Archiv für den Monat: März 2011

Selbstverständlich!?

Vielleicht ist mein Hauptproblem, daß ich nichts als selbstverständlich nehmen kann – schau ich mir meine heißgeliebte Wohnung an, denke ich an Mieterhöhung oder Jobverlust. Kneife ich mal bei einer Freundeseinladung, habe ich gleich Angst, nicht mehr gemocht zu werden. Denke ich an die Familie, befürchte ich, mich nicht genug zu kümmern.
Das Ding mit dem Großauftrag hat einen gewissen Knopf gedrückt, mich irgendwie in den Zustand eines Sechsjährigen gebracht, kein schöner Zustand für einen Tag mit gleich 3 echt wichtigen Terminen, ein kleines zitterndes Elendspaket am Vormittag. 20 Minuten allein habe ich den Gürtel gesucht, den ich schon längst an hatte.
Ich hatte total vergessen, daß das solche Zustände von außen keiner sehen kann, und die Leute an sich einem und auch mir schon eine gewisse Statur und Respekt zubilligen und daß man sich erstmal eh auf Augenhöhe trifft.
Wurde dann alles soweit gut gemeistert, aber schön war das nicht, so nackt im Wind in die Schlacht zu ziehen.
Nur so als Memento hier für mich für nächstes Mal.

Böses Foul

Und wenn man dann die Konkurrenz um 25% unterboten hat, wohl wissend, daß das dann immer noch eine Lizenz zum Geld drucken ist, und dann eine Antwort bekommt á la: Halloooo, wie ist dir denn? Du weißt doch selber, daß du dafür nur eine Vollzeitkraft brauchst (ja, stimmt), dann erzeugt das eine intensive Mixtur von Scham (kalt erwischt!) und blanker Wut – die einen kommen damit durch, und mich versuchen sie zu drücken.
Mal genau überlegen, wie ich aus dieser Nummer rauskomme, Gesicht wahren und nicht klein beigeben, hmh.

Heidi hat recht

Sie hat wirklich lange gebraucht, um mir klar zu machen, daß mein Job als Chef ein anderer ist als der meiner Angestellten.
Lange hatte ich ein schlechtes Gewissen, immer erst mittags im Büro zu erscheinen, und meine Assistenten unter ihrer Belastung ächzen zu sehen. Dabei war das ja nur ein gutes Zeichen, daß ich meine Belastung reduziert und Aufgaben erfolgreich delegiert habe. Und wenn es den Assis zu viel würde, würde ich mich schon kümmern.
Trotzdem hat mich das schlechte Gefühl in meiner persönlichen Heilung jahrelang behindert.

Mein Job sei es schließlich, Arbeitgeber zu sein, und die Verantwortung zu tragen, im wörtlichen Sinn: Arbeit zu geben, Arbeitsplätze zu erhalten, das Schiff im Sturm um die Klippen zu segeln und neue Felder aufzutun, und das ließe sich nicht in einer 30-, 40- oder 60-Stunden-Woche ausdrücken.

Und recht hat sie, seit Monaten schlage ich mich mit Plan B und C herum, wenn die Zahlen weiter so schlecht bleiben sollten.
Andererseits, als ich am Donnerstag morgen zuhause die Mails öffnete, fand ich eine Anfrage nach einem Angebot für ein Projekt, das einen fast siebenstelligen Umsatz pro Jahr hat. Im Büro dann stand ich dreieinhalb Stunden am Telefon (bei wichtigen Telefonaten kann ich nicht sitzen), denn nachmittags kam die Anfrage nach einem Angebot für eine Position, für die ich schon seit über 10 Jahren Politik betreibe, hege, pflege und intrigiere. Letzteres wenig Geld, aber viel Ruhm, und ersteres wird wohl doch realistischerweise eher einer der Großkonzerne abgreifen.
Aber trotzdem, sowas muß man ja auch erstmal aushalten und bearbeiten. Auch wenn ich vormittags spontan Durchfall bekommen hab.

Was Festes

“Wir haben so gut wie keine gemeinsamen Interessen, keine gemeinsamen Freunde, wir unternehmen niemals etwas zusammen, ich hasse deinen Freund und kenne deinen Lover auch nach 4 Jahren kaum, aber wir haben viel aneinander.
Wir leben seit 20 Jahren zusammen – wir müssen nicht mal Freunde sein, wir sind eben – Brüder.”
Als Liebeserklärung an den Mitbewohner hört sich das auf den ersten Blick etwas zweifelhaft an, dabei ist es eher wunderbar.

Abgesehen davon

ist heute aber ein ausgesprochen Gutter Tag…
YEAH!
(Davon abgesehen ist da einer abgetreten mit der Begründung, der öffentliche Druck auf ihn sei zu groß, als daß er seiner Aufgabe nachgehen könnte. Also die Presse ist schuld daran, und das hat er nicht durch seinen gefakten Doktor und Lebenslauf und den Umgang damit selbst zu verantworten. Tsktsktsk.)

Röchel

Fast wäre ich dran gewesen. Anderthalb Stunden habe ich gekämpft, schwitzend wie ein Schwein, mit zitternden Fingern und nassen Handflächen. Schon in den letzten Tagen mehrten sich die Warnzeichen, und heute morgen war es dann soweit.
Frau Koma hat gestern noch über die digitale Kluft philosophiert, und heute wäre es mir fast passiert: ein Leben Morgen ohne Internet. Blinde blanke Panik! Kraiiisch!
Irgendwo zwischen Router oder Modem oder wie sowas heißt immer wieder neu starten, und der unsäglichen Windows-7-Hilfe, die immer irgendwas rumrödelt und einem dann irgendwann sagt, daß das Problem nicht behoben werden konnte. Als Ultima Ratio kann man dann noch auf “Weitere Lösungsmöglichkeiten” klicken, und da steht dann tatsächlich “Einen Freund fragen.” Ehrlich. Alternativ könnte man noch die Online-Hilfe aufsuchen, wenn nicht – aaargh!

Letzten Endes war es dann auch ein weniger technisches Problem: In einem der vielen dunklen verwahrlosten Ecken des Lucky’schen Haushalts, da wo auch das ukrainische Putzinferno strengestes Reinemachverbot hat, winden sich Kabel, Käbelchen, Leitungen wie die sprichwörtliche Schlangengrube, in einem zarten, fragilen Arrangement.
Und irgendwo dort strecken sich zwei spirrelige, viel zu kurze Drähtchen aus der Wand, die lose in einer ehemaligen Unterputz-Telefondose gehören und sich dort auch nicht richtig dauerhaft befestigen lassen. Und ja, ich habe an Sekundenkleber gedacht.
Nach anderthalb Stunden jedenfalls hatte ich die Dingse anscheinend richtig wieder reingefrickelt, und ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, mal Geld auszugeben für so ein richtiges Hightech-Endgerät wie eine ordentliche Telefondose.