Bilder einer Einstellung

Bei Diane Arbus gewesen, also ihrer Ausstellung, und geweint und gefühlt. Geweint vor so viel Schönheit, Liebe im Blick, Erkennen und Anerkennen und gleichzeitigem Erhöhen und Sein-Lassen des anderen/Anderen.
Mein Lieblingsbild und das, und das, und das und ganz beonders das!

Diane Arbus über ihre Fotografien: “They are proof that someting was there and no longer is. Like a stain. And the stillness of them is boggling.
You can turn away but when you come back they’ll still be there looking at you.”

Und der Blick ruft sofort ein Gefühl hervor, längst verschüttet, erinnerte mich an jemanden und seinen Blick: Jürgen Baldiga, meinen Ex von vor vielen Jahren, selbsterklärter Jünger von Diane Arbus, Engelmacher, nun schon seit 19 Jahren tot, und an die Zeit. Seinen Blick, sein Staunen, seine Neugier, seinen Trieb, wie er Menschen erkannte und inszenierte und mit seiner Leidenschaft paarte, zu Ikonen.

Wie ich versuchte Bomec, mit dem ich die Ausstellung besuchte, die Welt von vor 20 Jahren zu schildern, zu erklären, nahezubringen, und scheitern mußte, was nicht an meinem Zuhörer lag, gierig und wißbegierig und innen und außen intelligent, wie er ist, sondern an der Unmöglichkeit, ein Universum zu beschwören, das nur kurz aufflackerte und längst verschollen ist, deutlich größer als ich und dann doch nur begrenzt. Romantik, Episode Berlin 1986-1993.
Eine Wolke über uns, weil er gerne begriffen und gekannt hätte, was nicht mehr möglich ist, Melancholie über Nicht-Gekanntes und bei mir über Längst-Vergessenes.
Und doch, sehr emotionalen Abend verbracht mit den Bildbänden von Baldiga und Arbus, und sehr sehr glücklich gewesen, daß ich doch nicht vergessen hatte, was ich längst schon vergessen geglaubt.
Gehen Sie hin, so viel Schönheit und schönes Empfinden kriegen Sie for 10 Euro, ach, für 1000 Euro so schnell nicht wieder!

6 Gedanken zu „Bilder einer Einstellung

  1. k-note (Gast)

    Es ist immer wieder ein merkwürdiges Gefühl von Menschen die man kannte und die leider nicht mehr leben zu lesen.
    Jürgen hat mich damals zum Ende der 80er Jahre wieder zum fotografieren animiert und inspiriert. Ich hab nach Jahren mal wieder im Netz nach ihm gesucht und bin über viele Seiten und wunderschöne Fotos, von und über ihn, gestolpert.
    Danke für diesen Anstoß mal wieder an ihn und all den vielen Menschen die an AIDS gestorben sind zu denken.
    PS: … eigentlich müssten wir uns ja kennen. ;-)

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  2. raketenprinz

    oh my… diese Zeit. Und Jürgen, die Melittas, das SchwuZ in der Hasenheide. Auch die Zeit, als ich Herrn Dick kennenlernen durfte… Puh. Da ist doch gerade ein Sentamentalitätserinnerungswölkchen vorbei gezogen.

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