Archiv für den Monat: März 2013

Kroketten im Herz

Wie die armen Leute verwirrt und unsicher durch die Straßen taumeln, die grelle Sonne die wintergrauen Gesichter und die Falten des Harrens und Überstehens erbarmungslos ausleuchtet, die dicken grauschwarzen Schals und Mäntel müffeln noch nach Winterstube, und darunter schwitzen sie unter der ungewohnten Kraft der Sonne.
Aber im Blick eine fast irre Freude und Hoffnung – wir haben es mal wieder grade so überlebt, Herrschaften!

Und das Pärchen im Aufzug, knutschend, als sich die Tür öffnet, nicht mehr ganz mittelalter Mann plus nicht ganz hübsche jüngere Frau, einerseits verlegen, andererseits ganz stolz darauf, erwischt worden zu sein, so auf eine Je-ne-regrette-rien-Art, kuck mal, was wir hier haben.
Ich lache mitwisserisch, und sie freuen sich.

Abenteuer

Es beunruhigt mich zutiefst, und doch ist es an sich ja gar nichts Ungewöhnliches, nur eben für mich, der ich so lange in meinen eigenen Kokon eingewickelt war.
Zum ersten Mal seit Jahren habe ich mich aus der Deckung gewagt, laid my heart (and ass) on the line (sorry, es fällt mir auf Deutsch nicht besser ein), verliebt bin ich nicht (oder nur ein kleines bißchen), aber angefaßt, ein bißchen verzaubert, ein bißchen verkatert und verwirrt. Bewitched, bothered and bewildered?
Die Geschichte ist eine lange und recht interessante, vielleicht erzähle ich sie auch einmal hier, aber sie wird bestimmt nicht mehr lange dauern, denke ich.
Ein Abenteuer eben, hoffentlich das erste von weiteren, erzähle ich mir zur Beruhigung, was soll schon Schlimmes passieren? Also schlimmer, als die letzten jahre waren?

Herz am rechten Fleck

Lichtenrade und Lichterfelde, zwei angegraute Berliner Jungs im besten Alter zwischen 50 und 60, unter der Dusche des Sportvereins am Columbiadamm.
Lichtenrade: “Na, ich weeß nich, so viele komische Leute hier in letzter Zeit, neulich hat mir eener beim Duschen die janze Zeit uffn Schwanz und Arsch gekiekt, det passt mir jarnich, sowatt!”
Lichterfelde: “Ach watt, det machtoch nüscht, haste doch hinterher nix weniger – is doch schön, wenn eener ma kiekt!”