Guter Tag

Donnerstag war ein großartiger Tag – das Schlimmste das für mich für mich extem frühe Aufstehen – da war ich aber selbst schuld dran, und die oberen Herrschaften von S*P hatten es deutlich schwerer getroffen, mußten sie doch wegen der Anreise noch sehr viel früher aufstehen, denn der Termin mußte in die Früh vorverlegt werden, weil Herr Strike einen unglaublich wichtigen, unaufschiebbaren Termin mitten am Vormittag hatte.

Die Sitzung dann ein Triumph, ein Fanal – Monate schlimmsten Stresses und Überforderung, weil man bei Updates und Umstellung eines der Produkte sehr sehr alleine gelassen wurde, sowohl vom Anbieter wie auch vom Auftraggeber. Passend zum sonstigen Gehabe das Aufgebot von S*P, deren Geschäftsmodell im Wesentlichen daraus besteht, kleinere tüchtige Anbieter aufzukaufen, das Produkt dann so zu beschneiden, daß es auf die Stange paßt, und natürlich beschäftigt man die aufgekauften Chefs noch 3-5 Jahre weiter, damit die Kunden nicht gleich weg laufen. Dementsprechend das Aufgebot: der ehemalige Chef als entmachteter Winkeonkel, eine verängstigte Support-Maus und obendrauf einen Marketingchef, der sich bei der Selbstvorstellung schon mal gleich in die vollsten Nesseln setzt, indem er von den verschiedenen “Industrien” des Konzerns spricht, und das vor einem Kulturanbieter aus der ersten Reihe. Selbstverständlich hat er keinerlei Ahnung vom (äußerst desolaten) Stand des Projekts, hofft aber weitere Produkte an den Mann/Frau bringen zu können.

Was folgt, ein Clash der Kulturen, Konzernsprech und Realitätsverlust gegen die sehr konkreten Probleme und Anforderungen eines Kunden, mit viel Gusto darf ich die manngifaltigen Probleme und Unglaublichkeiten ausbreiten und bekomme vom Auftraggeber zum ersten Mal in einer Mischung aus Fassungs- und Schonungslosigkeit den Rücken gestärkt – ein Triumph, persönlich, und eine gewisse Genugtuung nach wirklich schlimmen Monaten.

Leider leider muß der Herr Strike nun vorschnell weiter auf seinen wichtigen unumstößlichen Termin, überläßt die Runde dem Trümmer sortieren und fährt genüßlich zum – Badminton.
Ein großartiger Tag.

Abends dann ein herzensrührender Termin der anderen Sorte:  Die Therapeutin der Herzen hat großartigerweise binnen zwei Tage einen Termin finden können, um den Lucky wieder in den Kreis ihrer Betreuten aufnehmen zu können, der sie angerufen hat, nachdem er über 2 Stunden an seinem Schreibtisch gesessen hat, regungslos und beide Hände flach auf der Tischplatte, während in ihm ein unbezwingbarer Sturm tobte. Es kündigt sich seit Wochen, Monaten an, history repeating, 2014 recalling 2006, Burnout, Depressionen, prinzipiell: arbeitsunfähig. Und: lebensunfähig.

Mir stehen die Tränen in den Augen, als ich die Stimme wieder höre, sie wieder sehe, die mir auch nach Abschluß der Therapie als Heidi in Kopf und Herzen immer wieder sehr geholfen hat, und auch sie verdrückt ein Tränchen: “Herr Lucky, ich weiß das hört sich jetzt ganz schlimm und falsch an, aber ich habe mich so gefreut, als ich Ihre Stimme auf dem Anrufbeantworter gehört habe, und daß ich sie heute sehe, obwohl ich natürlich auch sehr traurig bin, daß es Ihnen dann wohl nicht gut geht – Sehen Sie mal, da steht noch Ihre Orchidee, die blüht immer wieder, und das da (sie zeigt auf einen verwaisten Pott, in dem ich ihr einmal eine Amaryllis, glaube ich, geschenkt habe) ist auch noch da. Setzen Sie sich . was ist denn passiert?”

3 Gedanken zu „Guter Tag

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