Ding wohl angelegt, zugefügt wurden wohl als erstes die Bacharach-Sachen von Dionne Warwick und die schlimmsten deutschen Coverversionen.
Zuletzt hinzugefügt:
Interlude – Timi Yuro (weil Morrissey und Souxsie ein ziemlich unwahrscheinliches und peinliches Duett geliefert haben und ich das Original hören wollte)
HAPPY BIRTHDAY, BETTE!
Meine Lieblingsschauspielerin wäre genau heute 100 Jahre alt geworden!
Von der groß-, eigentlich glubschäugigen Debütantin bis zur fast hexenhaften Alterserscheinung war es ein langer harter Ritt. She did it the hard way steht auf ihrem Grabstein.
Und das stimmt. Und das ist es, was sie besonders macht: Da es keine passende Schublade für sie im Hollywood-Olymp gab, schuf sie sich ihre eigene.
Ohne Rücksicht auf Schönheit, Gepflogenheiten, Befindlichkeiten oder gängige passende oder angepaßte Frauenbilder ihrer Zeit schuf sie: Bette Davis.
Die Augen! Schauen Sie sich die Szene in All about Eve an, in der sie erfährt, daß Eve ihre Zweitbesetzung geworden ist. Schauen sie sich im Einzelbildmodus an, wie sie ihre Augen aufreißt und schreit: “Mouse! Never Mouse! If anything: Rat!” Das stellt alle CG-Schlachten von Herr der Ringe in den Schatten.
Das Rauchen! Einfach zu parodieren, viel karikiert. Aber sie ist das Original. Schauen sie sich genau an, wie Bette sich eine Zigarette anzündet, wie sie schaut. Mit Paul Henreid in Now Voyager, die Frühstückszigarette in All about Eve, die Krückenzigarette in Wicked Stepmother.
Arm anwinkeln, und die Zigarette in kreisenden Bewegungen zum Mund führen. Inhalieren, als ob es kein morgen gibt. In einem heftigen Stoß ausatmen.
Die Körperlichkeit: kein Sexsymbol, kein Starlet, kein Bikinimodel. Der Körper eine Waffe, ein gefangenes Raubtier. In den frühen, rückenfreien Filmen: der Körper eine Horizontale, immer bereit wie eine Schlange hervorzuschnellen.
In The Star, in All about Eve, in Whatever happened to Baby Jane: eine Waffe. Niemand würde sich jemals trauen, Bette Davis die Handtasche zu klauen.
When she’s mad, she’s all over the place. Nobodys better than Bette when she’s bad, ein Filmslogan.
Die Stimme: Der Legende nach war ihre Stimme zu hoch und zu dünn für ihren Beruf, also fing sie zu rauchen an und trank Whiskey. Das glaube ich zwar nicht, aber es gefällt mir. Ich mag meine verrauchte Stimme.
Gut, das mit dem Singen ist nur etwas für Hardcore-Bette-Fans. Aber dann kann es sehr anrührend sein.
Nachdem sie in den 30ern und 40ern eine der erfolgeichsten und ikonischsten Leading Ladys war, traf sie das Middle Age sehr heftig, persönlich und auch karrieretechnisch.
Man schrieb zu Dead Ringer: Bette Davis looks like a gunnysack of galoshes (wie ein Sack voll Gummistiefel).
Hat man jemals so etwas über John Wayne geschrieben, nur weil er älter und dicker wurde? Hätte man jemals?
Im Alter eröffnete sie nicht nur für sich selbst, sondern für alle alternden Schauspielerinnen ein neues Genre: Horrorqueen. Whatever happened to Baby Jane ist einer der Pioniere des Genres, gefolgt von Hush Hush Sweet Charlotte.
Einer Kultur, die für alternde Frauen nur die Rolle der Mutter oder Großmutter bietet, hielt Bette Davis das groteske Spiegelbild entgegen, das für Frauen übrig blieb, wenn sie sich dem nicht beugen wollten, eine eigene Persönlichkeit und eigene Vorstellungen haben, Verletzungen und enttäuschte Sehnsüchte und Träume nicht hinterm Herd verstecken wollen: das Monster, die Irre, die Mörderin, die Hexe.
