Hischmann gelesen, geweint

Die leichte frische Brise weht den Duft der Hyazinthen, Narzissen und des Goldllacks umher, so daß einem fast schwindlig wird, so wie den Heerscharen von Bienen und Hummeln, die so aufgekratzt umherschwirren wie auch schon letzten Dienstag, daß der arme Rastajungen als erklärtes Stadtkind mit einem “give-me-concrete-and-glass-anytime” sich die Kapuze seines Shirts über den Kopf zog, aus Angst, Tierwelt mit nach Hause zu nehmen. Einen Moment dachte ich, die Geste gälte mir, aber das stellte sich ja später als unbegründet heraus.

Die letzten kostbaren Seiten von “Am Ende schmeißen wir mit Gold” von Fabian Hischmann gelesen, und glücklich. Immer wieder Tränen zerdrückt, weil er einen versteht anzufassen in einem knappen Nebensatz, und auch weil es endlich (wieder) solche Bücher in Deutschland gibt. Noch dazu wunderschön aufgemachte Bucher, Schmeichler schon von der Optik und Haptik her, weit entfernt von der Schulbuchhaftigkeit der üblichen DTVs und Suhrkamps, seriös zu wirken versucht und dabei doch nur Freudloses schaffend.

Hischmann, es fällt einem unbedingt Herrndorfs Tschick ein, und doch ist es ganz anders. Ein spätpubertärer Endzwanziger kehrt ins Elternhaus zurück, um eben jenes und seinen alten Hund für den Sommer zu hüten, und wird mit den noch nicht spätpubertären Dramen, Träumen und Traumen konfrontiert. Aus den anfangs geplanten 2 Wochen wird aus Gründen eine längere Phase, und Hischmann changiert zwischen seinen alten Freunden, die versuchen eine Utopie zu leben, einer Episode in Griechenland und einer in New York.  Von Sommer bis Weihnachten im Kosmos eines, der sich schon lange nicht mehr festgelegt hat, keinen Ort hat.

Die Sprache ist dabei das schönste Element, im prosaischen Ton und faktischen Blick des Langpubertierenden (kennen wir das nicht alle?) wird in kurzen Skizzen geschildert, nur damit dabei in einem Halbsatz, einen nachgeworfenen Wort das wahre Trauma, der Kern, das wahre Thema aufblitzen kann.

Ein köstliches Buch, welches ich Sie hiermit verpflichten möchte, zu kaufen und zu zelebrieren. Teilen Sie es sich gut ein, es liest sich viel zu schnell. Und wie bei Ihren jüngeren Verwandten passiert es dann, daß man die wahre Geschichte überhört in dem lakonisch Erzählten.

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