Japanische Zurückhaltung

Ein Freund war einmal auf Konzertreise in Japan, und besuchte dort auch einen etwas abgelegenen Tempel, den man mit dem Bus erreichte.
Am späten Nachmittag, als alles besichtigt war, wollte die kleine Gruppe mit dem Bus wieder zurück in die Stadt, also erkundigte man sich im Touristenbüro, wann denn der nächste ginge.
Freundliches Lächeln, eifriges Blättern in den Kursbuchern, nur leider keine Antworten. Auf wiederholtes Nachfragen weiterhin freundliches Lächeln, und eifriges Blättern, nach 20 Minuten wurden auch noch einige Kollegen hinzugezogen, die ebenfalls ergeben lächelten und eifrig mitblätterten.
So ging das eine Ewigkeit, bis der Reisegruppe von selber auf die Idee mußte, daß wohl an den Tag kein Bus mehr ginge, und daß sie selber schauen müssen, wie sie wieder in die Stadt kommen.
Anscheinend war es denn Touristenberatern nicht möglich, das mitzuteilen, weil es unhöflich gewesen wäre, man sagt auf eine Bitte nicht Nein und maßt sich nicht an, unangenehme Wahrheiten zu verkünden.
Man hätte also noch ein paar Tage damit verbringen können, dem Personal beim ergebenen Lächeln und eifrigen Blättern zuzuschauen.
Nun kann ich nicht beurteilen, ob das wirklich so stimmt, aber wenn ich mir die Pressekonferenzen zum GAU in japan so anschaue, macht es doch wahrhaft Sinn.
Offensichtlich muß die Welt schon selber drauf kommen, daß der (Super?)GAU schon längst passiert ist.

4 Gedanken zu „Japanische Zurückhaltung

  1. Alexis Solvey Viorsdottir

    Soweit ich weiß, sind Japaner wirklich so. Aber sicher nur die, die keine Erfahrung mit westlichen Touris haben (finde es irritierend, dass Leute aus einem Touri-Büro so reagieren aber okay, kann ja sein. wer weiß).

    Ich weiß sicher, dass Japaner auch in alltäglichen Gesprächen eher nicht “Nein” sagen, sondern ausweichend reagieren. Selbst die, die schon eine Zeit lang hier in D. leben. Es wäre eine wirklich große Unhöflichkeit und in ihren Augen sehr grob. Für uns Westler ist das irritierend aber die Kultur ist eben eine ganz andere.
    Ich habe mich eine Weile intensiv mit Japan beschäftigt weil ich hin reisen wollte (jetzt wird das wohl nix mehr).
    Gibt ein paar ganz tolle Bücher über den Kulturschock, den man meistens erleidet, wenn man nach Tokyo fliegt.

    LG
    Alexis

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  2. wortschnittchen (Gast)

    Mir macht das Geschehen in Japan nur noch gnadenlose Angst. Alles, was dort passiert und passiert ist, wird über die Nahrungskette und/oder klimatische Verhältnisse früher oder später uns betreffen. Das war schon bei Tschernobyl so. Und so, wie es aussieht, ist die Situation in Japan ja weit davon entfernt, im Griff zu sein, also noch weniger als in Tschernobyl. Fucking scary.

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  3. timanfaya

    einem japaner kannst du einen glühenden brennstab in die hand drücken – und er würde sich erst artig dafür bedanken, bevor er etwas anderes macht. einerseits hat diese mentalität in dieser katastrophe sehr genutzt (bestand der öffentlichen ordnung), andererseits liegt im auge des sturms natürlich genau da auch das problem. aber es ist eh wurscht. die katastrophe ist nicht groß genug, als das sie weltweit zur besinnung rufen könnte. und die fakten haben sich dadurch auch nicht geändert. die endlagerfrage ist nicht gelöst – und auch nicht lösbar. keine politische ordnung hält 1 million jahre und länger (diese zahl ist eden meisten menschen ohnehin nicht bewußt), von den fässern brauchen wir mal garnicht zu reden. das wußte man aaber auch schon vor 40 jahren- und hat das einfach mal vertagt. das kann der mensch eh am besten. so gut die japaner sich auch auf große beben vorbereiten, ein ding lassen sie dabei immer außer acht: wenn es tokyo richtig hart trifft (also ein ähnliches beben mit einem epizentrum in stadtnähe) werden wir bilder von millionen verhungerten menschen im fernsehen zu gesicht bekommen. allein, weil man garnicht mehr durch die straßen käme. dagegen ist so ‘ne dampfende halle sehr virtuell. das gilt für san francisco natürlich genau so. solche städte versorgt man nach dem zusammenbruch mal nicht so eben. wissen müßte das eigentlich jeder. aber die kosten, um dem vorzubeugen, die scheut natürlich auch jeder …

    mit anderen worten: das ding ist durch, das spiel schon lage verloren. es geht nur noch um schadensbegrenzung.

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