Das erzählt mehr über die Gesellschaft der 60er und 70er als über Bette. Aber sie ist die Ikone dessen geworden und war sich dafür nicht zu schade.
Zum Weinen ihr letzter Film, Wicked Stepmother, aus dem sie mitten in den Dreharbeiten ausstieg, weil es so ein Schrott war. Der Film wurde dennoch fertiggestellt, die wenigen Szenen von Bette eingebaut. Nach einem Schlaganfall noch weitgehend bewegungsunfähig, mit grausiger roter Perücke, abgemagert bis auf die Knochen, läßt sie immer noch knarzend ihre Oneliner los, während sie sich mit der einen Hand an Möbeln und mit der anderen an einer Zigarette festhält.
Das ist traurig, das ist unwürdig. Aber, wenn Bette trotz ihres Zustands drehen will, dann tat sie es. Es hat sie noch nie sehr gekümmert, was die Menschen von ihr sehen wollten. Sie hat immer ihren eigenen Begriff von Würde verfolgt.
Als Margo Channing in All about Eve:
“Margo Channing was not a bitch. She was an actress who was getting older and was not too happy about it. And why should she? Anyone who says that life begins at forty is full of it. As people get older their bodies begin to decay. They get sick. They forget things. What’s good about that?”
Bette Davis, we love you!
Because you’re bitter, because it’s your heart, because you’re wild because you’re (head)strong – we love you.
Eine wunderschöne Würdigung findet sich auch hier bei Sunset Gun
Warum machen Sie sich nicht einfach einen schönen Sonntagabend bei Youtube mit Miss Bette Davis!?
Es gibt Menschen,
die kann man nicht ausstehen,
schon wie sie aussehen:
Sie liegen uns nicht!
Es gibt Menschen,
die kann man nicht ausstehen,
schon wenn sie reinkommen,
möchte man rausgehen (…)
Ein großes Hallo an den unbekannten Texter von Milvas “Ein kurzer Blick”!
Leider ist der Rest vom Song sehr versöhnlich. Man sollte ein neues Lied ohne falschen Friedensschluß mit dem Refrain schreiben. Oder T-Shirts bedrucken.
Edit: Ich habe einen neuen Titel dafür gefunden:
“Du erinnerst mich an Hiebe” von Dich & Mich
Menschlich war er ja grottenhaft unsäglich, das ging gar nicht.
Aber in einem Punkt vermisse ich ihn auch nach all den Jahren noch:
Keiner konnte sich wie er beim Sex vergessen, der pure Trieb, das nackte Begehren, der reine Genuß, besinnungslos, schmutzig und komplett erdenfern.
Und mich dabei mitreißen.
… die gut abgehangene Endfünfzigerin mit der großen, wenn auch etwas kaputten blonden Frisur im TXL-Bus, wie da aus ihrer Handtasche sehr laut und glockenklar Opening und Refrain von “The Final Countdown” vom Handy erklang. Das war eine große Freude für den ganzen Bus, und es hieß mich herzlich wieder in Berlin willkommen.
Besser als sich von Taxifahrern anschnauzen lassen.
Achso, und auf der Hinfahrt weigerte sich der TXL-Busfahrer, mein (vorsichtshalber sorgsam abgezähltes) Fahrgeld anzunehmen und zwang mich damit also, schwarz zu fahren.
Es ist gar nicht so, daß mein Leben grad total langweilig ist. Es sind sogar ganz spannende oder interessante Zeiten hier bei mir in meiner Haut.
Es ist aber gar nichts dabei, was hier interessieren würde, oder wo ich Lust hätte, es für hier so aufzubereiten, daß es interessant wäre.
Keine obskuren oder skurillen Details, keine Fundstücke, einfach nur gradeaus.
Nicht mal für Hundemarkierungskommentare in den befreundeten Blogs reicht es grade.
Wird aber sicher nicht so bleiben.
Sei langweilig.
Sei lustlos.
Sei Berlin.
Doll.